Motte
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Kurz erklärt
Motten sind kleine Schmetterlinge. Im Alltag meint man damit meist Kleidermotten und Lebensmittelmotten, die in Wohnungen Wolle oder Vorräte anfressen. In der Schmetterlingskunde sind Motten vor allem die Echten Motten, eine Familie mit rund 2.400 Arten, zu der die Kleidermotte gehört. Die häufige Dörrobstmotte, eine Lebensmittelmotte, gehört dagegen zu den Zünslern (Pyralidae). Bei beiden fressen nur die Raupen.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Tineidae |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | Kleine bis mittelgroße Falter: Kleidermotte bis 1 cm lang und bis 15 mm Flügelspannweite, Pelzmotte bis 17 mm, Kornmotte 10 bis 15 mm Spannweite |
| Ernährung | Raupen: Pilze, Flechten, modriges Holz, Gewölle, Kot, Nester, Haare und Federn; in Häusern Wolle, Pelze, Teppiche oder Vorräte. Die Falter haben schwache Mundwerkzeuge, erwachsene Kleidermotten fressen nichts |
| Lebenserwartung | Entwicklungsdauer und Zahl der Generationen hängen stark von der Temperatur ab; in Häusern sind manche Arten ganzjährig aktiv |
| Sozialverhalten | Raupen leben in Röhren aus Spinnfäden oder in zum Teil tragbaren Köchern; Weibchen locken Männchen mit Duftstoffen (Pheromonen) an |
| Verbreitung | Rund 2.400 Arten, vor allem in wärmeren Gebieten; in Mitteleuropa über 60 Arten; einige Arten als Vorrats- und Materialschädlinge weltweit verschleppt AfrikaAsienEuropaNordamerikaSüdamerikaAustralien |
| Sonstiges | Gruppenseite: Eine Gesamteinstufung auf der Roten Liste gibt es nicht. Die Dörrobstmotte, eine häufige Lebensmittelmotte, gehört nicht zu den Echten Motten, sondern zu den Zünslern (Pyralidae). |
Was ist eine Motte?
Motten sind kleine Schmetterlinge. Im Alltag denkt man dabei meist an zwei lästige Mitbewohner: die Kleidermotte, deren Raupen Löcher in Wollpullover fressen, und die Lebensmittelmotte, die sich in Mehl, Nüssen oder Müsli breitmacht.
In der Schmetterlingskunde wird das Wort „Motte“ nicht einheitlich benutzt:
- Im engeren Sinn meint man damit die Familie der Echten Motten (Tineidae). Um sie geht es auf dieser Seite vor allem.
- Als Sammelname fasst „Motten“ mehrere Familien sehr kleiner, meist nachtaktiver Schmetterlinge zusammen.
- Umgangssprachlich nennen viele Menschen jeden unscheinbaren, graubraunen Falter, der nachts fliegt, eine Motte, egal wie groß er ist.
Fachleute halten es für falsch, „Motte“ einfach mit Nachtfalter gleichzusetzen, so wie das englische Wort „moth“. Nicht jeder Nachtfalter ist eine Motte. Und nicht jede Motte im Haus ist eine Echte Motte: Die im Haushalt sehr häufige Dörrobstmotte, eine Lebensmittelmotte, gehört zu einer ganz anderen Familie.
Die Echten Motten (Tineidae)
Zur Familie der Echten Motten gehören weltweit rund 2.400 Arten. Die meisten leben in wärmeren Gebieten der Erde. In Mitteleuropa kommen über 60 Arten vor. Einige Arten haben Menschen mit Vorräten und Waren in alle Welt verschleppt, wo sie heute als Schädlinge in Lagern und Wohnungen leben.
So sehen Echte Motten aus:
- Größe: Es sind kleine bis mittelgroße Falter. Die Kleidermotte wird bis 1 cm lang und erreicht bis 15 mm Flügelspannweite.
- Kopf: dicht mit Schuppen besetzt
- Mundwerkzeuge: schwach entwickelt; erwachsene Kleidermotten fressen gar nichts
- Flügel: schmal und lanzettförmig, mit Fransen am Rand, oft bunt gefärbt
- Raupen: Ihre Bauchbeine sind sogenannte Kranzfüße. Die Raupen leben in Röhren aus Spinnfäden oder in Köchern, die sie zum Teil mit sich herumtragen.
Draußen in der Natur: In der Natur leben die Raupen Echter Motten in und an Pilzen, Flechten und modrigem Holz, in Gewöllen, in Kot, in Nestern und an Haaren. Einige Arten leben auch in Häusern und fressen dort Wolle, Pelze oder Vorräte.
Wärme beschleunigt alles: Wie lange sich eine Echte Motte vom Ei bis zum Falter entwickelt und wie viele Generationen im Jahr entstehen, hängt stark von der Temperatur ab. In beheizten Wohnungen sind manche Arten das ganze Jahr über aktiv.
Echte Motten im Haus
Einige Echte Motten haben sich auf das Leben beim Menschen spezialisiert. Die wichtigsten Arten:
| Art | Aussehen des Falters | Was die Raupen fressen |
|---|---|---|
| Kleidermotte (Tineola bisselliella) | strohgelbe Vorderflügel, bis 15 mm Spannweite | Wolle, Pelze, Teppiche, Federn und Haare |
| Pelzmotte (Tinea pellionella) | glänzend lehmgelbe Flügel mit drei dunklen Flecken, bis 17 mm Spannweite | Felle, Pelze, Wolle, Federn und Teppiche |
| Kornmotte (Nemapogon granellus) | cremefarbene Vorderflügel mit dunklen Flecken, 10 bis 15 mm Spannweite | in Lagern Getreide, Samen, Hülsenfrüchte und Trockenobst; draußen Baumpilze und faules Holz |
| Korkmotte (Nemapogon cloacella) | Aussehen im Lexikon nicht beschrieben; meist eine Generation im Sommer | Trockenpilze, Trockenfrüchte, in Weinkellern auch Korken |
| Tapetenmotte (Trichophaga tapetzella) | milchweiße bis gelbliche Vorderflügel, am Ansatz und an der Spitze dunkel | Stofftapeten, Pelze, Polster, Wolle, Teppiche; draußen Eulengewölle und Hornreste |
Die Kleidermotte
Die bekannteste Echte Motte ist die Kleidermotte. Die erwachsenen Falter sind unscheinbar gelb bis bräunlich und bis 1 cm lang. In Ruhe legen sie die Vorderflügel über die Hinterflügel.
- Raupe: weiß-gelblich mit brauner Kopfkapsel, etwa 9 mm lang. Sie lebt in einer Röhre aus Spinnfäden, die an beiden Enden offen und an der Unterlage festgesponnen ist, und häutet sich bis zu zwölfmal.
- Nahrung: Die Raupen fressen Stoffe, die Keratin enthalten, also Wolle, Haare und Federn. Auch Wollflusen in Ritzen oder Tierhaare im Körbchen von Haustieren genügen ihnen. Baumwolle und andere Pflanzenfasern fressen sie nicht.
- Lieblingsplätze: Kleidermotten mögen Wärme und vertragen Trockenheit gut. Am besten entwickeln sie sich bei etwa 24 °C und mindestens 75 % Luftfeuchtigkeit. Unter 15 °C und über 30 °C geht es ihnen schlecht. Besonders gern befallen sie Kleidung mit Schweiß, Haaren oder Hautschuppen.
- Licht: Alle Entwicklungsstadien der Kleidermotte sind lichtempfindlich.
Mehr dazu steht auf der Seite Kleidermotte.
Kleidermotte oder Lebensmittelmotte?
Viele Menschen werfen alle Motten in einen Topf. Dabei gehören die bekanntesten Lebensmittelmotten gar nicht zu den Echten Motten.
Lebensmittelmotten: Laut Umweltbundesamt sind es vor allem zwei Arten, die in Vorräten auftreten: die Dörrobstmotte (Plodia interpunctella) und die Mehlmotte (Ephestia kuehniella). Auch die Getreidemotte (Sitotroga cerealella) und die Speichermotte (Ephestia elutella) können Lebensmittel befallen. Die Dörrobstmotte gehört zur Familie der Zünsler (Pyralidae).
| Merkmal | Kleidermotte | Dörrobstmotte |
|---|---|---|
| Familie | Echte Motten (Tineidae) | Zünsler (Pyralidae) |
| Falter | gelb bis bräunlich, einfarbig | cremegelbe Vorderflügel, äußere Hälfte rotbraun |
| Größe | bis 1 cm | in Ruhe etwa 8 mm |
| Raupen fressen | Wolle, Haare, Federn | Trockenobst, Nüsse, Schokolade, Getreide, Nudeln, Gewürze |
| Wo man sie findet | Kleiderschrank, Teppiche, Polster | Vorratsschrank, Küche |
Steckbrief Dörrobstmotte: Die Falter leben laut Umweltbundesamt etwa 10 bis 14 Tage, bei genügend Feuchtigkeit nach Angaben der AGES auch zwei bis drei Wochen. Ein Weibchen legt je nach Quelle bis zu 300 oder 200 bis 400 Eier, zum Beispiel in enge Ritzen und Fugen. Wie lange die Entwicklung dauert, wird unterschiedlich angegeben: Das Umweltbundesamt nennt 30 bis 75 Tage und bis zu vier Generationen im Jahr, die AGES für Mitteleuropa im Schnitt fünf bis sechs Monate und meist zwei Generationen, in warmen Räumen auch deutlich mehr. Die Raupen spinnen feine weiße Fäden, die die Vorräte verkleben. Mit ihren Mundwerkzeugen durchlöchern sie sogar Verpackungen. Wie bei der Kleidermotte fressen nur die Raupen, die Falter nehmen keine Nahrung auf.
Vom Ei zum Falter
Motten entwickeln sich in vier Stufen:
- Ei: Das Weibchen legt die Eier dorthin, wo die Raupen später Futter finden.
- Raupe: Sie frisst, wächst und häutet sich mehrmals. Nur in dieser Zeit richten Kleider- und Lebensmittelmotten Schaden an.
- Puppe: Die Kleidermotte verpuppt sich in einem festen Kokon. Die Raupen der Dörrobstmotte wandern zum Verpuppen oft in Ritzen und Spalten.
- Falter: Die erwachsenen Motten paaren sich und legen neue Eier.
Duftlockstoffe: Paarungsbereite Weibchen locken die Männchen mit Duftstoffen an, den Pheromonen. Das nutzt man bei Klebefallen: Sie enthalten den Lockstoff der Weibchen und fangen die Männchen.
Motten in der Wohnung: vorbeugen und bekämpfen
Motten gelangen meist nicht durch das offene Fenster in die Wohnung. Häufiger werden sie mit befallener Kleidung oder befallenen Lebensmitteln und Kartons eingeschleppt. Das Umweltbundesamt rät:
Gegen Kleidermotten:
- Wollsachen, die man länger nicht trägt, gewaschen und dicht verpackt aufbewahren, zum Beispiel in Kleidersäcken
- Kleidung, Decken und Teppiche regelmäßig ausklopfen, lüften und in die Sonne legen
- Ritzen, Fugen und Fußleisten gründlich absaugen und mit Essigwasser auswischen
- Befallene Textilien mindestens 36 Stunden bei -19 °C einfrieren
- Lavendel, Nelken oder Zedernholz helfen höchstens ergänzend, sie schrecken Motten nicht sicher ab
Gegen Lebensmittelmotten:
- Vorräte gleich nach dem Einkauf auf Befall prüfen
- Lebensmittel und Trockenfutter in luftdicht verschließbaren Gefäßen lagern
- Befallene Lebensmittel sofort entsorgen und Schränke mit Essigwasser reinigen
- Trockenes Tierfutter mindestens 24 Stunden bei -18 °C einfrieren
Winzige Helfer: Gegen Motten lassen sich Schlupfwespen einsetzen. Die nur etwa 0,4 mm große Trichogramma evanescens legt ihre Eier in Motteneier, die dadurch absterben. Gibt es keine Motteneier mehr, verschwinden auch die Schlupfwespen. Für Menschen und Haustiere sind sie harmlos. Auf Insektengifte sollte man möglichst verzichten.
Sind Motten gefährlich?
Kleidermotten sind Materialschädlinge. Gesundheitsrisiken für Menschen sind laut Umweltbundesamt nicht bekannt.
Lebensmittelmotten verderben Vorräte mit ihrem Kot und ihren Gespinsten. Sie können Pilze oder Milben einschleppen. Wer befallene Lebensmittel isst, kann Allergien, Hautprobleme oder Magen-Darm-Beschwerden bekommen. Befallene Vorräte gehören deshalb in den Müll.
Gefährdet? Eine Gesamteinstufung der Echten Motten auf der Roten Liste gibt es nicht, bewertet werden höchstens einzelne Arten. Die bekannten Arten im Haus sind weit verbreitet.
Häufige Fragen zur Motte
Was ist der Unterschied zwischen Motte und Nachtfalter?
„Nachtfalter“ ist ein Sammelname für sehr viele Schmetterlinge, die meist nachts fliegen. Als Motten im engeren Sinn gelten nur die Echten Motten (Tineidae), eine Familie sehr kleiner Falter. Jede Echte Motte ist also ein Schmetterling, aber nicht jeder Nachtfalter ist eine Motte.
Was fressen Motten?
In der Natur fressen die Raupen Echter Motten vor allem Pilze, Flechten, modriges Holz, Haare und Federn. Im Haus fressen Kleidermotten-Raupen Wolle und Pelze, die Raupen von Lebensmittelmotten Mehl, Nüsse, Trockenobst und andere Vorräte. Die Falter selbst fressen bei diesen Arten nichts.
Fressen Motten Baumwolle?
Nein, Kleidermotten fressen keine Pflanzenfasern wie Baumwolle. Ihre Raupen brauchen Keratin, das in Wolle, Haaren und Federn steckt.
Woher kommen Motten in der Wohnung?
Meist werden sie eingeschleppt: Kleidermotten mit befallener Kleidung oder Teppichen, Lebensmittelmotten mit befallenen Vorräten oder Kartons. In warmen Monaten können Kleidermotten auch von draußen hereinfliegen.
Wie lange lebt eine Motte?
Das hängt von der Art und vor allem von der Temperatur ab. Falter der Dörrobstmotte leben etwa 10 Tage bis drei Wochen. Die ganze Entwicklung vom Ei bis zum Falter dauert bei ihr je nach Quelle 30 bis 75 Tage oder in Mitteleuropa im Schnitt fünf bis sechs Monate.
Ist die Lebensmittelmotte eine Echte Motte?
Nein. Die Dörrobstmotte, eine der häufigsten Lebensmittelmotten im Haushalt, gehört zur Familie der Zünsler (Pyralidae). Zu den Echten Motten (Tineidae) zählen dagegen die Kleidermotte, die Pelzmotte und die Kornmotte.
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Quellen
- Motten - Lexikon der Biologie, Spektrum Akademischer Verlag
- Tineidae (Echte Motten) - Lexikon der Biologie, Spektrum Akademischer Verlag
- Kleidermotten - Umweltbundesamt
- Lebensmittelmotten - Umweltbundesamt
- Dörrobstmotte - AGES (Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit)
- Tineidae - GBIF (Global Biodiversity Information Facility)