Nebelparder

Zuletzt aktualisiert:

Nebelparder mit großen, wolkenförmigen Fellflecken steht nachts auf einem Waldweg mit trockenem Laub
Ian Dugdale / Wikimedia Commons / CC BY 4.0

Kurz erklärt

Der Nebelparder ist eine mittelgroße Raubkatze aus den Wäldern Süd- und Südostasiens. Sein Fell trägt große, wolkenartige Flecken, daher der Name. Im Verhältnis zu seiner Körpergröße hat er die längsten Eckzähne aller heute lebenden Katzen. Er klettert so gut, dass er kopfüber Baumstämme hinunterklettern und sich nur mit den Hinterpfoten an Ästen festhalten kann.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameNeofelis nebulosa
Abstammung
  • Klasse: Säugetiere
  • Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
  • Unterordnung: Katzenartige (Feliformia)
  • Familie: Katzen (Felidae)
  • Unterfamilie: Großkatzen (Pantherinae)
  • Gattung: Nebelparder (Neofelis)
  • Art: Nebelparder oder Festland-Nebelparder
KörpergrößeKopf-Rumpf-Länge 69 bis 108 cm, Schwanz 61 bis 91 cm, Schulterhöhe 50 bis 60 cm
Körpergewicht16 bis 23 kg; Männchen größer als Weibchen
ErnährungFleischfresser: Affen, kleine Hirsche, Hörnchen, Stachelschweine, Schuppentiere, Wildschweine und Vögel
LebenserwartungIn freier Natur geschätzt etwa 11 Jahre, in Zoos bis 17 Jahre
SozialverhaltenEinzelgänger; Reviere in Thailand 30 bis 40 km², die sich stark überlappen
HerkunftSüd- und Südostasien
Verbreitung Vom Himalaya-Vorland in Nepal über Bhutan, Nordostindien, Myanmar und Südchina bis Indochina und zur Malaiischen Halbinsel; auf Taiwan ausgestorben Asien
EntdeckungErstbeschreibung 1821 durch Griffith
GefährdungVU Gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2021)
SonstigesSeit 2006 gilt der Sunda-Nebelparder (Neofelis diardi) auf Sumatra und Borneo als eigene Art.

Die Katze mit dem Wolkenfell

Der Nebelparder (Neofelis nebulosa) ist eine mittelgroße Raubkatze aus den Wäldern Süd- und Südostasiens. Er ist etwa so groß wie ein kleiner Leopard, hat aber relativ kurze Beine und einen sehr langen Schwanz. Seinen Namen verdankt er den großen, wolkenförmigen Flecken in seinem Fell.

Der Nebelparder ist in vielem eine Mischung aus kleinen und großen Katzen. Er kann nicht brüllen wie Löwe oder Tiger, frisst und putzt sich aber ähnlich wie die großen Arten und nimmt ähnliche Körperhaltungen ein. In freier Natur bekommt man ihn kaum zu Gesicht, deshalb weiß man über sein Leben im Wald bis heute wenig.

Ein Nebelparder oder zwei?

Lange galt der Nebelparder als eine einzige Art mit bis zu vier Unterarten. Im Jahr 2006 kamen Untersuchungen von Fell und Erbgut zu dem Ergebnis, dass es in Wahrheit zwei Arten sind:

  • Ein Team um A. C. Kitchener verglich die Felle von 57 Nebelpardern aus dem ganzen Verbreitungsgebiet. Es fand zwei klar getrennte Gruppen, die sich vor allem in der Größe der Wolkenflecken unterscheiden.
  • Erbgut-Untersuchungen kamen zum selben Ergebnis.

Seitdem unterscheidet man:

Nebelparder (Festland)Sunda-Nebelparder
Wissenschaftlicher NameNeofelis nebulosaNeofelis diardi
Verbreitungasiatisches Festland, früher auch TaiwanSumatra, Borneo und die Batu-Inseln
Fellmustergroße Wolkenflecken mit wenigen Punkten darinkleine Wolkenflecken mit vielen kleinen Punkten darin

Für den Nebelparder auf dem Festland unterscheidet man heute keine Unterarten mehr. Eine Kuriosität aus der Geschichte: Das Tier, nach dem die Art 1821 beschrieben wurde, lebte in London. Sein Fell wurde später zu Hüten verarbeitet und ist verloren.

Aussehen und Körperbau

Das Fell ist unverwechselbar. Auf hellem Grund sitzen große, wolkenartige Flecken mit dunklem Rand und hellerer Mitte. Die Grundfarbe reicht von gelbbraun, ocker und lohfarben über silbrig und dunkelgrau bis erdbraun. Über den Rücken laufen zwei kräftige Streifen, im Nacken zwei dicke schwarze Balken. Die Unterseite ist weiß oder hell, an Beinen und Bauch sitzen große schwarze Ovale. Der Schwanz ist geringelt.

Der Nebelparder hat kurze, kräftige Beine mit breiten Pfoten, die Hinterbeine sind deutlich länger als die Vorderbeine. Sein Schädel ist lang und schmal.

Die Maße laut der Katzen-Expertengruppe der IUCN (Cat Specialist Group):

  • Kopf-Rumpf-Länge: 69 bis 108 cm
  • Schwanz: 61 bis 91 cm, also fast so lang wie der Körper
  • Gewicht: 16 bis 23 kg
  • Schulterhöhe: 50 bis 60 cm (Animal Diversity Web)

Männchen sind größer als Weibchen.

Rekord: Die längsten Eckzähne

Der Nebelparder hat im Verhältnis zu seiner Körpergröße die längsten Eckzähne aller heute lebenden Katzen. Dasselbe gilt für seinen engsten Verwandten, den Sunda-Nebelparder. Die Eckzähne können 4 Zentimeter oder länger werden. Zwischen Eckzähnen und Vorbackenzähnen liegt eine breite Lücke.

Mit seinen langen Zähnen tötet der Nebelparder seine Beute durch einen Biss in den Nacken. Beim Fressen sticht er Schneide- und Eckzähne ins Fleisch und reißt es mit einem Ruck des Kopfes ab.

Verbreitung und Lebensraum

Der Nebelparder lebt am Südrand des Himalaya in Nepal, Bhutan und Nordostindien und von dort über Myanmar und Südchina bis nach Indochina (Vietnam, Laos, Thailand, Kambodscha) und auf die Malaiische Halbinsel. In Bangladesch ist unklar, ob es ihn noch gibt.

Am liebsten lebt er in dichten, immergrünen Wäldern, vor allem in ursprünglichem tropischem Regenwald. Er kommt aber auch in Sekundärwäldern, abgeholzten Wäldern, Nadelwäldern, Küstenwäldern, Grasland und Buschland vor. In Myanmar und Thailand wurde er sogar in recht offenen, trockenen Wäldern beobachtet.

Im Gebirge steigt er hoch hinauf: In Bhutan wurde er in 3.600 Metern Höhe nachgewiesen, und vor Kurzem sogar in 4.500 Metern.

Ernährung

Der Nebelparder jagt Tiere auf Bäumen und am Boden. Zu seiner Beute gehören:

  • Affen, besonders Schweinsaffen und Gibbons
  • kleine Hirsche wie Muntjaks und Schweinshirsche
  • Hörnchen, Stachelschweine und Schuppentiere
  • Plumploris
  • Wildschweine
  • Vögel, zum Beispiel Argusfasane

Einmal wurde sogar beobachtet, wie ein Nebelparder einen Binturong erbeutete. Gelegentlich reißt er Hühner und Ziegen. Aas frisst er nur selten. Er schleicht sich leise an seine Beute heran und springt sie dann blitzschnell an, im Baum wie am Boden.

Ein Meister im Klettern

Kurze Beine, große Pfoten und ein langer, buschiger Schwanz machen den Nebelparder zu einem hervorragenden Kletterer. Der Schwanz hilft ihm, auf schmalen Ästen das Gleichgewicht zu halten.

  • Er kann kopfüber senkrechte Baumstämme hinunterklettern.
  • Er kann sich nur mit den Hinterpfoten an einem Ast festhalten und daran hängen.
  • Er läuft kopfüber an waagerechten Ästen entlang.

Trotzdem verbringt er nicht sein ganzes Leben im Baum. Er nutzt Bäume vor allem zum Ausruhen und wohl auch zum Jagen, legt aber auch weite Strecken am Boden zurück. Bäume schützen ihn vermutlich auch vor Tigern und Leoparden, die ihn als Konkurrenten töten können. Wo diese großen Katzen seltener sind, leben möglicherweise mehr Nebelparder.

Verhalten und Lebensweise

Nebelparder sind Einzelgänger und sehr scheu. Sie können zu jeder Tages- und Nachtzeit aktiv sein, etwas häufiger nachts und in der Dämmerung. In Thailand nutzten Männchen und Weibchen ähnlich große Reviere von 30 bis 40 Quadratkilometern mit einem Kerngebiet von 3 bis 5 Quadratkilometern. Die Reviere überlappen sich stark. Nebelparder markieren mit Duftstoffen.

Bei freundlichen Begegnungen geben Nebelparder ein leises Schnauben von sich, das Prusten. Diesen Laut kennt man sonst nur von Tiger, Schneeleopard und Jaguar. Außerdem haben sie einen langen, klagenden Ruf, der weit trägt.

Fortpflanzung und Nachwuchs

Fast alles, was man über die Fortpflanzung weiß, stammt aus Zoos. Nebelparder werden mit etwa zwei Jahren geschlechtsreif.

  • Tragzeit: meist 88 bis 95 Tage
  • Wurfgröße: meist 2 Junge, selten 1 bis 5
  • Geburtsgewicht: 140 bis 280 Gramm
  • Augen öffnen sich: nach 2 bis 11 Tagen

Mit etwa 20 Tagen beginnen die Jungen zu laufen, mit sechs Wochen klettern sie schon auf Bäume. Mit 7 bis 10 Wochen fressen sie das erste Fleisch, mit 10 bis 14 Wochen sind sie entwöhnt. Ihre Flecken sind zunächst einfarbig schwarz und bekommen erst mit etwa sechs Monaten die typische Wolkenform. In freier Natur bleiben die Jungen etwa zehn Monate bei der Mutter.

In Zoos ist die Zucht schwierig. Setzt man fremde Tiere zusammen, kommt es oft zu Kämpfen, bei denen das Männchen das Weibchen sogar töten kann. Am besten klappt es mit Paaren, die schon als Jungtiere zusammen aufgewachsen sind.

Gefährdung und Schutz

Die IUCN stuft den Nebelparder als gefährdet ein (Vulnerable, Einstufung von 2021). Wie viele es noch gibt, weiß niemand genau. Schätzungen reichen von 1.600 bis 29.000 erwachsenen Tieren, wahrscheinlich sind es eher 3.700 bis 5.580. Er lebt nur noch in etwa 36 Prozent seines früheren Verbreitungsgebiets.

  • Auf Taiwan gilt er als ausgestorben. Der letzte bestätigte Nachweis stammt von 1983.
  • In Vietnam ist er möglicherweise verschwunden, seit 2013 tauchte er dort auf keiner Fotofalle mehr auf.
  • Auch in China, Myanmar und Laos sind die Bestände stark zurückgegangen.

Die Gründe:

  • Wilderei: Sie gilt als wichtigste Ursache für den Rückgang. Nebelparder werden wegen ihres Fells, ihrer Zähne und ihrer Knochen gejagt, die in der traditionellen Medizin verwendet werden. Viele verfangen sich in Drahtschlingen.
  • Abholzung: Zwischen 2000 und 2018 schrumpften die wichtigsten Rückzugsgebiete des Nebelparders um rund 34 Prozent, unter anderem für Ölpalmen-Plantagen.
  • Mangel an Beute: In Indochina und China werden seine Beutetiere stark bejagt.
  • Handel: Felle werden auf Märkten in Südostasien verkauft, lebende Tiere als Haustiere geschmuggelt.

Der Nebelparder steht in Anhang I des Washingtoner Artenschutzübereinkommens. In den meisten Ländern seines Verbreitungsgebiets ist die Jagd verboten.

Häufige Fragen zum Nebelparder

Ist der Nebelparder eine Großkatze?

Er gehört zur Unterfamilie der Großkatzen (Pantherinae), ist aber deutlich kleiner als Löwe, Tiger oder Leopard. Er kann nicht brüllen und steht in vielen Merkmalen zwischen kleinen und großen Katzen.

Wie groß und schwer wird ein Nebelparder?

Ein Nebelparder ist 69 bis 108 Zentimeter lang, dazu kommt ein 61 bis 91 Zentimeter langer Schwanz. Er wiegt 16 bis 23 Kilogramm.

Warum hat der Nebelparder so lange Zähne?

Er hat im Verhältnis zu seiner Größe die längsten Eckzähne aller lebenden Katzen, sie werden 4 Zentimeter oder länger. Damit tötet er seine Beute mit einem Biss in den Nacken.

Was ist der Unterschied zwischen Nebelparder und Sunda-Nebelparder?

Der Nebelparder lebt auf dem asiatischen Festland, der Sunda-Nebelparder nur auf Sumatra, Borneo und den Batu-Inseln. Der Sunda-Nebelparder hat kleinere Wolkenflecken mit vielen kleinen Punkten darin. Seit 2006 gelten beide als eigene Arten.

Was frisst ein Nebelparder?

Affen, kleine Hirsche, Hörnchen, Stachelschweine, Schuppentiere, Wildschweine und Vögel. Er jagt sowohl in den Bäumen als auch am Boden.

Wie viele Nebelparder gibt es noch?

Genau weiß das niemand. Schätzungen reichen von 1.600 bis 29.000 erwachsenen Tieren, wahrscheinlich sind es 3.700 bis 5.580.

Ähnliche Tiere

  • Leopard - ein größerer Verwandter, der ihm gefährlich werden kann
  • Jaguar - kennt ebenfalls das freundliche Prusten
  • Tiger - lebt in vielen Wäldern des Nebelparders und ist sein Konkurrent
  • Fischkatze - eine weitere Wildkatze aus Asien

Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Nebelparder
69 cm bis 1,08 m

Stell dir vor, du stellst einen Fußball (22 cm) neben einen Nebelparder: Der Nebelparder ist um einiges größer. Neben einem Kind (1,2 m) wirkt er mit seinen 69 cm bis 1,08 m aber wiederum etwas kleiner. Genauer gesagt ist der Nebelparder etwa 4-mal so groß wie ein Fußball.

Gewichtsvergleich

🪙1-Euro-Münze
7,5 g
🍫Tafel Schokolade
100 g
⚽Fußball
430 g
🧒Kind
25 kg
🧑Erwachsener
75 kg
🚗Auto
1,5 t
🚌Schulbus
12 t
▼Nebelparder
16 bis 23 kg

Ein Nebelparder bringt 16 bis 23 kg auf die Waage. Das ist schwerer als eine Hauskatze (4 kg), aber leichter als ein Kind (25 kg). Anders ausgedrückt: Der Nebelparder wiegt so viel wie etwa 5 Hauskatzen.