Papageitaucher
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Kurz erklärt
Der Papageitaucher ist ein kleiner Seevogel aus dem Nordatlantik mit schwarz-weißem Gefieder, orangeroten Füßen und einem hohen, bunten Schnabel. Er ist 25 bis 33 Zentimeter lang und wiegt rund 400 Gramm. Papageitaucher leben fast das ganze Jahr auf dem offenen Meer und kommen nur zum Brüten an Land. Dort graben sie Höhlen in den Boden, in denen sie ein einziges Küken großziehen.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Fratercula arctica |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | Körperlänge 25 bis 33 cm, Flügelspannweite 47 bis 63 cm |
| Körpergewicht | Erwachsene meist 325 bis 450 g, im Mittel rund 390 g (Messungen in Großbritannien); Gesamtspanne 310 bis 550 g; die größten Papageitaucher leben in der Hocharktis |
| Ernährung | Fleischfresser: vor allem kleine Schwarmfische wie Sandaale, Heringe und Lodde, außerdem Krebstiere, Weichtiere und Meereswürmer |
| Lebenserwartung | Brutvögel im Durchschnitt etwa 18 Jahre; ältester beringter Vogel in Großbritannien 42 Jahre (BTO) |
| Sozialverhalten | Brütet in Kolonien, meist viele Jahre mit demselben Partner; im Winter oft allein auf dem offenen Meer |
| Herkunft | Nordatlantik |
| Verbreitung | Nordatlantik: brütet an den Küsten Nordeuropas (Island, Norwegen mit Spitzbergen, Färöer, Großbritannien, Irland, Frankreich, Nordrussland), Grönlands und Ostkanadas bis Maine; überwintert auf dem offenen Atlantik EuropaNordamerika |
| Entdeckung | Erstbeschreibung 1758 durch Carl von Linné |
| Gefährdung | VU Gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2018) |
| Sonstiges | In Deutschland brütete der Papageitaucher bis in die 1830er-Jahre auf Helgoland und gilt hier heute als ausgestorben. In der Europäischen Roten Liste wurde er 2015 als stark gefährdet eingestuft. |
Der Clown der Meere
Der Papageitaucher (Fratercula arctica) ist einer der bekanntesten Seevögel. Wegen seines bunten Schnabels, der auffälligen Augenzeichnung und des watschelnden Gangs nennt man ihn oft „Clown der Meere“. Er heißt auch Atlantischer Papageitaucher oder Papageientaucher.
Der Papageitaucher gehört zur Familie der Alkenvögel. Zu ihr zählen zum Beispiel auch die Trottellummen. Alkenvögel sehen den Pinguinen ein wenig ähnlich, sind aber nicht näher mit ihnen verwandt. Anders als Pinguine können sie fliegen.
Der „kleine Bruder“: Der Gattungsname Fratercula ist Latein und bedeutet „kleiner Bruder“, gemeint im Sinne von Ordensbruder. Der englische Arzt John Caius schlug den Namen im 16. Jahrhundert dem Schweizer Naturforscher Conrad Gessner vor. Das schwarz-weiße Gefieder erinnerte ihn an einen Mönch in seiner Kutte.
Aussehen und Körperbau
Größe und Gewicht: Ein Papageitaucher ist 25 bis 33 cm lang. Seine Flügel spannen 47 bis 63 cm. Erwachsene Vögel wiegen meist 325 bis 450 g, im Durchschnitt rund 390 g. Männchen und Weibchen sehen gleich aus.
Unterschiede im Verbreitungsgebiet: Je weiter nördlich Papageitaucher brüten, desto größer sind sie. Die kleinsten leben in Frankreich, Großbritannien, Irland und Südnorwegen, mittelgroße in Norwegen, Island und Kanada, die größten in der Hocharktis, etwa auf Spitzbergen und in Grönland. Nach der Größe teilte man Papageitaucher in drei Unterarten ein. Genetische Untersuchungen zeigen aber, dass diese Einteilung nicht ganz zu den tatsächlichen Verwandtschaftsgruppen passt.
Gefieder: Rücken und Oberkopf sind schwarz, Brust und Bauch weiß. Die Wangen sind groß und hell. Durch die Zeichnung um die Augen wirkt sein Blick etwas traurig.
Der bunte Schnabel: Der Schnabel ist hoch, seitlich stark abgeflacht und im Sommer leuchtend bunt. Seine Ränder sind fein gezähnt, damit der Vogel glitschige Fische gut festhalten kann. Die Beine und Schwimmfüße sind im Sommer kräftig rötlich orange.
Im Winter grau: Nach der Brutzeit wirft der Papageitaucher die bunten Hornplatten des Schnabels ab. Der Schnabel wird kleiner und grauer, das Gesicht wird grau, die Beine blassgelb. Weil die Vögel den Winter weit draußen auf dem Meer verbringen, sieht man sie in diesem Kleid selten.
Flügel für Luft und Wasser: Die Flügel dienen dem Papageitaucher zum Fliegen und zum Tauchen. Unter Wasser rudert er mit den Flügeln und „fliegt“ regelrecht durchs Meer.
Verbreitung und Lebensraum
Papageitaucher leben im Nordatlantik. Sie brüten an den Küsten und auf den Inseln von Kanada, dem Nordosten der USA (Maine), Grönland, Island, den Färöern, Großbritannien und Irland, der Bretagne in Frankreich und Norwegen einschließlich Spitzbergen bis zur russischen Arktis mit Nowaja Semlja.
Die größten Kolonien: Mehr als 90 Prozent aller Papageitaucher brüten in Europa. Die wichtigsten Brutgebiete sind Island und Norwegen, dort leben zusammen rund 80 Prozent der europäischen Papageitaucher. Für Europa schätzt BirdLife International 4,8 bis 5,8 Millionen Brutpaare, weltweit 12 bis 14 Millionen erwachsene Vögel. Das Rote-Liste-Zentrum nennt insgesamt rund sechs Millionen Brutpaare. Alle Zahlen sind Schätzungen.
Brutplätze: Zum Brüten brauchen Papageitaucher Inseln oder steile Küsten mit grasbewachsenem Boden, in den sie Höhlen graben können, oft an Hängen über den Klippen. Manchmal brüten sie auch in Felsspalten oder unter Steinen. Inseln ohne Ratten und andere Raubsäuger sind besonders wichtig.
Im Winter auf See: Papageitaucher verbringen bis zu acht Monate im Jahr auf dem offenen Meer. Im Winter verteilen sie sich weit über den Atlantik, oft weit weg von jeder Küste. Vögel aus Großbritannien ziehen teils bis vor Nordwestafrika und ins Mittelmeer. Nordamerikanische Vögel überwintern weit vor der Küste, von der Packeisgrenze bis etwa vor Maryland.
Papageitaucher in Deutschland: Bis in die 1830er-Jahre brüteten Papageitaucher auf Helgoland. Seitdem gibt es keinen Brutnachweis mehr, in der Roten Liste der Brutvögel Deutschlands gilt die Art als ausgestorben. Einzelne Vögel sieht man aber jedes Jahr vor Helgoland, etwa im Mai und Juni zwischen den Trottellummen oder auf dem offenen Meer.
Ernährung
Papageitaucher fressen vor allem kleine Fische. Ihren Küken bringen sie besonders Sandaale, aber auch Heringe, Lodde und Dorsche. Die Nahrung der erwachsenen Vögel im Winter ist wenig erforscht. Neben Fischen fressen sie vermutlich viele Krebstiere wie Krill, außerdem Weichtiere und Meereswürmer.
Unter Wasser fliegen: Papageitaucher jagen tauchend. Ein Tauchgang dauert meist etwa eine halbe Minute. Die meiste Beute fangen sie in den oberen 15 m, laut Rote-Liste-Zentrum meist in 10 bis 20 m Tiefe. Bis etwa 60 m tief können sie tauchen.
Viele Fische auf einmal: Der Papageitaucher kann mehrere Fische nacheinander fangen, ohne die vorherigen zu verlieren. Er drückt die gefangenen Fische mit der Zunge gegen den gezähnten Oberschnabel und schnappt dann nach dem nächsten. So bringt er oft ein Dutzend oder mehr Fische auf einmal zum Nest, aufgereiht im Schnabel. Laut der britischen Vogelschutzorganisation RSPB trug ein Papageitaucher einmal sogar 83 Sandaale auf einmal im Schnabel.
Weite Wege: Wenn es in der Nähe der Kolonie wenig Nahrung gibt, müssen die Eltern weit fliegen. Bei einer Studie mit GPS-Sendern in Schottland flog ein Papageitaucher mehr als 400 km, um Futter zu finden.
Verhalten und Lebensweise
Treue Partner: Papageitaucher leben meist viele Jahre mit demselben Partner zusammen, manche Paare mehr als 20 Jahre. Sie kehren jedes Jahr in dieselbe Kolonie und oft sogar in dieselbe Bruthöhle zurück. Zur Begrüßung reiben die Partner ihre Schnäbel aneinander. Dieses Verhalten nennt man „Schnäbeln“.
Gesellig an Land, einsam im Winter: In der Brutzeit leben Papageitaucher dicht an dicht in Kolonien mit oft Tausenden Paaren. Im Winter sind sie dagegen meist allein auf dem Meer unterwegs.
Streit um Höhlen: Normalerweise sind Papageitaucher friedlich. Dringt aber ein fremder Vogel in eine Bruthöhle ein, greifen die Besitzer ihn heftig an.
Weite Reisen: Junge Papageitaucher, die in Island oder Europa beringt wurden, fand man später im Osten Kanadas wieder.
Fortpflanzung und Nachwuchs
Die Bruthöhle: Papageitaucher brüten meist ab einem Alter von etwa fünf Jahren. Beide Partner graben mit dem Schnabel und den bekrallten Füßen eine Höhle, die rund einen Meter bis etwa zwei Meter tief in den Boden reicht. Manchmal übernehmen sie auch alte Kaninchenbaue. Am Ende liegt eine Nestkammer, die sie spärlich mit Gras und Federn auspolstern.
Ein einziges Ei: Das Weibchen legt ein einziges weißes Ei, sehr selten zwei. Beide Eltern brüten abwechselnd, das Weibchen oft etwas mehr. Die Brutzeit dauert 36 bis 45 Tage, meist etwa sechs Wochen.
Der „Puffling“: Das Küken schlüpft mit Daunen und bleibt in der Höhle. Auf Englisch nennt man es „puffling“. Beide Eltern bringen ihm Fisch. Nach etwa 34 bis 44 Tagen verlässt der junge Papageitaucher die Höhle, meist nachts, im Schutz der Dunkelheit. Er fliegt direkt aufs Meer hinaus.
Lebensdauer: Ein Papageitaucher, der das Brutalter erreicht, lebt im Durchschnitt etwa 18 Jahre. Der älteste beringte Papageitaucher Großbritanniens war laut dem British Trust for Ornithology (BTO) 42 Jahre alt, der Rekord wurde 2019 aufgestellt.
Feinde und Gefährdung
Natürliche Feinde: Am Brutplatz jagen verschiedene Möwenarten den Papageitauchern ihre Beute ab, wenn sie mit vollem Schnabel zur Kolonie fliegen. Eine große Gefahr sind eingeschleppte Raubtiere wie Ratten und Frettchen, die Eier und Küken in den Höhlen fressen.
Gefährdungsstatus: Die IUCN stuft den Papageitaucher weltweit als gefährdet (Vulnerable) ein (BirdLife International, 2018). In der Europäischen Roten Liste wurde er 2015 als stark gefährdet eingestuft. In Großbritannien gingen laut der Zählung „Seabirds Count“ in 20 Jahren 23 Prozent der Papageitaucher verloren.
Warum gehen die Bestände zurück?
- Nahrungsmangel durch Klimawandel: Das Meer wird wärmer. Dadurch verändern sich die Bestände der Sandaale und anderer kleiner Fische, von denen die Küken leben.
- Überfischung: Fangflotten holten jahrzehntelang große Mengen Sandaale aus dem Meer. Seit 2024 ist die industrielle Sandaal-Fischerei in der englischen Nordsee und in allen schottischen Gewässern verboten.
- Stürme: Heftige Stürme erschweren die Nahrungssuche. Manchmal werden danach viele tote oder erschöpfte Seevögel an die Küsten gespült.
- Eingeschleppte Raubtiere auf den Brutinseln.
Ein Beispiel für den Rückgang: Auf der Insel Røst in Norwegen lag einst die größte Papageitaucher-Kolonie der Welt. Dort flog laut einer Studie von 2021 in neun der vorangegangenen 13 Brutsaisons kein einziges Küken aus, in 40 Jahren gingen fast 80 Prozent der Brutpaare verloren. Auch in Island und auf den Färöern ziehen Papageitaucher seit 2003 zu wenige Junge groß.
Es gibt auch Erfolge: Auf der Insel Lundy im Bristol-Kanal wurden die Ratten entfernt, seit 2006 gilt die Insel als rattenfrei. Die Zahl der Papageitaucher stieg dort von 13 im Jahr 2000 auf 1.317 im Jahr 2025. In Maine an der Ostküste der USA siedelte das „Project Puffin“ der Naturschutzorganisation Audubon seit den 1970er-Jahren Papageitaucher auf Inseln wieder an, von denen sie verschwunden waren.
Häufige Fragen zum Papageitaucher
Wie groß und schwer ist ein Papageitaucher?
Ein Papageitaucher ist 25 bis 33 cm lang und hat eine Flügelspannweite von 47 bis 63 cm. Er wiegt meist 325 bis 450 g. Die Vögel im hohen Norden sind größer als die im Süden.
Was frisst ein Papageitaucher?
Vor allem kleine Schwarmfische wie Sandaale, Heringe und Lodde. Dazu kommen Krebstiere, Weichtiere und Meereswürmer. Die Fische fängt er tauchend und trägt oft ein Dutzend oder mehr gleichzeitig im Schnabel.
Wo kann man Papageitaucher sehen?
Am besten während der Brutzeit von etwa April bis Juli in Island, Norwegen, auf den Färöern oder in Großbritannien, zum Beispiel auf den Farne Islands, der Isle of May oder Skomer Island. In Deutschland sieht man mit Glück einzelne Vögel vor Helgoland.
Warum ist der Schnabel so bunt?
Der bunte Schnabel gehört zum Brutkleid und spielt bei der Partnerwahl eine Rolle. Nach der Brutzeit wirft der Papageitaucher die farbigen Hornplatten ab, im Winter ist der Schnabel kleiner und grau.
Kann der Papageitaucher fliegen?
Ja. Anders als Pinguine kann der Papageitaucher fliegen. Unter Wasser nutzt er seine Flügel zum Rudern und bewegt sich, als würde er fliegen.
Ist der Papageitaucher vom Aussterben bedroht?
Die IUCN stuft ihn weltweit als gefährdet ein, in Europa wurde er 2015 als stark gefährdet eingestuft. Hauptgründe sind Nahrungsmangel durch Klimawandel und Überfischung sowie eingeschleppte Raubtiere auf den Brutinseln.
Ähnliche Tiere
- Zwergalk - ebenfalls ein Alkenvogel, aus dem Nordpazifik
- Kaiserpinguin - sieht ähnlich schwarz-weiß aus, ist aber nicht näher verwandt und kann nicht fliegen
- Möwe - jagt Papageitauchern am Brutplatz die Fische ab
- Papagei - Namensgeber wegen des bunten Schnabels
Quellen
- BirdLife International (2018): Fratercula arctica. The IUCN Red List of Threatened Species
- Puffin (Fratercula arctica) - BirdFacts, British Trust for Ornithology
- Atlantic Puffin - Guide to North American Birds, National Audubon Society
- Species Spotlight: Puffin - RSPB
- Ein Ex-Helgoländer auf Stippvisite - Rote-Liste-Zentrum
- Kersten, O. et al. (2021): Complex population structure of the Atlantic puffin revealed by whole genome analyses. Communications Biology 4: 922
Größenvergleich
Stell dir vor, du stellst einen Fußball (22 cm) neben einen Papageitaucher: Der Papageitaucher ist größer. Neben einem Kind (1,2 m) wirkt er mit seinen 25 bis 33 cm aber wiederum geradezu winzig.
Gewichtsvergleich
Ein Papageitaucher bringt 310 bis 550 g auf die Waage. Das ist schwerer als eine Tafel Schokolade (100 g), aber leichter als eine Hauskatze (4 kg). Anders ausgedrückt: Der Papageitaucher wiegt so viel wie etwa 4 Tafeln Schokolade.