Nandu
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Kurz erklärt
Der Nandu ist ein großer, flugunfähiger Laufvogel aus Südamerika und wird bis zu 1,70 Meter hoch. Er lebt im offenen Grasland, frisst vor allem Pflanzen und kann bis zu 60 km/h schnell rennen. Das Besondere: Die Hähne brüten die Eier aus und ziehen die Küken allein groß. Seit etwa 25 Jahren leben Nandus auch frei in Norddeutschland.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Rhea americana |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | Etwa 1,25 bis 1,70 m hoch, je nach Quelle; Hähne etwas größer als Hennen |
| Körpergewicht | Etwa 20 bis 36 kg |
| Ernährung | Allesfresser, ganz überwiegend Pflanzen: Gräser, Kräuter, Hülsenfrüchte, Getreide und Samen; dazu Insekten und kleine Wirbeltiere |
| Lebenserwartung | In Menschenobhut mindestens 13 Jahre belegt, möglicherweise deutlich älter; Höchstalter unbekannt |
| Sozialverhalten | Außerhalb der Brutzeit in Trupps von meist 4 bis 35, manchmal bis 50 Tieren; zur Brutzeit sammelt ein Hahn 2 bis 12 Hennen um sich |
| Herkunft | Südamerika |
| Verbreitung | Argentinien, Bolivien, Brasilien, Paraguay und Uruguay; verwilderter Bestand in Nordwestmecklenburg und im angrenzenden Schleswig-Holstein EuropaSüdamerika |
| Entdeckung | Erstbeschreibung 1758 durch Carl von Linné |
| Gefährdung | NT Potenziell gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2022) |
| Sonstiges | Der Nandu steht in Anhang II des Washingtoner Artenschutzübereinkommens und ist in Deutschland besonders geschützt. In Mecklenburg-Vorpommern unterliegt er seit 2020 dem Jagdrecht. |
Was für ein Vogel ist der Nandu?
Der Nandu (Rhea americana) ist ein großer Laufvogel aus Südamerika. Fliegen kann er nicht, dafür rennt er sehr schnell. Wie der afrikanische Strauß, der australische Emu, die Kasuare und die Kiwis gehört er zu den Laufvögeln, großen Vögeln ohne Flugfähigkeit. Weil er im Grasland der Pampa lebt, nennt man ihn auch Pampasstrauß. Auf Spanisch heißt er „Ñandú“.
Der Nandu ist eine sehr alte Vogelgruppe: Fossilien von Nandus sind etwa 40 Millionen Jahre alt. Sie gehören damit zu den ältesten Vögeln Südamerikas.
Nandu und Darwin-Nandu
Es gibt nur zwei Nandu-Arten. Neben dem hier vorgestellten Nandu, oft auch Großer Nandu genannt, lebt in Südamerika der Darwin-Nandu (Rhea pennata). Er ist etwas kleiner und hat ein braunes Gefieder mit weißen Flecken. Das Gefieder des Großen Nandus ist dagegen grau und ungefleckt. Die beiden Arten trennten sich vor etwa 13,7 Millionen Jahren und leben heute in verschiedenen Gebieten, die sich kaum überschneiden. Der Darwin-Nandu gilt auf der Roten Liste als nicht gefährdet (LC, 2022).
Aussehen und Körperbau
Der Nandu gehört zu den größten lebenden Vögeln. Sein Körper ist rundlich, darauf sitzen ein langer Hals und ein kleiner Kopf.
- Größe: Die Angaben schwanken je nach Quelle. Ausgewachsene Nandus sind etwa 1,25 bis 1,70 Meter hoch. Die Hähne sind etwas größer und dunkler als die Hennen.
- Gewicht: Nandus wiegen etwa 20 bis 36 Kilogramm.
- Gefieder: Das Gefieder ist grau oder graubraun. Scheitel, Nacken, Halsansatz und oberer Rücken sind oft dunkelbraun bis schwarz, die Unterseite ist weißlich.
- Beine: Die langen, kräftigen Beine sind unten nackt und mit Hornschuppen bedeckt.
- Flügel: Obwohl der Nandu nicht fliegen kann, hat er große Flügel. Er breitet sie beim schnellen Laufen aus und nutzt sie wie Segel, um zu beschleunigen und Haken zu schlagen. Auch bei der Balz und im Streit mit anderen Hähnen spielen die Flügel eine Rolle.
Verbreitung und Lebensraum
Der Nandu lebt im Süden und Osten Südamerikas, und zwar nur in Argentinien, Bolivien, Brasilien, Paraguay und Uruguay. In Brasilien reicht sein Gebiet nach Nordosten bis in den Bundesstaat Maranhão, in Bolivien kommt er nur in den östlichsten Landesteilen vor. Im Süden endet sein Verbreitungsgebiet im Nordosten der argentinischen Provinz Río Negro. Aus dem Nordosten Brasiliens, wo es Anfang des 20. Jahrhunderts noch Trupps von 20 bis 30 Tieren gab, ist er verschwunden.
Nandus brauchen weites, offenes Land mit niedriger Vegetation. Typische Lebensräume sind die Grassteppen der Pampa, Teile des Chaco und die Graslandschaften Brasiliens, oft durchsetzt mit Büschen und einzelnen Bäumen. In niedrigem Bewuchs können sie Feinde früh entdecken. Zum Brüten suchen sie gern die Nähe von Flüssen, Seen und Sümpfen. Sie leben vom Tiefland bis in etwa 1.200 Meter Höhe. Weil viel Grasland in Felder umgewandelt wurde, nutzen Nandus heute auch Weiden und Ackerflächen.
Ernährung
Nandus sind Allesfresser, ernähren sich aber fast nur von Pflanzen. In Untersuchungen machten Pflanzen und Samen rund 99 Prozent der Nahrung aus. Sie fressen Gräser, Kräuter, Hülsenfrüchte wie Luzerne und Getreide. Den kleinen Rest bilden Tiere: Insekten, kleine Vögel, Schlangen und sogar Fische. Damit der Muskelmagen die Nahrung besser zermahlen kann, schlucken Nandus kleine Steine.
Bei der Futtersuche laufen sie langsam umher und halten den Kopf dicht über dem Boden. Haben sie etwas gefunden, packen sie es mit der Schnabelspitze, werfen es kurz hoch und fangen es weiter hinten im Schnabel wieder auf. Danach strecken sie den Hals in die Höhe, schlucken und halten nach Gefahren Ausschau.
Verhalten und Lebensweise
Nandus sind tagaktiv. Nachts schlafen sie, meist mit dem Hals in S-Form und dem Schnabel auf der Kehle. Gern nehmen sie Staubbäder und putzen ihr Gefieder.
Schnelle Läufer: Meist gehen Nandus gemächlich. Rennen sie, dann vor allem bei der Balz oder auf der Flucht. Sie erreichen bis zu 60 km/h und laufen im Zickzack. Dabei steuern sie mit Flügeln und Hals, sodass Verfolger kaum hinterherkommen. Nandus können sogar schwimmen.
In der Gruppe sicherer: Außerhalb der Brutzeit leben Nandus in gemischten Trupps aus Hähnen, Hennen und Jungtieren, meist mit 4 bis 35, manchmal mit bis zu 50 Tieren. Je größer die Gruppe, desto weniger Zeit muss jedes Tier mit Wachehalten verbringen und desto mehr Zeit bleibt zum Fressen.
Fast stumm: Nur die Küken piepsen. Erwachsene Nandus sind meist still. Lediglich die Hähne geben in der Brutzeit einen tiefen, dröhnenden Ruf von sich, den man bis zu einen Kilometer weit hören kann.
Fortpflanzung: Der Hahn brütet
Die Fortpflanzung der Nandus ist ungewöhnlich, denn die Hähne übernehmen die ganze Brutpflege. In ihrer Heimat dauert die Brutzeit etwa von Juli bis Januar.
- Revier und Nest: Die Hähne kämpfen um Reviere. Ein Hahn scharrt eine flache Mulde in den Boden, durchschnittlich etwa 1,4 Meter breit, und polstert sie mit Gras aus.
- Hennengruppe: Der Hahn sammelt eine Gruppe von 2 bis 12 Hennen um sich und balzt mit ausgebreiteten Flügeln.
- Gemeinschaftsnest: Mehrere Hennen legen ihre Eier in dasselbe Nest. Jede Henne legt etwa alle zwei Tage ein Ei. Ein Nest kann bis zu 30 Eier enthalten. Frisch gelegte Eier sind goldgelb und werden in der Sonne nach einigen Tagen weiß. Ein Ei wiegt im Durchschnitt rund 600 Gramm.
- Weiterziehen: Ist das Nest voll, vertreibt der Hahn die Hennen. Die Gruppe zieht zum nächsten Hahn weiter und legt dort wieder Eier. So legt eine Henne in einer Saison 20 bis 40 Eier in mehrere Nester.
- Brüten: Der Hahn brütet die Eier allein aus. Das dauert etwa 35 bis 40 Tage.
- Aufzucht: Der Hahn führt und bewacht die Küken etwa sechs Monate lang. Manchmal nimmt er sogar verwaiste Küken aus anderen Nestern auf.
Mit etwa sechs Monaten sind die Jungen ausgewachsen. Mit rund zwei Jahren können sie selbst brüten. Der Bruterfolg ist allerdings gering. Viele Hähne geben ihr Nest auf, zum Beispiel nach Störungen oder wenn Eier zerbrechen.
Nandus in Deutschland
In Norddeutschland leben Nandus in freier Wildbahn. Zwischen 1997 und 2000 brachen mehrere Tiere aus einem schlecht gesicherten Gehege bei Groß Grönau in Schleswig-Holstein aus. Sie gelangten in den Norden des UNESCO-Biosphärenreservats Schaalsee in Nordwestmecklenburg, in die Gegend zwischen Utecht und Schattin. Die weiten Ackerflächen dort ähneln der baumlosen Pampa.
2001 wurde die erste Brut gemeldet, 2002 zählte man 29 Tiere. Danach wuchs der Bestand deutlich und erreichte 2018 mit 566 Tieren seinen Höchststand. Seitdem geht er zurück: Im Frühjahr 2023 zählten Fachleute auf beiden Seiten der Landesgrenze 91 Nandus. Zweimal im Jahr erfasst das Biosphärenreservatsamt Schaalsee-Elbe die Tiere bei einer gemeinsamen Zählung.
Die Nandus haben gelernt, mit dem norddeutschen Klima zurechtzukommen. Winterschlaf halten sie nicht. Für Küken sind lange Winter mit verharschtem Schnee und nasskalte Wochen im Frühling allerdings gefährlich, dann sterben viele Jungvögel. Im Winterhalbjahr fressen die Nandus vor allem Rapsblätter, dazu Maiskörner, Erntereste, Beeren, Nüsse und Samen. Im Sommer kommen mehr Insekten, Spinnen und kleine Wirbeltiere hinzu.
Für Landwirte sind die großen Vögel ein Problem, denn sie fressen Raps und Weizen und zertrampeln die Pflanzen. Deshalb wurden Eier in Nestern unfruchtbar gemacht, und seit dem 2. April 2020 dürfen Nandus in Mecklenburg-Vorpommern gejagt werden. Küken und Jährlinge sind das ganze Jahr über jagdbar, ältere Hähne und Hennen vom 1. November bis 31. März. Das Bundesamt für Naturschutz stuft den Nandu bisher nicht als invasive Art ein, weil keine Schäden für die heimische Tier- und Pflanzenwelt nachgewiesen sind. Er wird aber genau beobachtet.
Feinde und Gefährdung
In Südamerika jagen vor allem Pumas und Jaguare erwachsene Nandus. Die Eier fressen unter anderem Gürteltiere, wenn das Nest nicht gut bewacht ist. In Deutschland fielen einige Gelege Wildschweinen zum Opfer.
Der größte Feind ist aber der Mensch. Nandus werden wegen ihres Fleischs, ihrer Eier, Federn und Haut gejagt. Aus ihrem Fett wird Öl gewonnen. 1980 wurden mehr als 50.000 Nanduhäute gehandelt, die meisten stammten aus Haltungen in Paraguay. Außerdem verlieren Nandus ihren Lebensraum, weil Grasland in Ackerland und Viehweiden umgewandelt wird.
Die Rote Liste der IUCN stuft den Nandu als potenziell gefährdet (NT, 2022) ein. Er hat zwar ein großes Verbreitungsgebiet, doch die Bestände nehmen ab. Der internationale Handel ist durch Anhang II des Washingtoner Artenschutzübereinkommens beschränkt. In Deutschland ist der Nandu deshalb eine besonders geschützte Art.
Häufige Fragen zum Nandu
Kann ein Nandu fliegen?
Nein. Der Nandu ist ein Laufvogel und kann nicht fliegen. Seine großen Flügel nutzt er beim Rennen zum Steuern und Beschleunigen sowie bei der Balz.
Wie schnell ist ein Nandu?
Ein Nandu kann bis zu 60 km/h schnell laufen. Auf der Flucht rennt er im Zickzack und schlägt mithilfe seiner Flügel scharfe Haken.
Was ist der Unterschied zwischen Nandu und Strauß?
Beide sind Laufvögel, leben aber auf verschiedenen Kontinenten. Der Strauß kommt aus Afrika, der Nandu aus Südamerika. Außerdem gehören sie zu verschiedenen Familien: Der Nandu bildet mit dem Darwin-Nandu eine eigene Familie.
Wer brütet beim Nandu die Eier aus?
Der Hahn. Mehrere Hennen legen ihre Eier in sein Nest, danach brütet er sie allein rund 35 bis 40 Tage lang aus. Auch die Küken führt und beschützt er etwa ein halbes Jahr lang.
Gibt es Nandus in Deutschland?
Ja. In Nordwestmecklenburg und im angrenzenden Schleswig-Holstein lebt seit Anfang der 2000er-Jahre eine wilde Nandu-Population. Die Tiere stammen von Vögeln ab, die zwischen 1997 und 2000 aus einem Gehege entkommen sind. Im Frühjahr 2023 wurden dort 91 Tiere gezählt.
Was fressen Nandus?
Vor allem Pflanzen: Gräser, Kräuter, Luzerne, Getreide und Samen. In Norddeutschland fressen sie besonders gern Rapsblätter. Ab und zu erbeuten sie Insekten oder kleine Wirbeltiere.
Ähnliche Tiere
- Afrikanischer Strauß - ein Laufvogel aus Afrika
- Großer Emu - ein Laufvogel aus Australien
- Kasuar - ein weiterer großer Laufvogel
- Kiwi - ein kleiner, flugunfähiger Verwandter aus Neuseeland
- Puma - einer der wenigen natürlichen Feinde erwachsener Nandus
Quellen
- Hodes, C.E. (2010): Greater Rhea (Rhea americana). In: Neotropical Birds Online, Cornell Lab of Ornithology
- Rhea americana (Greater Rhea) - Animal Diversity Web, University of Michigan Museum of Zoology
- BirdLife International (2022): Rhea americana. The IUCN Red List of Threatened Species 2022
- BirdLife International (2022): Rhea pennata. The IUCN Red List of Threatened Species 2022
- Hintergrundinformation: Nandu im UNESCO-Biosphärenreservat Schaalsee (Stand April 2023) - Biosphärenreservatsamt Schaalsee-Elbe
- Nandu-Monitoring - UNESCO-Biosphärenreservat Schaalsee
Größenvergleich
Mit 1,25 bis 1,7 m gehört der Nandu zu den mittelgroßen Tieren in unserem Lexikon. Ein Kind (1,2 m) ist dagegen kleiner, während ein Erwachsener mit 1,8 m noch etwas an Größe drauflegt.
Gewichtsvergleich
Ein Nandu bringt 20 bis 36 kg auf die Waage. Das ist schwerer als eine Hauskatze (4 kg), aber leichter als ein Erwachsener (75 kg). Anders ausgedrückt: Der Nandu wiegt so viel wie etwa 7 Hauskatzen.