Opossum

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Nordopossum mit grauem Fell, weißem Gesicht und nacktem Schwanz läuft über den Waldboden
Cody Pope / Wikimedia Commons / CC BY-SA 2.5

Kurz erklärt

Opossums sind die einzigen Beuteltiere Nord- und Mittelamerikas. Das bekannteste ist das Nordopossum, etwa so groß wie eine Hauskatze, mit spitzer Schnauze, nacktem Greifschwanz und 50 Zähnen. Bei Gefahr stellt es sich tot. Seine Jungen sind bei der Geburt kaum so groß wie eine Biene.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameDidelphis
Abstammung
  • Klasse: Säugetiere
  • Unterklasse: Beuteltiere (Marsupialia)
  • Ordnung: Beutelrattenartige
  • Familie: Beutelratten (Didelphidae)
  • Gattung: Opossums (Didelphis)
Körpergröße33 bis 55 cm
Körpergewicht1,9 bis 6 kg
ErnährungAllesfresser: Insekten, Würmer, kleine Wirbeltiere, Aas, Früchte und Samen
LebenserwartungIn freier Natur meist 1,5 bis 2 Jahre, in Menschenobhut 3 bis 4 Jahre
SozialverhaltenEinzelgänger
HerkunftTropisches Amerika
Verbreitung Nord-, Mittel- und Südamerika; das Nordopossum von Costa Rica bis Südkanada NordamerikaSüdamerika
EntdeckungErstbeschreibung des Nordopossums 1792 durch Robert Kerr
GefährdungLC Nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2016)
SonstigesAlle Zahlenwerte im Steckbrief gelten für das Nordopossum (Didelphis virginiana), die bekannteste der sechs Arten der Gattung Didelphis. Die Körpergröße ist die Kopf-Rumpf-Länge, der Schwanz misst zusätzlich 25 bis 54 cm.

Aussehen und Körperbau

Opossums sind kräftig gebaute Beuteltiere mit kurzen Beinen und spitzer Schnauze. Beim Nordopossum, der bekanntesten Art, misst der Körper 33 bis 55 Zentimeter, dazu kommt ein 25 bis 54 Zentimeter langer Schwanz. Er ist fast so lang wie der Körper selbst und bis auf die Basis nackt. Männchen wiegen meist 2,1 bis 2,8 Kilogramm, Weibchen 1,9 bis 2,1 Kilogramm, einzelne Tiere bringen bis zu 6 Kilogramm auf die Waage. Opossums in Städten sind im Schnitt rund ein Drittel schwerer als ihre Artgenossen auf dem Land, weil sie mehr Futter finden.

Das Fell ist meist grau, kann aber auch rötlich, bräunlich oder fast schwarz sein. Dazwischen stehen lange, weiß gespitzte Grannenhaare, die dem Tier ein zotteliges Aussehen geben. Das Gesicht ist heller, oft fast weiß. Auffällig sind die großen, dünnen und nahezu unbehaarten Ohren. Genau das wird nördlichen Populationen zum Verhängnis: Erfrierungen an Ohren und Schwanzspitze sind dort häufig.

Der Schwanz ist ein Greifschwanz und dient beim Klettern als fünfte Gliedmaße. An den Hinterfüßen sitzt eine abspreizbare Zehe, die wie ein Daumen funktioniert und Halt auf Ästen gibt. Bemerkenswert ist das Gebiss: Aus der Zahnformel des Nordopossums ergeben sich 50 Zähne. Ein Mensch kommt auf 32.

Opossum oder Possum? Der Unterschied

Die Namen klingen ähnlich, gemeint sind aber ganz verschiedene Tiere. Opossums leben in Amerika und gehören zur Familie der Beutelratten (Didelphidae). Possums leben in Australien und Neuguinea und gehören zu einer anderen Gruppe von Beuteltieren. Wer also von einem Possum in Australien liest, meint kein Opossum.

Die Gattung Didelphis umfasst sechs Arten: Didelphis virginiana, D. marsupialis, D. albiventris, D. aurita, D. pernigra und D. imperfecta. Die IUCN führt alle sechs als nicht gefährdet. Alle Zahlen in diesem Steckbrief beziehen sich auf das Nordopossum Didelphis virginiana, das am besten untersucht ist und auch auf dem Bild oben zu sehen ist.

Verbreitung und Lebensraum

Das Nordopossum ist das einzige Beuteltier, das nördlich von Mexiko vorkommt. Sein Gebiet reicht von Costa Rica über Mexiko bis nach Südontario in Kanada. In den USA lebt es östlich der Rocky Mountains und entlang der Westküste, wohin es der Mensch gebracht hat. Ursprünglich reichte das Verbreitungsgebiet im Norden nur bis Kentucky, Indiana und Ohio. Seit der europäischen Besiedlung breitet sich die Art immer weiter nach Norden aus, inzwischen bis nach British Columbia.

Erstaunlich ist das deshalb, weil Opossums aus den Tropen stammen und schlecht gegen Kälte gewappnet sind: Ihr Fell isoliert kaum, und ihre Wärmeregulierung ist schwach. Dass sie trotzdem im Norden zurechtkommen, liegt an ihrem Verhalten und an den Menschen. Schuppen, Garagen und Holzstapel bieten Schutz, Kompost und Abfall bieten Futter.

Opossums leben in Wäldern, Dickichten, Sümpfen und Kulturland, meist in der Nähe von Wasser. Man findet sie vom Tiefland bis in 3.000 Meter Höhe. Sie schlafen in hohlen Bäumen, Reisighaufen, Gebäuden oder verlassenen Bauen anderer Tiere und polstern diese mit trockenem Laub aus. Das Streifgebiet umfasst meist 12,5 bis knapp 39 Hektar, das von Männchen ist größer als das von Weibchen. Den Schlafplatz wechseln sie oft, nur während der Aufzucht der Jungen bleiben sie länger an einem Ort.

Ernährung

Opossums sind Allesfresser und nehmen praktisch alles, was sie finden. Untersuchungen von Mageninhalten in den USA ergaben 14 bis 27 Prozent Säugetierreste, 10 bis 18 Prozent Früchte, Samen und Zwiebeln, 6 bis 11 Prozent Gras und Blätter, 3 bis 13,5 Prozent Insekten, 5,5 bis 9 Prozent Regenwürmer und 3 bis 5 Prozent Vögel. Je nach Gegend kommen Reptilien, Amphibien, Schnecken, Aas, Tierfutter und Abfall dazu.

Der Speiseplan wechselt mit den Jahreszeiten: In der kalten Jahreszeit fressen Opossums mehr kleine Wirbeltiere, im Sommer mehr Wirbellose, Früchte und Samen. Weil sie unverdaute Samen wieder ausscheiden, verbreiten sie die Kerne von Pflanzen wie der Indianerbanane (Asimina) und der Dattelpflaume (Diospyros).

Verhalten und das berühmte Totstellen

Opossums sind nachtaktiv und Einzelgänger. Sie sind von der Dämmerung bis zum Morgengrauen unterwegs. Winterschlaf halten sie nicht, bei strengem Frost bleiben sie aber im Bau und zehren von ihren Fettreserven. Bei großer Hitze verteilen sie Speichel auf dem Fell, um sich abzukühlen.

Bekannt ist das Opossum für sein Totstellen, im Englischen "playing possum". Bei großer Gefahr fällt das Tier in eine Art Starre: Es liegt reglos, die Zunge hängt heraus, der Körper ist steif. Das ist kein Schauspiel, sondern ein unwillkürlicher Schockzustand. Er kann eine Minute dauern oder bis zu sechs Stunden. Vor allem junge Tiere zeigen dieses Verhalten. Erwachsene fauchen und knurren eher, zeigen ihre Zähne, fliehen, klettern auf Bäume oder schwimmen davon.

Schnell sind sie nicht: Ein rennendes Opossum schafft 7,1 bis 7,4 Kilometer pro Stunde. Dafür schlagen sie beim Fliehen Haken. Zur Verständigung nutzen sie vor allem Gerüche: Männchen haben eine Brustdrüse, deren Sekret ihr Fell verfärbt und in der Paarungszeit stark riecht. Mütter halten mit Klicklauten, Schmatzen und vogelähnlichen Tönen Kontakt zu ihren Jungen.

Fortpflanzung und Beutel

Die Tragzeit ist eine der kürzesten aller Säugetiere: Nach nur 12 bis 13 Tagen kommen 4 bis 25 Junge zur Welt. Sie sind winzig: 0,13 bis 0,20 Gramm schwer und etwa 14 Millimeter lang, also ungefähr so groß wie eine Honigbiene. Augen, Ohren und Hinterbeine sind noch kaum entwickelt, nur die Vorderbeine sind kräftig genug, um sich durch das Fell in den Beutel der Mutter zu ziehen.

Dort warten meist 13 Zitzen, von denen nicht alle funktionieren. Wer keine erwischt, überlebt nicht. Im Schnitt schaffen es etwa acht Junge pro Wurf. 50 bis 70 Tage hängen sie fest an einer Zitze. Danach verlassen sie den Beutel, bleiben aber bei der Mutter, warten im Bau oder reiten auf ihrem Rücken. Mit rund 85 Tagen fressen sie feste Nahrung, mit 93 bis 105 Tagen sind sie entwöhnt.

Die Paarungszeit hängt vom Klima ab. Im Süden beginnt sie im Januar, weiter nördlich im Februar, und sie zieht sich bis in den Spätsommer. Im Norden zieht ein Weibchen meist einen Wurf pro Jahr groß, in warmen Gegenden bis zu drei. Geschlechtsreif werden Weibchen mit etwa sechs, Männchen mit acht Monaten.

Feinde, Lebenserwartung und Gefährdung

Opossums leben gefährlich. Sie werden von Eulen, Kojoten, Rotluchsen, Rotfüchsen, Waschbären, Haushunden und großen Schlangen gejagt. Dazu kommt der Straßenverkehr, der nach Angaben des Smithsonian's National Zoo heute die größte Gefahr für die Art darstellt. In manchen Gegenden werden Opossums außerdem wegen ihres Fells und ihres Fleisches gejagt.

Entsprechend kurz ist ihr Leben: In freier Natur werden die meisten nur 1,5 bis 2 Jahre alt, in menschlicher Obhut 3 bis 4 Jahre. Weibchen bekommen nach dem zweiten Lebensjahr in der Regel keine Jungen mehr. Die IUCN führt das Nordopossum als nicht gefährdet (LC), die Einstufung stammt aus der Roten Liste von 2016. Die Art ist weit verbreitet und breitet sich weiter aus.

Besonderheiten

Giftschlangen auf dem Speiseplan: Opossums der Verwandtschaftsgruppe Didelphini fressen Grubenottern und sind gegen deren Gift weitgehend unempfindlich. Eine Untersuchung von 2011 zeigte, warum: Das Blutgerinnungsprotein von Willebrand-Faktor, das die Gifte angreifen, hat sich bei diesen Opossums besonders schnell verändert. Das Nordopossum ist gegen das Gift von Klapperschlangen, Kupferkopf und Wassermokassinotter geschützt.

Selten Tollwut: Opossums sind nicht immun gegen Tollwut, tragen das Virus aber ungewöhnlich selten in sich.

50 Zähne: Das Gebiss des Nordopossums umfasst 50 Zähne, deutlich mehr als bei den meisten anderen Säugetieren.

Zecken und Parasiten: Bekannt sind mindestens 24 innere und 13 äußere Parasitenarten beim Nordopossum.

Häufige Fragen zum Opossum

Wie groß wird ein Opossum?

Der Körper des Nordopossums misst 33 bis 55 Zentimeter, der Schwanz zusätzlich 25 bis 54 Zentimeter. Das Gewicht liegt meist zwischen 1,9 und 2,8 Kilogramm, in Einzelfällen bei bis zu 6 Kilogramm. Damit ist es etwa so groß wie eine Hauskatze.

Was ist der Unterschied zwischen Opossum und Possum?

Opossums leben in Amerika und gehören zu den Beutelratten. Possums leben in Australien und Neuguinea und gehören zu einer anderen Gruppe von Beuteltieren. Nur der Name ist ähnlich.

Warum stellt sich ein Opossum tot?

Bei großer Gefahr fällt das Tier unwillkürlich in eine Schockstarre. Es liegt dann reglos da, manchmal nur eine Minute, manchmal bis zu sechs Stunden. Angreifer verlieren häufig das Interesse an vermeintlich toter Beute. Vor allem Jungtiere zeigen dieses Verhalten.

Was frisst ein Opossum?

Fast alles: Insekten, Regenwürmer, kleine Wirbeltiere, Vogeleier, Aas, Früchte, Samen und Gras. In Siedlungen kommen Tierfutter und Abfälle dazu.

Wie lange sind Opossums schwanger?

Nur 12 bis 13 Tage. Das ist eine der kürzesten Tragzeiten aller Säugetiere. Die Jungen entwickeln sich danach im Beutel der Mutter weiter, wo sie 50 bis 70 Tage an einer Zitze hängen.

Sind Opossums gefährlich?

Nein. Sie meiden Menschen, drohen bei Bedrängnis mit gefletschten Zähnen und flüchten oder stellen sich tot. Tollwut tragen sie nur selten in sich.

Ähnliche Tiere

  • Possum - die australischen Namensvettern, mit denen das Opossum oft verwechselt wird
  • Kuskus - Kletterbeutler aus Australien und Neuguinea
  • Beutelmarder - räuberisches Beuteltier Australiens
  • Nasenbeutler - Bandicoot mit ähnlich spitzer Schnauze
  • Waschbär - Kulturfolger, der dieselben Gärten durchsucht
  • Känguru - das bekannteste Beuteltier überhaupt
  • Tiere mit O - weitere Tiere, die mit O beginnen

Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Opossum
33 bis 55 cm

Stell dir vor, du stellst einen Fußball (22 cm) neben ein Opossum: Das Opossum ist größer. Neben einem Kind (1,2 m) wirkt es mit seinen 33 bis 55 cm aber wiederum deutlich kleiner.

Gewichtsvergleich

🪙1-Euro-Münze
7,5 g
🍫Tafel Schokolade
100 g
⚽Fußball
430 g
🧒Kind
25 kg
🧑Erwachsener
75 kg
🚗Auto
1,5 t
🚌Schulbus
12 t
▼Opossum
1,9 bis 6 kg

Ein Opossum bringt 1,9 bis 6 kg auf die Waage. Das ist schwerer als ein Fußball (430 g), aber leichter als ein Kind (25 kg). Anders ausgedrückt: Das Opossum wiegt so viel wie etwa 9 Fußbälle.