Otter
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Kurz erklärt
Otter sind Marder, die an und im Wasser leben. Mit ihrem schlanken Körper, Schwimmhäuten und einem sehr dichten Fell sind sie hervorragende Schwimmer und Taucher. Weltweit gibt es 14 Arten, vom kleinen Zwergotter bis zum Riesenotter. In Deutschland lebt der Eurasische Fischotter, der lange fast verschwunden war und sich heute wieder ausbreitet.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Lutrinae |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | Je nach Art etwa 65 cm (Zwergotter) bis 1,80 m (Riesenotter), jeweils mit Schwanz; Eurasischer Fischotter: Kopf-Rumpf 60 bis 90 cm, Schwanz 30 bis 50 cm |
| Körpergewicht | Je nach Art etwa 2 kg (Zwergotter) bis 45 kg (Seeotter); Eurasischer Fischotter: Weibchen 5 bis 10 kg, Männchen bis 13 kg |
| Ernährung | Fleischfresser: vor allem Fische, Krebse, Weichtiere und Amphibien, je nach Art auch Vögel, kleine Säugetiere und Insekten; Seeotter fressen viele Seeigel, Krabben und Muscheln |
| Lebenserwartung | Eurasischer Fischotter: in der Literatur bis 15, höchstens 22 Jahre; im Durchschnitt wegen vieler Todesfälle bei Jungtieren und durch den Menschen deutlich kürzer |
| Sozialverhalten | Je nach Art Einzelgänger (zum Beispiel Eurasischer Fischotter) oder gesellig in Familiengruppen (zum Beispiel Riesenotter und Zwergotter) |
| Herkunft | Europa, Asien, Afrika, Nord- und Südamerika |
| Verbreitung | Europa, Asien, Afrika, Nord- und Südamerika; der Eurasische Fischotter von Irland bis Japan und in Nordafrika, der Seeotter an den Küsten des Nordpazifiks AfrikaAsienEuropaNordamerikaSüdamerikaMeer |
| Sonstiges | Die Rote Liste der IUCN bewertet die Arten einzeln, zum Beispiel Eurasischer Fischotter potenziell gefährdet (NT, 2022) und Seeotter stark gefährdet (EN, 2021). In Deutschland gilt der Fischotter als gefährdet (Rote Liste Säugetiere 2020). |
Was sind Otter?
Otter sind Raubtiere aus der Familie der Marder. Zu dieser Familie gehören auch Dachs, Baummarder, Nerz und Vielfraß. Innerhalb der Marder bilden die Otter eine eigene Unterfamilie, die Lutrinae. Alle Otter leben im oder am Wasser, entweder im Süßwasser oder im Meer. Sie fressen Fleisch und erbeuten, was sie gerade finden: Fische, Krebse, Weichtiere, Amphibien und andere Tiere.
Die IUCN-Fachgruppe für Otter (Otter Specialist Group) zählt heute 14 Arten. Die jüngste davon ist der Mittelamerikanische Fischotter (Lontra annectens). Er lebt vom Norden Mexikos bis in die westlichen Anden von Venezuela, Kolumbien, Ecuador und Peru und gilt erst seit Kurzem als eigene Art. In älteren Büchern steht deshalb oft eine kleinere Zahl.
Diese Seite stellt die Otter als Gruppe vor. Den Schwerpunkt bildet der Eurasische Fischotter, die einzige Otterart in Deutschland. Als zweites Beispiel stellen wir den Seeotter vor, der ganz im Meer lebt.
Die Otterarten im Überblick
Otter gibt es in Europa, Asien, Afrika sowie in Nord- und Südamerika. Einige Beispiele:
| Art | Lebensraum | Länge mit Schwanz | Gewicht |
|---|---|---|---|
| Eurasischer Fischotter (Lutra lutra) | Europa, Asien, Nordafrika | 102 bis 138 cm | 4 bis 11 kg |
| Seeotter (Enhydra lutris) | Küsten des Nordpazifiks | 67 bis 163 cm | 23 bis 36 kg, einzelne bis 45 kg |
| Riesenotter (Pteronura brasiliensis) | Südamerika | 145 bis 180 cm | 24 bis 34 kg |
| Zwergotter (Aonyx cinereus) | Südostasien | 65 bis 94 cm | 2 bis 5 kg |
| Kap-Fingerotter (Aonyx capensis) | Afrika | 115 bis 160 cm | 12 bis 19 kg |
| Nordamerikanischer Fischotter (Lontra canadensis) | Nordamerika | 100 bis 153 cm | 8 bis 11 kg |
Der Riesenotter ist also die längste Otterart, der Seeotter die schwerste. Am kleinsten ist der Zwergotter, der an seinen Pfoten nur winzige Krallen trägt. Mit seinen geschickten Fingern sucht er nach Krabben, Schnecken, Weichtieren und kleinen Fischen. Zwergotter leben in Familiengruppen und bilden lebenslange Paare. Auch Riesenotter sind gesellig: Sie leben in lauten Gruppen, sind tagsüber aktiv und verteidigen ihr Revier gemeinsam.
Aussehen und Körperbau am Beispiel des Fischotters
Der Eurasische Fischotter ist der längste Marder Europas und nach Vielfraß und Dachs der drittschwerste. Sein Körper ist lang gestreckt und stromlinienförmig, die Beine sind kurz. Der Schwanz ist lang, kräftig und läuft spitz zu.
- Größe: Kopf und Rumpf messen 60 bis 90 Zentimeter, der Schwanz 30 bis 50 Zentimeter.
- Gewicht: Weibchen wiegen 5 bis 10 Kilogramm, Männchen bis 13 Kilogramm.
- Fell: Das Fell ist sehr dicht, kurzhaarig und glänzend. Es ist gleichmäßig braun, Kehle und Bauch sind grau bis weiß gefärbt. Bei jedem Tier sieht diese helle Zeichnung etwas anders aus.
- Pfoten: An Vorder- und Hinterpfoten sitzen je fünf Zehen, die durch Schwimmhäute verbunden sind.
- Schnauze: Die Oberlippe ist dick und trägt lange Tasthaare, die sogenannten Vibrissen.
Verbreitung und Lebensraum
Der Eurasische Fischotter ist die einzige Otterart, die auf drei Kontinenten vorkommt: in Europa (außer Island), in Nordafrika und in weiten Teilen Asiens bis nach Japan, Sumatra und Java. Damit gehört er zu den Säugetieren mit dem größten Verbreitungsgebiet in Europa und Asien.
Fischotter besiedeln fast alle Lebensräume am Wasser: Meeresküsten, Flüsse und Bäche, Seen und Teiche, Sümpfe und Bruchwälder. Auch Gewässer, die der Mensch angelegt hat, etwa Fischteiche oder alte Torfstiche, nutzt er. Wichtig ist ein abwechslungsreiches Ufer mit flachen und steilen Abschnitten, Kiesbänken, Schilf, Büschen und Bäumen. Als Versteck nutzt der Otter auch die Baue anderer Tiere, etwa von Biber, Dachs, Fuchs und Bisamratte.
Der Fischotter in Deutschland
Ende des 19. Jahrhunderts lebten Fischotter noch an fast allen geeigneten Gewässern in Deutschland. Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts verschwanden sie aus weiten Teilen West- und Mitteldeutschlands. Größere Bestände überlebten nur im Osten, vor allem in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen. Seit Anfang der 1990er-Jahre breitet sich der Fischotter wieder nach Westen aus. Die Rote Liste der Säugetiere Deutschlands von 2020 stellt eine deutliche Zunahme und klare Gebietsgewinne fest.
Ernährung
Otter sind Fleischfresser und nehmen, was ihr Lebensraum bietet. Der Eurasische Fischotter frisst vor allem Fische, daneben Krebse, Muscheln und Schnecken, Insekten, Frösche und andere Amphibien, Vögel und kleine Säugetiere. Was genau auf dem Speiseplan steht, hängt vom Gewässer und von der Jahreszeit ab. Bei der Jagd sucht der Otter vor allem die Uferbereiche gründlich ab.
Verhalten und Lebensweise
Fischotter sind Einzelgänger. Oft sieht man aber Familiengruppen aus einer Mutter und ihren Jungen. Sie sind vor allem in der Dämmerung und nachts aktiv. Tagsüber sieht man sie selten, meist nur, wenn sie gestört wurden. An manchen Küsten, etwa auf schottischen Inseln, jagen Fischotter auch tagsüber im Meer und waschen danach in Süßwassertümpeln das Salz aus ihrem Fell.
Fischotter brauchen große Reviere. Das Revier eines Männchens umfasst meist Teile der Reviere mehrerer Weibchen. Die Tiere sind sehr wanderfreudig: Bei einem Weibchen mit Sender wurde eine Wanderung von 15 Kilometern in einer Nacht gemessen, Männchen legen manchmal 20 Kilometer und mehr zurück. Dabei laufen sie auch längere Strecken über Land.
Weil Fischotter so scheu sind, bekommt man sie kaum zu Gesicht. Fachleute weisen sie deshalb meist über ihre Spuren nach, also über Kot (Losung) und Fußabdrücke (Trittsiegel).
Fortpflanzung und Nachwuchs
Der Eurasische Fischotter hat keine feste Paarungszeit. Deshalb kann man das ganze Jahr über Jungtiere antreffen.
- Tragzeit: 60 bis 63 Tage
- Wurfgröße: meist 1 bis 3, selten 4 oder 5 Junge
- Neugeborene: etwa 100 Gramm schwer, mit silbergrauem Fell und geschlossenen Augen
- Säugezeit: bis zu einem halben Jahr
- Selbstständig: manchmal erst mit etwa einem Jahr
- Geschlechtsreif: im zweiten Lebensjahr
Weil die Jungen so lange bei der Mutter bleiben, bekommt ein Weibchen in freier Natur höchstens einmal im Jahr Nachwuchs. In der Literatur wird eine Lebensdauer von 15 Jahren angegeben, im Höchstfall 22 Jahre. Die meisten Fischotter sterben aber viel früher.
Beispiel Seeotter: ein Otter, der im Meer lebt
Der Seeotter lebt an den Küsten des Nordpazifiks: an den Kurilen und Kommandeurinseln vor Russland, an den Aleuten, von Alaska bis Kanada und an der Küste Kaliforniens. Er kommt kaum an Land, sondern frisst, ruht und putzt sich an der Wasseroberfläche.
- Dichtestes Fell: Anders als Wale und Robben haben Seeotter keine wärmende Fettschicht. Stattdessen besitzen sie das dichteste Fell aller Säugetiere. Es hält eine Luftschicht an der Haut fest. Deshalb pflegen Seeotter ihr Fell sehr gründlich.
- Werkzeuggebrauch: Seeotter gehören zu den wenigen Säugetieren, die Werkzeuge benutzen. Sie knacken Muscheln und andere hartschalige Beute mit einem Stein. In einer Hautfalte unter dem Arm transportieren sie Stein und Beute.
- Schlafen auf dem Rücken: Zum Schlafen treiben Seeotter auf dem Rücken und wickeln sich in Seetang, damit sie nicht abtreiben.
- Wichtig für den Tangwald: Seeotter fressen viele Seeigel. Ohne Seeotter würden die Seeigel die Tangwälder kahl fressen. Fachleute nennen den Seeotter deshalb eine Schlüsselart.
Wegen seines wertvollen Fells wurde der Seeotter im 18. und 19. Jahrhundert fast ausgerottet. 1911 verboten die USA, Russland, Japan und Großbritannien in einem Abkommen die Jagd. Heute gilt der Seeotter auf der Roten Liste als stark gefährdet (EN, 2021). Gefahren sind unter anderem Ölunfälle, Krankheiten und Fressfeinde wie Orcas und Weiße Haie.
Gefährdung und Schutz
Fast alle Otterarten sind durch den Menschen unter Druck geraten. Viele wurden wegen ihres Fells gejagt. Beim Neuwelt-Fischotter (Lontra longicaudis) wurden zwischen den 1950er- und 1970er-Jahren jedes Jahr mehr als 30.000 Tiere getötet. Heute bedrohen vor allem Lebensraumverlust, Verschmutzung, Wilderei und Fallen viele Arten.
Beim Eurasischen Fischotter führte die starke Jagd bis Anfang des 20. Jahrhunderts in weiten Teilen Europas zum Rückgang. Heute sind die wichtigsten Gefahren:
- Straßenverkehr: Verkehrsunfälle sind die häufigste nachgewiesene Todesursache in Deutschland. Gefährlich sind vor allem Brücken und Durchlässe, die nicht ottergerecht gebaut sind, zum Beispiel ohne durchgehendes Ufer unter der Straße.
- Fischreusen: Nach dem Verkehr sind Fischreusen die zweithäufigste nachgewiesene Todesursache. Reusen mit Ausstiegsmöglichkeit helfen dagegen.
- Schadstoffe und Gewässerausbau: Umweltgifte wie PCB und Quecksilber, begradigte Bäche und trockengelegte Feuchtgebiete schaden den Tieren.
- Illegale Verfolgung: Auch heute noch werden Fischotter verbotenerweise getötet.
Die Rote Liste der IUCN stuft den Eurasischen Fischotter weltweit als potenziell gefährdet (NT, 2022) ein. In Deutschland gilt er nach der Roten Liste der Säugetiere von 2020 als gefährdet (Kategorie 3). Er ist streng geschützt und darf nicht gejagt werden. Dass Schutz wirkt, zeigen die Britischen Inseln: Dort haben sich die Fischotter seit den 1980er-Jahren stark erholt, nachdem die Gewässer sauberer wurden und die Art unter Schutz gestellt wurde.
Häufige Fragen zum Otter
Wie viele Otterarten gibt es?
Die IUCN-Fachgruppe für Otter zählt 14 Arten. Sie leben in Europa, Asien, Afrika sowie in Nord- und Südamerika. In Deutschland kommt nur der Eurasische Fischotter vor.
Was ist der Unterschied zwischen Fischotter und Seeotter?
Der Fischotter lebt vor allem an Flüssen und Seen in Europa, Asien und Nordafrika und wiegt bis 13 Kilogramm. Der Seeotter lebt ganz im Meer an den Küsten des Nordpazifiks, wird bis zu 45 Kilogramm schwer und hat das dichteste Fell aller Säugetiere.
Was frisst ein Otter?
Otter sind Fleischfresser. Der Fischotter frisst vor allem Fische, aber auch Krebse, Muscheln, Frösche, Insekten, Vögel und kleine Säugetiere. Seeotter fressen viele Seeigel, Krabben und Muscheln.
Wo leben Fischotter in Deutschland?
Die meisten Fischotter leben im Osten Deutschlands, vor allem in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen. Seit den 1990er-Jahren breitet sich die Art wieder nach Westen aus.
Ist der Fischotter gefährdet?
In Deutschland steht der Fischotter als gefährdet auf der Roten Liste. Weltweit gilt er als potenziell gefährdet. Die größten Gefahren sind Straßenverkehr und Fischreusen.
Wie tief kann ein Otter tauchen?
Otter sind hervorragende Taucher. Seeotter tauchen bis in mindestens 45 Meter Tiefe, suchen ihre Nahrung aber meist in Wasser bis 30 Meter Tiefe.
Ähnliche Tiere
- Seeotter - die schwerste Otterart, lebt im Nordpazifik
- Biber - ebenfalls ein Säugetier am Wasser, dessen Baue der Fischotter mitnutzt
- Nerz - ein kleinerer Verwandter aus der Familie der Marder
- Dachs - ein Marder, nach dem Vielfraß der schwerste in Europa
- Vielfraß - der schwerste Marder Europas
Quellen
- Otters - IUCN SSC Otter Specialist Group (mit Artprofilen)
- Neubert, F. & Wachlin, V.: Lutra lutra - Fischotter. Artensteckbrief FFH-Arten, Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie Mecklenburg-Vorpommern
- Fischotter (Lutra lutra) - Rote-Liste-Zentrum, nach Meinig et al. (2020): Rote Liste und Gesamtartenliste der Säugetiere Deutschlands
- Loy, A. et al. (2022): Lutra lutra. The IUCN Red List of Threatened Species 2022
- Doroff, A., Burdin, A. & Larson, S. (2021): Enhydra lutris. The IUCN Red List of Threatened Species 2021
- Enhydra lutris (Sea Otter) - Animal Diversity Web, University of Michigan Museum of Zoology
Größenvergleich
Mit 65 cm bis 1,8 m gehört der Otter zu den mittelgroßen Tieren in unserem Lexikon. Ein Fußball (22 cm) ist dagegen deutlich kleiner, während ein Elefant mit 3,5 m noch etwas an Größe drauflegt. Stell dir vor: Der Otter ist ungefähr 6-mal so lang wie ein Fußball!
Gewichtsvergleich
Ein Otter bringt 2 bis 45 kg auf die Waage. Das ist schwerer als ein Fußball (430 g), aber leichter als ein Erwachsener (75 kg). Anders ausgedrückt: Der Otter wiegt so viel wie etwa 55 Fußbälle.