Piranha
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Kurz erklärt
Piranhas sind Raubfische mit scharfen Zähnen aus den Flüssen Südamerikas, von denen es rund 40 Arten gibt. Am bekanntesten ist der Rote Piranha mit seinem roten Bauch, der meist etwa 30 cm lang wird und Fische, Insekten, Würmer, Aas und sogar Pflanzen frisst. Piranhas leben in Schwärmen, vor allem um sich selbst vor Feinden zu schützen. Für Menschen sind sie viel weniger gefährlich als in Filmen.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Pygocentrus nattereri |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | Meist um 30 cm, höchstens 50 cm |
| Körpergewicht | Bis etwa 1,8 kg, Höchstwert 3,9 kg |
| Ernährung | Allesfresser mit Vorliebe für Fleisch: Fische, Insekten, Würmer, Krebstiere, Aas, dazu Pflanzen, Samen und Früchte |
| Lebenserwartung | Bis etwa 10 Jahre |
| Sozialverhalten | Schwarmbildung |
| Herkunft | Südamerika |
| Verbreitung | Amazonasbecken, Paraguay-Paraná-Becken, Küstenflüsse im Nordosten Brasiliens und Essequibo Südamerika |
| Entdeckung | Erstbeschreibung 1858 durch Rudolf Kner |
| Gefährdung | LC Nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2024) |
| Sonstiges | Die Werte gelten für den Roten Piranha. Insgesamt gibt es rund 40 Piranha-Arten. |
Welche Fische sind Piranhas?
„Piranha“ ist kein Name für eine einzelne Art, sondern ein Sammelbegriff. Gemeint sind rund 40 Arten von Raubfischen aus Südamerika, die in fünf Gattungen eingeteilt werden. Sie gehören zur Familie der Sägesalmler (Serrasalmidae) und damit zu den Salmlerartigen, also zu den Verwandten vieler kleiner Aquarienfische wie dem Sternflecksalmler. Die meisten Arten gehören zur Gattung Serrasalmus.
Der Name stammt aus der Tupí-Sprache Brasiliens. Pirá bedeutet Fisch, der ganze Name heißt wahrscheinlich ungefähr „beißender Fisch“.
Die bekannteste Art ist der Rote Piranha (Pygocentrus nattereri), auch Roter Sägesalmler oder Rotbauchpiranha genannt. Er ist auf dem Foto oben zu sehen. Diese Seite beschreibt vor allem ihn. Wo andere Piranhas sich unterscheiden, steht es dabei.
Aussehen und Körperbau
Piranhas haben einen hohen, seitlich abgeflachten Körper. Von vorn betrachtet sind sie also schmal. Im Maul sitzen sehr scharfe Zähne, mit denen Piranhas Stücke aus ihrer Nahrung herausbeißen können.
Farbe: Junge Rote Piranhas sind grau und haben deutliche dunkle Flecken. Erwachsene Tiere sind grau mit silbrig glitzernden Schuppen. Ihren Namen verdanken sie dem roten Bauch, der sich erst beim Heranwachsen ausfärbt.
Größe und Gewicht: Erwachsene Rote Piranhas sind meist etwa 30 cm lang und wiegen bis etwa 1,8 kg. Die größten gemessenen Tiere erreichten 50 cm Körperlänge ohne Schwanzflosse und ein Gewicht von 3,9 kg. Solche Riesen sind aber selten.
Verbreitung und Lebensraum
Piranhas leben nur in den Süßgewässern Südamerikas. Ihr Gebiet reicht vom Orinoco im Norden bis in das Flusssystem von Paraná und Paraguay im Süden.
Der Rote Piranha lebt im Amazonasbecken, im Becken der Flüsse Paraguay und Paraná, in Küstenflüssen im Nordosten Brasiliens und im Essequibo in Guyana. Besonders häufig findet man ihn in Bächen, in Teichen, die mit Flüssen verbunden sind, und in den überschwemmten Wäldern des Amazonas. Dort ist das Wasser warm, etwa 23 bis 27 Grad, und leicht sauer bis neutral.
Ernährung
Viele Menschen stellen sich Piranhas als Fische vor, die in Sekunden große Tiere auffressen. In Wirklichkeit ist ihr Speiseplan viel abwechslungsreicher. Rote Piranhas sind Allesfresser mit einer Vorliebe für Fleisch. Sie fressen:
- andere Fische und Stücke von Fischen
- Insekten und Würmer
- Krebstiere und Weichtiere wie Schnecken
- Aas, also tote Tiere
- Pflanzen, Samen und Früchte
Neben der Jagd auf lebende Beute fressen Rote Piranhas auch Aas. Große Tiere greifen sie in der Regel nur an, wenn diese schon verletzt sind.
Zu welcher Tageszeit? Kleine Rote Piranhas fressen vor allem tagsüber. Größere Tiere von 15 bis 24 cm gehen hauptsächlich in der Morgendämmerung, am Nachmittag und nachts auf Nahrungssuche.
Manche Piranhas beißen anderen Fischen Stücke aus den Flossen, eine nahe verwandte Art frisst sogar vor allem Schuppen.
Verhalten und Lebensweise
Rote Piranhas leben in Schwärmen. Lange dachte man, sie würden gemeinsam jagen wie ein Wolfsrudel. Forschende haben aber herausgefunden, dass der Schwarm vor allem Schutz bietet. Piranhas haben nämlich selbst viele Feinde, zum Beispiel Flussdelfine, Kaimane und fischfressende Vögel wie Kormorane.
In einem Versuch zeigten Piranhas in kleinen Gruppen mehr Anzeichen von Stress als in größeren. Nach einem vorgetäuschten Angriff mit einem nachgebildeten Kormoran beruhigten sich Piranhas in Gruppen von acht Tieren schneller als Tiere, die nur zu zweit waren.
Auch die Plätze im Schwarm sind verteilt: Die jüngeren Piranhas schwimmen meist außen, die großen, erwachsenen Tiere in der Mitte. So sind die Erwachsenen besser vor Angreifern geschützt, und die Jungen kommen leichter an Futter.
Piranhas können „bellen“: Rote Piranhas erzeugen Geräusche. Dazu spannen sie Muskeln an ihrer Schwimmblase sehr schnell an. Forschende haben drei verschiedene Laute unterschieden: einen beim Drohen, wenn sich zwei Piranhas gegenüberstehen, einen beim Umkreisen und Kämpfen und einen beim Verfolgen eines anderen Piranhas. Den dritten Laut erzeugen sie mit den Kiefern.
Fortpflanzung und Nachwuchs
Rote Piranhas laichen vermutlich vor allem in der Regenzeit. Die Eier kleben an Wasserpflanzen oder an Baumwurzeln, die ins Wasser hängen. Das Gelege wird bewacht. Nach etwa 9 bis 10 Tagen schlüpfen die Jungfische. Danach sind sie auf sich allein gestellt.
Rote Piranhas können bis zu 10 Jahre alt werden.
Feinde und Gefährdung
Rote Piranhas werden von Flussdelfinen, Kaimanen und fischfressenden Vögeln gejagt. Der Mensch fängt sie als Speisefisch, beim Sportangeln und für den Aquarienhandel.
Die Rote Liste der IUCN stuft den Roten Piranha als nicht gefährdet ein (LC, Einstufung 2024). Er ist in seinem großen Verbreitungsgebiet vielerorts häufig.
Wie gefährlich sind Piranhas für Menschen?
Piranhas haben ein schlechtes Image, vor allem durch Filme. Dort fallen Schwärme über Menschen oder große Tiere her und lassen nur Knochen übrig. Das ist stark übertrieben.
Trotzdem kommen Bisse vor. In Brasilien untersuchten Forschende Piranha-Bisse an gestauten Flussabschnitten im Bundesstaat São Paulo, in denen viele Menschen baden. Bei zwei Häufungen wurden dort insgesamt 74 Badende gebissen. Jeder wurde nur einmal gebissen, und die Bisse traten nur in einem kurzen Zeitraum des Jahres auf. Die Forschenden fanden heraus, dass die Piranhas dabei ihre Eier und ihr Laichrevier verteidigten. Als man feinmaschige Netze aufstellte und Wasserpflanzen entfernte, hörten die Bisse auf.
Ein Piranha-Biss kann wegen der scharfen Zähne tiefe Wunden verursachen und sollte ärztlich behandelt werden. Dass ein Schwarm einen gesunden Menschen angreift und auffrisst, ist dagegen ein Mythos.
Besonderheiten
- Starker Biss: Der Schwarze Piranha (Serrasalmus rhombeus) biss in einer Messung mit einer Kraft von 320 Newton zu. Das war der stärkste bis dahin bei einem Knochenfisch gemessene Biss. Im Verhältnis zu seiner Größe hat er einen der kräftigsten Bisse aller fleischfressenden Wirbeltiere.
- Riesen der Urzeit: Vor mehreren Millionen Jahren lebte in Südamerika Megapiranha paranensis, ein riesiger, ausgestorbener Verwandter der heutigen Piranhas. Forschende schätzen, dass er noch viel kräftiger zubeißen konnte.
- Aufräumer im Fluss: Weil Piranhas viel Aas fressen, beseitigen sie tote Tiere aus dem Wasser.
Häufige Fragen zum Piranha
Sind Piranhas für Menschen gefährlich?
Normalerweise nicht. Bisse kommen vor, vor allem wenn Piranhas ihre Eier bewachen und Badende ihrem Nest zu nahe kommen. Solche Bisse sind schmerzhaft, aber dass Piranhas Menschen auffressen, ist ein Mythos aus Filmen.
Was fressen Piranhas?
Rote Piranhas fressen Fische, Insekten, Würmer, Krebstiere, Schnecken und Aas. Dazu kommen Pflanzen, Samen und Früchte. Manche Piranhas beißen anderen Fischen auch Stücke aus den Flossen.
Wie groß wird ein Piranha?
Das hängt von der Art ab. Der Rote Piranha ist meist um 30 cm lang. Einzelne Tiere erreichen 50 cm Körperlänge und 3,9 kg Gewicht.
Wo leben Piranhas?
Nur in den Flüssen, Seen und überschwemmten Wäldern Südamerikas, vom Orinoco bis zum Río Paraguay. Der Rote Piranha lebt unter anderem im Amazonasbecken und im Paraná.
Warum schwimmen Piranhas im Schwarm?
Hauptsächlich zum Schutz. Piranhas werden selbst von Flussdelfinen, Kaimanen und Vögeln gejagt. In einer größeren Gruppe ist der einzelne Fisch sicherer. Die großen Tiere schwimmen in der Mitte, die jungen außen.
Ist jeder Piranha ein Roter Piranha?
Nein. „Piranha“ ist ein Sammelname für rund 40 Arten. Der Rote Piranha ist nur die bekannteste davon. Die Arten unterscheiden sich in Aussehen, Größe und Nahrung.
Gibt es Piranhas in Europa?
In freier Natur leben Piranhas nur in Südamerika. In Europa sieht man sie in Zoos und öffentlichen Aquarien. Das Foto oben zeigt einen Roten Piranha aus dem Zoo Karlsruhe.
Ähnliche Tiere
- Sternflecksalmler - ein kleiner Salmler aus Südamerika
- Zitteraal - ein anderer berühmter Fisch aus dem Amazonas
- Diskusfisch - ein Aquarienfisch aus denselben Gewässern
- Kaiman - einer der Fressfeinde der Piranhas
- Flussdelfin - jagt ebenfalls im Amazonas nach Fischen
Quellen
- Pygocentrus nattereri, Red piranha - FishBase
- Queiroz, H. & Magurran, A. E. (2005): Safety in numbers? Shoaling behaviour of the Amazonian red-bellied piranha. Biology Letters 1 (2): 155-157
- Haddad Junior, V. & Sazima, I. (2010): Piranha attacks in dammed streams used for human recreation in the State of São Paulo, Brazil. Revista da Sociedade Brasileira de Medicina Tropical 43 (5): 596-598
- Grubich, J. R. et al. (2012): Mega-Bites: Extreme jaw forces of living and extinct piranhas (Serrasalmidae). Scientific Reports 2: 1009
- Red-Bellied Piranha - Los Angeles Zoo
- Millot, S., Vandewalle, P. & Parmentier, E. (2011): Sound production in red-bellied piranhas (Pygocentrus nattereri, Kner): an acoustical, behavioural and morphofunctional study. Journal of Experimental Biology 214 (21): 3613-3618