Möwe

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Nahaufnahme einer Möwe mit weißem Kopf, grauem Rücken, gelbem Schnabel mit rotem Fleck und rot umrandetem Auge vor blauem Meer
Stefano Corso / Wikimedia Commons / CC BY 2.0

Kurz erklärt

Möwe ist kein Artname, sondern der Sammelname für eine große Vogelgruppe. In Mitteleuropa sind vor allem fünf Arten häufig: Lachmöwe, Sturmmöwe, Heringsmöwe, Silbermöwe und Mantelmöwe. Möwen sind Allesfresser und brüten in lauten Kolonien. Über Salzdrüsen am Kopf werden sie überschüssiges Salz wieder los und können deshalb auch Meerwasser trinken.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameLaridae
Abstammung
  • Klasse: Vögel
  • Ordnung: Regenpfeiferartige
  • Familie: Möwen (Laridae)
Körpergröße54 bis 60 cm
Körpergewicht970 g
ErnährungAllesfresser: Fische, Krebse, Würmer, Muscheln, Aas, Eier und Abfälle
LebenserwartungBeringte Möwen wurden über 30 Jahre alt
SozialverhaltenBrütet in Kolonien
HerkunftUnbekannt
Verbreitung Weltweit, besonders an Küsten und Binnengewässern
SonstigesDie Steckbriefwerte gelten für die Silbermöwe, die bekannteste Art an Nord- und Ostsee: 54 bis 60 cm groß (NABU), im Mittel 970 g schwer (BTO). Andere häufige Arten Mitteleuropas: Lachmöwe 35 bis 39 cm, Sturmmöwe 40 bis 46 cm, Heringsmöwe 48 bis 56 cm, Mantelmöwe 61 bis 74 cm.

Was ist eine Möwe?

"Möwe" ist kein einzelner Artname, sondern der Name für eine ganze Vogelgruppe. Die Familie der Möwen (Laridae) umfasst rund 50 Arten. Sie leben weltweit, die meisten davon auf der Nordhalbkugel an Meeresküsten, Flüssen und Seen. Wer am Strand eine Möwe sieht, hat also immer eine bestimmte Art vor sich, und die zu erkennen ist gar nicht so schwer.

In Mitteleuropa sind vor allem fünf Arten häufig:

  • Lachmöwe (35 bis 39 cm, Spannweite 86 bis 99 cm): die kleinste der fünf und die Möwe, die man am häufigsten im Binnenland sieht. Im Sommer trägt sie einen dunkelbraunen, fast schwarz wirkenden Kopf mit weißem Augenring, im Winter nur noch einen dunklen Ohrfleck. Schnabel und Beine sind rot.
  • Sturmmöwe (40 bis 46 cm, Spannweite 100 bis 115 cm): etwas größer als die Lachmöwe, weiß mit grauem Rücken. Ihr Kopf ist rund, der schlanke Schnabel grünlichgelb und ohne roten Fleck.
  • Heringsmöwe (48 bis 56 cm, Spannweite 117 bis 134 cm): weiß mit dunkelgrauem Rücken, gelbem Schnabel mit rotem Fleck und gelben Beinen.
  • Silbermöwe (54 bis 60 cm, Spannweite 123 bis 148 cm): hellgrauer Rücken, schwarze Flügelspitzen mit weißen Anteilen, fleischrosa Beine und ein gelber Schnabel mit rotem Punkt.
  • Mantelmöwe (61 bis 74 cm, Spannweite 144 bis 170 cm): die größte Art bei uns, mit schwärzlichem Rücken, kräftigem gelbem Schnabel und matt rosa Beinen.

Aussehen und Körperbau

Möwen werden je nach Art 28 bis 81 Zentimeter groß, die Flügelspannweite reicht von 65 bis 170 Zentimetern. Fast alle sind weiß und grau gefärbt, oft mit schwarzen Abzeichen an Kopf, Flügeln und Schwanz. Der Körper ist kräftig gebaut, der starke Schnabel an der Spitze leicht gekrümmt. Die zugespitzten Flügel erlauben kraftvollen Ruderflug ebenso wie ausdauerndes Segeln und wendige Flugmanöver. Große Arten wie die Mantelmöwe schlagen beim Segeln nur selten mit den Flügeln.

Die drei nach vorn gerichteten Zehen sind durch eine Schwimmhaut verbunden. Der Schwanz ist kurz und endet meist gerade.

Männchen und Weibchen sind gleich gefärbt, Männchen sind manchmal etwas größer und haben ein kantigeres Kopfprofil. Wer eine Möwe bestimmen will, achtet deshalb auf Größe und auf die Farbe von Rücken, Beinen und Schnabel.

Der rote Fleck am Unterschnabel der Großmöwen hat eine Aufgabe: Die Küken tippen ihn mit dem Schnabel an und lösen damit die Fütterung aus. Dieses Verhalten gehört zu den bekanntesten Studienobjekten der Verhaltensforschung.

Jungvögel sehen ganz anders aus als ihre Eltern. Sie tragen ein bis vier Jahre lang ein zunächst überwiegend braunes Jugendkleid. Lachmöwen dürfen zum Beispiel erst in ihrem dritten Lebensjahr in die Brutkolonie, wenn ihr Kopf eindeutig dunkel gefärbt ist.

Verbreitung und Lebensraum

Der typische Lebensraum der Möwen ist die Küste, doch längst nicht jede Art hält sich ans Meer.

Die Lachmöwe fühlt sich an Gewässern aller Art wohl und bevorzugt sogar große Süßgewässer im Binnenland. Auf dem offenen Meer trifft man sie seltener. Die Sturmmöwe ist besonders anpassungsfähig: Sie lebt an Küsten ebenso wie an Seen, Flüssen, in Mooren und Häfen. Silbermöwen sind überwiegend an den Küsten zu Hause, gehen aber auch im Binnenland auf Nahrungssuche und brüten inzwischen in Städten. In Berlin brüten sie zum Beispiel auf dem Bundeskanzleramt. Mantelmöwen bleiben am stärksten am Meer und brüten an unwegsamen Stellen wie Steilküsten und Felseninseln.

Manche Arten ziehen im Winter. Die Heringsmöwe fliegt im Spätsommer und Herbst entlang großer Flüsse nach Südosten bis nach Afrika, bleibt aber immer häufiger auch im Winter auf der Nordsee. Lachmöwen, Sturmmöwen, Silbermöwen und Mantelmöwen sind bei uns Jahresvögel. Im Winter kommen zusätzlich Vögel aus nördlichen Brutgebieten dazu.

Ernährung

Möwen sind Allesfresser, und das ist ein großer Vorteil. Auf dem Speiseplan stehen Fische, Krebse, Muscheln, Würmer, Insekten, Aas, Eier, Früchte, Sämereien und Abfälle.

Jede Art hat dabei ihre eigene Technik. Lachmöwen folgen in großen Scharen dem Traktor über frisch gepflügte Felder und picken Regenwürmer und Insekten aus der Erde. Heringsmöwen suchen im Flug nach Fischen und tauchen aus einigen Metern Höhe plötzlich ein, außerdem begleiten sie Fischkutter und holen sich die Abfälle. Mantelmöwen fangen Fische im Stoßtauchen, viel häufiger aber jagen sie anderen Vögeln die Beute ab. Selbst Seeadler und Heringshaie lassen sie sich nicht entgehen. Zusätzlich fressen sie Eier und Jungvögel anderer Arten.

In Häfen und an Promenaden warten vor allem Silbermöwen und Mantelmöwen auf Essensreste und Fischereiabfälle. Deshalb wirken Möwen dort oft so wenig scheu.

Warum Möwen Meerwasser trinken können

Über den Augen sitzen bei Vögeln paarige Nasendrüsen. Bei Meeresvögeln wie den Möwen sind sie besonders gut ausgebildet und heißen deshalb Salzdrüsen. Sie filtern überschüssiges Kochsalz aus dem Blut und geben ein stark salzhaltiges Sekret über Ausführgänge an die Nasenlöcher ab. Von dort läuft es in einer Rinne zur Schnabelspitze oder wird als feiner Nebel abgegeben.

Die Drüsen bestehen aus mehreren tausend winzigen Kanälchen, die von Blutkapillaren umsponnen sind. Das ausgeschiedene Sekret kann doppelt so salzig sein wie Meerwasser. Möwen können deshalb Salzwasser trinken, ohne zu verdursten. Funktionsfähige Salzdrüsen sind bei 13 Vogelordnungen nachgewiesen, unter anderem bei Sturmvögeln, Gänsevögeln, Flamingos sowie Wat- und Möwenvögeln.

Verhalten und Stimme

Möwen sind gesellig und brüten in Kolonien, die sehr laut werden können. Sturmmöwen und Lachmöwen sieht man oft in großen Ansammlungen, Silbermöwen eher in lockeren Gruppen. Zum Ruhen stellen sich Möwen gern auf ein Bein oder stecken den Schnabel unter den Flügel.

Jede Art hat ihre eigene Stimme. Die Lachmöwe krächzt schneidend "krriärr" oder "kräääh", aneinandergereiht klingt das wie spöttisches Gelächter, was ihr den Namen eingebracht hat. Die Sturmmöwe ruft hell und schrill "gliio" oder nasal "kiäää". Die Silbermöwe hat ein großes Repertoire aus jauchzenden, krächzenden, miauenden und bellenden Lauten, ihr Warnruf ist ein schallendes "gag-ag-ag". Die Mantelmöwe ruft am tiefsten und rauesten, von ihr hört man ein kehlig kratzendes "kao".

Fortpflanzung und Nachwuchs

Möwen nisten in Kolonien an felsigen und sandigen Küsten, auf Inseln und in den Verlandungszonen von Flüssen und Seen. Das Nest kann ein umfangreicher Bau aus Stängeln, Halmen und Algen sein, bei der felsbrütenden Dreizehenmöwe fehlt es praktisch ganz. Lachmöwen und Sturmmöwen bauen am Boden, gern etwas erhöht und in Wassernähe. Mantelmöwen brüten oft mitten in Kolonien anderer Möwenarten und suchen sich dort erhöhte Plätze.

Das Gelege besteht meist aus zwei bis drei grünlichen, dunkel gesprenkelten Eiern. Nach 21 bis 26 Tagen schlüpfen die Jungen. Bei der Silbermöwe sind es typisch drei Eier, und es dauert 28 bis 30 Tage bis zum Schlupf. Die Küken schlüpfen im Daunenkleid, bleiben aber am Nest und werden von den Eltern versorgt. Bei allen hier genannten Arten kümmern sich beide Elternteile um Nest und Nachwuchs. Junge Silbermöwen sind nach 35 bis 40 Tagen flügge.

Möwen können sehr alt werden. Die älteste beringte Sturmmöwe war nach Angaben des NABU über 33 Jahre alt.

Bestand und Gefährdung

In Deutschland ist die Lachmöwe mit 110.000 bis 135.000 Brutpaaren die häufigste Art, ihr Bestand gilt als stabil. Es folgen die Heringsmöwe mit 38.000 bis 41.000 Paaren, deren Bestand sich verdoppelt hat, die Silbermöwe mit 22.000 bis 24.000 Paaren und die Sturmmöwe mit 16.500 bis 18.000 Paaren. Am seltensten ist die Mantelmöwe: Von ihr brüten hier nur 160 bis 200 Paare, allerdings mit stark steigender Tendenz.

Nicht gefährdet sind Lachmöwe, Sturmmöwe, Heringsmöwe und Mantelmöwe. Die Silbermöwe steht seit 2020 auf der Vorwarnliste der Roten Liste, ihr Bestand ist um 48 Prozent zurückgegangen. Als mögliche Ursache nennt der NABU den Klimawandel: Die Vögel finden womöglich nicht mehr genug Muscheln und andere Meerestiere.

Häufige Fragen zur Möwe

Wie groß wird eine Möwe?

Das hängt von der Art ab. Die Lachmöwe misst 35 bis 39 Zentimeter, die Sturmmöwe 40 bis 46, die Heringsmöwe 48 bis 56, die Silbermöwe 54 bis 60 und die Mantelmöwe 61 bis 74 Zentimeter. Die Flügelspannweite reicht von 86 Zentimetern bei der Lachmöwe bis 170 Zentimetern bei der Mantelmöwe.

Warum heißt die Lachmöwe Lachmöwe?

Wegen ihrer Stimme. Ihr krächzendes "krriärr" klingt, wenn es schnell aneinandergereiht wird, wie spöttisches Gelächter.

Können Möwen Salzwasser trinken?

Ja. Über den Augen sitzen Salzdrüsen, die überschüssiges Salz aus dem Blut filtern. Das Sekret ist doppelt so salzig wie Meerwasser und läuft über die Nasenlöcher ab.

Was fressen Möwen?

Alles, was sie bekommen: Fische, Krebse, Muscheln, Würmer, Insekten, Aas, Eier, Früchte und Abfälle. Mantelmöwen jagen anderen Vögeln sogar die Beute ab.

Warum haben Möwen einen roten Fleck am Schnabel?

Die Küken tippen den Fleck am Unterschnabel mit ihrem eigenen Schnabel an und lösen damit die Fütterung aus. Nicht alle Arten haben ihn: Der Sturmmöwe fehlt er.

Wie alt werden Möwen?

Sehr alt für Vögel. Die älteste beringte Sturmmöwe war nach Angaben des NABU über 33 Jahre alt.

Sind Möwen gefährdet?

Die meisten Arten nicht. Lachmöwe, Sturmmöwe, Heringsmöwe und Mantelmöwe gelten in Deutschland als nicht gefährdet. Die Silbermöwe steht dagegen seit 2020 auf der Vorwarnliste, ihr Bestand ist deutlich geschrumpft.

Ähnliche Tiere

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  • Vögel - alle Vögel im Lexikon
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Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Möwe
54 bis 60 cm

Die Möwe wird 54 bis 60 cm groß - eher kompakt. Auf unserer Größenskala liegt sie zwischen einem Fußball (22 cm) und einem Kind (1,2 m). Im direkten Vergleich ist die Möwe rund 3-mal so groß wie ein Fußball.

Gewichtsvergleich

🪙1-Euro-Münze
7,5 g
🍫Tafel Schokolade
100 g
⚽Fußball
430 g
🧒Kind
25 kg
🧑Erwachsener
75 kg
🚗Auto
1,5 t
🚌Schulbus
12 t
▼Möwe
970 g

Eine Möwe bringt 970 g auf die Waage. Das ist schwerer als ein Fußball (430 g), aber leichter als eine Hauskatze (4 kg).