Nymphensittich

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Wilder Nymphensittich mit grauem Gefieder, gelbem Gesicht, orangem Wangenfleck und aufgestellter Federhaube sitzt auf einem kahlen Ast im australischen Busch
JJ Harrison / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0

Kurz erklärt

Der Nymphensittich ist ein schlanker, grauer Papagei aus Australien mit gelbem Gesicht, orangem Wangenfleck und einer spitzen Federhaube. Er ist der kleinste Kakadu und wird etwa 30 Zentimeter lang, die Hälfte davon ist Schwanz. In der Natur zieht er in Schwärmen durch das trockene Landesinnere Australiens. Als Heimvogel ist er sehr beliebt, darf aber nie allein gehalten werden.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameNymphicus hollandicus
Abstammung
  • Klasse: Vögel
  • Ordnung: Papageien (Psittaciformes)
  • Familie: Kakadus (Cacatuidae)
  • Gattung: Nymphicus
  • Art: Nymphensittich
KörpergrößeMeist um 30 cm, je nach Quelle 25 bis 35 cm; rund die Hälfte davon ist Schwanz
KörpergewichtIm Durchschnitt etwa 80 g
ErnährungKörnerfresser: in der Natur vor allem Samen von Gräsern, Sträuchern und Bäumen, auch Getreide; als Heimvogel Sämereien, Kräuter, Obst und Gemüse
LebenserwartungIn freier Natur 10 bis 14 Jahre, in Menschenobhut bis etwa 25 Jahre
SozialverhaltenSehr gesellig; meist Schwärme bis 30 Vögel, manchmal Hunderte oder Tausende; Paare bleiben das ganze Jahr zusammen; als Heimvogel mindestens paarweise halten
HerkunftAustralien
Verbreitung Wild im trockenen Landesinneren des australischen Festlands, in allen Festlandsstaaten; als Heimvogel weltweit Australien
EntdeckungWissenschaftlich beschrieben 1792 (Kerr)
GefährdungLC Nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2018)
SonstigesNymphensittiche gelten als domestiziert. Neben der grauen Wildform gibt es zahlreiche Farbschläge, die durch Zucht entstanden sind.

Wildvogel und Heimtier

Der Nymphensittich (Nymphicus hollandicus) ist ein kleiner Papagei aus Australien. Obwohl er „Sittich“ heißt, gehört er zur Familie der Kakadus. Er ist sogar der kleinste Kakadu.

Den Nymphensittich gibt es in zwei „Ausgaben“:

  • Der wilde Nymphensittich lebt in Schwärmen im trockenen Inneren Australiens. Er ist grau mit gelbem Gesicht und orangem Wangenfleck.
  • Der Heimvogel stammt von diesen Wildvögeln ab. Nymphensittiche gelten heute als domestiziert, also als Haustiere. Neben der wildfarbenen Form gibt es zahlreiche Farbschläge.

Nach dem Wellensittich ist der Nymphensittich der zweitbeliebteste Heimvogel. Wer weiß, wie er in der Natur lebt, versteht besser, was er als Haustier braucht.

Aussehen

Gefieder: Wilde Nymphensittiche sind überwiegend bräunlich grau. Auf jedem Flügel leuchtet ein großer weißer Fleck. Am Kopf tragen sie eine lange, leicht gebogene Federhaube, das Gesicht ist gelb, und auf der Wange sitzt ein orangeroter Fleck.

Größe und Gewicht: Nymphensittiche werden etwa 30 Zentimeter lang, je nach Quelle 25 bis 35 Zentimeter. Der spitz zulaufende Schwanz ist rund 15 Zentimeter lang und macht damit die Hälfte der Körperlänge aus. Mit durchschnittlich 80 Gramm ist der Nymphensittich ein schlanker, leichter Vogel. Die Federhaube misst etwa 5 Zentimeter.

Männchen oder Weibchen? Bei der Wildform haben die Hähne einen gelben Kopf mit gelber Haube und leuchtende Wangenflecken. Die Hennen haben einen gräulichen Kopf mit grauer Haube und blassere Wangen. Sicher erkennt man ein Weibchen an den quer gestreiften Schwanzfedern auf der Unterseite. Jungvögel sehen aus wie Weibchen. Ihr Schnabel ist anfangs weißlich und wird erst nach drei Monaten grau. Ins Federkleid der Erwachsenen mausern sie sich erst nach etwa neun Monaten.

Die Haube als Stimmungsanzeiger: Ist ein Nymphensittich erschreckt oder aufmerksam, stellt er die Haube senkrecht auf. Ist er entspannt, hält er sie schräg. Wenn er sich bedroht fühlt oder gereizt ist, legt er sie flach an den Kopf.

Puderdunen: Wie andere Kakadus haben Nymphensittiche Puderdunen, die einen feinen Staub bilden. Wenn sie sich nach der Gefiederpflege schütteln, steigen manchmal richtige Staubwolken auf.

Verbreitung und Lebensraum

Wilde Nymphensittiche leben im trockenen Landesinneren des australischen Festlands und kommen in allen Festlandsstaaten vor. Feuchte Küstengebiete meiden sie. Auf Tasmanien fehlen sie nach Angaben von BirdLife Australia. Andere Quellen erwähnen dort einzelne Vögel, die versehentlich eingeschleppt wurden.

Nymphensittiche bewohnen lichtes Grasland mit wenigen Bäumen, offene Wälder und Eukalyptusbestände entlang von Flüssen. Auch auf teilweise gerodetem Farmland sind sie zu finden. Wichtig ist Wasser in der Nähe.

Ihr Lebensraum ist hart: Im Winter kann es nachts auf 4,5 Grad abkühlen, im Sommer steigt die Temperatur auf über 43 Grad. Im Norden Australiens ziehen die Vögel als Nomaden umher, immer dem Wasser und Futter hinterher. Im Süden, wo das Wetter regelmäßiger ist, wandern sie jahreszeitlich.

Ernährung

Wilde Nymphensittiche fressen vor allem Samen von Gräsern, Sträuchern und Bäumen. Besonders gern mögen sie Getreide. Fast immer suchen sie ihr Futter am Boden, seltener in Büschen oder Bäumen. Ihre graue Färbung tarnt sie dabei gut vor Greifvögeln.

Die Körner schälen sie geschickt: Mit der Zunge drehen sie den Samen, mit dem Oberschnabel knacken sie die Schale. Das dauert nur wenige Sekunden. Gelegentlich fressen sie auch Früchte, Beeren und kleine Insekten.

Beim Trinken sind die Vögel vorsichtig. Sie nehmen nur ein, zwei schnelle Schlucke, recken dann den Hals nach oben und schauen sich um.

In der Landwirtschaft sind große Schwärme nicht immer beliebt. Mehrere Tausend Vögel können über Felder mit Hirse, Sorghum, Weizen oder Sonnenblumen herfallen.

Verhalten und Lebensweise

Nymphensittiche sind das ganze Jahr über sehr gesellig, sogar in der Brutzeit. Meist bestehen die Schwärme aus bis zu 30 Vögeln. Manchmal schließen sich aber Hunderte oder Tausende zusammen. Nachts schlafen die Vögel gemeinsam an einem Schlafplatz. Paare bleiben das ganze Jahr zusammen.

Der Flug ist sehr schnell, gleichmäßig und geradlinig. Nymphensittiche erreichen mehr als 60 Kilometer pro Stunde. Ihr wichtigster Ruf ist ein „Kwiel, kwiel“, der oft im Flug ertönt. Bei Gefahr stoßen sie einen lauten Pfeifton aus. Ihre Hauptfeinde sind Greifvögel. Gegen sie hilft nur die schnelle Flucht durch die Luft.

Fortpflanzung und Nachwuchs

Wann Nymphensittiche brüten, hängt vor allem vom Regen ab. Starke Regenfälle sorgen für viel Futter und lösen die Brut aus.

  • Nest: Nymphensittiche brüten in Baumhöhlen, meist in Eukalyptusbäumen. Manchmal nutzen sie alte Nester anderer Papageien. Mehrere Paare können im selben Baum brüten.
  • Gelege: Ein Gelege besteht meist aus 3 bis 5, manchmal bis zu 8 weißen Eiern. Das Merkblatt der TVT nennt 3 bis 6 Eier.
  • Brutzeit: Beide Eltern brüten abwechselnd, insgesamt 18 bis 19 Tage. Tagsüber sitzt meist das Männchen auf den Eiern, nachts das Weibchen.
  • Küken: Beide Eltern füttern die Jungen. Diese bleiben etwa einen Monat in der Bruthöhle.
  • Geschlechtsreife: Mit etwa einem Jahr können Nymphensittiche selbst Junge bekommen.

Wilde Nymphensittiche werden 10 bis 14 Jahre alt. In Menschenobhut leben sie oft länger, bis etwa 25 Jahre. Als ältester bekannter Nymphensittich gilt laut dem Animal Diversity Web der University of Michigan ein Vogel, der 36 Jahre alt wurde.

Haltung: Was Nymphensittiche brauchen

Bei artgerechter Haltung schreien Nymphensittiche wenig. Sprechen lernen sie kaum, Melodien und Pfiffe ahmen sie dagegen gern nach. Die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (TVT) beschreibt in ihrem Merkblatt, was eine tiergerechte Haltung ausmacht:

  • Niemals allein: Nymphensittiche müssen mindestens paarweise gehalten werden. Auch die intensivste Beschäftigung durch den Menschen ersetzt keinen Artgenossen. Einzeln gehaltene Vögel schreien oft viel, rupfen sich Federn aus oder zeigen Verhaltensstörungen.
  • Platz: Für bis zu drei Paare braucht eine Voliere eine Grundfläche von mindestens 200 × 60 Zentimetern und eine Höhe von mindestens 150 Zentimetern. Runde Käfige sind nicht zulässig. Das Gitter muss quer verlaufen und darf nicht verzinkt oder mit Kunststoff überzogen sein.
  • Freiflug: Jeden Tag ist mindestens eine Stunde Freiflug nötig, besser beliebig lange. Ohne Freiflug brauchen bis zu drei Paare mindestens 2,5 Kubikmeter Flugraum bei mindestens 2 Quadratmetern Grundfläche.
  • Einrichtung: Viele Äste und Sitzstangen mit unterschiedlicher Dicke, mindestens vier davon in der Voliere. Eine Bademöglichkeit muss immer vorhanden sein. Viele Nymphensittiche lassen sich gern mit einer Sprühflasche „beregnen“.
  • Licht und Klima: Ideal sind 18 bis 25 Grad. Bei künstlichem Licht sollte es 10 bis 14 Stunden hell sein, mit Dämmerung am Morgen und Abend. Nachts muss der Raum abgedunkelt werden. Zugluft und plötzliche Temperaturschwankungen sind zu vermeiden. Empfohlen wird zusätzlich eine UVA-Beleuchtung.
  • Futter: Grundfutter sind Sämereien wie Hirse, Kanariensaat, Getreide und Grassamen sowie Kräuter wie Vogelmiere, Wegerich und Löwenzahn. Täglich gehören Obst und Gemüse dazu, etwa Äpfel, Karotten, Paprika oder Salat. Frische Zweige von Laubbäumen, Mineral- und Magengrit und Trinkwasser müssen immer verfügbar sein.
  • Gefahren: Beim Freiflug dürfen keine giftigen Pflanzen wie Weihnachtsstern im Raum stehen. Auch Spiegel, Ventilatoren und Putzmittel sind gefährlich. Überhitzte beschichtete Pfannen geben giftige Dämpfe ab. Spiegel und Plastikvögel sind als Spielzeug ungeeignet.

In einer ganzjährigen Außenvoliere brauchen Nymphensittiche einen frostfreien Schutzraum, auch wenn sie wenig temperaturempfindlich sind.

Gefährdung

Der Nymphensittich ist in Australien weit verbreitet. Die Rote Liste der IUCN stuft ihn als nicht gefährdet (LC, 2018) ein. In Australien ist er grundsätzlich gesetzlich geschützt. Weil Schwärme Felder plündern, wurde die Jagd in Queensland aber zeitweise freigegeben.

Häufige Fragen zum Nymphensittich

Ist der Nymphensittich ein Kakadu?

Ja. Trotz seines Namens gehört der Nymphensittich zur Familie der Kakadus. Er ist der kleinste Vertreter dieser Familie. Anders als die übrigen Papageien mit Federhaube hat er einen langen, spitz zulaufenden Schwanz.

Wie erkennt man Männchen und Weibchen?

Bei der grauen Wildform haben Männchen ein kräftig gelbes Gesicht und eine gelbe Haube, Weibchen einen gräulichen Kopf. Sicher erkennt man Weibchen an den quer gestreiften Unterseiten der Schwanzfedern.

Wie alt wird ein Nymphensittich?

Wilde Nymphensittiche werden 10 bis 14 Jahre alt, in Menschenobhut bis etwa 25 Jahre. Als Rekord nennt das Animal Diversity Web 36 Jahre. Wer Nymphensittiche anschafft, übernimmt also Verantwortung für viele Jahre.

Kann man einen Nymphensittich allein halten?

Nein. Nymphensittiche sind Schwarmvögel und müssen mindestens zu zweit gehalten werden. Allein gehaltene Vögel schreien oft viel oder rupfen sich die Federn aus.

Kann ein Nymphensittich sprechen?

Kaum. Sein Talent zum Nachahmen ist nicht besonders groß, und menschliche Wörter kann er nicht genau nachsprechen. Melodien und Pfiffe ahmt er dagegen gern nach.

Was fressen Nymphensittiche?

In der Natur fressen sie vor allem Samen von Gräsern, Sträuchern und Bäumen sowie Getreide. Als Heimvögel bekommen sie Körnerfutter und Kräuter, dazu täglich Obst und Gemüse und frische Zweige zum Knabbern.

Ähnliche Tiere

  • Wellensittich - der beliebteste Heimvogel, ebenfalls aus Australien
  • Kakadu - die Familie, zu der der Nymphensittich gehört
  • Papagei - Überblick über die ganze Vogelgruppe
  • Halsbandsittich - ein weiterer Papagei mit Sittich-Namen
  • Zebrafink - ein kleiner Heimvogel, der ebenfalls aus Australien stammt

Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Nymphensittich
25 bis 35 cm

Ein Nymphensittich erreicht eine Körpergröße von 25 bis 35 cm. Damit passt er bequem zwischen einen Fußball (22 cm) und ein Kind (1,2 m) auf unserer Vergleichsskala. Ein Kind wäre dagegen noch rund 4-mal so groß.

Gewichtsvergleich

🪙1-Euro-Münze
7,5 g
🍫Tafel Schokolade
100 g
⚽Fußball
430 g
🧒Kind
25 kg
🧑Erwachsener
75 kg
🚗Auto
1,5 t
🚌Schulbus
12 t
▼Nymphensittich
80 g

Ein Nymphensittich bringt 80 g auf die Waage. Das ist schwerer als eine 1-Euro-Münze (7,5 g), aber leichter als eine Tafel Schokolade (100 g). Anders ausgedrückt: Der Nymphensittich wiegt so viel wie etwa 11 1-Euro-Münzen.