Okapi
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Kurz erklärt
Das Okapi sieht mit seinen gestreiften Beinen aus wie ein Zebra, ist aber der engste lebende Verwandte der Giraffen. Es lebt nur in den Regenwäldern der Demokratischen Republik Kongo, ist sehr scheu und lebt meist allein. Mit seiner langen, blauen Zunge rupft es Blätter von Büschen und kann sich damit sogar die Augen putzen. Das Okapi ist stark gefährdet.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Okapia johnstoni |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | Körperlänge im Mittel etwa 2,5 m, Schulterhöhe 1,40 bis 1,59 m, Schwanz 30 bis 42 cm |
| Körpergewicht | Meist 200 bis 300 kg; Männchen 180 bis 260 kg, Weibchen 240 bis 356 kg (Weibchen sind größer und schwerer) |
| Ernährung | Pflanzenfresser: junge Blätter, Knospen, Triebe, Früchte, Samen, Farne und Pilze von über 100 Pflanzenarten; frisst auch Lehm und Holzkohle |
| Lebenserwartung | In freier Natur unbekannt; in Zoos meist 15 bis 30 Jahre, im Median etwa 17 Jahre |
| Sozialverhalten | Einzelgänger; Mutter und Jungtier bleiben einige Monate zusammen |
| Herkunft | Afrika |
| Verbreitung | Nur in der Demokratischen Republik Kongo, in dichten Regenwäldern zwischen etwa 450 und 1.500 m Höhe, vor allem im Norden, Nordosten und in der Mitte des Landes Afrika |
| Entdeckung | 1901 wissenschaftlich beschrieben (P. L. Sclater) nach Funden von Sir Harry Johnston |
| Gefährdung | EN Stark gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2015) |
| Sonstiges | Die Bestandszahl ist unsicher, Schätzungen reichen von rund 10.000 bis 35.000 Tieren, der Bestand nimmt ab. In der DR Kongo seit 1933 gesetzlich geschützt, seit März 2026 in Anhang I des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES). |
Die Waldgiraffe
Das Okapi (Okapia johnstoni) ist eines der rätselhaftesten Säugetiere Afrikas. Mit seinen weiß gestreiften Beinen und dem Hinterteil erinnert es an ein Zebra, mit Zebras ist es aber nicht verwandt. Das Okapi ist neben den Giraffen das einzige lebende Mitglied der Familie der Giraffenartigen. Man nennt es deshalb auch Waldgiraffe.
Die Verwandtschaft mit der Giraffe erkennt man an mehreren Merkmalen: Die Männchen tragen kurze, fellüberzogene Knochenzapfen auf der Stirn, die sogenannten Ossikone. Beide Arten haben besondere, zweilappige Eckzähne und eine lange Greifzunge.
Späte Entdeckung: In Europa war das Okapi lange unbekannt. 1890 berichtete der Forscher Henry Morton Stanley von einem geheimnisvollen, pferdeähnlichen Tier im Ituri-Wald. Sir Harry Johnston, damals britischer Hochkommissar in Uganda, machte sich auf die Suche. Die Mbuti, ein Volk des Regenwalds, erzählten ihm, das Tier heiße „o'api“. Johnston schickte zwei Schultergurte aus gestreiftem Okapi-Fell nach London. Anfang 1901 beschrieb der Zoologe Philip Lutley Sclater das Tier danach zunächst als Zebra-Art. Wenige Monate später erhielt Johnston ein ganzes Fell und zwei Schädel und erkannte, dass es ein Verwandter der Giraffe ist. Noch 1901 bekam das Okapi deshalb eine eigene Gattung, Okapia. Der Artname johnstoni erinnert an Johnston.
Aussehen und Körperbau
Größe und Gewicht: Ein Okapi ist im Durchschnitt etwa 2,5 m lang und an der Schulter 1,40 bis 1,59 m hoch. Der Schwanz misst 30 bis 42 cm. Okapis wiegen meist 200 bis 300 kg. Dabei sind die Weibchen größer und schwerer als die Männchen: Weibchen wiegen 240 bis 356 kg, Männchen 180 bis 260 kg.
Körperform: Das Okapi ist kleiner als die Giraffe und hat einen viel kürzeren Hals. Im Vergleich zu anderen Wiederkäuern ist der Hals aber recht lang. Der Rücken verläuft fast gerade, während er bei der Giraffe nach hinten stark abfällt. Der Kopf ist lang, mit großen, dunklen Augen und großen Ohren.
Fell und Streifen: Das Fell ist samtig und rotbraun bis fast schwarz. Wangen, Kehle und hinterer Bauch sind weißlich bis grau oder hellbraun. Auf den Hinterbeinen und den oberen Vorderbeinen verlaufen weiße bis cremefarbene Querstreifen, die unteren Beine tragen weiße „Strümpfe“. Die Streifen lösen im Licht und Schatten des Waldes die Umrisse des Körpers auf und tarnen das Okapi so. Das Streifenmuster ist bei jedem Tier etwas anders. Forschende können einzelne Okapis daran unterscheiden.
Die Zunge: Die dunkelblaue Zunge ist lang und beweglich. Das Okapi kann sie etwa 25 cm weit über die Schnauze hinaus strecken. Damit rupft es Blätter ab und putzt seinen ganzen Körper, sogar Augen, Ohren und Nasenlöcher.
Hörner: Nur die Männchen tragen die fellbedeckten Knochenzapfen. Weibchen haben an dieser Stelle meist nur kleine Höcker oder Haarwirbel.
Gutes Gehör: Okapis hören sehr gut. Sie können tiefe Töne wahrnehmen und erzeugen, die für Menschen zu tief sind (Infraschall).
Verbreitung und Lebensraum
Okapis leben nur in der Demokratischen Republik Kongo. Kein anderes Land der Welt beherbergt diese Tiere. Früher kamen Okapis gelegentlich auch im angrenzenden Semliki-Wald in Uganda vor, ob sie dort heute noch leben, ist nicht bekannt.
Wo genau? Das Verbreitungsgebiet liegt im Norden, Nordosten und in der Mitte des Landes, auf beiden Seiten des Kongo-Flusses. Das wichtigste Gebiet ist der Ituri-Wald mit dem Okapi-Wildreservat (Réserve de Faune à Okapis). Weitere Vorkommen gibt es zum Beispiel im Maiko-Nationalpark und im Norden des Virunga-Nationalparks.
Lebensraum: Okapis leben in dichten, hohen Regenwäldern zwischen etwa 450 und 1.500 m Höhe. Sie mögen Wälder mit dichtem Unterholz, in dem sie sich gut verstecken können. In Savannen, Galeriewäldern an Flüssen, Sumpfwäldern und in der Nähe von Siedlungen leben sie nicht. Besonders gern fressen sie in Lücken, die umgestürzte Bäume im Wald hinterlassen: Dort wachsen viele junge Pflanzen im Licht.
Ernährung
Okapis sind Pflanzenfresser und Wiederkäuer. Sie fressen junge Blätter, Knospen, Triebe, Früchte, Samen, Farne und sogar Pilze. Insgesamt stehen über 100 Pflanzenarten auf ihrem Speiseplan, keine davon macht einen großen Teil aus. Das Okapi ist das einzige große Säugetier im Ituri-Wald, das sich ausschließlich von Pflanzen des Unterholzes ernährt.
Wählerisch: Okapis fressen sehr gezielt. Die meisten Pflanzen im Wald rühren sie nicht an. Am liebsten fressen sie schnell wachsende, lichtliebende Pflanzen wie junge Bäume, Sträucher und Lianen. Mit der langen Zunge, der schmalen Schnauze und beweglichen Lippen suchen sie genau die richtigen Blätter aus.
Mineralien: Okapis fressen auch Lehm, verkohltes Holz und Fledermauskot aus hohlen Bäumen. So bekommen sie Mineralien, die in ihrer Nahrung fehlen.
Tagesablauf: Okapis sind vor allem tagsüber aktiv, bewegen sich aber auch in den ersten Nachtstunden. Am meisten fressen sie am Vormittag und am späten Nachmittag, um die Mittagszeit ruhen sie. Auf der Nahrungssuche legen sie täglich 2,5 bis 4 km zurück, oft auf festen Pfaden.
Verhalten und Lebensweise
Einzelgänger: Okapis leben meist allein. Männchen und Weibchen treffen sich fast nur zur Paarung. In freier Natur wurden nie Gruppen von mehr als drei Tieren beobachtet.
Streifgebiete: Jedes Okapi hat ein festes Gebiet, das sich mit denen anderer überschneidet. Erwachsene Weibchen nutzen die beständigsten Gebiete mit 4 bis 7 km². Die Gebiete der Männchen sind mit 10 bis 17 km² größer, vermutlich um mehrere Weibchen zu erreichen.
Duftmarken: Okapis haben Drüsen zwischen den Zehen an allen vier Füßen. Beim Laufen hinterlassen sie Duftspuren auf niedrigen Pflanzen. Sie reiben außerdem ihren Hals an Bäumen. In Zoos wurde beobachtet, dass Männchen Büsche und Bäume mit Urin markieren.
Verständigung: Okapis geben ein leises Schnauben als Kontaktlaut von sich. Jungtiere blöken, wenn sie Angst haben oder ihre Mutter rufen. Männchen stoßen bei der Balz ein leises Stöhnen aus. Ein Teil dieser Laute liegt im Infraschall-Bereich.
Rivalen: Konkurrieren Männchen um ein Weibchen, recken sie den Hals, stoßen mit dem Kopf oder treten. Oft bleibt es bei Drohgebärden.
Schnelle Läufer: Okapis gehen im Passgang: Die Beine einer Körperseite bewegen sich gleichzeitig nach vorne. So erreichen sie etwa 16 km/h, im Galopp etwa 56 km/h.
Fortpflanzung und Nachwuchs
Das ganze Jahr: Okapis haben keine feste Paarungszeit. Weibchen werden etwa alle 15 Tage paarungsbereit, allerdings oft unregelmäßig. Das Männchen nähert sich vorsichtig, beide umkreisen und beschnuppern sich.
Lange Tragzeit: Die Tragzeit dauert sehr lang, etwa 14 Monate (im Mittel 426 bis 440 Tage). Dann kommt ein einziges Junges zur Welt. Es wiegt bei der Geburt 14 bis 30 kg, meist um 22 kg, und steht nach etwa einer halben Stunde auf.
Versteckt im Nest: In den ersten zwei Monaten liegt das Junge etwa 80 Prozent der Zeit in einem Versteck, während die Mutter frisst. Diese Ruhe hilft ihm vermutlich, schnell zu wachsen: Nach einem Monat hat es sein Geburtsgewicht schon verdoppelt. Okapi-Milch enthält etwa ein Drittel mehr Eiweiß als Kuhmilch.
Erwachsen werden: Ab der dritten Woche frisst das Junge erste Pflanzen, mit etwa sechs Wochen beginnt es wiederzukäuen. Mit etwa sechs Monaten wird es entwöhnt, trinkt aber manchmal noch über ein Jahr lang Milch. Die Hörner der Männchen beginnen erst mit etwa einem Jahr zu wachsen. Ausgewachsen ist ein Okapi nach etwa drei Jahren. Geschlechtsreif werden Okapis mit etwa zwei Jahren.
Lebensdauer: Wie alt Okapis in freier Natur werden, ist unbekannt. In Zoos leben sie meist 15 bis 30 Jahre, im Median etwa 17 Jahre.
Feinde und Gefährdung
Natürliche Feinde: Der wichtigste natürliche Feind erwachsener Okapis ist der Leopard. In einer Studie im Ituri-Wald starben drei von elf mit Sendern beobachteten Okapis durch Leopardenangriffe. Junge Okapis werden auch von Servalen und Goldkatzen erbeutet.
Gefährdungsstatus: Die IUCN stuft das Okapi als stark gefährdet (Endangered) ein (Mallon et al., 2015). Nach dieser Einstufung ist der Bestand in drei Generationen um mehr als die Hälfte geschrumpft.
Wie viele Okapis gibt es? Das weiß niemand genau. Zählungen sind im Regenwald schwierig und wegen bewaffneter Konflikte oft gefährlich. Schätzungen reichen von rund 10.000 bis 35.000 Tieren, einzelne Schätzungen liegen noch höher. Die IUCN geht davon aus, dass es heute weniger sind und der Bestand weiter abnimmt. Im Okapi-Wildreservat ist der Bestand zeitweise stark gesunken, Berichte an die UNESCO nannten 2008 einen Rückgang um 43 Prozent.
Bedrohungen:
- Lebensraumverlust: Wälder werden abgeholzt und für Siedlungen und Felder gerodet.
- Jagd: Okapis geraten in Schlingen und Fallgruben, die auf ihren festen Pfaden aufgestellt werden, und werden wegen Fleisch und Fell gejagt.
- Bergbau: Illegale Minen für Gold, Diamanten und Coltan zerstören Wälder, auch in Schutzgebieten.
- Bewaffnete Konflikte: Bewaffnete Gruppen halten sich in Schutzgebieten auf und verhindern Schutz und Forschung. 2012 überfielen Bewaffnete die Zentrale des Okapi-Wildreservats. Dabei starben sieben Menschen und alle 14 dort gehaltenen Okapis.
Schutz: In der DR Kongo ist das Okapi seit 1933 gesetzlich geschützt. Das Okapi-Wildreservat mit 13.700 km² ist seit 1996 UNESCO-Welterbe. Seit März 2026 steht das Okapi in Anhang I des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES). Der internationale Handel mit Okapis, ihrem Fell oder Fleisch ist damit grundsätzlich verboten. Das Okapi ist ein Nationalsymbol des Landes: Es ist auf Geldscheinen und im Logo der kongolesischen Naturschutzbehörde ICCN abgebildet. 2015 veröffentlichten die IUCN-Fachgruppe für Giraffen und Okapis und die Behörde ICCN die erste umfassende Schutzstrategie für das Okapi.
Häufige Fragen zum Okapi
Ist das Okapi mit dem Zebra verwandt?
Nein. Die Streifen an den Beinen erinnern zwar an ein Zebra, doch das Okapi gehört zur Familie der Giraffenartigen. Neben den Giraffen ist es der einzige lebende Vertreter dieser Familie.
Wie groß und schwer wird ein Okapi?
Ein Okapi wird etwa 2,5 m lang und an der Schulter 1,40 bis 1,59 m hoch. Es wiegt meist 200 bis 300 kg. Die Weibchen sind größer und schwerer als die Männchen.
Was frisst ein Okapi?
Junge Blätter, Knospen, Triebe, Früchte, Farne und Pilze von über 100 Pflanzenarten aus dem Unterholz. Mit seiner langen Zunge rupft es gezielt die besten Blätter ab. Für Mineralien frisst es auch Lehm und verkohltes Holz.
Wo lebt das Okapi?
Nur in den Regenwäldern der Demokratischen Republik Kongo, vor allem im Ituri-Wald im Nordosten des Landes. Es lebt dort zwischen etwa 450 und 1.500 m Höhe.
Warum hat das Okapi Streifen?
Die hellen Streifen an Beinen und Hinterteil lösen im Licht und Schatten des Waldes den Umriss des Körpers auf. So ist das Okapi im dichten Unterholz schwer zu erkennen. Jedes Tier hat ein etwas anderes Muster.
Wie lang ist die Zunge des Okapis?
Das Okapi kann seine dunkelblaue Zunge etwa 25 cm weit über die Schnauze hinaus strecken. Damit rupft es Blätter und putzt sich sogar Augen und Ohren.
Ähnliche Tiere
- Giraffe - die nächsten lebenden Verwandten des Okapis
- Zebra - hat ebenfalls Streifen, ist aber ein Pferd
- Bongo - eine gestreifte Waldantilope aus Zentralafrika
- Leopard - der wichtigste natürliche Feind des Okapis
- Östlicher Flachlandgorilla - lebt ebenfalls in den Wäldern im Osten der DR Kongo
Quellen
- Mallon, D. et al. (2015): Okapia johnstoni. The IUCN Red List of Threatened Species
- Kümpel, N.F., Quinn, A., Queslin, E., Grange, S., Mallon, D. & Mapilanga, J.-J. (Hrsg.) (2015): Okapi (Okapia johnstoni) Conservation Strategy and Status Review. IUCN SSC Giraffe and Okapi Specialist Group, ICCN
- Okapi (Okapia johnstoni) Fact Sheet - San Diego Zoo Wildlife Alliance Library
- The Okapi - Okapi Conservation Project
- Okapia johnstoni - Species+ (CITES-Listung), UNEP-WCMC
Größenvergleich
Ein Okapi erreicht eine Körpergröße von 2,5 m. Damit passt es bequem zwischen einen Erwachsenen (1,8 m) und einen Elefanten (3,5 m) auf unserer Vergleichsskala.
Gewichtsvergleich
Ein Okapi bringt 180 bis 356 kg auf die Waage. Das ist schwerer als ein Erwachsener (75 kg), aber leichter als ein Auto (1,5 t). Anders ausgedrückt: Das Okapi wiegt so viel wie etwa 4 Erwachsene.