Nachtigall
Zuletzt aktualisiert:

Kurz erklärt
Die Nachtigall ist ein kleiner, schlicht brauner Singvogel mit rostrotem Schwanz. Berühmt ist sie für ihren lauten, abwechslungsreichen Gesang, den die Männchen auch mitten in der Nacht vortragen. Sie lebt versteckt in dichtem Gebüsch und frisst vor allem Insekten. Den Winter verbringt sie als Zugvogel im tropischen Afrika.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Luscinia megarhynchos |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | Körperlänge etwa 15 bis 17 cm |
| Körpergewicht | Etwa 18 bis 26 g, im Schnitt gut 21 g |
| Ernährung | Vor allem Insekten und ihre Larven, zum Beispiel Käfer, Raupen und Ameisen; im Spätsommer und Herbst auch Beeren |
| Lebenserwartung | Wer das Brutalter erreicht, lebt im Schnitt etwa 2 Jahre; ein in Großbritannien beringter Vogel wurde gut 8 Jahre alt |
| Sozialverhalten | Zur Brutzeit paarweise im Revier; die Männchen verteidigen es mit ihrem Gesang |
| Herkunft | Europa, Nordafrika und Asien |
| Verbreitung | Brutvogel in Süd-, West- und Mitteleuropa, Nordafrika und Vorderasien bis Mittelasien; Winter im tropischen Afrika südlich der Sahara AfrikaAsienEuropa |
| Entdeckung | Erstbeschreibung 1831 durch Christian Ludwig Brehm |
| Gefährdung | LC Nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2024) |
| Sonstiges | In Deutschland brüten etwa 87.000 bis 160.000 Paare, die Art gilt hier als nicht gefährdet. |
Was ist eine Nachtigall?
Die Nachtigall (Luscinia megarhynchos) ist ein Singvogel, den viel mehr Menschen gehört als gesehen haben. Ihr Name verrät, wofür sie bekannt ist: Das althochdeutsche Wort „gal“ bedeutet Gesang. Die Nachtigall ist also die „Nachtsängerin“.
Lange hielt man sie für eine Drossel. Genetische Untersuchungen haben aber gezeigt, dass sie zur Familie der Fliegenschnäpper gehört, genau wie das Rotkehlchen. Schon seit der Antike steht die Nachtigall in Gedichten und Geschichten für Liebe und Tod. Auch in William Shakespeares Theaterstück „Romeo und Julia“ spielt sie eine Rolle.
Aussehen und Körperbau
Größe: Die Nachtigall ist etwa 15 bis 17 cm lang.
Gewicht: Sie wiegt nur etwa 18 bis 26 g. Bei Messungen an lebenden Vögeln in Großbritannien lag der Durchschnitt bei gut 21 g.
Gefieder: Überraschend schlicht für einen so berühmten Sänger. Die ganze Oberseite ist einfarbig braun. Auffälliger sind nur der rostrote Schwanz und der rostrote Bürzel. Die Unterseite ist heller, graubeige bis graubraun. Um das dunkle Auge zieht sich ein undeutlicher heller Ring.
Jungvögel: Junge Nachtigallen sind ockerfarben gefleckt und sehen dadurch ganz anders aus als die Eltern.
Typisches Verhalten: Am Boden bewegt sich die Nachtigall hüpfend. Dabei hebt und senkt sie ihren Schwanz langsam.
Nachtigall oder Sprosser?
Die Nachtigall hat eine sehr ähnliche Schwesterart, den Sprosser (Luscinia luscinia). Im Nordosten Deutschlands ersetzt er die Nachtigall teilweise. Weil sich die beiden so ähnlich sind, nennt man sie Zwillingsarten.
Verbreitung und Lebensraum
Verbreitung: Die Nachtigall brütet in Nordafrika, in Süd-, West- und Mitteleuropa und von Vorderasien bis nach Westsibirien und Mittelasien. Fachleute unterscheiden drei Unterarten. Im Nordwesten Europas, in Skandinavien und in weiten Teilen Osteuropas fehlt sie. In Deutschland lebt sie vor allem im warmen Tiefland. In waldreichen Mittelgebirgen und im Hochgebirge kommt sie kaum vor.
Lebensraum: Nachtigallen brauchen dichtes Gebüsch und Unterholz. Sie leben in lichten Laub- und Auwäldern, oft in der Nähe von Gewässern, an Waldrändern, in Hecken, Parks, auf Friedhöfen und in naturnahen Gärten. Wichtig sind eine dichte Krautschicht und eine Schicht aus altem Laub am Boden, denn dort suchen sie ihre Nahrung. Wo der Lebensraum besonders gut ist, brüten auf 10 Hektar bis zu 20 Paare.
Bestand: In Deutschland brüten nach Angaben des NABU etwa 87.000 bis 160.000 Paare. In Großbritannien ist die Nachtigall dagegen selten geworden: Dort zählte man nach Angaben des BTO im Jahr 2012 nur noch etwa 5.550 Männchen.
Ernährung
Die Nachtigall ist vor allem ein Insektenfresser. Sie sucht ihre Nahrung am Boden im Falllaub und in der Krautschicht. Auf ihrem Speiseplan stehen:
- Insekten und ihre Larven: besonders Käfer, kleine Schmetterlingsraupen, Ameisen und Mücken
- Früchte: im Spätsommer und Herbst auch Beeren und andere Früchte
Der Gesang der Nachtigall
Der Gesang ist das, was die Nachtigall so bekannt macht. Er ist laut, kräftig und sehr abwechslungsreich. Er besteht aus vielen Strophen, die sich deutlich voneinander unterscheiden. Nach Angaben des NABU beherrscht jedes Männchen bis zu 200 verschiedene Strophentypen. Fachliteratur nennt je nach Untersuchung rund 180 bis 260 verschiedene Gesangsvarianten pro Männchen. Besonders bekannt sind die ansteigenden, flötenden Pfeifstrophen. Dazwischen stehen schmetternde und schluchzende Passagen.
Nur die Männchen singen. Die Weibchen geben lediglich kurze Kontakt- und Warnrufe von sich. Der Ruf der Nachtigall klingt knarrend oder krächzend.
Warum singt die Nachtigall nachts?
Forscher haben den Gesang von Nachtigallen über eine ganze Brutsaison verfolgt. Dabei zeigte sich: Nachts singen vor allem Männchen, die noch keine Partnerin haben. Sobald sich ein Weibchen im Revier niederlässt, hören die Männchen mit dem nächtlichen Gesang auf. Verlässt das Weibchen sie wieder, fangen sie erneut an. Der Nachtgesang dient also dazu, ein Weibchen anzulocken.
In einer kurzen Zeit singen aber auch verpaarte Männchen wieder nachts: Während ihr Weibchen die Eier legt, taten sie das in der Studie an durchschnittlich drei Nächten.
Tagsüber singen Nachtigallen ebenfalls, dann vor allem, um ihr Revier gegen andere Männchen zu verteidigen.
Gut versteckt: Nachtigallen singen meist aus dichtem Gebüsch heraus, oft nicht weit über dem Boden. Selbst erfahrene Vogelkundler finden einen singenden Vogel oft nicht, obwohl er nur wenige Schritte entfernt sitzt.
Verhalten und Lebensweise
Zugvogel: Die Nachtigall ist ein Langstreckenzieher. Den Winter verbringt sie im tropischen Afrika nördlich des Äquators, in einem Gürtel vom Senegal im Westen bis nach Äthiopien im Osten. Auf dem Weg dorthin überquert sie Mittelmeer und Sahara. Weil man auf dem Zug in Nordafrika nur wenige Nachtigallen findet, vermuten Fachleute, dass sie diese Strecke in einem einzigen langen Flug zurücklegt.
Rückkehr: Die ersten Nachtigallen kommen im April aus Afrika zurück. Kurz darauf ist in ihren Brutgebieten der Gesang zu hören.
Fortpflanzung und Nachwuchs
Das Nest: Nachtigallen bauen ihr Nest sehr versteckt am Boden oder knapp darüber, im Unterwuchs und im Halbschatten.
Brut in Zahlen (Werte aus britischen Nestkontrollen):
- Eiablage: im Schnitt Mitte Mai, frühestens Anfang Mai
- Gelege: meist 4 bis 5 Eier, selten 2 oder 6
- Eier: etwa 21 mm lang und rund 2,7 g schwer
- Brutdauer: etwa 14 Tage, nur das Weibchen brütet
- Nestlingszeit: etwa 11 bis 13 Tage
- Bruten: eine, manchmal zwei pro Jahr
Die Küken schlüpfen mit etwas Flaum. Sie sind Nesthocker und werden im Nest gefüttert, bis sie es nach knapp zwei Wochen verlassen.
Lebenserwartung: Wer das Brutalter erreicht, lebt nach britischen Beringungsdaten im Schnitt noch etwa zwei Jahre. Weniger als die Hälfte der erwachsenen Vögel überlebt von einem Jahr zum nächsten. Ein in Großbritannien beringter Vogel wurde gut 8 Jahre alt.
Gefährdung und Schutz
Weltweit: Die Nachtigall ist weit verbreitet und häufig. Auf der Roten Liste der IUCN gilt sie als nicht gefährdet (IUCN, 2024).
In Deutschland: Auch hier gilt die Nachtigall als nicht gefährdet.
Probleme: Im Norden Europas und in Großbritannien gehen die Bestände vermutlich zurück. In Großbritannien ist ihr Verbreitungsgebiet nach Daten des BTO um über 40 Prozent geschrumpft. Als Gründe gelten intensivere Landwirtschaft und aufgeräumte Gärten und Parks ohne dichtes Unterholz. Über das Leben der Nachtigall in ihren afrikanischen Winterquartieren ist noch wenig bekannt.
Was hilft: Dichte Hecken, verwilderte Ecken, Gebüsch und liegen gelassenes Laub. Wer im Garten etwas mehr Wildnis zulässt, schafft Lebensraum für die Nachtigall und viele andere Tiere.
Häufige Fragen zur Nachtigall
Wie sieht eine Nachtigall aus?
Die Nachtigall ist ein kleiner, schlanker Vogel von etwa 15 bis 17 cm. Oben ist sie einfarbig braun, unten heller graubeige. Am besten erkennt man sie an ihrem rostroten Schwanz.
Wann singt die Nachtigall?
Nachtigallen singen im Frühjahr und Frühsommer, von ihrer Rückkehr aus Afrika im April bis in die Brutzeit. Unverpaarte Männchen singen tagsüber und nachts, verpaarte vor allem am Tag. Nachts hört man also meist Männchen, die noch eine Partnerin suchen.
Ist die Nachtigall ein Zugvogel?
Ja. Die Nachtigall ist ein Langstreckenzieher und überwintert im tropischen Afrika südlich der Sahara. Im April kehrt sie nach Europa zurück.
Was frisst eine Nachtigall?
Vor allem Insekten und ihre Larven, etwa Käfer, Raupen, Ameisen und Mücken. Im Spätsommer und Herbst frisst sie zusätzlich Beeren.
Wo kann man eine Nachtigall hören?
In Laub- und Auwäldern mit viel Unterholz, an Waldrändern, in Parks, auf Friedhöfen und in naturnahen Gärten mit dichtem Gebüsch. In Deutschland ist sie vor allem im Tiefland verbreitet. Zu sehen ist sie selten, weil sie sehr versteckt singt.
Warum ist die Nachtigall so berühmt?
Wegen ihres Gesangs. Er ist laut, besteht aus sehr vielen verschiedenen Strophen und ist oft mitten in der Nacht zu hören. Deshalb taucht die Nachtigall seit der Antike in Gedichten, Liedern und Theaterstücken auf.
Ähnliche Tiere
- Rotkehlchen - ein naher Verwandter aus der Familie der Fliegenschnäpper
- Singdrossel - ein weiterer brauner Waldvogel mit auffälligem Gesang
- Amsel - ein bekannter Singvogel, der ebenfalls oft in Gärten und Parks zu hören ist
- Mönchsgrasmücke - ein Zugvogel, der wie die Nachtigall dichtes Gebüsch mag
- Zaunkönig - ein winziger, versteckt lebender Vogel mit sehr lauter Stimme
Quellen
- Nachtigall - Vogelporträt des NABU
- Nachtigall - Artenporträt des Landesbunds für Vogel- und Naturschutz (LBV)
- Nightingale - BirdFacts des British Trust for Ornithology (BTO)
- Collar, N. et al. (2025): Common Nightingale (Luscinia megarhynchos). Birds of the World, Cornell Lab of Ornithology
- Amrhein, V., Korner, P. & Naguib, M. (2002): Nocturnal and diurnal singing activity in the nightingale: correlations with mating status and breeding cycle. Animal Behaviour 64
- BirdLife International (2024): Luscinia megarhynchos. The IUCN Red List of Threatened Species
Größenvergleich
Wie groß ist die Nachtigall wirklich? Mit 15 bis 17 cm überragt sie eine 1-Euro-Münze (2,3 cm) deutlich, kommt aber noch nicht an einen Fußball (22 cm) heran. Anschaulich gesprochen: Man müsste etwa 7 1-Euro-Münzen übereinander stapeln, um so groß wie eine Nachtigall zu werden. Selbst eine Biene (1,5 cm) wirkt daneben noch winzig.
Gewichtsvergleich
Die Nachtigall wiegt 18 bis 26 g - eher ein Fliegengewicht in der Tierwelt. Auf der Waage liegt sie zwischen einer 1-Euro-Münze (7,5 g) und einer Tafel Schokolade (100 g). Das entspricht ungefähr dem 3-fachen Gewicht einer 1-Euro-Münze.