Narwal
Zuletzt aktualisiert:

Kurz erklärt
Der Narwal ist ein Zahnwal aus dem eiskalten Nordpolarmeer. Die Männchen tragen einen langen, gedrehten Stoßzahn, der bis zu 3 Meter lang werden kann. Früher hielten viele Menschen diese Zähne für die Hörner von Einhörnern. Um Fische zu fangen, taucht der Narwal über 1.000 Meter tief.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Monodon monoceros |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | 4 bis 5 m |
| Körpergewicht | 900 kg bis 1,6 t |
| Ernährung | Fleischfresser: vor allem Fische wie Schwarzer Heilbutt und Dorsche, dazu Tintenfische und Garnelen |
| Lebenserwartung | Mindestens 25 Jahre, vermutlich bis etwa 50 Jahre |
| Sozialverhalten | Gruppen von meist 2 bis 10 Tieren, im Sommer auch Ansammlungen von Hunderten bis Tausenden |
| Herkunft | Arktis |
| Verbreitung | Nordpolarmeer, vor allem vom Norden Kanadas über Grönland bis in die russische Arktis Meer |
| Entdeckung | Erstbeschreibung 1758 durch Carl von Linné |
| Gefährdung | LC Nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2017) |
| Sonstiges | Die Körperlänge gilt ohne Stoßzahn. Der Stoßzahn der Männchen wird bis zu 3 m lang und kann über 9 kg wiegen. |
Aussehen und Körperbau
Der Narwal gehört zu den Zahnwalen, genau wie Delfine, Schwertwale und Pottwale. Sein einziger lebender naher Verwandter ist der Weißwal (Beluga). Zusammen bilden die beiden die Familie der Gründelwale.
Größe und Gewicht: Erwachsene Narwale werden 4 bis 5 Meter lang und wiegen 900 bis 1.600 kg. Die Männchen sind größer als die Weibchen. Nach Angaben der US-Meeresbehörde NOAA erreichen Weibchen bis zu 4,2 Meter und etwa 1.000 kg, Männchen bis zu 4,8 Meter und etwa 1.600 kg. Der Stoßzahn ist dabei nicht mitgezählt.
Färbung: Neugeborene Narwale sind dunkel blaugrau. Mit dem Alter bekommen sie immer mehr helle Flecken, bis ihre Haut gesprenkelt aussieht. Erwachsene sind am Rücken dunkel gefleckt und am Bauch cremefarben. Sehr alte Männchen können fast ganz weiß sein. Die helle Unterseite ist eine Tarnung: Von unten betrachtet verschwimmt der Wal mit dem hellen Himmel über dem Wasser.
Keine Rückenflosse: Anders als die meisten Wale hat der Narwal keine Rückenflosse. An ihrer Stelle verläuft ein niedriger Grat über den Rücken. Auch seine Brustflossen sind kleiner als bei den meisten anderen Walen.
Der Stoßzahn: ein Zahn, kein Horn
Das Auffälligste am Narwal ist sein langer, gedrehter Stoßzahn. Viele denken, es sei ein Horn. Tatsächlich ist es ein Zahn, der durch die Oberlippe nach vorn wächst.
- Narwale haben im Oberkiefer nur zwei Zähne. Bei den Weibchen bleiben beide normalerweise im Knochen verborgen.
- Bei den Männchen beginnt meist der linke Zahn mit zwei bis drei Jahren nach vorn zu wachsen. Fachleute ordnen ihn als verlängerten Eckzahn ein.
- Der Zahn ist immer linksherum gedreht wie eine Schraube.
- Er kann bis zu 3 Meter lang und über 9 kg schwer werden.
- Ab und zu gibt es Weibchen mit Stoßzahn und Männchen mit zwei Stoßzähnen oder ganz ohne.
Wie ein Baum bildet der Stoßzahn jedes Jahr eine neue Wachstumsschicht. Forschende haben 2024 bestätigt, dass tatsächlich eine Schicht pro Jahr entsteht. Zählt man die Schichten, kann man das Alter eines Narwals schätzen.
Wofür braucht der Narwal seinen Zahn?
Genau weiß das bis heute niemand, weil man Narwale unter dem Eis kaum beobachten kann. Es gibt mehrere Erklärungen:
- Zeichen der Stärke: Eine Studie mit Messungen an 245 erwachsenen Männchen aus 35 Jahren zeigte, dass große Männchen überproportional lange Zähne haben. Die Forschenden schließen daraus, dass der Zahn vor allem ein Signal ist. Männchen vergleichen damit, wer stärker ist, und Weibchen wählen danach vielleicht ihre Partner aus. Auch die NOAA hält das für die wichtigste Aufgabe.
- Sinnesorgan: Der Zahn hat feine Kanäle, durch die Meerwasser bis ins Innere dringt. Dort sitzen Nerven. In einem Versuch änderte sich der Herzschlag von Narwalen, wenn ihr Zahn abwechselnd mit salzigem und süßem Wasser umspült wurde. Der Zahn kann also etwas spüren.
- Hilfe bei der Jagd: Möglicherweise setzen Narwale den Zahn auch beim Fischfang ein. Belege dafür, dass sie sich damit gegen Feinde wehren, gibt es nicht.
Das Einhorn der Arktis: Früher hielten viele Menschen Narwalzähne für die Hörner von Einhörnern. Der wissenschaftliche Name Monodon monoceros bedeutet übersetzt „Einzahn Einhorn“.
Verbreitung und Lebensraum
Narwale leben im Nordpolarmeer. Ihr Hauptverbreitungsgebiet reicht vom Norden Kanadas über Grönland bis in die russische Arktis. Sie halten sich gern in tiefen Fjorden und im Packeis auf.
Narwale wandern jedes Jahr eine feste Strecke:
- Winter: im dichten Packeis weiter draußen, zum Beispiel in der Baffin Bay zwischen Kanada und Grönland. Zum Atmen nutzen sie Spalten und Löcher im Eis.
- Frühling: Sie schwimmen in küstennahe Gewässer.
- Sommer: Sie folgen dem schmelzenden Eis in Küstengewässer und Fjorde im Norden Kanadas und Grönlands.
- Herbst: Sie ziehen zurück ins offene Meer.
Ernährung
Narwale fressen vor allem Fische, zum Beispiel Schwarzen Heilbutt und verschiedene Dorsche. Dazu kommen Tintenfische und Garnelen. Ihre Beute suchen sie am oder nahe am Meeresboden in tiefem Wasser.
Dafür sind sie echte Tieftaucher: Narwale tauchen bis in etwa 1.200 Meter Tiefe und bleiben bis zu 25 Minuten unter Wasser. In der Dunkelheit der Tiefe finden sie ihre Beute mit Echoortung. Sie senden Klicklaute aus und hören auf das Echo.
Wie viel Narwale in den einzelnen Jahreszeiten fressen, ist schwer zu erforschen. Untersuchungen von Mageninhalten deuten darauf hin, dass sie vor allem im Herbst und Winter viel fressen und im Sommer wenig.
Verhalten und Lebensweise
Narwale sind gesellige Tiere. Meist schwimmen sie in Gruppen von zwei bis zehn Tieren. Im Sommer, wenn das Meer eisfrei ist, schließen sich viele Gruppen zusammen, dann sieht man Hunderte oder sogar Tausende Narwale. Im Winter sind die Gruppen kleiner. Manchmal schwimmen die Tiere nach Alter und Geschlecht getrennt.
Narwale verständigen sich mit Pfeiftönen und Klicklauten. Die Rufe von Tieren aus derselben Gruppe ähneln sich stärker als die Rufe von Tieren aus anderen Gruppen. An der Wasseroberfläche verhalten sich Narwale meist ruhig.
Fortpflanzung und Nachwuchs
Die Paarungszeit liegt vermutlich zwischen März und Mai. Die Tragzeit ist lang: Sie dauert etwa 13 bis 16 Monate. Im Sommer, meist im Juli oder August, bringt das Weibchen ein einzelnes Kalb zur Welt. Es kommt mit dem Schwanz voran auf die Welt.
Ein neugeborener Narwal ist etwa 1,5 Meter lang und wiegt rund 80 kg. Das Kalb trinkt mindestens ein Jahr lang Milch, manche Fachleute gehen von etwa 20 Monaten aus. Deshalb bekommt ein Weibchen nur alle zwei bis drei Jahre ein Junges. Wann Narwale geschlechtsreif werden, ist wenig erforscht. Man vermutet, dass es ähnlich ist wie beim Weißwal: Weibchen mit etwa vier bis sieben Jahren, Männchen mit acht bis neun Jahren.
Narwale werden mindestens 25 Jahre alt, vermutlich bis zu etwa 50 Jahre. Nach Angaben der NOAA gehören Narwale, wie Menschen und Schwertwale, zu den wenigen Tierarten mit Wechseljahren: Die Weibchen leben noch eine Zeit lang weiter, nachdem sie keine Jungen mehr bekommen.
Feinde und Gefährdung
Natürliche Feinde: Narwale werden von Schwertwalen (Orcas) gejagt. Wenn Orcas in der Nähe sind, schwimmen Narwale dichter zusammen. Auch in Mägen von Grönlandhaien wurden Reste von Narwalen gefunden. Eisbären und Walrosse erbeuten Narwale nur, wenn diese im Eis eingeschlossen sind.
Gefangen im Eis: Manchmal friert das Meer so schnell zu, dass eine Gruppe Narwale in einem kleinen Wasserloch festsitzt. Die Wale versuchen dann, mit dem Kopf das Eis aufzubrechen. Gelingt das nicht, sterben die Tiere an Hunger oder werden gefressen.
Menschen: Die Völker der Arktis jagen Narwale seit Langem wegen Fleisch, Fett und Stoßzähnen. Außerdem belasten Umweltgifte die Tiere, und Schiffsrouten kreuzen ihre Wanderwege. Der Klimawandel verändert ihren eisigen Lebensraum.
Rote Liste: Die Weltnaturschutzunion IUCN stuft den Narwal seit 2017 als nicht gefährdet (Least Concern) ein. Einzelne Bestände werden aber genau beobachtet, weil ihre Größe unsicher ist oder sie abnehmen.
Häufige Fragen zum Narwal
Ist der Narwalzahn ein Horn?
Nein. Der Stoßzahn ist ein echter Zahn, der beim Männchen durch die linke Oberlippe nach vorn wächst. Er ist linksherum gedreht und kann bis zu 3 Meter lang werden. Weibchen haben meist keinen sichtbaren Stoßzahn.
Wofür hat der Narwal einen Zahn?
Die Forschung ist sich nicht ganz einig. Die meisten Hinweise sprechen dafür, dass Männchen mit dem Zahn zeigen, wie stark sie sind. Der Zahn kann außerdem Veränderungen im Wasser spüren und hilft vielleicht bei der Jagd.
Wie groß wird ein Narwal?
Ein erwachsener Narwal ist 4 bis 5 Meter lang und wiegt 900 bis 1.600 kg. Männchen sind größer als Weibchen. Dazu kommt bei den Männchen der Stoßzahn mit bis zu 3 Metern Länge.
Wo lebt der Narwal?
Der Narwal lebt nur in der Arktis, vor allem in den Meeren um Nordkanada und Grönland. Im Winter hält er sich im Packeis auf, im Sommer in Buchten und Fjorden an der Küste.
Wie tief kann ein Narwal tauchen?
Narwale tauchen bis in etwa 1.200 Meter Tiefe. Ein Tauchgang kann bis zu 25 Minuten dauern. In der Tiefe jagen sie Fische wie den Schwarzen Heilbutt.
Ist der Narwal vom Aussterben bedroht?
Nein, die IUCN führt den Narwal seit 2017 als nicht gefährdet. Trotzdem machen sich Fachleute Sorgen um einzelne Bestände, zum Beispiel wegen Jagd, Schiffsverkehr und des Klimawandels.
Ähnliche Tiere
- Schwertwal - Zahnwal und wichtigster Feind des Narwals
- Pottwal - ebenfalls ein Zahnwal und Tieftaucher
- Delfin - naher Verwandter aus der Gruppe der Zahnwale
- Walross - arktisches Meeressäugetier mit langen Stoßzähnen
- Eisbär - lebt im selben Lebensraum im Packeis
Quellen
- Narwhal - NOAA Fisheries
- Monodon monoceros (narwhal) - Animal Diversity Web, University of Michigan
- Lowry, L., Laidre, K. & Reeves, R. (2017): Monodon monoceros. The IUCN Red List of Threatened Species
- Graham, Z. A. et al. (2020): The longer the better: evidence that narwhal tusks are sexually selected. Biology Letters 16
- Nweeia, M. T. et al. (2014): Sensory ability in the narwhal tooth organ system. The Anatomical Record 297
- Garde, E. et al. (2024): A radiocarbon bomb pulse model for estimating the age of North Atlantic cetaceans. Biology Letters 20
Größenvergleich
Ein Narwal erreicht eine Körpergröße von 4 bis 5 m. Damit passt er bequem zwischen einen Elefanten (3,5 m) und eine Giraffe (5,5 m) auf unserer Vergleichsskala.
Gewichtsvergleich
Ein Narwal bringt 900 kg bis 1,6 t auf die Waage. Das ist schwerer als ein Erwachsener (75 kg), aber leichter als ein Elefant (5 t). Anders ausgedrückt: Der Narwal wiegt so viel wie etwa 17 Erwachsene.