Patagotitan
Zuletzt aktualisiert:
Kurz erklärt
Der Patagotitan war ein riesiger Langhals-Dinosaurier, der vor etwa 101 Millionen Jahren im heutigen Argentinien lebte. Er gehört zu den größten Landtieren, die man kennt: Forscher schätzen ihn auf etwa 37 Meter Länge und rund 57 Tonnen Gewicht. Von ihm hat man ungewöhnlich viele Knochen gefunden, sie stammen von mindestens sechs Tieren. Nachbildungen seines Skeletts stehen in großen Museen in New York und Chicago.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Patagotitan mayorum |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | Geschätzt etwa 37 m lang, andere Rekonstruktionen fallen kürzer aus |
| Körpergewicht | Geschätzt etwa 57 t (Spanne 42 bis 71 t). Die Erstbeschreibung von 2017 nannte rund 69 t |
| Ernährung | Pflanzenfresser |
| Lebenserwartung | Unbekannt |
| Sozialverhalten | Unbekannt. An der Fundstelle lagen Reste von mindestens sechs Tieren |
| Herkunft | Patagonien, Argentinien |
| Verbreitung | Bisher nur von der Fundstelle La Flecha in der Provinz Chubut (Patagonien, Argentinien) bekannt Südamerika |
| Entdeckung | 2010 von einem Landarbeiter auf der Farm La Flecha entdeckt, Ausgrabungen 2012 bis 2015, 2017 wissenschaftlich beschrieben |
| Sonstiges | Ausgestorben. Lebte in der Unterkreide vor etwa 101 Millionen Jahren. Länge und Gewicht sind Schätzungen, die Tiere waren beim Tod noch nicht ganz ausgewachsen. |
Was war der Patagotitan?
Der Patagotitan war ein Sauropode, also einer der riesigen pflanzenfressenden Dinosaurier mit langem Hals, langem Schwanz, kleinem Kopf und säulenförmigen Beinen. Genauer gehört er zu den Titanosauriern. Diese Gruppe war in der Kreidezeit weit verbreitet. Zu ihr gehören sowohl ziemlich kleine Sauropoden als auch die schwersten Landtiere, die je gelebt haben.
Sein Name bedeutet „Titan aus Patagonien“. Patagonien ist eine Landschaft im Süden Argentiniens, in der er gefunden wurde. Titanen sind in der griechischen Sage gewaltige Riesen. Der zweite Teil des wissenschaftlichen Namens, mayorum, ehrt die Familie Mayo. Ihr gehört die Farm, auf der die Knochen lagen.
Es gibt nur eine bekannte Art: Patagotitan mayorum. Beschrieben haben sie der argentinische Paläontologe José Luis Carballido und sein Team im Jahr 2017.
Entdeckung
Im Jahr 2010 bemerkte ein Landarbeiter auf der Farm La Flecha in der argentinischen Provinz Chubut einen riesigen Knochen, der aus dem Boden ragte. Er informierte Fachleute des Paläontologischen Museums Egidio Feruglio in der Stadt Trelew. Bei mehreren Grabungen in den Jahren 2012, 2013 und 2015 legten die Forschenden Hunderte Fossilien frei.
Das Besondere daran: Die Knochen gehörten nicht zu einem einzigen Tier, sondern zu mindestens sechs Individuen. Sie waren bei drei verschiedenen Überschwemmungen gestorben und von Schlamm bedeckt worden. Insgesamt fand man über 130 Knochen des Riesen. Dadurch gehört der Patagotitan zu den am vollständigsten bekannten Riesen-Titanosauriern. Von vielen anderen großen Sauropoden kennt man nur wenige Knochen.
Unter den Funden ist auch ein Oberschenkelknochen von 2,38 Metern Länge. Er ist damit deutlich länger, als ein erwachsener Mensch groß ist.
Wie groß war der Patagotitan?
Wie bei allen Dinosauriern lässt sich die Größe nur schätzen. Dafür messen Forschende die gefundenen Knochen und vergleichen sie mit verwandten Tieren. Die Ergebnisse unterscheiden sich je nach Methode. Wie stark sich solche Schätzungen verändern können, zeigt der Patagotitan gut: Als der Fund 2014 zum ersten Mal in den Medien vorgestellt wurde, war noch von rund 40 Metern Länge und 77 Tonnen Gewicht die Rede.
Länge: Das Natural History Museum in London gibt eine Länge von etwa 37 Metern an. Das ist ungefähr so lang wie drei Linienbusse hintereinander. Andere Rekonstruktionen kommen auf kürzere Werte.
Gewicht: Bei der Erstbeschreibung 2017 schätzte das Forschungsteam das Gewicht auf rund 69 Tonnen. Das Team berechnete das Gewicht aus dem Umfang der Oberschenkel- und Oberarmknochen. 2020 überarbeiteten die Forschenden ihre Rechenformel. Seitdem gilt ein Gewicht von etwa 57 Tonnen als wahrscheinlicher, mit einer möglichen Spanne von 42 bis 71 Tonnen. Dieser Wert passt auch besser zu Schätzungen aus dreidimensionalen Körpermodellen. Das Natural History Museum vergleicht 57 Tonnen mit dem Gewicht von acht Tyrannosauriern.
Wichtig ist außerdem: Die gefundenen Tiere waren wahrscheinlich junge Erwachsene. Untersuchungen des Knochengewebes zeigen, dass ihr Wachstum sich zwar verlangsamt, aber noch nicht ganz aufgehört hatte. Voll ausgewachsene Tiere könnten also noch etwas größer gewesen sein.
War er der größte Dinosaurier?
Bei seiner Vorstellung 2017 wurde der Patagotitan in vielen Medien als größter Dinosaurier der Welt bezeichnet. Das ist aber umstritten. Andere riesige Titanosaurier wie der Argentinosaurus könnten ähnlich groß oder sogar größer gewesen sein. Von ihnen kennt man allerdings nur wenige Knochen, deshalb sind ihre Größenangaben noch unsicherer. Sicher ist: Der Patagotitan gehört zu den größten Landtieren, die man kennt, und ist von allen diesen Riesen am besten untersucht.
Aussehen und Körperbau
Der Patagotitan hatte den typischen Körperbau eines Sauropoden: einen tonnenförmigen Rumpf, vier kräftige Säulenbeine, einen sehr langen Hals und einen langen Schwanz. Der Kopf war im Verhältnis zum riesigen Körper klein. Die Nachbildung seines Skeletts im Field Museum in Chicago ist gut 37 Meter lang. Ihr Kopf befindet sich etwa 8,5 Meter über dem Boden.
Nicht alle Knochen des Tieres sind gefunden worden. Für die Nachbildungen in den Museen haben die Forschenden die fehlenden Teile nach dem Vorbild verwandter Titanosaurier ergänzt. Wie seine Haut aussah und welche Farbe er hatte, weiß man ebenfalls nicht.
Die Knochen zeigen einige Merkmale, die nur beim Patagotitan vorkommen. Dazu gehören zum Beispiel besondere Muskelansätze am Oberarmknochen und zwei auseinanderlaufende Knochenkämme am Schulterblatt. An solchen Merkmalen erkennen Fachleute, dass es sich um eine eigene Art handelt.
Ernährung
Der Patagotitan war ein Pflanzenfresser. Mit seinem langen Hals konnte er Pflanzen in großem Umkreis erreichen, ohne viel laufen zu müssen. Wie viel ein so großes Tier fressen musste, lässt sich nur grob schätzen. Das Natural History Museum in London geht davon aus, dass er täglich über 129 Kilogramm Pflanzen brauchte.
In seinem Lebensraum wuchsen vor allem Nadelbäume. Daneben gab es Farne und bereits die ersten Blütenpflanzen, die in der Kreidezeit gerade anfingen, sich auszubreiten. Welche Pflanzen der Patagotitan genau fraß, weiß man nicht.
Lebensweise und Lebensraum
Der Patagotitan lebte in der Unterkreide, vor etwa 101 Millionen Jahren, gegen Ende des Zeitabschnitts, den Geologen Alb nennen. Seine Knochen stammen aus Gesteinsschichten der Cerro-Barcino-Formation. Damals war die Gegend eine bewaldete Flusslandschaft, die immer wieder überschwemmt wurde. Aus derselben Gesteinsformation kennt man auch andere Tiere, zum Beispiel den großen Raubdinosaurier Tyrannotitan, ein krokodilartiges Reptil namens Barcinosuchus und die Schildkröte Chubutemys.
Dass an einer Stelle mehrere junge erwachsene Tiere gefunden wurden, die zu unterschiedlichen Zeiten starben, ist auffällig. Die Forschenden schließen daraus, dass die Riesen immer wieder an diesen Ort nahe am Wasser kamen. Sie deuten den Fund auch als ersten Hinweis darauf, dass solche Riesen-Titanosaurier zumindest zeitweise gemeinsam unterwegs waren. Sicher beweisen lässt sich ein Leben in Herden aus den Knochen aber nicht.
An der Fundstelle entdeckte man auch Zähne von Raubdinosauriern. Sie könnten von Tieren stammen, die an den Kadavern fraßen. Ob Raubsaurier auch lebende, erwachsene Patagotitane angriffen, weiß man nicht. Junge Tiere waren vermutlich leichter zu erbeuten.
Fortpflanzung
Über die Fortpflanzung des Patagotitan selbst weiß man nichts, denn man hat keine Eier oder Jungtiere von ihm gefunden. Von anderen Titanosauriern kennt man aber Eier. Das Natural History Museum in London zeigte in seiner Ausstellung ein 69 Millionen Jahre altes Titanosaurier-Ei, das ungefähr so groß wie eine Grapefruit ist, also erstaunlich klein im Vergleich zu den erwachsenen Tieren. Wahrscheinlich schlüpften auch beim Patagotitan winzige Jungtiere, die dann über viele Jahre zu Riesen heranwuchsen.
Patagotitan im Museum
Weil so viele Knochen gefunden wurden, konnten Fachleute ein fast vollständiges Skelett nachbilden. Die Originalknochen liegen im Museum Egidio Feruglio in Trelew. Abgüsse aus leichtem Kunststoff reisen um die Welt:
- Im American Museum of Natural History in New York steht seit 2016 eine Nachbildung. Sie ist so lang, dass Hals und Kopf aus dem Ausstellungssaal herausragen.
- Im Field Museum in Chicago steht seit 2018 ein Abguss mit dem Namen „Máximo“, spanisch für „der Größte“.
- Das Natural History Museum in London zeigte eine Nachbildung von März 2023 bis Januar 2024 in einer Sonderausstellung. Der Abguss dort wog 2,67 Tonnen.
Auch im Fernsehen war der Riese zu sehen: Der britische Naturfilmer David Attenborough begleitete die Ausgrabung und die Forschung für eine BBC-Dokumentation, die im Januar 2016 ausgestrahlt wurde, noch bevor die Art ihren wissenschaftlichen Namen bekam.
Häufige Fragen zum Patagotitan
Wie schwer war der Patagotitan?
Das weiß man nicht genau. Die neueste Schätzung des Forschungsteams liegt bei etwa 57 Tonnen, mit einer möglichen Spanne von 42 bis 71 Tonnen. Die Erstbeschreibung von 2017 hatte noch rund 69 Tonnen angegeben.
Wie lang war der Patagotitan?
Nach Angaben des Natural History Museum in London etwa 37 Meter. Das ist länger als ein Blauwal. Da die gefundenen Tiere noch nicht ganz ausgewachsen waren, könnten ältere Tiere noch etwas größer geworden sein.
Wann und wo lebte der Patagotitan?
Er lebte vor etwa 101 Millionen Jahren, in der Unterkreide, im heutigen Patagonien im Süden Argentiniens. Gefunden wurde er in der Provinz Chubut.
Ist der Patagotitan der größte Dinosaurier der Welt?
Er gehört zu den größten, ob er der allergrößte war, ist aber umstritten. Andere Titanosaurier wie Argentinosaurus waren möglicherweise ähnlich groß. Sie sind aber nur aus wenigen Knochen bekannt.
Wer hat den Patagotitan entdeckt?
Ein Landarbeiter fand 2010 den ersten Knochen auf der Farm La Flecha. Ausgegraben und beschrieben haben ihn Forschende des Museums Egidio Feruglio in Trelew um José Luis Carballido und Diego Pol.
Ähnliche Tiere
- Brachiosaurus - bekannter Sauropode aus Nordamerika mit langen Vorderbeinen
- Diplodocus - besonders langer, aber leichterer Sauropode aus der Jurazeit
- Barosaurus - Sauropode mit extrem langem Hals
- Spinosaurus - großer Raubdinosaurier aus der Kreidezeit
- Blauwal - das schwerste Tier der Erde, schwerer als jeder Dinosaurier
Quellen
- Patagotitan - Dino Directory, Natural History Museum London
- Titanosaur: Life as the biggest dinosaur - Pressemitteilung, Natural History Museum London (2023)
- Máximo the Titanosaur - Field Museum Chicago
- Carballido, J. L. et al. (2017): A new giant titanosaur sheds light on body mass evolution among sauropod dinosaurs. Proceedings of the Royal Society B 284, 20171219
- Otero, A., Carballido, J. L. & Moreno, A. (2020): The appendicular osteology of Patagotitan mayorum (Dinosauria, Sauropoda). Journal of Vertebrate Paleontology 40, e1793158
- Patagotitan - Wikipedia (englisch)