Nasenbär

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Nasenbär mit rötlich braunem Fell und langer Schnauze steht auf einem Baumstamm und hält den geringelten Schwanz aufrecht
User:MatthiasKabel / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0

Kurz erklärt

Der Nasenbär ist gar kein Bär, sondern ein Kleinbär und damit ein naher Verwandter des Waschbären. Er lebt in den Wäldern Amerikas, hat eine lange, bewegliche Schnauze und einen geringelten Schwanz, den er beim Laufen senkrecht nach oben hält. Weibchen und Jungtiere ziehen in Gruppen von bis zu 30 Tieren durch den Wald, erwachsene Männchen leben allein.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameNasua
Abstammung
  • Klasse: Säugetiere
  • Ordnung: Raubtiere
  • Unterordnung: Hundeartige (Caniformia)
  • Familie: Kleinbären (Procyonidae)
  • Gattung: Nasenbären (Nasua)
Körpergröße41 bis 67 cm
Körpergewicht3 bis 6 kg
ErnährungAllesfresser: vor allem Früchte und wirbellose Tiere
LebenserwartungIn freier Natur etwa 7 bis 8 Jahre, in Menschenobhut über 17 Jahre
SozialverhaltenWeibchen und Jungtiere in Gruppen von bis zu 30 Tieren, erwachsene Männchen einzeln
HerkunftMittel- und Südamerika
Verbreitung Vom Süden Arizonas über Mittelamerika bis in den Norden Argentiniens NordamerikaSüdamerika
EntdeckungErstbeschreibung des Südamerikanischen Nasenbären 1766 durch Carl von Linné
GefährdungLC Nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2016)
SonstigesDie Körpergröße ist die Kopf-Rumpf-Länge des Südamerikanischen Nasenbären, dazu kommt ein 32 bis 69 cm langer Schwanz. Die IUCN stuft sowohl Nasua nasua als auch Nasua narica als nicht gefährdet ein; die aktuellen Bewertungen stammen von 2015 und wurden 2016 veröffentlicht.

Welche Tiere heißen Nasenbär?

„Nasenbär“ ist der deutsche Name für die Gattung Nasua. Zu ihr gehören zwei Arten:

  • Der Südamerikanische Nasenbär (Nasua nasua), auch Roter Nasenbär genannt. Er lebt von Kolumbien und Venezuela bis nach Uruguay, Nordargentinien und Ecuador. Das Tier auf dem Bild oben gehört zu dieser Art.
  • Der Weißrüssel-Nasenbär (Nasua narica). Sein Gebiet reicht vom Südosten Arizonas über Mexiko und Mittelamerika bis nach Westkolumbien und Ecuador. Um seine Schnauzenspitze verläuft ein weißes Band, daher der Name.

Dazu kommen die kleineren Bergnasenbären (Gattung Nasuella) aus den Anden. Trotz des Namens ist keines dieser Tiere ein Bär. Nasenbären gehören zur Familie der Kleinbären (Procyonidae) und sind damit nahe Verwandte des Waschbären. Zoologisch zählen sie zur Ordnung der Raubtiere, fressen aber gemischte Kost.

Aussehen und Körperbau

Der Nasenbär hat einen langgestreckten Körper, kurze Vorderbeine und kräftigere Hinterbeine. Beim Südamerikanischen Nasenbären misst der Körper vom Kopf bis zum Schwanzansatz 41 bis 67 cm, der Schwanz kommt mit 32 bis 69 cm noch einmal fast genauso lang dazu. An der Schulter sind die Tiere rund 30 cm hoch. Sie wiegen 3 bis 6 kg, damit sind sie etwa so schwer wie eine Hauskatze. Männchen werden meist größer als Weibchen.

Fell: Die Oberseite ist dunkelbraun, grau oder rostrot, die Unterseite hell. Die Schnauze trägt helle Flecken über, unter und hinter dem Auge, die kleinen Ohren sind innen weiß gesäumt.

Schnauze: Die Nase ist lang, leicht nach oben gebogen und sehr beweglich. Der Nasenbär kann damit unter Laub und in Ritzen stöbern. Sein Geruchssinn ist ausgezeichnet.

Schwanz: Der lange Schwanz zeigt dunkle Ringe auf hellem Grund. Beim Laufen hält der Nasenbär ihn senkrecht nach oben. Im dichten Unterholz sehen die Tiere einer Gruppe so, wo die anderen gerade sind. Beim Klettern dient der Schwanz als Balancierstange.

Krallen und Fußgelenke: Die Vorderpfoten tragen kräftige, gebogene Krallen zum Graben und Klettern. Eine Besonderheit: Nasenbären können ihre Sprunggelenke umdrehen. Deshalb kommen sie mit dem Kopf voran einen Baumstamm hinunter, während zum Beispiel eine Katze rückwärts klettern muss.

Verbreitung und Lebensraum

Nasenbären leben in Nordamerika und Südamerika. Die Nordgrenze liegt im Süden der USA, die Südgrenze im Norden Argentiniens.

Sie sind wenig wählerisch und besiedeln fast jede Art von Wald: immergrünen Regenwald, Trockenwald, Nebelwald, Galeriewald an Flüssen und dorniges Buschland. In den Anden kommen sie bis in 2.500 Meter Höhe vor. Besonders häufig sind sie an Waldrändern und in nachgewachsenen Wäldern, also gerade dort, wo Menschen den Wald verändert haben. In manchen Nationalparks Süd- und Mittelamerikas kommen Nasenbären an Rastplätze und durchsuchen Mülleimer und Rucksäcke nach Essbarem.

Ernährung

Nasenbären sind Allesfresser. Den größten Teil ihrer Nahrung machen Früchte und wirbellose Tiere aus. Auf dem Speiseplan stehen unter anderem:

  • Früchte, besonders von Palmen, dazu Blätter
  • Käferlarven, Ameisen, Termiten, Spinnen, Skorpione und Hundertfüßer
  • Eier, Eidechsen, kleine Nagetiere und Aas

Den ganzen Tag über durchsuchen sie mit der Schnauze den Waldboden, drehen Blätter um und graben mit den Krallen in morschem Holz. Nach Futter wird auch in Bäumen gesucht. Weil Früchte je nach Jahreszeit unterschiedlich verfügbar sind, wechselt der Speiseplan im Lauf des Jahres.

Verhalten und Lebensweise

Nasenbären sind tagaktiv. Sie suchen am Boden nach Futter und schlafen nachts in Bäumen, wo sie vor Raubtieren sicherer sind. Auch Paarung und Geburt finden im Baum statt.

Das Sozialsystem ist ungewöhnlich: Weibchen leben mit ihren Jungen und mit Männchen bis zu einem Alter von etwa zwei Jahren in Gruppen zusammen. Beim Weißrüssel-Nasenbären umfassen diese Gruppen meist 4 bis 20 Tiere, beim Südamerikanischen Nasenbären bis zu 30. Die Weibchen einer Gruppe sind nicht unbedingt miteinander verwandt. Sie putzen sich gegenseitig, warnen einander vor Feinden und passen auch auf fremde Jungtiere auf.

Erwachsene Männchen leben dagegen allein. Sie markieren ihr Revier mit Urin und mit Drüsensekret, das sie über den Boden reiben. Treffen zwei Männchen aufeinander, kommt es oft zum Streit.

Genau dieses Verhalten hat früher für Verwirrung gesorgt: Forscher hielten die einzeln umherziehenden Männchen für eine eigene Art und nannten sie „Coatimundi“. Das Wort stammt aus dem Guaraní und bedeutet ungefähr „einzelner Nasenbär“.

Fortpflanzung und Nachwuchs

Die Paarungszeit richtet sich danach, wann es besonders viele Früchte gibt. Je nach Gegend liegt sie zwischen Oktober und März. Für diese Zeit wird ein einzelnes Männchen in die Gruppe aufgenommen und paart sich mit mehreren Weibchen. Danach verlässt es die Gruppe wieder.

Jedes trächtige Weibchen baut ein Nest im Baum und zieht sich dorthin zurück. Nach 74 bis 77 Tagen Tragzeit kommen 3 bis 7 Junge zur Welt. Sie sind zunächst hilflos:

  • Nach etwa 10 Tagen öffnen sie die Augen.
  • Mit 19 Tagen können sie stehen, mit 24 Tagen laufen.
  • Mit 26 Tagen klettern sie.
  • Nach etwa 4 Monaten sind sie entwöhnt.

Fünf bis sechs Wochen nach der Geburt kehren Mutter und Junge zur Gruppe zurück. Weibchen sind mit etwa zwei Jahren geschlechtsreif, Männchen etwa ein Jahr später.

Feinde und Gefährdung

Nasenbären haben viele Feinde. Zu ihnen zählen große Katzen wie Jaguar, Puma, Ozelot und Jaguarundi, außerdem große Greifvögel und Boas wie die Abgottschlange. Werden die Tiere in den Bäumen gestört, lassen sie sich zu Boden fallen und flüchten rennend.

Auf der Roten Liste der IUCN gelten beide Arten als nicht gefährdet (LC). Die aktuellen Bewertungen wurden 2015 erstellt und 2016 veröffentlicht, schon davor standen beide Arten in dieser Kategorie. Sie sind weit verbreitet und kommen auch in veränderten Wäldern zurecht. Örtlich setzen ihnen Jagd und Abholzung zu, außerdem Krankheiten wie Staupe und Tollwut. In Uruguay steht der Südamerikanische Nasenbär unter dem Schutz von CITES Anhang III, in New Mexico gilt der Weißrüssel-Nasenbär als gefährdet.

Ein Hinweis für Reisende: Nasenbären wirken zutraulich, sind aber Wildtiere. Wer sie füttert, riskiert Bisse und Kratzer, und die Tiere gewöhnen sich an Menschennahrung.

Häufige Fragen zum Nasenbär

Ist der Nasenbär ein Bär?

Nein. Trotz des Namens gehört er zur Familie der Kleinbären, genau wie der Waschbär. Echte Bären wie der Braunbär bilden eine eigene Familie. Gemeinsam ist beiden nur, dass sie zur Ordnung der Raubtiere zählen.

Wie groß wird ein Nasenbär?

Der Körper misst 41 bis 67 cm, dazu kommt ein 32 bis 69 cm langer Schwanz. An der Schulter ist ein Nasenbär rund 30 cm hoch. Er wiegt 3 bis 6 kg und ist damit ungefähr so schwer wie eine Hauskatze.

Was fressen Nasenbären?

Vor allem Früchte und wirbellose Tiere wie Käferlarven, Ameisen, Termiten, Spinnen und Skorpione. Dazu kommen Eier, Eidechsen, kleine Nagetiere und Aas. Mit der beweglichen Schnauze stöbern sie den Waldboden nach Fressbarem ab.

Warum halten Nasenbären den Schwanz nach oben?

Der aufrecht getragene, geringelte Schwanz ist ein Signal für die Gruppe. Im dichten Unterholz erkennen die Tiere daran, wo sich die anderen befinden. Beim Klettern hilft der Schwanz zusätzlich beim Balancieren.

Wie alt wird ein Nasenbär?

In freier Natur leben Nasenbären meist nur sieben bis acht Jahre. In Menschenobhut werden sie deutlich älter: Ein Tier war noch nach 17 Jahren und 8 Monaten am Leben.

Leben Nasenbären in Gruppen?

Weibchen und Jungtiere ja. Sie bilden Gruppen von 4 bis 30 Tieren, die gemeinsam auf Futtersuche gehen. Erwachsene Männchen leben dagegen allein und schließen sich einer Gruppe nur zur Paarungszeit an.

Ähnliche Tiere

  • Waschbär - nächster Verwandter aus der Familie der Kleinbären
  • Ameisenbär - sucht mit langer Schnauze ebenfalls nach Insekten
  • Erdmännchen - lebt ebenfalls in Gruppen und steht aufrecht
  • Roter Panda - Kletterer mit geringeltem Schwanz aus Asien
  • Capybara - großes südamerikanisches Säugetier aus demselben Lebensraum
  • Jaguar - einer der wichtigsten Feinde des Nasenbären
  • Säugetiere - alle Säugetiere im Lexikon
  • Tiere mit N - weitere Tiere, die mit N beginnen

Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Nasenbär
41 bis 67 cm

Stell dir vor, du stellst einen Fußball (22 cm) neben einen Nasenbär: Der Nasenbär ist größer. Neben einem Kind (1,2 m) wirkt er mit seinen 41 bis 67 cm aber wiederum etwas kleiner.

Gewichtsvergleich

🪙1-Euro-Münze
7,5 g
🍫Tafel Schokolade
100 g
⚽Fußball
430 g
🧒Kind
25 kg
🧑Erwachsener
75 kg
🚗Auto
1,5 t
🚌Schulbus
12 t
▼Nasenbär
3 bis 6 kg

Ein Nasenbär bringt 3 bis 6 kg auf die Waage. Das ist schwerer als ein Fußball (430 g), aber leichter als ein Kind (25 kg). Anders ausgedrückt: Der Nasenbär wiegt so viel wie etwa 10 Fußbälle.