Mungo
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Kurz erklärt
Mungos sind kleine, flinke Raubtiere aus der Familie der Mangusten. Sie sind berühmt dafür, dass sie sogar Giftschlangen wie Kobras angreifen und töten. Zur Familie der Mangusten gehören rund 35 Arten in Afrika, Asien und Südeuropa, darunter auch das Erdmännchen. Mit Mungo sind meist die Arten aus Südasien gemeint.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Herpestidae |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | 18 bis 71 cm |
| Körpergewicht | 200 g bis 5 kg |
| Ernährung | Überwiegend Fleischfresser: Insekten und andere Wirbellose, kleine Wirbeltiere bis hin zu Giftschlangen, manche Arten auch Früchte |
| Lebenserwartung | Je nach Art verschieden, der Kleine Mungo wird in Menschenobhut im Schnitt etwa 8 Jahre alt |
| Sozialverhalten | Meist Einzelgänger, einige Arten wie das Erdmännchen leben in Gruppen |
| Herkunft | Afrika und Südasien |
| Verbreitung | Afrika, Süd- und Südostasien, Arabische Halbinsel, Iberische Halbinsel; auf vielen Inseln vom Menschen eingeführt AfrikaAsienEuropa |
| Sonstiges | Größe und Gewicht gelten für die ganze Familie der Mangusten (Kopf-Rumpf-Länge ohne Schwanz). Der Indische Mungo wird 36 bis 45 cm lang und 0,9 bis 1,7 kg schwer. |
Mungo oder Manguste?
Die beiden Wörter werden oft durcheinander verwendet. Mangusten (Herpestidae) heißt die ganze Familie. Zu ihr gehören rund 35 Arten in 15 Gattungen, von der kleinen Zwergmanguste über die Zebramanguste bis zum Erdmännchen. Das Wort Manguste stammt aus südindischen Sprachen und kam über das Portugiesische nach Europa.
Als Mungos bezeichnet man im Deutschen vor allem die Arten aus Süd- und Südostasien, allen voran den Indischen Mungo (Urva edwardsii) und den Kleinen Mungo. Früher wurden sie zur Gattung Herpestes gezählt, heute stellt man die asiatischen Arten meist in die Gattung Urva. Der Kleine Mungo galt lange als eine einzige Art. Heute unterscheiden viele Fachleute den Kleinen Indischen Mungo (Urva auropunctata) und den Java-Mungo (Urva javanica). Umgangssprachlich wird "Mungo" aber auch für alle Mangusten verwendet, ähnlich wie das englische Wort "mongoose".
Verwirrend ist, dass es auch eine Gattung mit dem wissenschaftlichen Namen Mungos gibt. Zu ihr gehören aber nicht die asiatischen Mungos, sondern die afrikanische Zebramanguste und die Gambia-Manguste.
Körperliche Merkmale
Mangusten haben einen langen, schlanken Körper mit kurzen Beinen. Der Kopf ist im Verhältnis zum Körper klein, die Schnauze spitz, die Ohren sind klein und rund. Der Schwanz ist bei vielen Arten leicht buschig. An den Pfoten sitzen meist fünf, bei manchen Arten vier Zehen mit Krallen, die nicht eingezogen werden können. Viele Arten haben Analdrüsen, die ein streng riechendes Sekret bilden. Im Gebiss sitzen 36 bis 40 Zähne.
Die Arten sind sehr unterschiedlich groß. Die Kopf-Rumpf-Länge reicht von 18 bis 71 Zentimetern, dazu kommt ein 15 bis 53 Zentimeter langer Schwanz. Die kleinsten Mangusten wiegen etwa 200 Gramm, die größten rund 5 Kilogramm.
Der Indische Mungo oder Graue Mungo wird 36 bis 45 Zentimeter lang, der Schwanz misst etwa 35 Zentimeter. Er wiegt 0,9 bis 1,7 Kilogramm. Sein Fell ist silbergrau, die Beine sind dunkler, die Schwanzspitze ist dunkelrot und der Kopf leicht rötlich getönt. Der Kleine Mungo ist deutlich zierlicher: Männchen wiegen im Schnitt etwa 650 Gramm, Weibchen etwa 430 Gramm.
Verbreitung und Lebensraum
Die meisten Mangusten leben in Afrika südlich der Sahara und im Süden Asiens. Eine Art, der Ichneumon, kommt auch auf der Iberischen Halbinsel vor. Ob er dort ursprünglich heimisch ist oder vor langer Zeit vom Menschen eingeführt wurde, ist umstritten.
Der Indische Mungo ist vom Osten der Arabischen Halbinsel über Afghanistan und Pakistan bis zum indischen Subkontinent verbreitet. Mungos bewohnen sehr verschiedene Lebensräume, von trockenen Wäldern und Buschland über Grasland bis in die Nähe von Feldern und Siedlungen.
Mungos als eingeschleppte Tiere
Weil Mungos Ratten und Schlangen jagen, brachte man sie früher gezielt in andere Weltgegenden. 1872 wurden neun Kleine Indische Mungos aus Indien nach Jamaika gebracht, um Ratten auf den Zuckerrohrplantagen zu bekämpfen. Sie vermehrten sich rasch. Nachkommen dieser Tiere kamen 1883 nach Hawaii. Zwischen 1910 und 1927 setzte man Mungos auf dalmatinischen Inseln in Kroatien aus, um Hornottern zu bekämpfen, und um 1910 auch auf Okinawa in Japan. Der Indische Mungo wurde unter anderem auf Mauritius und in Mittelitalien eingeführt.
Die Folgen waren oft verheerend. Die Mungos fraßen nicht nur Ratten, sondern vor allem einheimische Tiere, die keine Erfahrung mit solchen Räubern hatten, zum Beispiel am Boden brütende Vögel, Eidechsen und Schlangen. Auf Inseln weltweit haben eingeschleppte Mungos Dutzende Wirbeltierarten verdrängt und mindestens eine Vogelart ausgerottet. Die Rattenplage bekamen sie dagegen nur teilweise in den Griff. Der Kleine Indische Mungo steht deshalb seit 2016 auf der Liste der invasiven Arten der Europäischen Union.
Ernährung
Mangusten sind überwiegend Fleischfresser. Etwa die Hälfte der Arten ernährt sich vor allem von Insekten und anderen Wirbellosen wie Spinnen, Würmern oder Krabben. Andere Arten jagen auch kleine Säugetiere, Vögel, Eier, Frösche, Eidechsen und Schlangen. Einige, darunter die Mungos, fressen zusätzlich Früchte.
Berühmt sind Mungos als Schlangenjäger. Im Kampf mit einer Kobra weichen sie den Bissen mit blitzschnellen Bewegungen immer wieder aus, bis die Schlange ermüdet. Dann töten sie sie mit einem Biss in den Hinterkopf. Das dichte Fell bietet zusätzlich etwas Schutz vor kurzen Giftzähnen. Außerdem sind Mungos gegen bestimmte Schlangengifte weitgehend unempfindlich: Die Stellen an ihren Nervenzellen, an denen das Nervengift der Kobras normalerweise andockt, sind so verändert, dass das Gift dort kaum wirken kann. Auch giftige Skorpione und Tausendfüßer können Mangusten fressen.
Lebensweise
Mungos sind tagaktiv. Sie leben meist allein oder in lockeren Familiengruppen. So verhalten sich die meisten Mangustenarten. Nur drei Arten leben in festen, großen Gruppen mit komplizierter Rangordnung: das Erdmännchen, die Zwergmanguste und die Zebramanguste. Diese geselligen Arten sind klein, tagaktiv und fressen vor allem Wirbellose.
Fortpflanzung
Bei den Mangusten dauert die Tragzeit je nach Art 40 bis 80 Tage. Die Jungen kommen in einem Bau oder einer geschützten Höhle zur Welt. Bei den einzeln lebenden Arten bekommt das Weibchen ein bis drei Junge und zieht sie allein auf. Bei den geselligen Arten sind es bis zu sechs Junge, die oft von der ganzen Gruppe versorgt werden.
Beim Indischen Mungo dauert die Tragzeit 60 bis 65 Tage. Das Weibchen bekommt zwei bis vier Junge, bis zu dreimal im Jahr. Nach vier bis fünf Wochen werden die Jungen entwöhnt. Beim Kleinen Mungo dauert die Tragzeit etwa 49 Tage, meist kommen zwei Junge zur Welt.
Gefährdung
Die meisten Mangustenarten sind nicht gefährdet. Der Indische Mungo (IUCN 2024: LC) und der Kleine Indische Mungo (IUCN 2016: LC) sind weit verbreitet. Einige wenige Arten mit kleinem Verbreitungsgebiet, zum Beispiel die Liberia-Manguste, gelten dagegen als gefährdet oder potenziell gefährdet.
Mungos in Büchern
Der bekannteste Mungo der Literatur ist Rikki-Tikki-Tavi aus dem "Dschungelbuch" von Rudyard Kipling. In der Geschichte beschützt der junge Mungo eine Familie in Indien vor zwei Kobras. In Indien werden Mungos traditionell mitunter als Haustiere gehalten.
Häufige Fragen zum Mungo
Was ist der Unterschied zwischen Mungo und Manguste?
Manguste ist der Name der ganzen Familie mit rund 35 Arten. Als Mungos bezeichnet man meist die asiatischen Arten wie den Indischen Mungo und den Kleinen Mungo. Im Alltag werden beide Wörter aber oft gleichbedeutend verwendet.
Ist ein Erdmännchen ein Mungo?
Das Erdmännchen gehört zur Familie der Mangusten und ist damit ein Verwandter der Mungos. Ein Mungo im engeren Sinn ist es nicht. Anders als die meisten Mungos lebt es in großen Gruppen.
Sind Mungos immun gegen Schlangengift?
Nicht vollständig, aber gegen das Nervengift von Kobras sind sie weitgehend unempfindlich. Ihre Nervenzellen sind so gebaut, dass das Gift dort kaum andocken kann. Dazu kommen ihre Schnelligkeit und das dichte Fell.
Wo leben Mungos?
Mungos stammen aus Süd- und Südostasien. Andere Mangusten leben vor allem in Afrika. Vom Menschen eingeführt kommen Mungos heute auch auf vielen Inseln in der Karibik, im Pazifik und im Indischen Ozean sowie in Teilen Kroatiens, Italiens und Japans vor.
Ähnliche Tiere
- Erdmännchen - geselliger Verwandter aus dem südlichen Afrika
- Zebramanguste - afrikanische Manguste, die in Gruppen lebt
- Mauswiesel - sieht ähnlich aus, gehört aber zu den Mardern
- Marderhund - ebenfalls ein eingeschlepptes Raubtier, aus der Familie der Hunde
Quellen
- Mangusten - Wikipedia
- Indischer Mungo - Wikipedia
- Herpestes javanicus (Small Indian mongoose) - Animal Diversity Web, University of Michigan
- Small Indian mongoose - Wikipedia (englisch)
- Barchan, D. et al. (1992): How the mongoose can fight the snake: the binding site of the mongoose acetylcholine receptor. PNAS 89, 7717-7721
- Mudappa, D. & Choudhury, A. U. (2024): Urva edwardsii. The IUCN Red List of Threatened Species 2024
Größenvergleich
Ein Mungo erreicht eine Körpergröße von 18 bis 71 cm. Damit passt er bequem zwischen eine 1-Euro-Münze (2,3 cm) und ein Kind (1,2 m) auf unserer Vergleichsskala. Das bedeutet: Der Mungo ist etwa 19-mal so groß wie eine 1-Euro-Münze. Ein Kind wäre dagegen noch rund 3-mal so groß.
Gewichtsvergleich
Ein Mungo bringt 200 g bis 5 kg auf die Waage. Das ist schwerer als eine Tafel Schokolade (100 g), aber leichter als ein Kind (25 kg). Anders ausgedrückt: Der Mungo wiegt so viel wie etwa 26 Tafeln Schokolade.