Paradiesvogel
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Kurz erklärt
Paradiesvögel sind eine Familie von Singvögeln mit 44 Arten, die meisten leben in den Regenwäldern Neuguineas. Die Männchen vieler Arten tragen prachtvolle Schmuckfedern und führen bei der Balz regelrechte Tänze auf. Die Weibchen sind dagegen meist unauffällig braun. Paradiesvögel gehören zur Ordnung der Sperlingsvögel und sind mit den Rabenvögeln verwandt.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Paradisaeidae |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | 15 bis 44 cm |
| Körpergewicht | 50 bis 450 g |
| Ernährung | Allesfresser: vor allem Früchte sowie Insekten und Spinnen, dazu Blüten, Nektar, Blätter und kleine Wirbeltiere |
| Lebenserwartung | Für die meisten Arten nicht bekannt |
| Sozialverhalten | Meist allein oder zu zweit, Männchen vieler Arten balzen einzeln oder in Balzgruppen |
| Herkunft | Neuguinea |
| Verbreitung | Neuguinea und umliegende Inseln, nördliche Molukken (Indonesien), Nordost- und Ostaustralien AsienAustralien |
| Sonstiges | Die Familie umfasst 44 Arten in 17 Gattungen (Birds of the World). Die Körpergröße gilt ohne die verlängerten Schmuckfedern, mit ihnen werden einige Arten über 1 m lang. Die meisten Arten gelten laut IUCN als nicht gefährdet. |
Zu welcher Ordnung gehört der Paradiesvogel?
„Paradiesvogel“ ist nicht der Name einer einzelnen Art, sondern einer ganzen Vogelfamilie, der Paradiesvögel (Paradisaeidae). Die Einordnung sieht so aus:
- Klasse: Vögel
- Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes), zu denen zum Beispiel auch Amsel, Kohlmeise und Spatz gehören
- Unterordnung: Singvögel
- Überfamilie: Rabenvogelartige (Corvoidea)
- Familie: Paradiesvögel (Paradisaeidae)
Paradiesvögel sind also mit den Rabenvögeln verwandt, etwa mit Rabe und Elster. Früher hielten Forscher die Laubenvögel Australiens für ihre engsten Verwandten, weil auch deren Männchen aufwendig balzen. Erbgut-Untersuchungen haben aber gezeigt, dass die beiden Gruppen nur entfernt verwandt sind.
Wie viele Arten gibt es?
Das Nachschlagewerk Birds of the World des Cornell Lab of Ornithology zählt 44 Arten in 17 Gattungen (abgerufen 2026). Ältere Nachschlagewerke nennen andere Zahlen, zum Beispiel 42 Arten, weil die Einteilung der Familie seitdem überarbeitet wurde. Einige bekannte Vertreter:
- Göttervogel oder Großer Paradiesvogel (Paradisaea apoda): Männchen werden ohne die drahtartigen Schwanzfedern im Schnitt 43 Zentimeter lang. Die Art lebt im Süden Neuguineas und auf den Aru-Inseln.
- Kleiner Paradiesvogel (Paradisaea minor): der Vogel auf dem Foto oben (mehr dazu weiter unten)
- Königsparadiesvogel (Cicinnurus regius): einer der kleinsten, nur 16 bis 19 Zentimeter lang, mit leuchtend rotem Gefieder
- Wimpelträger (Pteridophora alberti): Das Männchen trägt hinter jedem Auge eine lange Kopffeder mit 40 bis 50 kleinen, fähnchenartigen Fortsätzen. Mit diesen Federn misst der 21 Zentimeter große Vogel bis zu 50 Zentimeter.
- Semioptera wallacii, im Englischen „Standardwing“ genannt: Diese Art lebt nicht auf Neuguinea, sondern auf den Inseln Halmahera und Bacan in den nördlichen Molukken. Sie ist nach dem Naturforscher Alfred Russel Wallace benannt.
- Manucodes (Gattung Manucodia): schwarz schillernde Arten, bei denen Männchen und Weibchen gleich aussehen
Aussehen und Körperbau
Größe: Paradiesvögel sind 15 bis 44 Zentimeter lang und wiegen 50 bis 450 Gramm. Der kleinste ist der Königsparadiesvogel mit etwa 15 Zentimetern und 50 Gramm, der größte ein schwarz schillernder Manucode (Manucodia comrii) mit 44 Zentimetern und rund 450 Gramm. Rechnet man die langen Schwanzfedern mit, werden einige Arten über einen Meter lang. Meist sind die Männchen größer und schwerer als die Weibchen.
Prachtvolle Männchen, unauffällige Weibchen: Bei den meisten Arten sehen Männchen und Weibchen sehr verschieden aus. Die Männchen tragen leuchtende Farben und besondere Federn: lange Flankenfedern, drahtartige Schwanzfedern, bewegliche Kopfschmuckfedern oder schillernde Brustschilde. Die Weibchen sind dagegen braun, oliv oder gelblich gefärbt und oft dunkel gebändert. So sind sie beim Brüten gut getarnt. Junge Männchen sehen zunächst wie Weibchen aus. Bis sie ihr volles Prachtkleid tragen, vergehen mindestens fünf bis sieben Jahre.
Bei einigen Gattungen, etwa den Manucodes, sehen beide Geschlechter gleich aus. Sie sind schwarz mit blauem oder grünem Schimmer.
Schnabel und Füße: Die Schnabelform ist sehr verschieden, von kurz und gerade bis lang und stark gebogen. Die meisten Paradiesvögel haben kräftige Beine und Füße. Damit klammern sie sich geschickt an Äste und halten ihr Futter fest.
Geräusche mit Federn: Bei den Männchen einiger Arten sind die äußeren Schwungfedern besonders geformt. Sie erzeugen im Flug wahrscheinlich Geräusche.
Der Kleine Paradiesvogel
Das Foto zeigt ein Männchen des Kleinen Paradiesvogels (Paradisaea minor). Männchen und Weibchen sind im Durchschnitt etwa 32 Zentimeter lang, ohne die beiden drahtartigen Schwanzfedern des Männchens. Das Männchen hat einen gelben Kopf und Rücken, eine schillernd grüne Kehle, braune Flügel und lange, fadenartige Flankenfedern, die am Ansatz gelb sind und nach außen weiß werden. Das Weibchen hat einen dunkelbraunen Kopf und eine weiße Unterseite.
Der Kleine Paradiesvogel lebt im Norden und Westen Neuguineas sowie auf den Inseln Misool und Yapen. Er bewohnt Wälder im Tiefland und im Hügelland bis etwa 1.550 Meter Höhe und kommt auch in Gebieten zurecht, die der Mensch verändert hat. Bis zu zwölf erwachsene Männchen balzen gemeinsam auf einem Baum. Auf der Roten Liste der IUCN gilt die Art als nicht gefährdet.
Verbreitung und Lebensraum
Paradiesvögel haben sich vermutlich auf Neuguinea entwickelt, und dort lebt auch heute die große Mehrheit der Arten. Einige kommen außerdem auf Inseln vor der Küste Neuguineas, auf den nördlichen Molukken in Indonesien und im Nordosten und Osten Australiens vor. In Australien leben zum Beispiel Arten der Gattung Ptiloris, die im Englischen „Riflebirds“ heißen.
Fast alle Arten brauchen feuchte, geschlossene Wälder. Typisch sind Regenwälder und feuchte Mooswälder in den Bergen. Manche Arten nutzen auch Waldränder, Gärten oder Savannen. Weil Neuguinea sehr hohe Gebirge hat, leben verschiedene Arten oft in unterschiedlichen Höhenstufen. So kommen sich nah verwandte Arten kaum in die Quere. Am weitesten nach Süden reicht die Art Ptiloris paradiseus, die in Australien bis etwa 32 Grad südlicher Breite vorkommt.
Ernährung
Paradiesvögel sind Allesfresser, fressen aber vor allem Früchte und Gliederfüßer wie Insekten und Spinnen. Wie groß die Anteile sind, unterscheidet sich von Art zu Art. Insgesamt kennt man von ihnen Früchte von mehreren Hundert Pflanzenarten. Dazu kommen Blüten, Nektar, Blätter und kleine Wirbeltiere wie Frösche und Eidechsen.
Insekten suchen sie unter Baumrinde, in totem Holz und im Laub. Außerhalb der Balzzeit schließen sich vor allem Weibchen und junge Vögel manchmal gemischten Trupps anderer Vogelarten an. Die Küken bekommen anfangs vor allem Insekten und andere Gliederfüßer, später mehr Früchte. Die Eltern würgen das Futter dafür wieder hoch.
Balz und Fortpflanzung
Viele Weibchen, wenig Hilfe: Bei den meisten Paradiesvögeln paart sich ein Männchen mit mehreren Weibchen. Um Nest und Junge kümmert es sich nicht. Nur einige Arten wie die Manucodes leben vermutlich in festen Paaren.
Die Balz: Die Männchen haben feste Balzplätze auf Ästen. Dort zupfen sie Blätter ab, damit die Stelle gut zu sehen ist. Mit lauten Rufen, die an Krähen, Glocken oder Trompeten erinnern, locken sie Weibchen an. Dann zeigen sie ihre Federn in genau festgelegten Bewegungen:
- Männchen der Gattung Paradisaea, zu der auch der Kleine Paradiesvogel gehört, beugen sich nach vorn, senken die Flügel und stellen die langen Flankenfedern über dem Rücken auf.
- Der Kaiserparadiesvogel und der Blaue Paradiesvogel hängen bei der Balz kopfüber am Ast.
- Der Königsparadiesvogel schwingt kopfüber hängend hin und her wie ein Pendel.
Viele Männchen balzen allein. Bei anderen Arten treffen sich mehrere Männchen auf einem Balzbaum, zum Beispiel beim Göttervogel bis zu 15 erwachsene Männchen. Die Weibchen wählen dann meist wenige ranghohe Männchen aus, die einen großen Teil aller Paarungen bekommen. In der Balzzeit rufen fast nur die Männchen, die Weibchen dieser Arten sind nahezu stumm.
Nest und Junge: Das Weibchen baut das Nest allein. Meist ist es eine offene Schale aus Orchideenstängeln, Moos und Farnwedeln in einer Astgabel. Der Königsparadiesvogel brütet als einzige Art der Familie in einer Baumhöhle. Ein Gelege besteht aus ein oder zwei Eiern, selten aus drei. Die Brutzeit dauert je nach Art 14 bis 27 Tage, danach bleiben die Jungen noch 14 bis über 30 Tage im Nest. Die meisten Bruten gibt es zwischen August und Januar.
Mischlinge: Weil viele Arten eng verwandt sind, paaren sich in freier Natur manchmal Vögel verschiedener Arten. Forscher haben 20 verschiedene solcher Kreuzungen beschrieben, 13 davon sogar zwischen verschiedenen Gattungen.
Woher kommt der Name?
Der wissenschaftliche Name des Göttervogels lautet Paradisaea apoda. Paradisaea kommt vom lateinischen Wort für „Paradies“, apoda bedeutet „fußlos“. Den Namen „fußlos“ bekam die Art, weil die ersten Bälge, die nach Europa gelangten, ohne Beine präpariert waren. Carl von Linné beschrieb den Göttervogel im Jahr 1758.
Menschen und Gefährdung
In Neuguinea haben Paradiesvögel eine lange kulturelle Bedeutung. Viele Völker, vor allem im Hochland von Papua-Neuguinea, schmücken sich bei Festen mit ihren Federn. Die Federn der Männchen waren außerdem lange ein begehrtes Handelsgut, auch für die Mode in Europa.
Gefährdung: Nach der Roten Liste der IUCN (Stand 2026) gelten mehr als drei Viertel der Arten als nicht gefährdet. Einige Arten sind potenziell gefährdet, darunter der Blaue Paradiesvogel und der Rote Paradiesvogel. Zwei Arten gelten als gefährdet: der Goldie-Paradiesvogel (Paradisaea decora) und der australische Ptiloris victoriae. Eine wichtige Gefahr ist heute die Abholzung der Wälder. Außerdem werden lebende und ausgestopfte Männchen in Indonesien und darüber hinaus illegal gehandelt, was einzelne Bestände bedrohen kann. Ein Gefährdungsstatus für die ganze Familie existiert nicht, die IUCN bewertet jede Art einzeln.
Häufige Fragen zum Paradiesvogel
Zu welcher Ordnung der Vögel gehört der Paradiesvogel?
Paradiesvögel gehören zur Ordnung der Sperlingsvögel (Passeriformes) und dort zur Unterordnung der Singvögel. Innerhalb der Singvögel sind sie mit den Rabenvögeln verwandt und bilden eine eigene Familie, die Paradisaeidae.
Wo lebt der Paradiesvogel?
Die meisten Arten leben in den Regenwäldern und Bergwäldern Neuguineas. Einige kommen auch auf benachbarten Inseln, auf den nördlichen Molukken in Indonesien und im Osten Australiens vor.
Wie sieht ein Paradiesvogel-Weibchen aus?
Bei den meisten Arten sind die Weibchen schlicht braun, oliv oder gelblich gefärbt und oft dunkel gebändert. Ihnen fehlen die langen Schmuckfedern. So sind sie beim Brüten gut getarnt. Nur bei wenigen Gattungen wie den Manucodes sehen Weibchen und Männchen gleich aus.
Wie viele Paradiesvogelarten gibt es?
Nach dem Nachschlagewerk Birds of the World gibt es 44 Arten in 17 Gattungen. Je nach Quelle schwankt die Zahl etwas, weil Forscher die Einteilung immer wieder überprüfen.
Was frisst ein Paradiesvogel?
Paradiesvögel fressen vor allem Früchte sowie Insekten und Spinnen. Manche Arten fressen mehr Früchte, andere mehr Insekten. Dazu kommen Blüten, Nektar und kleine Tiere wie Frösche.
Ist der Paradiesvogel vom Aussterben bedroht?
Die meisten Arten nicht. Mehr als drei Viertel gelten laut IUCN als nicht gefährdet. Einige Arten sind aber potenziell gefährdet oder gefährdet, vor allem weil ihre Wälder zerstört werden oder weil sie in einem sehr kleinen Gebiet leben.
Ähnliche Tiere
- Rabe - ein Verwandter aus der Gruppe der Rabenvogelartigen
- Elster - ebenfalls ein Rabenvogel
- Pfau - auch hier balzen die Männchen mit prachtvollen Schmuckfedern
- Quetzal - ein farbenprächtiger Regenwaldvogel mit langen Schwanzfedern
- Kasuar - ein großer Laufvogel, der ebenfalls auf Neuguinea lebt
Quellen
- Winkler, D. W., Billerman, S. M. & Lovette, I. J. (2020): Birds-of-Paradise (Paradisaeidae), version 1.0. Birds of the World, Cornell Lab of Ornithology
- Frith, C. B. & Frith, D. W.: Birds of Paradise (Paradisaeidae). Grzimek's Animal Life Encyclopedia (via Encyclopedia.com)
- Lesser Bird of Paradise - Australian Museum
- Greater Bird of Paradise - Australian Museum
- Paradisaea decora - GBIF (mit IUCN-Status)
- Bird-of-paradise - Wikipedia (englisch, ergänzend)
Größenvergleich
Ein Paradiesvogel erreicht eine Körpergröße von 15 bis 44 cm. Damit passt er bequem zwischen eine 1-Euro-Münze (2,3 cm) und ein Kind (1,2 m) auf unserer Vergleichsskala. Das bedeutet: Der Paradiesvogel ist etwa 13-mal so groß wie eine 1-Euro-Münze. Ein Kind wäre dagegen noch rund 4-mal so groß.
Gewichtsvergleich
Ein Paradiesvogel bringt 50 bis 450 g auf die Waage. Das ist schwerer als eine 1-Euro-Münze (7,5 g), aber leichter als eine Hauskatze (4 kg). Anders ausgedrückt: Der Paradiesvogel wiegt so viel wie etwa 33 1-Euro-Münzen.