Plesiosaurus

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Versteinertes Skelett des Plesiosaurus aus dem Natural History Museum London mit kleinem Kopf, langem Hals, breitem Rumpf und vier Flossen
the paleobear / Wikimedia Commons / CC BY 2.0

Kurz erklärt

Der Plesiosaurus war ein Meeresreptil mit kleinem Kopf, langem Hals und vier großen Flossen. Er lebte vor etwa 199 bis 193 Millionen Jahren und wurde rund 3 Meter lang. Seine Fossilien stammen aus England, das erste vollständige Skelett fand Mary Anning im Jahr 1823. Ein Dinosaurier war er nicht, aber er gab einer ganzen Gruppe von Meeresreptilien ihren Namen, den Plesiosauriern.

Steckbrief

Wissenschaftl. NamePlesiosaurus dolichodeirus
Abstammung
  • Klasse: Reptilien
  • Überordnung: Sauropterygia
  • Ordnung: Plesiosaurier (Plesiosauria)
  • Familie: Plesiosauridae
  • Gattung: Plesiosaurus
  • Art: Plesiosaurus dolichodeirus (einzige anerkannte Art)
KörpergrößeRund 3 m (Mary Annings Skelett liegt auf einer etwa 3 x 2 m großen Gesteinsplatte)
KörpergewichtNicht bekannt
ErnährungFleischfresser, vermutlich vor allem kleine Fische und Tintenfisch-Verwandte
LebenserwartungUnbekannt
SozialverhaltenUnbekannt
HerkunftEngland
Verbreitung Sichere Funde nur aus dem Unterjura Englands, vor allem von der Küste bei Lyme Regis (Dorset) Europa
EntdeckungErstes vollständiges Skelett 1823 von Mary Anning bei Lyme Regis gefunden, 1824 von William Conybeare als Plesiosaurus dolichodeirus beschrieben
SonstigesAusgestorben. Lebte im Unterjura vor etwa 199 bis 193 Millionen Jahren. Die Körperlänge ist aus Skelettfunden geschätzt.

Was war der Plesiosaurus?

Der Plesiosaurus war ein Meeresreptil, das vor rund 199 bis 193 Millionen Jahren im Unterjura lebte. Er hatte einen kleinen Kopf, einen langen Hals, einen breiten Rumpf, einen kurzen Schwanz und vier große Flossen. Er ist der Namensgeber der Plesiosaurier (Plesiosauria), einer Gruppe von Meeresreptilien, die mehr als 130 Millionen Jahre lang durch die Ozeane schwamm.

Der Name bedeutet „nahe an der Echse“. Die britischen Geologen Henry De la Beche und William Conybeare wählten ihn 1821. Sie wollten damit ausdrücken, dass dieses Tier einem gewöhnlichen Reptil ähnlicher war als der kurz zuvor entdeckte Ichthyosaurus. Heute kennt man nur eine Art, Plesiosaurus dolichodeirus. Viele andere Arten, die früher in diese Gattung gestellt wurden, gehören inzwischen zu anderen Gattungen.

Kein Dinosaurier: Der Plesiosaurus wird oft zusammen mit Dinosauriern gezeigt, gehört aber nicht zu ihnen. Die Plesiosaurier bilden eine eigene Gruppe der Reptilien innerhalb der Sauropterygia. Dinosaurier lebten an Land, Plesiosaurier im Meer.

Aussehen und Körperbau

Der Plesiosaurus wurde rund 3 Meter lang: Mary Annings fast vollständiges Skelett liegt auf einer etwa drei Meter langen Gesteinsplatte. Der Hals war ungefähr so lang wie Rumpf und Schwanz zusammen. Wie schwer er war, weiß niemand, denn Gewichte lassen sich aus Knochen nur grob schätzen.

  • Kopf: Der Kopf war im Vergleich zum langen Hals klein. Im Kiefer saßen spitze Zähne.
  • Hals: Der lange, schlanke Hals bestand aus etwa 40 Halswirbeln. Je nach Skelett wurden 38 bis 42 gezählt. Zum Vergleich: Eine Giraffe hat trotz ihres langen Halses nur 7 Halswirbel.
  • Rumpf: Der Körper war breit und flach, ähnlich wie bei einer Schildkröte, aber ohne Panzer. Unter dem Bauch lagen zusätzliche Bauchrippen, sogenannte Gastralia.
  • Flossen: Arme und Beine hatten sich zu vier langen, schmalen Flossen umgebildet. Bei erwachsenen Tieren waren die hinteren Flossen deutlich kleiner als die vorderen. In den Flossen saßen fünf Finger beziehungsweise Zehen mit vielen Gliedern.
  • Schwanz: Der Schwanz war kurz. Ob er eine Schwanzflosse trug, ist nicht sicher bekannt.

Wann und wo lebte er?

Alle sicheren Funde des Plesiosaurus stammen aus dem Unterjura Englands, aus Gesteinsschichten, die als Lias bezeichnet werden. Sie entstanden vor etwa 199 bis 193 Millionen Jahren am Grund eines Meeres. Die meisten Skelette wurden an der Küste bei Lyme Regis in der Grafschaft Dorset gefunden, die heute für ihre Fossilien berühmt ist. Zur gleichen Zeit lebten im selben Meer auch Ichthyosaurier.

Die Plesiosaurier als Gruppe gab es viel länger. Sie tauchten gegen Ende der Trias auf und breiteten sich nach dem großen Artensterben vor etwa 200 Millionen Jahren schnell aus. Die letzten Plesiosaurier starben vor rund 66 Millionen Jahren aus, am Ende der Kreidezeit, zur selben Zeit wie die Dinosaurier. Fossilien von Plesiosauriern wurden auf allen Kontinenten gefunden, sogar in der Antarktis.

Wie schwamm der Plesiosaurus?

Plesiosaurier waren die einzigen Wirbeltiere, die sich mit zwei gleich gebauten Flossenpaaren fortbewegten. Heute nehmen Forscher an, dass Plesiosaurier mit ihren Flossen unter Wasser „flogen“, ähnlich wie Meeresschildkröten oder Pinguine. Meeresschildkröten treiben sich allerdings nur mit den Vorderflossen an.

Lange war unklar, warum Plesiosaurier vier Flossen brauchten. Ein Experiment in einem Wassertank mit nachgebauten Flossen brachte 2017 eine Antwort: Wenn die hinteren Flossen im richtigen Takt mit den vorderen schlugen, erzeugten sie bis zu 60 Prozent mehr Vortrieb und arbeiteten um 40 Prozent effizienter als allein. Das erklärt, warum die Plesiosaurier mehr als 100 Millionen Jahre lang bei vier Flossen blieben.

Die starken Muskeln für die Flossenschläge saßen an breiten Knochenplatten an Brust und Becken. Diese Platten bildeten die flache Unterseite des Körpers.

Ernährung

Der Plesiosaurus war ein Fleischfresser. Fachleute nehmen an, dass Plesiosaurier mit langem Hals vor allem kleine Fische und Tintenfisch-Verwandte jagten.

Funde anderer Plesiosaurier zeigen, dass die Speisekarte vielfältiger sein konnte. In zwei Skeletten von Elasmosauriern aus Australien fanden Forscher Reste von Muscheln, Schnecken und Krebsen, die am Meeresboden leben. Diese Tiere suchten ihr Futter also zumindest teilweise am Grund.

In Plesiosaurier-Skeletten liegen oft Magensteine. Wozu die Tiere sie verschluckten, ist noch nicht geklärt. Vielleicht halfen die Steine, die Nahrung im Magen zu zerkleinern, vielleicht dienten sie als Ballast beim Tauchen.

Fortpflanzung

Wie sich der Plesiosaurus selbst fortpflanzte, ist nicht direkt bekannt. Einen wichtigen Hinweis liefert ein Fund aus Nordamerika: 2011 beschrieben Forscher ein Skelett des Plesiosauriers Polycotylus aus der Oberkreide, in dem ein ungeborenes Jungtier lag. Plesiosaurier legten also keine Eier an Land, sondern brachten lebende Junge zur Welt.

Das Jungtier war im Verhältnis zur Mutter groß. Die Forscher schließen daraus, dass Plesiosaurier meist nur ein einzelnes, großes Junges bekamen. Das ähnelt heutigen Walen und Delfinen. Möglicherweise kümmerten sich die Mütter auch um ihren Nachwuchs und lebten in Gruppen. Das ist aber eine Vermutung, die sich aus Fossilien kaum beweisen lässt.

Die Entdeckung durch Mary Anning

Am 10. Dezember 1823 fand die Fossiliensammlerin Mary Anning bei Lyme Regis das erste vollständige Skelett eines Plesiosaurus. Die Gesteinsplatte mit dem Skelett misst etwa drei mal zwei Meter. William Conybeare beschrieb den Fund 1824 vor der Geologischen Gesellschaft in London und gab der Art den Namen Plesiosaurus dolichodeirus.

Das Tier sah so ungewöhnlich aus, dass sich Gerüchte verbreiteten, das Fossil sei gefälscht. Selbst der berühmte französische Naturforscher Georges Cuvier zweifelte zunächst an der Echtheit. Später ließ er sich aber von der Echtheit überzeugen. Mary Annings Plesiosaurus ist heute im Natural History Museum in London zu sehen, in der Galerie der fossilen Meeresreptilien. Das Foto oben zeigt dieses Skelett.

Die Verwandtschaft: Plesiosaurier

Zu den Plesiosauriern gehörten sehr unterschiedliche Tiere. Manche Arten waren kleiner als der Plesiosaurus, andere wurden viel größer. Die Größen der Riesen beruhen allerdings auf Schätzungen aus unvollständigen Skeletten.

  • Langhalsige Formen wie die Elasmosaurier hatten winzige Köpfe und extrem lange Hälse mit bis zu 76 Halswirbeln, mehr als jedes andere bekannte Wirbeltier.
  • Pliosaurier hatten dagegen kurze Hälse und riesige Köpfe mit kräftigen Zähnen. Zu ihnen zählten große Raubtiere wie Kronosaurus.

Der Plesiosaurus selbst gehört zu den frühen, mittelgroßen Vertretern. Er zeigt aber schon den typischen Körperbau mit kleinem Kopf, langem Hals und vier Flossen.

Häufige Fragen zum Plesiosaurus

War der Plesiosaurus ein Dinosaurier?

Nein. Der Plesiosaurus war ein Meeresreptil aus der Gruppe der Plesiosaurier. Er lebte zwar zur Zeit der Dinosaurier, gehörte aber zu einem anderen Zweig der Reptilien. Dinosaurier lebten an Land, Plesiosaurier im Meer.

Wie groß war ein Plesiosaurus?

Der Plesiosaurus wurde rund 3 Meter lang, ungefähr so lang wie ein kleines Auto. Andere Plesiosaurier wurden viel größer.

Was hat der Plesiosaurus gefressen?

Er war ein Fleischfresser. Fachleute nehmen an, dass langhalsige Plesiosaurier vor allem kleine Fische und Tintenfisch-Verwandte fingen. Von anderen Plesiosauriern weiß man, dass manche auch Muscheln, Schnecken und Krebse vom Meeresboden fraßen.

Wann ist der Plesiosaurus ausgestorben?

Die Gattung Plesiosaurus kennt man nur aus Gesteinen, die etwa 199 bis 193 Millionen Jahre alt sind. Die Plesiosaurier als Gruppe überlebten viel länger und starben erst vor rund 66 Millionen Jahren aus, gemeinsam mit den Dinosauriern.

Lebt der Plesiosaurus heute noch, zum Beispiel in Loch Ness?

Nein. Das Ungeheuer von Loch Ness wird zwar oft wie ein Plesiosaurier gezeichnet, doch es spricht vieles dagegen. Der See entstand erst am Ende der letzten Eiszeit vor rund 10.000 Jahren, die jüngsten Plesiosaurier-Fossilien sind aber 66 Millionen Jahre alt. Außerdem konnten Plesiosaurier ihren Hals wohl nicht wie ein Schwan hoch aus dem Wasser heben.

Hat der Plesiosaurus Eier gelegt?

Wahrscheinlich nicht. Ein Fossil eines verwandten Plesiosauriers mit einem ungeborenen Jungtier im Bauch zeigt, dass Plesiosaurier lebende Junge zur Welt brachten. Meist war es wohl nur ein einzelnes, großes Junges.

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Quellen