Pardelroller

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Pardelroller mit graubraunem, dunkel geflecktem Fell und langem Schwanz auf einem Ast
Tommy Andriollo / Wikimedia Commons / CC BY 4.0

Kurz erklärt

Der Pardelroller ist ein kleines, geflecktes Raubtier aus den Wäldern Afrikas. Er lebt fast nur auf Bäumen, ist nachts unterwegs und frisst vor allem Früchte. Mit seinem langen, geringelten Schwanz sieht er einer Schleichkatze ähnlich, bildet aber eine eigene Familie. Er ist der einzige Vertreter dieser Familie und gilt als nicht gefährdet.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameNandinia binotata
Abstammung
  • Klasse: Säugetiere
  • Überordnung: Laurasiatheria
  • Ordnung: Raubtiere (Carnivora)
  • Unterordnung: Katzenartige (Feliformia)
  • Familie: Pardelroller (Nandiniidae)
  • Gattung: Nandinia
  • Art: Pardelroller
KörpergrößeKopf-Rumpf-Länge 37 bis 62,5 cm, dazu ein 34 bis 76 cm langer Schwanz
KörpergewichtMeist 1,2 bis 3 kg, nach anderen Angaben bis 5 kg
ErnährungAllesfresser: vor allem Früchte (rund 80 Prozent), außerdem Nagetiere, Vogeleier, Insekten und andere kleine Tiere, gelegentlich Aas
LebenserwartungIn freier Natur nicht bekannt; in Menschenobhut 16 bis 18 Jahre, nach einer Angabe bis 21 Jahre
SozialverhaltenEinzelgänger mit festen Streifgebieten
HerkunftAfrika südlich der Sahara
Verbreitung Wälder des tropischen Afrika von Gambia und Senegal über Zentralafrika bis Kenia und Tansania, im Süden bis Angola, Sambia, Simbabwe und Mosambik; auch auf Bioko und Sansibar Afrika
EntdeckungErstbeschreibung 1830 durch John Edward Gray (als Viverra binotata)
GefährdungLC Nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2015)
SonstigesEinzige Art der Familie Nandiniidae; gilt als ältester noch lebender Seitenzweig der Katzenartigen Raubtiere

Was ist ein Pardelroller?

Der Pardelroller ist ein Raubtier aus Afrika. Er gehört zu den Katzenartigen, einer großen Gruppe von Raubtieren, zu der auch Katzen, Hyänen, Mangusten und Schleichkatzen zählen. Eine Katze ist er aber nicht.

Eine Familie mit nur einer Art: Lange hielt man den Pardelroller für eine Schleichkatze und stellte ihn zu den asiatischen Palmenrollern wie dem Larvenroller. Genetische Untersuchungen haben aber gezeigt, dass er sich schon sehr früh von allen anderen Katzenartigen getrennt hat. Heute bildet er eine eigene Familie, die Nandiniidae. Er ist ihr einziges Mitglied. Man kann ihn sich als ältesten noch lebenden Seitenzweig im Stammbaum der Katzenartigen vorstellen.

Der Name: „Pardel“ ist ein altes Wort für den Leoparden und passt zum gefleckten Fell. Beschrieben wurde der Pardelroller 1830 von dem britischen Zoologen John Edward Gray, der ihn damals noch zu den Zibetkatzen stellte. Es werden vier Unterarten unterschieden.

Aussehen und Körperbau

Der Pardelroller ist ein schlankes, eher unscheinbares Tier mit kurzen Beinen und einem langen, geringelten Schwanz.

Größe und Gewicht: Die Kopf-Rumpf-Länge beträgt 37 bis 62,5 cm. Der Schwanz ist mit 34 bis 76 cm etwas länger als der Körper. Ein Pardelroller wiegt meist 1,2 bis 3 kg, nach anderen Angaben bis 5 kg. Die Männchen sind oft etwas größer als die Weibchen.

Fell: Das Fell ist kurz, wollig und dicht. Seine Farbe reicht von grau bis dunkelbraun, die Unterseite ist etwas heller. Auf dem Rücken verteilen sich unregelmäßige dunkle Flecken, die im Nacken zusammenfließen können. Am Hals verlaufen ein bis drei dunkle Linien. Typisch sind zwei weißlich gelbe Flecken auf den Schultern. Der Schwanz ist buschig und trägt 9 bis 15 unregelmäßige dunkle Ringe.

Kopf: Der Kopf ist breit mit einer ziemlich spitzen Schnauze. Die Ohren sind kurz und rund, hinter jedem Ohr sitzt ein dunkler Fleck. Die Augen sind bräunlich orange.

Füße und Krallen: Die Beine sind kurz und kräftig. An jedem Fuß sitzen fünf Krallen, die der Pardelroller teilweise einziehen kann. Er tritt mit der ganzen Sohle auf. Die Ballen sind sehr groß und quer gerillt, was ihm beim Klettern Halt gibt.

Duftdrüse: Männchen und Weibchen haben am Bauch eine Drüsentasche. Sie ist etwa 5,5 cm lang und liegt vor den Geschlechtsorganen. Daraus kommt eine gelbliche Flüssigkeit, die nach Moschus riecht.

Zähne: Der Pardelroller hat 40 Zähne. In seinem Schädel gibt es außerdem eine Besonderheit: Ein Teil der Hörkapsel bleibt das ganze Leben lang knorpelig. Das gibt es bei keinem anderen heute lebenden Raubtier.

Verbreitung und Lebensraum

Der Pardelroller lebt in weiten Teilen des tropischen Afrika. Im Westen reicht sein Verbreitungsgebiet bis nach Senegal und Gambia, im Osten bis Kenia und Tansania. Nach Süden kommt er bis Angola, Sambia, Simbabwe und Mosambik vor. Er lebt auch auf der Insel Bioko im Golf von Guinea und wurde auf Sansibar nachgewiesen.

Lebensraum: Er lebt vor allem in tropischen Regenwäldern, vom Tiefland bis in die Bergwälder in 2.500 Meter Höhe. Er kommt aber auch in Wäldern an Flüssen, in Wäldern mit Laubabwurf, in baumreichen Savannen und in abgeholzten oder teilweise gerodeten Wäldern vor. Wichtig sind Bäume, die fast das ganze Jahr Früchte tragen.

Nähe zum Menschen: Weil Siedlungen und Felder immer näher an die Wälder heranrücken, findet man Pardelroller auch an Dorfrändern. Manchmal schlafen sie in Holzstapeln, dichtem Gebüsch oder sogar in Strohdächern.

Ernährung

Der Pardelroller ist ein Allesfresser, der sich vor allem von Früchten ernährt. In einer Untersuchung in Gabun bestand der Mageninhalt im Durchschnitt zu etwa 80 Prozent aus Früchten und zu 20 Prozent aus Tieren.

Früchte: Er frisst zum Beispiel die Früchte des Schirmbaums (Musanga), wilde Feigen und das Fruchtfleisch der Ölpalme. An einem fruchtenden Schirmbaum wurden schon 12 bis 15 Pardelroller gleichzeitig beim Fressen beobachtet.

Fressen und Ausruhen: Eine Fruchtmahlzeit dauert nur 5 bis 10 Minuten. Danach ruht sich der Pardelroller auf einem Ast in 10 bis 20 Meter Entfernung aus. Etwa alle zwei Stunden frisst er wieder.

Gärtner des Waldes: Die Nahrung passiert den Darm schnell. Schon 2 bis 3 Stunden nach dem Fressen scheidet er die Samen wieder aus, oft weit entfernt vom Fruchtbaum. So verbreitet er Pflanzen im Wald. In Kenia soll er die Samen von zwölf Pflanzenarten verbreiten.

Tierische Nahrung: Außerdem frisst er Nagetiere, seltener kleine Affen wie Pottos, dazu Vogeleier, Jungvögel, Insekten und andere Gliederfüßer. Beim Angriff drückt er die Beute mit den Vorderpfoten auf den Untergrund und tötet sie mit mehreren schnellen Bissen. Gelegentlich frisst er Aas.

Ärger mit Bauern: Manchmal plündert der Pardelroller Felder oder holt sich Hühner aus den Ställen. Aus Sierra Leone und dem Nigerdelta wird berichtet, dass Pardelroller Palmwein direkt aus den Gefäßen trinken, die Menschen an Palmen aufhängen.

Verhalten und Lebensweise

Pardelroller sind nachtaktiv und leben fast nur auf Bäumen. Den Tag verschlafen sie auf dicken waagerechten Ästen, zwischen Lianen, in hoch gelegenen Baumhöhlen oder in Nischen im Blätterdach, meist 12 bis 15 Meter über dem Boden. Auf den Boden kommen sie vor allem, um gerodete Flächen zu überqueren.

Kletterkünstler: Pardelroller klettern sehr geschickt. Sie können an einem glatten Pfahl hinaufklettern und kopfüber wieder hinunter. Sie laufen über Drahtseile und springen über Lücken von bis zu einem Meter Breite. Der lange Schwanz hilft beim Balancieren. Greifen kann er aber nicht, er wird nur zur Stütze um Äste gelegt.

Streifgebiete: Pardelroller sind Einzelgänger. In Gabun nutzten Männchen Gebiete von 34 bis 153 Hektar, Weibchen kleinere von 29 bis 70 Hektar. Das Gebiet eines starken Männchens überdeckt oft die Gebiete mehrerer Weibchen. Treffen zwei starke Männchen aufeinander, können die Kämpfe heftig und sogar tödlich sein.

Duftmarken: Pardelroller reiben ihre Duftdrüse an Ästen. Der Geruch kann dort mehrere Monate lang haften. Auch Drüsen zwischen den Zehen hinterlassen Duftspuren.

Rufe: Typisch ist ein lauter, klagender Ruf, der wie ein langgezogenes „huuu“ klingt. Er ist fast einen Kilometer weit zu hören. Außerdem können Pardelroller miauen, glucksen, knurren und schnurren.

Fortpflanzung und Nachwuchs

Pardelroller können zweimal im Jahr Junge bekommen. In Gabun kamen die meisten Jungen zwischen September und Januar zur Welt, also in der Regenzeit und zu Beginn der kurzen Trockenzeit. Zwischen März und Juni wurden dort nie Geburten beobachtet.

  1. Tragzeit: etwa 64 Tage.
  2. Wurf: meist zwei Junge, manchmal bis zu vier. Die Geburt findet oft in einem hohlen Baum statt.
  3. Neugeborene: Sie wiegen nur etwa 55 bis 56 g. Augen und Ohren sind anfangs geschlossen.
  4. Mit der Mutter unterwegs: Sobald sie können, begleiten die Jungen ihre Mutter zu den Fruchtbäumen. Eine Drüse am Bauch der säugenden Mutter färbt das Fell der Jungen leuchtend gelb. Wozu das dient, ist nicht bekannt.
  5. Erwachsen: Mit 6 bis 9 Monaten haben die Jungen die Größe und das Gewicht der Erwachsenen erreicht.

Junge Weibchen bleiben oft im Gebiet der Mutter. Junge Männchen verlassen es, sobald sie entwöhnt sind.

Lebenserwartung: Wie alt Pardelroller in freier Natur werden, ist nicht bekannt. In Menschenobhut wurden sie 16 bis 18 Jahre alt, nach einer Angabe sogar bis zu 21 Jahre.

Feinde und Gefährdung

Natürliche Feinde: Pardelroller werden von größeren Raubtieren, Greifvögeln und Pythons gejagt. Weil sie so viel klettern, stürzen sie manchmal ab und brechen sich Knochen.

Gefährdung: Auf der Roten Liste der IUCN gilt der Pardelroller als nicht gefährdet (IUCN, 2015). Er ist weit verbreitet und wahrscheinlich das häufigste kleine Raubtier in den Wäldern Afrikas. In Gabun kamen im Durchschnitt mindestens etwa 5 Tiere auf einen Quadratkilometer.

Trotzdem gibt es örtliche Bedrohungen:

  • Jagd: Pardelroller werden für Buschfleisch und traditionelle Medizin gejagt. In Äquatorialguinea und Guinea sind sie das Raubtier, das am häufigsten auf Märkten verkauft wird.
  • Fell: Aus dem Fell werden Kleidung für Zeremonien, Armbänder und Hüte gemacht.
  • Rache für Hühner: Wer einen Pardelroller beim Hühnerstehlen erwischt, tötet ihn oft.
  • Abholzung: Weil er auf Wälder mit geschlossenem Kronendach angewiesen ist, könnte ihm die starke Abholzung in West-, Ost- und Südafrika schaden.

Überträger von Krankheiten: Pardelroller können den Erreger der Afrikanischen Schlafkrankheit (Trypanosoma brucei) in sich tragen, ohne selbst krank zu werden.

Häufige Fragen zum Pardelroller

Ist der Pardelroller eine Katze?

Nein. Der Pardelroller gehört zwar wie die Katzen zu den Katzenartigen Raubtieren, bildet aber eine eigene Familie. Früher zählte man ihn zu den Schleichkatzen. Heute weiß man, dass er sich schon sehr früh von allen anderen Katzenartigen getrennt hat.

Wie groß wird ein Pardelroller?

Ohne Schwanz wird ein Pardelroller 37 bis 62,5 cm lang. Der Schwanz misst noch einmal 34 bis 76 cm. Er wiegt meist 1,2 bis 3 kg.

Was frisst ein Pardelroller?

Vor allem Früchte, zum Beispiel wilde Feigen und die Früchte des Schirmbaums. Etwa ein Fünftel seiner Nahrung sind Tiere wie Nagetiere, Insekten und Vogeleier. Gelegentlich frisst er Aas.

Wo lebt der Pardelroller?

In den Wäldern des tropischen Afrika, von Senegal und Gambia im Westen bis Kenia und Tansania im Osten und im Süden bis Angola und Mosambik. Er lebt vor allem in Regenwäldern, kommt aber auch in anderen Waldarten und baumreichen Savannen vor.

Ist der Pardelroller gefährdet?

Nein. Die IUCN stuft ihn als nicht gefährdet ein. Er ist weit verbreitet und in vielen Wäldern häufig. Örtlich wird er aber stark gejagt, und die Abholzung könnte ihm in Zukunft schaden.

Ähnliche Tiere

  • Larvenroller - eine Schleichkatze aus Asien, mit der man den Pardelroller früher zusammenfasste
  • Fleckenmusang - ein asiatischer Palmenroller, der ebenfalls viele Früchte frisst
  • Binturong - der größte Palmenroller, mit Greifschwanz
  • Afrikanische Zibetkatze - eine große Schleichkatze, die in Afrika am Boden lebt
  • Fossa - ein Katzenartiger aus Madagaskar, der ebenfalls gut klettert
  • Mungo - ein Verwandter aus der Gruppe der Katzenartigen

Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Pardelroller
37 bis 62 cm

Ein Pardelroller erreicht eine Körpergröße von 37 bis 62 cm. Damit passt er bequem zwischen einen Fußball (22 cm) und ein Kind (1,2 m) auf unserer Vergleichsskala.

Gewichtsvergleich

🪙1-Euro-Münze
7,5 g
🍫Tafel Schokolade
100 g
⚽Fußball
430 g
🧒Kind
25 kg
🧑Erwachsener
75 kg
🚗Auto
1,5 t
🚌Schulbus
12 t
▼Pardelroller
1,2 bis 5 kg

Ein Pardelroller bringt 1,2 bis 5 kg auf die Waage. Das ist schwerer als ein Fußball (430 g), aber leichter als ein Kind (25 kg). Anders ausgedrückt: Der Pardelroller wiegt so viel wie etwa 7 Fußbälle.