Oktopus (Kraken)
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Kurz erklärt
Oktopusse, auf Deutsch Kraken, sind Weichtiere aus dem Meer mit acht Armen voller Saugnäpfe. Sie haben drei Herzen, blaues Blut und kein Skelett. Blitzschnell können sie Farbe und Muster ihrer Haut ändern und sich so tarnen. Kraken gelten als sehr klug, manche benutzen sogar Kokosnussschalen als Versteck. Die Weibchen bewachen ihre Eier und sterben meist kurz nachdem die Jungen geschlüpft sind.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Octopoda |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | Gesamtlänge je nach Art von etwa 1,5 cm bis 3 m; beim Pazifischen Riesenkraken (Enteroctopus dofleini) spannen die Arme mindestens 2 m und oft über 4 m, beim Rekordtier fast 6 m |
| Körpergewicht | Je nach Art sehr verschieden; ausgewachsene Pazifische Riesenkraken können über 22 kg wiegen, das schwerste bekannte Tier rund 90 kg |
| Ernährung | Fleischfresser: vor allem Krebse wie Krabben und Hummer, Muscheln und Schnecken wie Seeohren, auch Fische und andere Kraken |
| Lebenserwartung | Meist höchstens etwa 1 Jahr, der Pazifische Riesenkrake 3 bis 5 Jahre. Die meisten Kraken pflanzen sich nur ein einziges Mal fort und sterben danach |
| Sozialverhalten | Einzelgänger; Weibchen bewachen ihre Eier bis zum Schlüpfen |
| Herkunft | Meere |
| Verbreitung | Nur im Meer, von Gezeitentümpeln bis in die Tiefsee; die meisten Arten leben im Flachwasser der Küsten Meer |
| Sonstiges | Gruppenseite: Eine Gesamteinstufung auf der Roten Liste gibt es nicht. Beispiele: Gemeiner Krake (Octopus vulgaris), Pazifischer Riesenkrake (Enteroctopus dofleini), Amphioctopus marginatus (trägt Kokosnussschalen) und die Tiefseeart Graneledone boreopacifica (brütet 53 Monate). |
Was ist ein Oktopus?
Oktopus ist ein anderes Wort für Krake. Weitere deutsche Namen sind Achtfüßer, Polypen und Achtarmige Tintenschnecken. Wissenschaftlich heißen die Kraken Octopoda. Sie gehören zu den Kopffüßern (Cephalopoda), einer Gruppe von Weichtieren, die nur im Meer lebt. Kraken sind also mit Muscheln verwandt, nicht mit Fischen.
Kraken haben eine kurze, sackförmige Körperhülle, den Mantel, und acht etwa gleich lange Arme. Eine äußere Schale besitzen sie nicht. Das Lexikon der Biologie nennt rund 200 Arten (Stand 1999). Sie werden meist in zwei Unterordnungen eingeteilt, die Cirrata und die Incirrata. Als Kraken im engeren Sinn gelten die Arten der Gattung Octopus.
Krake, Kalmar oder Tintenfisch?
Im Alltag werden die Namen oft durcheinandergeworfen:
- Tintenfisch ist ein Sammelname für Kopffüßer. Fische sind sie trotz des Namens nicht. Mehr dazu auf der Seite Tintenfisch.
- Kalmare und Sepien zählen zu den Zehnarmigen Kopffüßern (Decabrachia). Zwei ihrer Arme sind zu langen Fangarmen umgebildet, mit denen sie Beute packen.
- Kraken gehören zu den Achtarmigen Kopffüßern (Octobrachia). Sie haben acht Arme und keine Fangarme.
Ein Oktopus hat also immer acht Arme, ein Kalmar oder eine Sepie zehn.
Aussehen und Körperbau
Kraken haben kein Skelett. Von der Schale ihrer Vorfahren sind nur zwei kleine Plättchen geblieben, an denen Kopfmuskeln ansetzen. Hart ist der Schnabel im Mund, der wie ein Papageienschnabel aussieht. Mit ihm beißen Kraken ihre Beute auf. Eine Raspelzunge (Radula) befördert die Nahrung in die Speiseröhre.
- Arme: An der Unterseite tragen sie ein bis zwei Reihen Saugnäpfe ohne Stiel und ohne Haken. Ein Weibchen des Pazifischen Riesenkraken (Enteroctopus dofleini) hat etwa 2.240 Saugnäpfe. Mit ihnen kann ein Krake fest zupacken, aber auch tasten, schmecken und riechen.
- Armhaut: Zwischen den Armen spannt sich eine mehr oder weniger große Haut.
- Begattungsarm: Bei den Männchen ist ein Arm des dritten Paares, meist der rechte, zum Begattungsorgan umgebaut. Er heißt Hectocotylus.
- Trichter: Ein röhrenförmiger Trichter verbindet die Mantelhöhle mit dem Wasser.
- Augen: Kraken haben gut entwickelte Linsenaugen.
Größe: Die kleinsten Kraken sind insgesamt nur etwa 1,5 Zentimeter lang, die größten etwa 3 Meter. Die größte Art ist der Pazifische Riesenkrake. Seine Arme spannen mindestens 2 Meter und oft mehr als 4 Meter, ausgewachsen kann er mehr als 22 Kilogramm wiegen. Das schwerste bekannte Tier wog rund 90 Kilogramm und maß von Armspitze zu Armspitze fast 6 Meter.
Drei Herzen und blaues Blut
Kraken haben drei Herzen:
- Zwei Kiemenherzen pumpen das Blut durch die beiden Kiemen, wo es Sauerstoff aufnimmt.
- Ein Körperherz pumpt das Blut anschließend durch den ganzen Körper.
Ihr Blut ist blau. Den Sauerstoff transportiert bei ihnen nicht rotes Hämoglobin wie bei uns, sondern der Blutfarbstoff Hämocyanin. Er enthält Kupfer statt Eisen, und mit Sauerstoff beladen sieht er blau aus. Der Kreislauf der Kopffüßer ist fast oder ganz geschlossen und sehr leistungsfähig.
Ein großes Gehirn und kluge Arme
Kopffüßer haben das leistungsfähigste Nervensystem aller Weichtiere. Ihre wichtigsten Nervenknoten sind zu einem Gehirn verschmolzen, das von einer Knorpelkapsel geschützt wird. Am höchsten entwickelt ist es bei den Achtarmigen, also den Kraken.
Besonders viele Nerven ziehen in die Arme. Jeder Saugnapf hat sogar einen eigenen kleinen Nervenknoten. An den Rändern der Saugnäpfe sitzen viele Sinneszellen, die auf Berührung und chemische Reize reagieren.
Tarnung und Farbwechsel
Kraken sind wahre Verwandlungskünstler. In ihrer Haut liegen Millionen elastischer Farbzellen, die Chromatophoren. Jede ist mit einem Farbstoff gefüllt. Winzige Muskeln ziehen die Zellen auseinander oder lassen sie schrumpfen. So ändert sich die Farbe der Haut innerhalb von Augenblicken. Dazu kommen Zellen mit Kristallen, die Licht zurückwerfen und schimmern.
Kraken nutzen den Farbwechsel für verschiedene Zwecke:
- Tarnung: Mit ihren scharfen Augen gleichen sie Farbe und Muster des Untergrunds fast perfekt an.
- Verständigung: Farbmuster können Stimmungen zeigen, einen Partner anlocken oder Feinde abschrecken.
- Mimikry: Manche Kopffüßer nutzen ihre Färbung auch, um etwas nachzuahmen.
Erstaunlich ist: Versuche mit dem Pazifischen Riesenkraken haben gezeigt, dass er farbenblind ist. Wie er sich trotzdem so gut an Farben anpasst, ist noch ein Rätsel.
Reicht die Tarnung nicht, stoßen Kraken eine Wolke Tinte aus. Die Tinte enthält dunkles Melanin. Sie lenkt Angreifer ab und verschafft dem Kraken Zeit zur Flucht.
Intelligenz und Werkzeuggebrauch
Kraken gelten als sehr intelligent. Im Aquarium lernen Pazifische Riesenkraken, Gläser zu öffnen, lösen Rätselaufgaben und nehmen Kontakt zu ihren Pflegern auf. Das ist ungewöhnlich, weil Kraken Einzelgänger sind. Lange dachte man, dass sich hohe Intelligenz vor allem bei Tieren entwickelt, die in Gruppen leben.
Berühmt wurde eine Beobachtung, die Julian Finn und seine Kollegen 2009 veröffentlichten: Vor der Küste Indonesiens tragen Kraken der Art Amphioctopus marginatusKokosnussschalen mit sich herum. Sie graben die beiden Schalenhälften aus, stapeln sie unter dem Körper und laufen damit auf steifen Armen wie auf Stelzen über den schlammigen Meeresboden. Erst wenn sie Schutz brauchen, setzen sie die Hälften zu einem Versteck zusammen und verschwinden darin.
Die Forschenden werteten das als Werkzeuggebrauch: Die Schalen bringen dem Kraken beim Tragen keinen Schutz, und das Laufen auf Stelzen ist mühsam. Erst später, wenn er sie als Unterschlupf braucht, zahlen sie sich aus. Dass ein wirbelloses Tier Gegenstände sammelt und erst später einsetzt, war vorher noch nie beschrieben worden.
Verbreitung und Lebensraum
Kraken leben nur im Meer. Die meisten Arten wohnen im Flachwasser an den Küsten. Manche findet man bei Ebbe in Gezeitentümpeln, andere leben in der Tiefsee. Der Pazifische Riesenkrake lebt im kühlen Nordpazifik von Korea und Japan bis Kanada, die USA und Mexiko, vom Flachwasser bis in mehr als 1.500 Meter Tiefe.
Der Pazifische Riesenkrake bewohnt eine Höhle zwischen Felsen, in die er sich zum Fressen und zum Schutz zurückzieht.
Ernährung
Kraken sind Räuber. Der Pazifische Riesenkrake frisst vor allem:
- Krebse wie Krabben und Hummer
- Muscheln, Herzmuscheln, Jakobsmuscheln und Seeohren
- Fische und Fischeier
- gelegentlich Stachelhäuter, Seevögel, Haie und sogar andere Kraken
Seine Beute überrascht er aus der Tarnung heraus und hält sie mit den Saugnäpfen fest. Harte Schalen knackt er auf drei Arten: Er zieht sie auseinander, beißt sie mit dem Schnabel auf oder bohrt ein Loch hinein. Dazu weicht sein Speichel die Schale auf, und die Raspelzunge schabt ein winziges Loch. Durch dieses Loch gibt der Krake ein Gift ab, das die Beute lähmt. Die leeren Schalen landen auf einem Abfallhaufen vor seiner Höhle. Forschende untersuchen solche Haufen, um herauszufinden, was Kraken fressen.
Fortbewegung
Kraken bewegen sich mit ihren Armen fort. Wenn es schnell gehen muss, nutzen sie den Rückstoß: Sie füllen ihre Mantelhöhle mit Wasser und pressen es kräftig durch den Trichter wieder hinaus. So schießen sie davon, meist mit dem Kopf voran.
Fortpflanzung: Brutpflege bis zum Tod
Die meisten Kraken pflanzen sich nur ein einziges Mal im Leben fort und sterben danach. Bei der Paarung überträgt das Männchen mit seinem Begattungsarm Samenpakete in die Mantelhöhle des Weibchens.
Am Beispiel des Pazifischen Riesenkraken lässt sich gut verfolgen, wie es weitergeht:
- Einen Monat oder länger nach der Paarung legt das Weibchen in seiner Höhle 18.000 bis 74.000 Eier, selten bis zu 100.000. Es hängt sie in Hunderten von Schnüren mit je etwa 250 Eiern an die Decke.
- Bis zu sechs Monate lang bewacht es die Eier. Es fächelt ihnen mit den Armen frisches, sauerstoffreiches Wasser zu oder spritzt Wasser über sie.
- In dieser ganzen Zeit frisst das Weibchen nichts.
- Kurz nachdem die Jungen geschlüpft sind, stirbt die Mutter meist.
Die Jungen schlüpfen aus Eiern so groß wie ein Reiskorn und wiegen nur 22 Milligramm. Bis zu drei Monate treiben sie im Plankton, dann sinken sie zum Meeresboden. Junge Kraken haben viele Feinde, etwa Robben, Seeotter und Raubfische wie den Heilbutt. Männchen können sich mit mehreren Weibchen paaren, Weibchen paaren sich nur einmal.
Rekord in der Tiefsee
Bei den meisten Kraken im Flachwasser dauert die Brutpflege 1 bis 3 Monate. Im kalten Wasser der Tiefsee entwickeln sich die Eier viel langsamer. Forschende des Monterey Bay Aquarium Research Institute beobachteten in 1.397 Meter Tiefe vor Kalifornien ein Weibchen der Art Graneledone boreopacifica. Sie besuchten es mit einem Tauchroboter 18 Mal. Jedes Mal saß die Krake an derselben Felswand über ihren Eiern. Angebotene Krabbenstücke ignorierte sie. Nach 53 Monaten, also fast viereinhalb Jahren, waren die Jungen geschlüpft und die Mutter verschwunden. Das ist die längste Brutzeit, die je bei einem Tier beobachtet wurde.
Gefährdung
Eine Gefährdungseinstufung für alle Kraken gibt es nicht, weil die Rote Liste einzelne Arten bewertet. Der Pazifische Riesenkrake gilt als nicht gefährdet. Er legt sehr viele Eier, und sein Bestand ist laut Monterey Bay Aquarium in gutem Zustand. In Nordamerika werden jedes Jahr bis zu 3.500 Tonnen gefangen, außerdem landet er als Beifang bei der Fischerei auf Kabeljau, Krabben und Garnelen.
Häufige Fragen zum Oktopus
Wie viele Herzen hat ein Oktopus?
Drei. Zwei Kiemenherzen pumpen das Blut durch die Kiemen, ein Körperherz versorgt den restlichen Körper.
Warum hat ein Oktopus blaues Blut?
Weil sein Blut den kupferhaltigen Farbstoff Hämocyanin enthält. Mit Sauerstoff beladen ist er blau. Unser Blut ist rot, weil es eisenhaltiges Hämoglobin enthält.
Was ist der Unterschied zwischen Oktopus und Kalmar?
Ein Oktopus hat acht Arme und keine Fangarme. Kalmare und Sepien haben zehn: acht Arme und zwei lange Fangarme.
Wie lange lebt ein Oktopus?
Die meisten Kraken leben höchstens etwa ein Jahr. Der Pazifische Riesenkrake wird 3 bis 5 Jahre alt. Fast alle Kraken sterben, nachdem sie sich einmal fortgepflanzt haben.
Sind Kraken intelligent?
Ja. Kraken lernen, Gläser zu öffnen, und lösen Rätselaufgaben. Die Art Amphioctopus marginatus trägt Kokosnussschalen mit sich und nutzt sie später als Versteck. Das gilt als Werkzeuggebrauch.
Wie viele Arme hat ein Oktopus?
Acht. Daher kommt auch der deutsche Name Achtfüßer. Die Arme sind etwa gleich lang und tragen Saugnäpfe.
Ähnliche Tiere
- Kalmar - zehnarmiger Verwandter, der oft im freien Wasser schwimmt
- Sepien - zehnarmige Kopffüßer mit innerem Kalkschulp
- Tintenfisch - der Sammelbegriff für Kopffüßer
- Qualle - ebenfalls ein Meerestier ohne Skelett, aber nicht verwandt
- Pfeilschwanzkrebse - haben wie die Kraken blaues Blut
Quellen
- Kraken - Lexikon der Biologie, Spektrum Akademischer Verlag
- Cephalopoda - Kompaktlexikon der Biologie, Spektrum Akademischer Verlag
- Maldonado, E. et al. (2019): Octopus insularis as a new marine model for EvoDevo. Biology Open 8, bio046086
- Giant Pacific octopus - Monterey Bay Aquarium
- Finn, J. K., Tregenza, T. & Norman, M. D. (2009): Defensive tool use in a coconut-carrying octopus. Current Biology 19(23), R1069-R1070
- Robison, B., Seibel, B. & Drazen, J. (2014): Deep-sea octopus (Graneledone boreopacifica) conducts the longest-known egg-brooding period of any animal. PLoS ONE 9(7), e103437
Größenvergleich
Der Oktopus (Kraken) ist mit 1,5 cm bis 3 m sehr unterschiedlich groß. Die kleinsten Exemplare sind nicht größer als eine Biene (1,5 cm), die größten bleiben aber kleiner als ein Elefant (3,5 m).