Numbat
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Kurz erklärt
Der Numbat oder Ameisenbeutler ist ein kleines, gestreiftes Beuteltier aus dem Südwesten Australiens. Er frisst fast nur Termiten, bis zu 20.000 am Tag, und ist anders als die meisten Beuteltiere tagsüber unterwegs. Die Weibchen haben keinen richtigen Beutel. Durch Füchse und verwilderte Katzen wäre er fast ausgestorben, heute erholt sich sein Bestand langsam.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Myrmecobius fasciatus |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | 17,5 bis 29 cm |
| Körpergewicht | 300 bis 752 g |
| Ernährung | Insektenfresser: fast nur Termiten, etwa 15.000 bis 20.000 am Tag |
| Lebenserwartung | In freier Natur meist 4 bis 5 Jahre, in Menschenobhut bis etwa 11 Jahre |
| Sozialverhalten | Einzelgänger |
| Herkunft | Australien |
| Verbreitung | Südwesten von Western Australia (natürliche Vorkommen bei Dryandra und Perup), dazu wieder angesiedelte Bestände in Schutzgebieten in Western Australia, South Australia und New South Wales Australien |
| Entdeckung | Erstbeschreibung 1836 durch George Robert Waterhouse |
| Gefährdung | NT Potenziell gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2026) |
| Sonstiges | Die Körpergröße gilt ohne Schwanz, der Schwanz ist zusätzlich 12 bis 21 cm lang. |
Was ist ein Numbat?
Der Numbat ist ein Beuteltier aus Australien. Sein deutscher Name lautet Ameisenbeutler, obwohl er fast nur Termiten frisst. Das Wort „Numbat“ stammt aus der Sprache der Noongar, der Aboriginal People im Südwesten Australiens.
Der Numbat ist die einzige Art seiner Familie, der Ameisenbeutler (Myrmecobiidae). Er gehört zur Ordnung der Raubbeutlerartigen, zu der auch der Tasmanische Teufel und die Beutelmarder zählen. Mit dem mittel- und südamerikanischen Ameisenbären ist er nicht verwandt. Beide haben sich nur auf ähnliche Nahrung spezialisiert und sehen deshalb in manchen Punkten ähnlich aus, etwa mit der spitzen Schnauze und der langen Zunge.
Seit dem 25. Juli 1973 ist der Numbat das offizielle Säugetier-Wappentier des Bundesstaats Western Australia.
Aussehen und Körperbau
Größe und Gewicht: Ein erwachsener Numbat ist ohne Schwanz 17,5 bis 29 Zentimeter lang. Der buschige Schwanz misst noch einmal 12 bis 21 Zentimeter. Numbats wiegen 300 bis 752 Gramm. Männchen sind etwas schwerer als Weibchen: Im Durchschnitt wiegen Männchen rund 600 Gramm, Weibchen knapp 480 Gramm.
Fell und Streifen: Das Fell ist kurz und borstig. Kopf und Schultern sind rotbraun. Nach hinten wird das Fell dunkler, fast schwarz, und trägt vier bis elf weiße Querstreifen. Der Bauch ist weiß. Durch jedes Auge zieht sich ein dunkler Streifen, darunter liegt ein heller. Das Streifenmuster ist bei jedem Tier ein wenig anders. Forscher können einzelne Numbats daran erkennen, ähnlich wie Menschen an ihrem Fingerabdruck.
Kopf und Zunge: Der Kopf ist klein und flach und läuft in eine lange, spitze Schnauze aus. Die Ohren stehen aufrecht. Die dünne, klebrige Zunge kann der Numbat etwa 10 Zentimeter weit herausstrecken. Im Maul sitzen 47 bis 50 kleine, stumpfe Zähne. Zum Kauen braucht er sie kaum, denn Termiten schluckt er einfach herunter.
Pfoten: An den Vorderpfoten hat der Numbat fünf Zehen, an den Hinterpfoten vier. Alle tragen kräftige, scharfe Krallen, mit denen er schnell im Boden graben kann.
Verbreitung und Lebensraum
Früher lebten Numbats in großen Teilen Südaustraliens, vom Südwesten Western Australias bis in den Westen von New South Wales und nach Victoria. Heute sind sie in etwa 99 Prozent dieses früheren Gebiets verschwunden.
Es gibt nur noch zwei natürliche Vorkommen, beide im Südwesten von Western Australia: im Dryandra-Wald bei Narrogin, etwa 171 Kilometer südöstlich von Perth, und im Naturschutzgebiet Perup bei Manjimup. Dazu kommen Bestände, die Naturschützer in den letzten Jahrzehnten wieder angesiedelt haben, unter anderem in eingezäunten Schutzgebieten in Western Australia, South Australia und New South Wales.
Lebensraum: Numbats leben heute vor allem in Eukalyptuswäldern. Wichtig sind dort umgefallene, hohle Baumstämme und Äste. Darin schlafen die Tiere nachts, verstecken sich vor Feinden und ziehen ihre Jungen auf. Außerdem fressen Termiten das Holz vieler dieser Bäume, sodass der Numbat hier genug Nahrung findet. Manchmal gräbt er auch eigene Baue. Das sind gerade Gänge von etwa einem Meter Länge, die 10 bis 60 Zentimeter unter der Erde liegen. In den Stämmen und Bauen ist es im Winter wärmer und im Sommer kühler als draußen.
Ernährung
Der Numbat ist ein Spezialist: Er frisst fast ausschließlich Termiten. Ameisen landen nur aus Versehen mit im Maul. Ein erwachsenes Tier frisst etwa 15.000 bis 20.000 Termiten am Tag. Das entspricht ungefähr einem Zehntel seines Körpergewichts.
So findet er sie: Der Numbat ist nicht stark genug, um einen festen Termitenhügel aufzubrechen. Stattdessen sucht er die Gänge, die Termiten dicht unter der Erdoberfläche oder in totem Holz anlegen. Mit seiner feinen Nase riecht er, wo sich die Insekten befinden, auch wenn die Gänge bis zu 5 Zentimeter tief im Boden liegen. Wahrscheinlich spürt er auch feine Erschütterungen. Dann scharrt er mit den Krallen die Erde weg und schleckt die Termiten mit seiner klebrigen Zunge auf.
Trinken: Numbats müssen kaum trinken. Das Wasser, das sie brauchen, bekommen sie größtenteils aus den Termiten.
Verhalten und Lebensweise
Tagaktiv: Die meisten Beuteltiere sind nachts unterwegs. Der Numbat ist dagegen eines von nur zwei Beuteltieren, die ausschließlich tagsüber aktiv sind. Der Grund ist seine Nahrung: Er muss dann fressen, wenn die Termiten in den oberen Gängen unterwegs sind.
- Im Sommer sind Termiten am frühen Morgen und am späten Nachmittag aktiv. In der Mittagshitze ziehen sie sich tiefer in den Boden zurück. Der Numbat ruht dann in einem hohlen Stamm.
- Im Winter werden Termiten erst am späten Vormittag aktiv, wenn der Boden wärmer wird. Der Numbat steht dann später auf und frisst auch mittags.
Einzelgänger: Numbats leben allein. Ausnahmen sind Mütter mit ihren Jungen und Paare, die sich in der Paarungszeit kurz ein Nest teilen. Ein Tier nutzt ein Revier von etwa 50 Hektar. Andere Numbats des gleichen Geschlechts duldet es darin nicht, die Reviere von Männchen und Weibchen können sich aber überschneiden.
Bei Gefahr: Wenn ein Numbat eine Gefahr bemerkt, bleibt er oft zuerst ganz still stehen. Wird er verfolgt, rennt er in großen Sprüngen davon, mit bis zu 32 Kilometern pro Stunde, bis zum nächsten hohlen Stamm oder Bau. Drinnen stemmt er sich mit dem Körper gegen die Wand und hält sich mit den Krallen fest, damit ihn niemand herausziehen kann. Bedrohte oder gestörte Numbats knurren leise und geben dazu ein wiederholtes „tut tut tut“ von sich.
Fortpflanzung und Nachwuchs
Die Paarungszeit liegt im Dezember und Januar, also im australischen Sommer. Männchen reiben dann eine ölige, stark riechende Flüssigkeit aus einer Drüse an der Brust auf Baumstämme und Steine. Damit zeigen sie Weibchen, dass sie einen Partner suchen, und halten andere Männchen fern. Ein Männchen paart sich meist mit mehreren Weibchen und kümmert sich nicht um den Nachwuchs.
- Tragzeit: Nach nur etwa 14 Tagen bringt das Weibchen im Januar oder Februar meist vier Junge zur Welt. Sie sind nur etwa 2 Zentimeter lang und noch völlig unfertig.
- Kein richtiger Beutel: Numbat-Weibchen haben keinen Beutel wie ein Känguru. Die Jungen saugen sich an einer der vier Zitzen fest und klammern sich an kurzem, gekräuseltem, goldfarbenem Haar am Bauch der Mutter fest. Hautfalten bedecken sie dabei. Weil es nur vier Zitzen gibt, sind es fast immer höchstens vier Junge.
- Im Nest: Nach etwa sechs Monaten sind die Jungen so groß, dass die Mutter kaum noch laufen kann. Ende Juli oder Anfang August legt sie die Jungen deshalb in einem Nest in einem Stamm oder Bau ab und kommt regelmäßig zum Säugen zurück.
- Selbstständig: Mit etwa neun Monaten fressen die Jungen die ersten Termiten. Spätestens im November, mit etwa elf Monaten, ziehen sie in ein eigenes Revier.
Weibchen können schon mit einem Jahr eigene Junge bekommen, Männchen erst mit etwa zwei Jahren. In freier Natur werden Numbats meist nur vier bis fünf Jahre alt, in Menschenobhut bis etwa elf Jahre.
Feinde und Gefährdung
Natürliche Feinde: Wegen seiner geringen Größe hat der Numbat viele Feinde. Dazu gehören Greifvögel wie der Kleinadler, Teppichpythons und große Warane. Gegen diese einheimischen Jäger hat der Numbat im Lauf der Evolution Schutzmechanismen entwickelt, etwa seine Tarnfarbe und die schnelle Flucht in Verstecke.
Die größte Gefahr sind jedoch Tiere, die der Mensch nach Australien gebracht hat: Rotfüchse und verwilderte Hauskatzen. Dazu kommen die Rodung von Wäldern für Landwirtschaft, Bergbau und Siedlungen, das Sammeln von Totholz als Brennholz und große Buschfeuer.
Beinahe ausgestorben: Ende der 1970er-Jahre lebten Schätzungen zufolge nur noch etwa 300 Numbats. Seitdem bekämpfen Naturschützer Füchse und Katzen, bauen Schutzzäune und siedeln Numbats in sicheren Gebieten neu an. Die Schutzorganisation Australian Wildlife Conservancy (AWC) betreut heute vier Bestände in eingezäunten Gebieten ohne eingeschleppte Raubtiere. Der Zoo von Perth züchtet Numbats und wildert sie seit 1993 aus. Bis 2026 kamen so 325 im Zoo geborene Tiere in die Freiheit.
Aktuelle Einstufung: Die Schutzmaßnahmen wirken. 2026 hat die IUCN den Numbat auf ihrer Roten Liste von stark gefährdet (Endangered) auf potenziell gefährdet (Near Threatened) herabgestuft (IUCN, 2026). Man schätzt, dass es heute 2.000 bis 3.000 erwachsene Numbats gibt. Fachleute warnen aber: Ohne die ständige Bekämpfung von Füchsen und Katzen würde der Bestand schnell wieder schrumpfen. In Australien selbst ist der Numbat nach nationalem Recht weiterhin als stark gefährdet eingestuft.
Häufige Fragen zum Numbat
Was frisst ein Numbat?
Ein Numbat frisst fast nur Termiten, etwa 15.000 bis 20.000 Stück am Tag. Er riecht sie in ihren Gängen dicht unter der Erde, gräbt sie mit den Krallen frei und schleckt sie mit seiner rund 10 Zentimeter langen, klebrigen Zunge auf.
Wie groß und wie schwer wird ein Numbat?
Ohne Schwanz ist ein Numbat 17,5 bis 29 Zentimeter lang, der Schwanz ist 12 bis 21 Zentimeter lang. Er wiegt 300 bis 752 Gramm. Männchen sind im Durchschnitt etwas schwerer als Weibchen.
Wo lebt der Numbat?
Natürliche Vorkommen gibt es nur noch an zwei Orten im Südwesten von Western Australia, bei Dryandra und Perup. Außerdem leben Numbats in Schutzgebieten, in denen sie wieder angesiedelt wurden. Sie brauchen Eukalyptuswälder mit vielen hohlen, umgefallenen Stämmen.
Ist der Numbat vom Aussterben bedroht?
Nicht mehr so stark wie früher. Die IUCN hat ihn 2026 von „stark gefährdet“ auf „potenziell gefährdet“ herabgestuft, weil es dank Schutzmaßnahmen wieder 2.000 bis 3.000 erwachsene Tiere gibt. In den 1970er-Jahren waren es nur etwa 300.
Hat der Numbat einen Beutel?
Nein, einen richtigen Beutel hat das Weibchen nicht. Die Jungen hängen an den Zitzen am Bauch und halten sich in gekräuseltem Haar fest, geschützt von Hautfalten. Trotzdem ist der Numbat ein echtes Beuteltier.
Ist der Numbat mit dem Ameisenbären verwandt?
Nein. Der Numbat ist ein australisches Beuteltier, der Ameisenbär ein Säugetier aus Mittel- und Südamerika. Die Ähnlichkeiten wie die spitze Schnauze und die lange Zunge sind entstanden, weil beide von kleinen Insekten leben.
Ähnliche Tiere
- Tasmanischer Teufel - ein naher Verwandter aus der Ordnung der Raubbeutlerartigen
- Beutelmarder - ebenfalls ein räuberisches Beuteltier aus Australien
- Beutelwolf - ein gestreiftes Beuteltier, das ausgestorben ist
- Ameisenbär - frisst ebenfalls Ameisen und Termiten, ist aber nicht verwandt
- Ameisenigel - ein australischer Termiten- und Ameisenfresser, der Eier legt
Quellen
- Myrmecobius fasciatus (Numbat) - Animal Diversity Web, University of Michigan
- Numbat steps back from the brink, but not in the clear yet - Australian Wildlife Conservancy
- Numbat conservation efforts pull native species from brink of extinction - ABC News, 12.07.2026
- Numbat - Western Australian Museum
- Numbat - Perth Zoo
- Numbat - WWF Australien
Größenvergleich
Mit 17,5 bis 29 cm gehört der Numbat zu den kleineren Tieren in unserem Lexikon. Eine 1-Euro-Münze (2,3 cm) ist dagegen deutlich kleiner, während ein Kind mit 1,2 m noch einiges an Größe drauflegt. Stell dir vor: Der Numbat ist ungefähr 10-mal so lang wie eine 1-Euro-Münze!
Gewichtsvergleich
Was wiegt der Numbat? Mit 300 bis 752 g ist er deutlich schwerer als eine Tafel Schokolade (100 g), aber eine Hauskatze (4 kg) toppt das noch locker. Eine Hauskatze wiegt nämlich rund 8-mal so viel. Selbst eine 1-Euro-Münze (7,5 g) ist im Vergleich zum Numbat ein Leichtgewicht.