Panama-Kapuzineraffe

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Panama-Kapuzineraffe mit schwarzem Körper, schwarzer Kappe und hellem Gesicht und Schulterfell läuft auf allen vieren über einen Ast
Steven G. Johnson / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0

Kurz erklärt

Der Panama-Kapuzineraffe ist ein schwarzer Affe mit weißem Gesicht, weißer Brust und weißen Schultern. Er lebt in den Wäldern Mittelamerikas, von Honduras bis Panama. Kapuzineraffen gelten als besonders schlau: Manche öffnen Nüsse und Krebse sogar mit Steinen. In Menschenobhut wurde ein Tier fast 55 Jahre alt.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameCebus imitator
Abstammung
  • Klasse: Säugetiere
  • Ordnung: Primaten
  • Familie: Kapuzinerartige (Cebidae)
  • Unterfamilie: Kapuzineraffen (Cebinae)
  • Gattung: Ungehaubte Kapuziner (Cebus)
  • Art: Panama-Kapuzineraffe
Körpergröße34 bis 42 cm
KörpergewichtMännchen etwa 3,3 bis 3,9 kg, Weibchen etwa 2,3 bis 2,7 kg
ErnährungAllesfresser: Früchte und Insekten, dazu Blüten, Nektar, Blätter, Vogeleier, Schnecken, Krebse, Frösche, Echsen, Vögel und kleine Säugetiere
LebenserwartungIn freier Natur über 25 Jahre belegt, in Menschenobhut fast 55 Jahre
SozialverhaltenLebt in Gruppen von durchschnittlich etwa 16 Tieren
HerkunftMittelamerika
Verbreitung Norden von Honduras, Mitte und Westen Nicaraguas, Costa Rica und Westen Panamas Nordamerika
EntdeckungErstbeschreibung 1903 durch Oldfield Thomas
GefährdungVU Gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2021)
SonstigesKörpergröße ohne Schwanz, der Schwanz misst zusätzlich etwa 43 bis 46 cm. Wurde lange als Unterart des Weißschulterkapuziners (Cebus capucinus) geführt.

Was ist ein Panama-Kapuzineraffe?

Der Panama-Kapuzineraffe (Cebus imitator) ist ein Neuweltaffe aus Mittelamerika. Er gehört zu den Kapuzineraffen, einer Gruppe mittelgroßer, sehr geschickter Affen aus Mittel- und Südamerika. Im Englischen heißt er „Panamanian white-faced capuchin“, also „Panama-Weißgesichtskapuziner“.

Eine neue Art: Der britische Zoologe Oldfield Thomas beschrieb den Affen 1903 anhand eines Tieres aus Boquete im Westen Panamas. Lange galt der Panama-Kapuzineraffe aber nur als Unterart des Weißschulterkapuziners (Cebus capucinus) aus Kolumbien. Erst Erbgutuntersuchungen, die 2012 veröffentlicht wurden, zeigten, dass es sich um eine eigene Art handelt. Deshalb findet man in vielen Büchern und Studien noch den Namen Cebus capucinus, obwohl die untersuchten Affen aus Costa Rica oder Panama eigentlich Panama-Kapuzineraffen waren.

Berühmt: Der Panama-Kapuzineraffe gehört zu den am besten erforschten Kapuzineraffen in freier Natur. Er ist aber auch aus Filmen bekannt: Nach Angaben der New England Primate Conservancy spielte ein Tier dieser Art den Affen „Jack“ in den Filmen „Fluch der Karibik“. Artenschützer weisen darauf hin, dass Affen nicht als Haustiere oder Filmtiere gehalten werden sollten.

Aussehen und Körperbau

Größe: Ohne Schwanz sind Panama-Kapuzineraffen etwa 34 bis 42 Zentimeter lang. Der Schwanz ist mit 43 bis 46 Zentimetern länger als der Körper.

Gewicht: Männchen wiegen etwa 3,3 bis 3,9 Kilogramm, Weibchen nur etwa 2,3 bis 2,7 Kilogramm. Männchen sind also deutlich größer als Weibchen.

Fell und Gesicht: Körper, Arme, Beine und Schwanz sind schwarz. Gesicht, Kehle, Brust und Schultern sind weiß bis cremefarben. Auf dem Kopf trägt der Affe eine schwarze Kappe. Das Gesicht selbst ist nur spärlich behaart und rosa.

Männchen und Weibchen: Weibchen haben über der Stirn ein Büschel aus etwa 4 Zentimeter langen, bräunlich getönten Haaren. Dieses hebt sich deutlich vom weißen Fell an Wangen und Kehle ab. Daran lassen sich Weibchen dieser Art auch vom Weißschulterkapuziner unterscheiden.

Alpha-Männchen: Männchen, die in ihrer Gruppe die Führung übernehmen, verändern sich körperlich. Sie bilden mehr männliche Hormone, werden größer und kräftiger als die anderen Männchen und verhalten sich aggressiver.

Schwanz: Der Schwanz ist teilweise greiffähig. Der Affe nutzt ihn vor allem, um das Gleichgewicht zu halten, wenn er aufrecht sitzt und mit den Händen Nahrung bearbeitet.

Verbreitung und Lebensraum

Der Panama-Kapuzineraffe lebt in Mittelamerika:

  • im Norden von Honduras
  • in der Mitte und im Westen von Nicaragua
  • in Costa Rica
  • im Westen und in der Mitte von Panama, auch auf den Inseln Coiba und Jicarón vor der Pazifikküste

Aus Belize gibt es einzelne Berichte über Kapuzineraffen, sie sind aber nicht bestätigt.

Lebensraum: Der Affe ist anpassungsfähig. Er lebt in feuchten Wäldern im Tiefland, in Hügelländern und in den Bergen, vom Meeresspiegel bis in etwa 1.500 Meter Höhe. Er kommt aber auch in Trockenwäldern mit langer Trockenzeit vor, in denen weniger als 1.700 Millimeter Regen im Jahr fallen, und in Wäldern entlang von Flüssen. An der Karibikküste können es dagegen über 5.000 Millimeter sein. Auch in Mangrovensümpfe geht er auf Nahrungssuche.

Ernährung

Der Panama-Kapuzineraffe ist ein Allesfresser. Seine wichtigste Nahrung sind Früchte und Insekten. Auf seinem Speiseplan stehen außerdem:

  • Pflanzen: Blüten, Nektar, Blätter, Knospen, Stängel und Wurzeln
  • Kleintiere: Schnecken, Nacktschnecken, Krabben, Muscheln, Frösche und Echsen
  • Vögel: Eier und Küken vieler Vogelarten, manchmal auch erwachsene Vögel
  • Säugetiere: junge und erwachsene Hörnchen, Baumratten und junge Weißrüssel-Nasenbären

Gemeinsame Jagd auf Nasenbären: Im April und Mai, wenn die Nasenbären Junge haben, plündern Kapuzineraffen ihre Nester. Verteidigen die erwachsenen Nasenbären ihren Nachwuchs, arbeiten die Affen zusammen: Einige lenken die Nasenbären ab, andere schnappen sich die Jungen.

Geschickte Hände: Besonders gern fressen die Affen Larven von Käfern, Schmetterlingen und Zikaden. Sie suchen sie im Laub, unter Blättern, in morschem Holz und in hohlen Ästen. Haarige oder stachelige Raupen reiben sie an Ästen ab, um die Stacheln oder Brennhaare zu entfernen. Manchmal wickeln sie die Raupe vorher in ein Blatt.

Wasser: Panama-Kapuzineraffen trinken regelmäßig, oft aus Baumhöhlen, in denen sich Regenwasser sammelt. In Trockenwäldern müssen sie in der Trockenzeit jeden Tag zu Wasserstellen laufen.

Werkzeuge und Klugheit

Kapuzineraffen gelten als besonders geschickte und lernfähige Affen.

Steinwerkzeuge auf Coiba: Auf einer Insel im Nationalpark Coiba in Panama öffnen Panama-Kapuzineraffen harte Nahrung mit Steinen. Sie legen zum Beispiel Samen des Seemandelbaums, Einsiedlerkrebse, Meeresschnecken oder Krabben auf einen Stein als Unterlage und schlagen mit einem zweiten Stein darauf. Dieses Verhalten ist dort seit mindestens 2004 bekannt. 2018 berichteten Forschende, dass es der erste Nachweis für regelmäßigen Steinwerkzeuggebrauch bei den Ungehaubten Kapuzinern ist. Bei einem Jahr Beobachtung mit Kamerafallen nutzten fast nur Männchen die Steine, erwachsene Weibchen wurden nie dabei beobachtet.

Stöcke: Auch auf dem Festland wurde beobachtet, dass Panama-Kapuzineraffen Stöcke benutzen, zum Beispiel um Nüsse und Krebse aufzuschlagen oder Schlangen abzuwehren.

Fell einreiben: Die Affen reiben sich mit stark riechenden Pflanzen ein. Vermutlich schützen die Pflanzensäfte vor Insekten und Keimen. Welche Pflanzen sie dafür nehmen, unterscheidet sich von Gruppe zu Gruppe.

Verhalten und Lebensweise

Tagaktiv: Panama-Kapuzineraffen werden bei Sonnenaufgang oder kurz davor aktiv und ruhen zur Mittagszeit. Auf der Insel Barro Colorado im Panamakanal verbrachten sie ihren Tag zu etwa:

TätigkeitAnteil am Tag
Umherziehen47 %
Nahrungssuche und Fressen28 %
Ruhen14 %
Fellpflege, Spielen und anderes11 %

In trockeneren Wäldern in Costa Rica suchen sie länger nach Nahrung. Die Affen leben vor allem in Bäumen, kommen aber mehrmals am Tag auf den Boden, um zu fressen, zu trinken oder zum nächsten Baum zu gelangen.

Schlafen: Geschlafen wird an den Enden von Ästen hoher Bäume. Eine Gruppe schläft meist nicht zwei Nächte hintereinander am selben Ort.

Gruppen: Die Affen leben in Gruppen von durchschnittlich etwa 16 Tieren. Die Weibchen bleiben meist ihr Leben lang in der Gruppe, in der sie geboren wurden. Die Männchen verlassen ihre Geburtsgruppe und wechseln im Laufe ihres Lebens oft mehrmals die Gruppe, häufig gemeinsam mit anderen Männchen, manchmal mit Brüdern. Männchen und Weibchen haben jeweils eine eigene Rangordnung. Das ranghöchste Weibchen steht nur unter dem Alpha-Männchen.

Reviere: Eine Gruppe auf Barro Colorado nutzte ein Gebiet von etwa 164 Hektar. Treffen zwei Gruppen aufeinander, drohen vor allem die Männchen einander.

Fortpflanzung und Nachwuchs

Balz: Weibchen werben um Männchen, indem sie die Lippen vorstülpen und ihren Auserwählten ansehen. Es gibt sogar einen Balztanz: Die Partner drehen sich, wenden sich ab und schauen sich dann über die Schulter oder zwischen den Beinen hindurch an.

Geburt: Junge kommen das ganze Jahr über zur Welt, am häufigsten aber in der Trockenzeit. Die meisten Jungen einer Gruppe, 63 bis 84 Prozent, stammen vom Alpha-Männchen. Die Tragzeit dauert etwa fünfeinhalb Monate. Die Mutter säugt ihr Junges 14 bis 23 Monate lang.

Langsame Entwicklung: Hat ein Weibchen ein Junges erfolgreich aufgezogen, vergehen bis zur nächsten Geburt im Schnitt etwa 27,5 Monate. Weibchen bekommen ihr erstes Junges mit etwa sieben Jahren. Männchen sind erst mit etwa zehn Jahren voll ausgewachsen.

Gefahr durch neue Männchen: Übernehmen fremde Männchen eine Gruppe und vertreiben das Alpha-Männchen, töten sie oft die Jungtiere. In Jahren mit einer solchen Übernahme starben bei einer Langzeitstudie etwa 82 Prozent der Jungtiere unter einem Jahr, in Jahren ohne Übernahme nur etwa 2 Prozent.

Wie alt werden Kapuzineraffen?

Kapuzineraffen werden für ihre Größe sehr alt. In freier Natur ist belegt, dass Weibchen des Panama-Kapuzineraffen über 25 Jahre alt werden. In Menschenobhut lebte ein Männchen fast 55 Jahre lang. Kein anderer Kapuzineraffe seiner Gattung wurde nachweislich so alt.

Feinde und Gefährdung

Natürliche Feinde: Zu den Feinden gehören Boas, Jaguare, Pumas, Jaguarundis, Tayras, Kojoten, Brillenkaimane und Greifvögel wie der Schwarzbussard. Die Affen haben eigene Warnrufe für Feinde aus der Luft und für Feinde am Boden. Entdecken sie ein Raubtier am Boden in ihrer Nähe, umringen sie es und vertreiben es gemeinsam.

Mensch: Die größte Gefahr ist der Verlust des Lebensraums, weil Wälder für Landwirtschaft und Viehweiden oder für Holz abgeholzt werden. Außerdem werden die Affen gefangen und als Haustiere verkauft.

Gefährdungsstatus: Auf der Roten Liste der IUCN gilt der Panama-Kapuzineraffe als gefährdet (Vulnerable, Williams-Guillén et al., 2021). Im Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) steht er in Anhang II. Er lebt in vielen Schutzgebieten, zum Beispiel in den Nationalparks Corcovado und Santa Rosa in Costa Rica, im Nationalpark Coiba in Panama und im Nationalpark Pico Bonito in Honduras.

Wichtig für den Wald: Weil die Affen von Baum zu Baum ziehen und dabei viele Früchte fressen, verbreiten sie die Samen im Wald. Beim Lecken von Blüten bestäuben sie manche Bäume.

Häufige Fragen zum Panama-Kapuzineraffen

Wie groß wird ein Panama-Kapuzineraffe?

Ohne Schwanz wird er etwa 34 bis 42 Zentimeter lang, der Schwanz misst noch einmal 43 bis 46 Zentimeter. Männchen wiegen etwa 3,3 bis 3,9 Kilogramm, Weibchen etwa 2,3 bis 2,7 Kilogramm.

Wie alt werden Kapuzineraffen?

In freier Natur können Panama-Kapuzineraffen über 25 Jahre alt werden. In Menschenobhut wurde ein Männchen fast 55 Jahre alt.

Was frisst ein Kapuzineraffe?

Er ist ein Allesfresser. Am wichtigsten sind Früchte und Insekten. Dazu frisst er Blüten, Blätter, Vogeleier, Schnecken, Krebse, Frösche und Echsen und jagt manchmal Hörnchen, Vögel oder junge Nasenbären.

Wo lebt der Panama-Kapuzineraffe?

In Mittelamerika: im Norden von Honduras, in Nicaragua, Costa Rica und Panama. Er bewohnt Regenwälder, Bergwälder und Trockenwälder bis in etwa 1.500 Meter Höhe.

Kann man einen Kapuzineraffen als Haustier halten?

Kapuzineraffen sind Wildtiere, die in großen Familiengruppen leben und sehr lange leben. Für Jungtiere ist der Kontakt zu Mutter und Geschwistern wichtig, das kann ein Mensch nicht ersetzen. Der Fang für den Haustierhandel gehört außerdem zu den Gründen, warum die Art gefährdet ist.

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Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Panama-Kapuzineraffe
34 bis 42 cm

Mit 34 bis 42 cm gehört der Panama-Kapuzineraffe zu den kleineren Tieren in unserem Lexikon. Ein Fußball (22 cm) ist dagegen kleiner, während ein Kind mit 1,2 m noch einiges an Größe drauflegt.