Neuntöter

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Männlicher Neuntöter mit grauem Kopf, schwarzer Augenmaske, rotbraunem Rücken und hellrosa Brust sitzt auf einem kahlen Zweig
Antonios Tsaknakis / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0

Kurz erklärt

Der Neuntöter ist ein 16 bis 18 cm großer Singvogel mit einem Hakenschnabel wie ein kleiner Greifvogel. Das Männchen hat einen grauen Kopf, eine schwarze Augenmaske und einen rotbraunen Rücken. Bekannt ist der Neuntöter dafür, dass er Insekten und Mäuse auf Dornen aufspießt. Den Winter verbringt er im östlichen und südlichen Afrika.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameLanius collurio
Abstammung
  • Klasse: Vögel
  • Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
  • Unterordnung: Singvögel (Passeri)
  • Familie: Würger (Laniidae)
  • Gattung: Echte Würger (Lanius)
  • Art: Neuntöter
KörpergrößeLänge 16 bis 18 cm, Flügelspannweite 24 bis 27 cm
Körpergewicht21 bis 40 g
ErnährungVor allem große Insekten wie Käfer, Heuschrecken und Grillen, außerdem Raupen, Mäuse, junge Vögel und Eidechsen; gelegentlich Früchte
LebenserwartungHöchstalter nach Ringfunden 8 Jahre (EURING); das Landesamt für Natur NRW nennt eine Lebensdauer von 7 Jahren
SozialverhaltenZur Brutzeit paarweise in festen Revieren, auf dem Zug meist allein
HerkunftEuropa und Westasien
Verbreitung Brutvogel von Nordspanien und Westeuropa bis Kasachstan; überwintert im östlichen und südlichen Afrika AfrikaAsienEuropa
EntdeckungErstbeschreibung 1758 durch Carl von Linné
GefährdungLC Nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2024)
SonstigesVogel des Jahres 1985 in Deutschland. In Deutschland brüten 115.000 bis 200.000 Paare (NABU), die Art gilt hier als nicht gefährdet.

Ein Singvogel mit Hakenschnabel

Der Neuntöter (Lanius collurio) gehört zur Familie der Würger. In Deutschland ist der Neuntöter der häufigste und am weitesten verbreitete Würger. Ein anderer Name für ihn ist Rotrückenwürger. Seine Verwandten sind bei uns selten geworden: Der Raubwürger kommt nur noch sporadisch vor, der Rotkopfwürger ist extrem selten, und der Schwarzstirnwürger ist in Deutschland seit 1987 ausgestorben.

Obwohl er ein Singvogel ist, erinnert der Neuntöter mit seinem Schnabel an einen kleinen Falken. Der Oberschnabel ist hakenförmig gebogen und hat wie bei Greifvögeln einen kleinen Zahn an der Schneide, den sogenannten Falkenzahn.

1985 war der Neuntöter in Deutschland Vogel des Jahres. Er wurde zum Symbol für Vögel, die in Hecken brüten, und seine Wahl löste eine Welle von Aktionen aus, bei denen Hecken geschützt und neu gepflanzt wurden.

Warum heißt er Neuntöter?

Der Name kommt von einer auffälligen Gewohnheit: Der Neuntöter spießt Beutetiere auf Dornen oder spitze Zweige. Früher glaubte man, er würde immer erst neun Tiere aufspießen, bevor er eines davon frisst. Das stimmt nicht, aber der Name ist geblieben.

Warum spießt er Beute auf? Dafür gibt es mehrere Gründe:

  • Vorrat: Was er gerade nicht fressen kann, hebt er für später auf.
  • Zerlegen: Auf dem Dorn kann er die Beute bearbeiten und in Stücke zerteilen.
  • Vorbereiten: Manche Beutetiere bricht er am Dorn auf oder entfernt ihren Stachel, bevor er sie frisst.

Neben Dornen von Weißdorn oder Brombeere benutzt er auch Stacheldraht. Wer aufgespießte Käfer, Raupen oder sogar eine kleine Maus an einem Strauch findet, hat wahrscheinlich die Vorratskammer eines Neuntöters entdeckt.

Aussehen

Größe und Gewicht: Der Neuntöter wird 16 bis 18 cm lang, die Flügelspannweite beträgt 24 bis 27 cm. Er wiegt 21 bis 40 g.

Männchen: Das Männchen ist auffällig gefärbt. Es hat einen grauen Kopf und Nacken, eine breite schwarze Augenmaske, eine weiße Kehle und eine hellrosa Brust. Der Rücken ist rotbraun, der Bürzel hell blaugrau, der Schwanz schwarz-weiß gezeichnet.

Weibchen und Jungvögel: Sie sind unauffälliger. Oberseite und Kopf sind rotbraun bis braun, der Nacken etwas gräulich. Die Augenmaske ist dunkelbraun statt schwarz. Die helle Unterseite ist mit feinen dunklen Bogenlinien gemustert.

Stimme: Der Neuntöter ist eher leise. Bei Aufregung ruft er ein schnalzendes „tschäk“ oder „teck“. Sein Gesang ist ein leises Zwitschern, in das er Nachahmungen anderer Vogelstimmen einbaut.

Verbreitung und Lebensraum

Brutgebiet: Der Neuntöter brütet von Nordspanien und Westeuropa bis Kasachstan. In Deutschland ist er fast flächendeckend verbreitet, mit Lücken zum Beispiel in Schleswig-Holstein und am Niederrhein. In der Schweiz brüten 90 Prozent der Neuntöter unterhalb von 1.400 m, vereinzelt sind Bruten bis 2.200 m bekannt.

Lebensraum: Er braucht halboffene Landschaften mit vielen Hecken, Büschen und Dornsträuchern. Besonders gern mag er Dornhecken neben Magerwiesen oder extensiv genutzten Weiden, wo es viele große Insekten gibt. Er lebt auch an buschigen Waldrändern, in Streuobstwiesen, Weinbergen, auf verbuschten Brachen und auf Flächen, auf denen Sturm den Wald umgeworfen hat. Wichtig sind Sitzplätze wie Büsche, Pfähle oder junge Bäume, von denen er nach Beute Ausschau hält.

Winterquartier: Der Neuntöter ist ein Langstreckenzieher. Er überwintert im östlichen und südlichen Afrika, von Uganda und Südkenia bis ins südwestliche Afrika und zur Kapprovinz. Dort lebt er in Savannen und Steppen.

Ernährung

Der Neuntöter frisst vor allem große Insekten, besonders Käfer, Heuschrecken und Grillen, außerdem Raupen. Gelegentlich erbeutet er auch Wirbeltiere: kleine Säugetiere wie junge Feldmäuse, Jungvögel und Reptilien wie Eidechsen und kleine Schlangen. Ab und zu frisst er auch Früchte.

So jagt er: Er sitzt gern auf einer erhöhten, sonnigen Warte. Seine Beute fängt er im Flug, verfolgt sie oder rüttelt kurz in der Luft. Was er nicht gleich frisst, spießt er auf.

Verhalten und Vogelzug

Revier: Zur Brutzeit leben Neuntöter paarweise und verteidigen ein Revier. Es ist bis zu 6 Hektar groß, in guten Gebieten meist kleiner als 2 Hektar. Neuntöter gelten als reviertreu. Das Männchen sitzt gern gut sichtbar auf einem Zaunpfahl oder einer Buschspitze.

Ankunft und Abflug: Aus Afrika kehren die Neuntöter Ende April bis Mai zurück. Schon im August beginnen sie wieder mit dem Wegzug, bis Anfang Oktober sind die letzten fort. Bei uns sieht man sie also nur von Mai bis September.

Andere Route im Frühjahr: Im Herbst fliegen die Neuntöter aus Mitteleuropa über das Mittelmeer nach Afrika. Im Frühjahr nehmen sie einen anderen Weg und ziehen viel weiter östlich am Roten Meer entlang nach Norden. Auf dem Zug sind sie meist allein unterwegs.

Fortpflanzung und Nachwuchs

Nest: Das Nest liegt meist 1 bis 2 m über dem Boden in dichten Dornbüschen, Sträuchern oder kleinen Bäumen, zum Beispiel in Schlehe (Schwarzdorn), Heckenrose, Brombeere oder Weißdorn.

Eier: Von Anfang Mai bis Ende Juni legt das Weibchen meist 5 bis 6 Eier. Die Schweizerische Vogelwarte nennt 4 bis 6 Eier pro Gelege. Die Eier sind unterschiedlich gefärbt, zum Beispiel hell grünlich, gelblich oder rötlich, und gefleckt.

Brüten: Die Eier werden 14 bis 16 Tage bebrütet.

Junge: Die Jungen bleiben etwa zwei Wochen im Nest. Danach führen die Eltern sie noch rund 26 bis 38 Tage, bis sie selbstständig sind. Neuntöter haben eine Brut pro Jahr. Geht ein Gelege verloren, kann ein Paar ein Ersatzgelege anlegen.

Wie alt wird ein Neuntöter? Der älteste bekannte Neuntöter wurde nach den Ringfund-Daten der europäischen Beringungsorganisation EURING 8 Jahre alt. Das Landesamt für Natur in Nordrhein-Westfalen gibt eine Lebensdauer von 7 Jahren an. Von den erwachsenen Vögeln stirbt pro Jahr weniger als die Hälfte.

Feinde und Gefährdung

Feinde: Gefährlich wird es vor allem für Eier und Junge im Nest: Nesträuber sind der wichtigste Grund, warum Bruten scheitern. In einer Studie in Ostpolen überstanden nur gut die Hälfte der Bruten die gesamte Zeit vom Brüten bis zum Ausfliegen. Hauptverantwortlich für die Verluste war die Elster. Sie durchsucht Büsche sehr gründlich, und die Neuntöter verteidigen ihre Brut gegen sie nicht.

Gefährdungsstatus: Weltweit gilt der Neuntöter als nicht gefährdet (IUCN, 2024). In Deutschland war er in den 1970er- und 1980er-Jahren deutlich seltener geworden. Danach erholten sich die Bestände vielerorts, und 2002 wurde er aus der Roten Liste der gefährdeten Brutvögel entlassen. Heute brüten in Deutschland nach Angaben des NABU 115.000 bis 200.000 Paare.

Nicht überall gut: In der Schweiz hat sich der Bestand seit Mitte der 1990er-Jahre halbiert, dort steht er als „nahezu bedroht“ auf der Roten Liste. Die Schweizerische Vogelwarte berichtet auch aus Deutschland, Italien und Österreich von starken Rückgängen in den letzten 20 Jahren, regional verläuft die Entwicklung sehr unterschiedlich.

Was ihm schadet:

  • Hecken, Büsche und Feldgehölze werden entfernt
  • Wiesen werden umgebrochen, Brachen und Trockenrasen verschwinden
  • Insektengifte und Dünger verringern die Zahl großer Insekten

Was ihm hilft: Hecken mit Dornsträuchern, blütenreiche, extensiv genutzte Wiesen, Streuobstwiesen und weniger Insektengifte in der Landschaft.

Häufige Fragen zum Neuntöter

Warum heißt der Neuntöter Neuntöter?

Weil er Beutetiere auf Dornen aufspießt. Früher glaubte man fälschlich, er spieße immer erst neun Tiere auf, bevor er eines frisst. Daher kommt der Name.

Warum spießt der Neuntöter seine Beute auf?

Er legt sich so einen Vorrat für später an. Außerdem kann er sie auf dem Dorn zerteilen, aufbrechen oder ihren Stachel entfernen.

Was frisst ein Neuntöter?

Vor allem große Insekten wie Käfer, Heuschrecken und Grillen, außerdem Raupen. Gelegentlich erbeutet er junge Mäuse, Jungvögel, Eidechsen und kleine Schlangen.

Ist der Neuntöter ein Greifvogel?

Nein. Er ist ein Singvogel aus der Familie der Würger. Er hat aber einen Hakenschnabel mit einem Falkenzahn, wie man ihn von Greifvögeln kennt.

Wo überwintert der Neuntöter?

Im östlichen und südlichen Afrika, von Uganda und Kenia bis ins südwestliche Afrika und zum Kap. Er verlässt Mitteleuropa schon ab August und kommt Ende April oder im Mai zurück.

Wie erkennt man Männchen und Weibchen?

Das Männchen hat einen grauen Kopf, eine schwarze Augenmaske und einen rotbraunen Rücken. Das Weibchen ist überwiegend braun, hat eine dunkelbraune Augenmaske und eine fein gebänderte helle Unterseite.

Ähnliche Tiere

  • Falke - ein Greifvogel, dessen Hakenschnabel ebenfalls einen Falkenzahn hat
  • Elster - der wichtigste Nesträuber beim Neuntöter
  • Goldammer - ein weiterer Singvogel der Hecken und Feldränder
  • Mönchsgrasmücke - ein weiterer heimischer Singvogel aus Hecken und Gebüschen
  • Zauneidechse - steht gelegentlich auf dem Speiseplan des Neuntöters

Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Neuntöter
16 bis 18 cm

Der Neuntöter wird 16 bis 18 cm groß - eher kompakt. Auf unserer Größenskala liegt er zwischen einer 1-Euro-Münze (2,3 cm) und einem Fußball (22 cm). Im direkten Vergleich ist der Neuntöter rund 7-mal so groß wie eine 1-Euro-Münze.

Gewichtsvergleich

🪙1-Euro-Münze
7,5 g
🍫Tafel Schokolade
100 g
⚽Fußball
430 g
🧒Kind
25 kg
🧑Erwachsener
75 kg
🚗Auto
1,5 t
🚌Schulbus
12 t
▼Neuntöter
21 bis 40 g

Was wiegt der Neuntöter? Mit 21 bis 40 g ist er deutlich schwerer als eine 1-Euro-Münze (7,5 g), aber eine Tafel Schokolade (100 g) toppt das noch locker. Eine Tafel Schokolade wiegt nämlich rund 3-mal so viel.