Mistkäfer

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Waldmistkäfer mit grünblau glänzendem Panzer, rotbraunen Fühlerkeulen und bedornten Beinen auf hellem Waldboden
Jhnns / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0

Kurz erklärt

Mistkäfer sind kräftige, dunkel glänzende Käfer, die Kot von Pflanzenfressern fressen und tief in den Boden schaffen. Dort legen sie Brutkammern für ihre Larven an. Bei uns leben unter anderem der Waldmistkäfer, der Frühlingsmistkäfer und der Stierkäfer. Mistkäfer sind sehr nützlich: Sie räumen Kuhfladen und Pferdeäpfel weg, düngen und lockern den Boden.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameGeotrupidae
Abstammung
  • Klasse: Insekten (Insecta)
  • Ordnung: Käfer (Coleoptera)
  • Überfamilie: Blatthornkäfer (Scarabaeoidea)
  • Familie: Mistkäfer (Geotrupidae)
KörpergrößeWeltweit je nach Art 5 bis 45 mm; die heimischen Arten der Gattung Geotrupes 10 bis 26 mm, Waldmistkäfer und Frühlingsmistkäfer 12 bis 20 mm
ErnährungVor allem Kot von Pflanzenfressern wie Rindern, Pferden, Schafen, Rehen oder Kaninchen; manche Arten auch verrottendes Laub, Humus oder Pilze; die Larven fressen Vorräte, die die Eltern in den Boden schaffen
LebenserwartungDie Entwicklung vom Ei zum fertigen Käfer dauert etwa ein Jahr (Stierkäfer); die Larve des Waldmistkäfers braucht rund 10 Monate
SozialverhaltenLeben versteckt im Boden; die Brutbaue legt je nach Art das Weibchen allein oder ein Paar gemeinsam an
HerkunftVor allem Nordhalbkugel
Verbreitung Die eigentlichen Mistkäfer (Geotrupinae) leben in Europa, Nordafrika, Asien und in Amerika von Kanada bis El Salvador; eine kleine Unterfamilie im Süden Südamerikas AfrikaAsienEuropaNordamerikaSüdamerika
EntdeckungGroßer Mistkäfer, Frühlingsmistkäfer und Stierkäfer 1758 von Linnaeus beschrieben
SonstigesGruppenseite: Die Familie umfasste nach einer Zählung von 1996 rund 620 Arten in 68 Gattungen, einschließlich einer heute oft als eigene Familie geführten Gruppe. In Mitteleuropa leben 12 Arten. Eine Gesamteinstufung auf der Roten Liste gibt es nicht. In Deutschland gilt der Große Mistkäfer als stark gefährdet, der Waldmistkäfer als ungefährdet (Rote Liste 2021).

Was sind Mistkäfer?

Mistkäfer (Geotrupidae) sind eine Familie der Käfer und gehören zu den Blatthornkäfern, wie auch Maikäfer oder Hirschkäfer. Der wissenschaftliche Name kommt aus dem Griechischen: "geos" bedeutet Erde, "trypetes" Bohrer. Er beschreibt gut, was die Käfer tun: Sie graben Gänge tief in den Boden.

Wie viele Arten es gibt, hängt davon ab, wie man die Familie abgrenzt. Eine Übersicht von 1996 nennt rund 620 Arten in 68 Gattungen weltweit. Darin ist aber auch eine Gruppe enthalten, die manche Fachleute inzwischen als eigene Familie ansehen. In Mitteleuropa leben nach Angaben von Senckenberg 12 Arten aus der Familie der Mistkäfer.

Mistkäfer, Dungkäfer oder Pillendreher? Die Begriffe

Im Alltag nennt man fast jeden Käfer, der Kot frisst, einen Mistkäfer. Fachlich steckt dahinter aber mehr als eine Gruppe. Das Lexikon der Biologie unterscheidet:

  • Mistkäfer im weiteren Sinn: Damit sind alle Blatthornkäfer gemeint, die von Dung und Kot leben. Allein in Mitteleuropa sind es je nach Quelle etwa 130 bis 140 Arten. Weltweit kennt man annähernd 10.000 Arten kotfressender Käfer.
  • Mistkäfer im engeren Sinn: Das sind die Geotrupidae, um die es auf dieser Seite geht. Ältere Werke führen sie als Unterfamilie Geotrupinae der Blatthornkäfer, heute gelten sie meist als eigene Familie. Typisch für sie sind ein hoch gewölbter Körper, Grabbeine und tiefe Brutgänge unter dem Dunghaufen.
  • Pillendreher: Sie gehören zu einer anderen Unterfamilie (Scarabaeinae). Sie formen aus Dung eine Kugel und rollen sie rückwärts laufend weg, bevor sie sie vergraben. Bekanntester Vertreter ist der Heilige Pillendreher (Scarabaeus sacer), den die alten Ägypter als Sinnbild des Sonnengottes verehrten. In Deutschland kommt nur ein Pillendreher vor, Sisyphus schaefferi, und zwar selten und nur lokal in warmen Gegenden, vor allem im Süden.
  • Dungkäfer: So heißen vor allem die kleinen Arten der Gattung Aphodius und ihre Verwandten (Aphodiinae), meist 3 bis 15 mm lang. Allein bei uns gibt es davon über 80 Arten. Die Weibchen legen ihre Eier meist direkt in den Kot.

Ein Mistkäfer im engeren Sinn ist also kein Pillendreher: Er rollt keine Kugel über den Boden, sondern schafft den Dung durch einen Schacht direkt unter sich in die Erde.

Aussehen und Körperbau

  • Größe: Weltweit sind Mistkäfer je nach Art 5 bis 45 mm lang. Die heimischen Arten der Gattung Geotrupes messen 10 bis 26 mm.
  • Form: Der Körper ist oval oder rund und stark gewölbt.
  • Farbe: Viele Arten sind schwarz oder dunkel blauschwarz, manche glänzen metallisch blau, grün oder violett. Weltweit gibt es auch gelbliche, braune und rotbraune Arten.
  • Kopf: Der Kopf ist nicht nach unten gebogen. Bei manchen Arten trägt er Höcker oder ein Horn.
  • Fühler: Die Fühler haben 11 Glieder. Die letzten drei bilden eine kleine Keule, typisch für Blatthornkäfer.
  • Beine: Die Vorderbeine sind am Außenrand gezähnt und wie kleine Schaufeln zum Graben gebaut.
  • Flügel: Unter den harten Deckflügeln liegen gut entwickelte Hinterflügel. Viele Mistkäfer fliegen nachts und kommen manchmal zu Lampen.
  • Zirpen: Die meisten erwachsenen Mistkäfer und auch ihre Larven können durch Reiben bestimmter Körperteile Geräusche erzeugen.

Heimische Mistkäfer

In Deutschland sind folgende Arten bekannt (Rote Liste Deutschlands 2021):

  • Waldmistkäfer (Anoplotrupes stercorosus): 12 bis 20 mm. Unsere häufigste Art, in allen Regionen Deutschlands sehr häufig. Er lebt vor allem in Wäldern und legt dort im Frühjahr seine Brutgänge an. Ungefährdet.
  • Frühlingsmistkäfer (Trypocopris vernalis): 12 bis 20 mm. In allen Regionen vorhanden und stellenweise häufig, vor allem in offenen Sandgebieten. Ungefährdet.
  • Stierkäfer (Typhaeus typhoeus): Die Männchen tragen drei nach vorn gerichtete "Hörner" am Halsschild. Er lebt in Heiden und lichten Kiefernwäldern mit Sandboden und nutzt gern Kaninchenkot. Ungefährdet. Mehr dazu unten.
  • Großer Mistkäfer oder Rosskäfer (Geotrupes stercorarius): Früher weit verbreitet und häufig. Seit einigen Jahren geht der Bestand aus unbekannten Gründen stark zurück. Heute stark gefährdet.
  • Geotrupes spiniger: In allen Regionen im Offenland, besonders im Flach- und Hügelland. Ungefährdet, der Bestand hat langfristig zugenommen.
  • Geotrupes mutator: Früher stellenweise die häufigste große Mistkäferart, heute extrem selten. Stark gefährdet.
  • Alpenmistkäfer (Trypocopris alpinus): Eine Art des Hochgebirges, in Deutschland nur in den bayerischen Alpen.
  • Zwei Arten gelten in Deutschland als verschollen: Sericotrupes niger, zuletzt 1985 bis 1987 in der Pfalz gefunden, und Trypocopris pyrenaeus, von dem es nur alte Belege aus dem Schwarzwald gibt.

Zur Familie gehört auch der Rebschneider (Lethrus apterus) aus den Steppen im Südosten Mitteleuropas. Er frisst keinen Dung. Stattdessen stopft er frische Pflanzentriebe in seine Gänge und lässt sie gären, bevor seine Larven sie fressen. Weil er dabei manchmal auch Triebe von Weinreben abbeißt, bekam er seinen Namen.

Ernährung

Die meisten Mistkäfer fressen den Kot von Pflanzenfressern, bei uns vor allem von Rindern und Pferden, daneben von Schafen, Rehen und Kaninchen. Den passenden Dunghaufen finden sie mit dem Geruchssinn. Je nach Art fressen Mistkäfer aber auch verrottendes Laub, Humus oder Pilze. Von manchen Arten fressen die erwachsenen Käfer offenbar gar nichts.

Die Larven fressen die Vorräte, die ihre Eltern in den Boden geschafft haben: Dung, totes Laub oder Humus.

Verhalten und Fortpflanzung

Versteckt im Boden: Erwachsene Mistkäfer verbringen den größten Teil ihres Lebens in ihren Gängen. Viele Arten sind nachtaktiv.

Brutbau: Nach der Paarung graben Mistkäfer einen senkrechten Schacht unter oder neben einem Dunghaufen. Je nach Art ist er 15 cm bis 2 m tief, bei einigen Arten sogar bis 3 m. Vom Schacht gehen Seitengänge ab, die in Brutkammern enden. Die Kammern stopfen die Käfer mit Dung oder Laub voll und legen in jede ein Ei. Je nach Art arbeitet das Weibchen allein oder ein Paar gemeinsam.

Entwicklung: Aus dem Ei schlüpft eine weißliche, C-förmig gekrümmte Larve. Sie frisst den Vorrat in ihrer Kammer, verpuppt sich und schlüpft als fertiger Käfer. Beim Waldmistkäfer dauert die Entwicklung der Larve etwa 10 Monate, beim Stierkäfer vom Ei bis zum Käfer etwa ein Jahr. Um ihre Larven kümmern sich die Eltern nach dem Eintragen der Vorräte nicht mehr.

Ungebetene Gäste: Ein kleiner Dungkäfer, Aphodius porcus, legt seine Eier in die Brutgänge des Waldmistkäfers. Seine Larven leben dann von den Vorräten, die der Waldmistkäfer angelegt hat.

Der Stierkäfer: Insekt des Jahres 2024

Der Stierkäfer wurde zum Insekt des Jahres 2024 in Deutschland, Österreich und der Schweiz gewählt. Er ist schwarz glänzend und 14 bis 20 mm groß. Die Männchen tragen drei "Hörner" am Halsschild, die beiden äußeren zeigen wie bei einem Stier nach vorn. Mit ihnen kämpfen sie gegen Rivalen und schützen ihre Nistplätze. Die Weibchen haben nur einen schmalen Kiel und kleine Höcker.

Der Stierkäfer ist ein Kraftprotz: Er kann mehr als das 1.000-Fache seines eigenen Körpergewichts ziehen. Diese Kraft braucht er, um Kot in die engen Gänge seiner Brutkammern zu schieben. Dafür gräbt er einen 1 bis 2 cm breiten und bis zu 1,5 m tiefen Schacht in den lockeren Sandboden. Man kann ihn sogar an frostfreien Wintertagen beobachten.

Warum Mistkäfer so wichtig sind

Mistkäfer und andere kotfressende Käfer sorgen dafür, dass frischer Kot schnell verschwindet. Bei uns sind Kuhfladen und Pferdeäpfel durch ihre Arbeit meist innerhalb weniger Tage von der Bodenoberfläche verschwunden. Das hat viele Vorteile:

  • Dünger: Die Nährstoffe aus dem Kot gelangen in den Boden und kommen den Pflanzen zugute.
  • Lockerer Boden: Die tiefen Gänge lockern und belüften die Erde.
  • Weniger Parasiten: In schnell abgebautem Kot können sich weniger Würmer und Fliegen entwickeln, die Weidetiere befallen.
  • Samen verteilen: Mit dem Kot tragen die Käfer auch Pflanzensamen in den Boden.
  • Klimaschutz: Die Käfer verringern die Menge an Treibhausgasen, die aus Kuhfladen entweicht.

Allein in Großbritannien wurde der Wert dieser kostenlosen Arbeit kotfressender Käfer auf über 400 Millionen Euro pro Jahr berechnet.

Gefährdung

Die Rote Liste der IUCN bewertet einzelne Arten, nicht die ganze Familie. In Deutschland sind laut Roter Liste (2021) der Große Mistkäfer und Geotrupes mutator stark gefährdet, zwei Arten verschollen. Waldmistkäfer, Frühlingsmistkäfer und Stierkäfer gelten dagegen als ungefährdet.

Insgesamt gehören kotfressende Käfer zu den am stärksten bedrohten Insektengruppen. Seit Mitte der 1980er-Jahre gehen viele Bestände weltweit stark zurück. Die Gründe:

  • Wurmmittel: Weidetiere bekommen oft vorbeugend Mittel gegen Würmer. Die Wirkstoffe werden mit dem Kot ausgeschieden und schaden den Käfern und ihren Larven. Sie sterben oder vermehren sich schlechter.
  • Stallhaltung: Gülle und Mist aus dem Stall können die Käfer praktisch nicht nutzen. Sie brauchen den Dung von Tieren auf der Weide.
  • Lebensraumverlust: Arten wie der Stierkäfer verlieren Heiden und offene Sandflächen.

Fachleute fordern deshalb, Wurmmittel nur bei echtem Bedarf zu geben und Nutztiere wieder mehr auf die Weide zu lassen.

Häufige Fragen zum Mistkäfer

Ist ein Mistkäfer dasselbe wie ein Pillendreher?

Nein. Pillendreher formen Dungkugeln und rollen sie weg, bevor sie sie vergraben. Mistkäfer im engeren Sinn graben einen Schacht unter dem Dunghaufen und ziehen den Dung direkt nach unten. Im Alltag werden beide Gruppen aber oft Mistkäfer genannt.

Was frisst ein Mistkäfer?

Vor allem Kot von Pflanzenfressern wie Rindern, Pferden, Schafen oder Kaninchen. Manche Arten fressen auch verrottendes Laub, Humus oder Pilze. Die Larven leben von Vorräten, die ihre Eltern in den Boden schaffen.

Wie groß wird ein Mistkäfer?

Weltweit messen Mistkäfer je nach Art 5 bis 45 mm. Bei uns sind die meisten Arten 1 bis 2,6 cm lang. Der häufige Waldmistkäfer erreicht 12 bis 20 mm.

Warum sind Mistkäfer nützlich?

Sie räumen Kot in wenigen Tagen weg, düngen und lockern den Boden. Dadurch können sich weniger Parasiten entwickeln, und aus Kuhfladen entweichen weniger Treibhausgase.

Wann sieht man Mistkäfer?

Viele Mistkäfer sind nachts aktiv und leben versteckt im Boden. Der Waldmistkäfer legt seine Brutgänge im Frühjahr an. Den Stierkäfer kann man sogar an frostfreien Wintertagen beobachten.

Welcher Mistkäfer ist bei uns am häufigsten?

Der Waldmistkäfer. Er kommt in allen Regionen Deutschlands vor und ist in Wäldern sehr häufig. Die Rote Liste stuft ihn als ungefährdet ein.

Ähnliche Tiere

  • Käfer - Überblick über die artenreichste Tiergruppe der Welt
  • Maikäfer - ebenfalls ein Blatthornkäfer, dessen Larven im Boden leben
  • Nashornkäfer - Blatthornkäfer, bei dem die Männchen ein großes Horn tragen
  • Hirschkäfer - steht ebenfalls auf der Roten Liste der Blatthornkäfer
  • Rosenkäfer - metallisch glänzender Blatthornkäfer
  • Herkuleskäfer - ein riesiger Verwandter aus den Tropen

Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Mistkäfer
5 mm bis 4,5 cm

Der Mistkäfer ist mit 5 mm bis 4,5 cm ein echtes Leichtgewicht auf der Größenskala. Selbst ein Fußball (22 cm) überragt ihn um ein Vielfaches. Dafür passt der Mistkäfer bequem auf eine Handfläche - ziemlich praktisch!