Plumploris

Zuletzt aktualisiert:

Wilder Plumplori auf Borneo mit großen, im Blitzlicht leuchtenden Augen, dunklen Augenringen und hellem Nasenstreif klettert nachts zwischen Zweigen und Blättern
Jmiksanek / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0

Kurz erklärt

Plumploris sind kleine, nachtaktive Primaten aus Süd- und Südostasien mit riesigen Augen. Sie klettern langsam durch die Bäume und fressen vor allem Baumsäfte, Nektar und Früchte. Als einzige Primaten können sie giftig beißen: Sie mischen ein Sekret aus einer Drüse am Ellenbogen mit Speichel. Alle Arten sind bedroht, unter anderem durch Waldverlust und den illegalen Handel mit Heimtieren.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameNycticebus
Abstammung
  • Klasse: Säugetiere
  • Ordnung: Primaten
  • Unterordnung: Feuchtnasenprimaten (Strepsirrhini)
  • Familie: Loris (Lorisidae)
  • Gattung: Plumploris (Nycticebus)
KörpergrößeBengal- und Sunda-Plumplori etwa 26 bis 38 cm lang, der Schwanz ist nur ein im Fell verborgener Stummel
KörpergewichtJe nach Art etwa 265 g bis 2,2 kg; am schwersten ist der Bengal-Plumplori mit 1 bis 2 kg
ErnährungAllesfresser: vor allem Baumsäfte und Gummi, Nektar und Früchte, außerdem Insekten und andere Wirbellose, Schnecken und Vogeleier
LebenserwartungSunda-Plumplori in menschlicher Obhut bis 25,8 Jahre (Höchstalter laut Animal Diversity Web)
SozialverhaltenMeist allein unterwegs; die Aktionsräume überlappen, oft leben ein Männchen, ein Weibchen und Jungtiere in einem gemeinsamen Gebiet
HerkunftSüd- und Südostasien
Verbreitung Von Nordostindien und Südchina über Myanmar, Thailand und Indochina bis zur Malaiischen Halbinsel, Sumatra, Java, Borneo und den Philippinen Asien
EntdeckungGattung 1812 von Étienne Geoffroy Saint-Hilaire beschrieben
SonstigesDie Rote Liste der IUCN führt acht Nycticebus-Arten, alle gefährdet (Einstufungen von 2020): Java-Plumplori (N. javanicus) und Bangka-Plumplori (N. bancanus) vom Aussterben bedroht (CR); Bengal-Plumplori (N. bengalensis), Sunda-Plumplori (N. coucang) und Sumatra-Plumplori (N. hilleri) stark gefährdet (EN); Borneo-Plumplori (N. borneanus), Kayan-Plumplori (N. kayan) und Philippinen-Plumplori (N. menagensis) gefährdet (VU). Die Zwergplumploris stehen heute in der eigenen Gattung Xanthonycticebus. Alle Plumploris stehen seit 2007 in Anhang I des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES).

Was sind Plumploris?

Plumploris (Gattung Nycticebus) sind kleine Primaten aus Süd- und Südostasien. Sie gehören zu den Feuchtnasenprimaten und dort zur Familie der Loris. Plumploris sind nachtaktiv, haben riesige, nach vorn gerichtete Augen und bewegen sich langsam und fast lautlos durch die Bäume. Ihr wissenschaftlicher Name setzt sich aus griechischen Wörtern für „Nacht“ und „Affe“ zusammen.

Das Besondere an ihnen: Plumploris sind die einzigen giftigen Primaten. Weltweit kennt man nur wenige giftige Säugetiere, Fachleute zählen sieben Gruppen. Dazu gehören neben den Plumploris zum Beispiel das Schnabeltier, einige Spitzmäuse und die Vampirfledermäuse.

Die Plumplori-Arten

Die Rote Liste der IUCN führt heute acht Arten von Plumploris. Alle sind bedroht:

ArtRote Liste (2020)
Java-Plumplori (N. javanicus)vom Aussterben bedroht (CR)
Bangka-Plumplori (N. bancanus)vom Aussterben bedroht (CR)
Bengal-Plumplori (N. bengalensis)stark gefährdet (EN)
Sunda-Plumplori (N. coucang)stark gefährdet (EN)
Sumatra-Plumplori (N. hilleri)stark gefährdet (EN)
Borneo-Plumplori (N. borneanus)gefährdet (VU)
Kayan-Plumplori (N. kayan)gefährdet (VU)
Philippinen-Plumplori (N. menagensis)gefährdet (VU)

Die deutschen Namen verraten nur ungefähr, wo die Arten leben: Der Philippinen-Plumplori kommt zum Beispiel auch auf Borneo vor. Der Bengal-Plumplori lebt auf dem asiatischen Festland, der Sunda-Plumplori auf Sumatra und der Malaiischen Halbinsel.

Lange zählte man auch den Zwergplumplori zu dieser Gattung. 2022 stellten Forschende ihn in eine eigene Gattung, Xanthonycticebus. Zwergplumploris unterscheiden sich deutlich: Sie bekommen regelmäßig Zwillinge, wechseln je nach Jahreszeit Gewicht und Fellfarbe und haben an den Ohrspitzen kein Fell. In älteren Büchern stehen deshalb oft neun Plumplori-Arten.

Aussehen und Körperbau

Größe und Gewicht: Bengal- und Sunda-Plumploris messen 26 bis 38 cm. Je nach Art wiegen Plumploris etwa 265 g bis 2,2 kg. Am größten und schwersten ist der Bengal-Plumplori mit 1 bis 2 kg, der Sunda-Plumplori wiegt dagegen nur etwa 600 bis 690 g. Männchen und Weibchen sehen gleich aus.

Kopf und Augen: Der Kopf ist rund, die Schnauze kurz, die Nase feucht. Die großen Augen helfen beim Sehen in der Nacht. Die kleinen Ohren verschwinden fast im dichten Fell.

Fell: Das Fell ist dicht und wollig, je nach Art hellbraun bis graubraun, die Unterseite ist oft heller. Über den Rücken läuft ein dunklerer Streifen, zwischen den Augen oft ein heller Streifen bis zur Nase.

Hände und Füße: Der zweite Finger ist stark verkürzt. Dadurch wirken die Hände wie kräftige Zangen, mit denen Plumploris Äste sehr fest umklammern. Ein Schwanz fehlt fast völlig, er ist nur ein kurzer Stummel unter dem Fell.

Zahnkamm: Die unteren Schneide- und Eckzähne stehen fast waagerecht nach vorn und bilden einen Zahnkamm. Damit schaben Plumploris Baumgummi von der Rinde und verteilen beim Biss ihr Gift.

Verbreitung und Lebensraum

Plumploris leben in einem großen Gebiet zwischen etwa 8 Grad südlicher und 28 Grad nördlicher Breite: vom Nordosten Indiens und dem Süden Chinas über Myanmar, Thailand und Indochina bis zur Malaiischen Halbinsel, nach Sumatra, Java, Borneo und auf die Philippinen. Der Bengal-Plumplori hat das größte Verbreitungsgebiet und lebt am weitesten im Norden.

Plumploris bewohnen tropische und subtropische Wälder vom Tiefland bis in etwa 2.400 m Höhe. Sie kommen in Regenwäldern, immergrünen und laubabwerfenden Wäldern, Sumpf- und Bergwäldern vor. Manche Arten leben auch in gestörten Wäldern, Sekundärwald und Plantagen. Wichtig sind Bäume mit dichten Kronen, die Nahrung und Schutz bieten.

Ernährung

Plumploris sind Allesfresser mit einer ungewöhnlichen Vorliebe: Sie fressen sehr viel Baumsaft und Gummi, also klebrige Säfte, die aus der Rinde quellen. Mit ihren Zähnen kratzen sie Löcher in die Rinde und lecken den austretenden Saft mit ihrer langen, schmalen Zunge auf.

  • Sunda-Plumplori: etwa ein Drittel Baumsäfte und Gummi, ein Drittel Nektar, rund ein Viertel Früchte, dazu Schnecken und Vogeleier
  • Bengal-Plumplori: Im Winter besteht seine Nahrung zu 94 Prozent aus Pflanzensäften, im Sommer zu 67 Prozent. Im Sommer frisst er auch viel Nektar, außerdem Früchte, Rinde, Wirbellose und Vogeleier.

Wenn Plumploris Nektar trinken, bestäuben sie dabei Blüten. Ihr Stoffwechsel arbeitet sehr langsam. In Zeiten mit wenig Nahrung können sie in eine Art Starre fallen und so Energie sparen.

Verhalten und Lebensweise

Plumploris schlafen tagsüber in Baumhöhlen oder dichtem Laub und sind nachts unterwegs. Sie klettern langsam und gleichmäßig auf allen vieren, wobei meist drei Beine gleichzeitig Halt haben. Oft hängen sie lange nur an den Füßen. Weil sie einen zusätzlichen Wirbel in der Wirbelsäule haben, wirken ihre Bewegungen fast schlangenartig.

Allein oder gemeinsam? Plumploris sind meist allein unterwegs. Beim Sunda-Plumplori verbringen die Tiere nur etwa 8 Prozent ihrer aktiven Zeit in der Nähe von Artgenossen. Ihre Aktionsräume überlappen aber, und oft teilen sich ein Männchen, ein Weibchen und ein bis drei Jungtiere ein Gebiet. Begegnen sie sich, putzen sie sich gegenseitig oder folgen einander. Bengal-Plumploris leben meist in Familiengruppen.

Verständigung: Plumploris pfeifen, keckern, knurren und kreischen. Besonders wichtig ist der Geruch: Sie reiben das ölige Sekret aus ihren Ellenbogendrüsen und Urin auf Äste und hinterlassen so Duftmarken.

Tarnung statt Flucht: Droht Gefahr, verharren Plumploris reglos oder rollen sich zu einer Kugel zusammen. Feinde, die sich an Gerüchen orientieren, schreckt vermutlich ihr Gift ab.

Der giftige Biss

An der Innenseite der Ellenbogen haben Plumploris eine Drüse, die ein öliges Sekret abgibt. Erst wenn sich dieses Sekret mit Speichel mischt, wird es richtig giftig. Fühlt sich ein Plumplori bedroht, hebt er die Arme über den Kopf. In dieser Abwehrhaltung kann er das Sekret schnell ablecken. Die Mischung behält er im Maul, um zuzubeißen, oder verteilt sie auf dem Kopf. Über den Zahnkamm gelangt das Gift beim Biss in die Wunde.

Was das Gift bewirkt: Bisse von Plumploris sind sehr schmerzhaft, obwohl die Tiere so klein sind. Die Wunden schwellen an, eitern, heilen oft erst nach Wochen und hinterlassen Narben. Ein Eiweiß im Gift ähnelt dem Stoff, der bei Menschen eine Katzenallergie auslöst. In seltenen Fällen kann ein Biss beim Menschen einen allergischen Schock auslösen, der sogar tödlich enden kann.

Wozu das Gift dient: Für die Jagd nutzen Plumploris ihr Gift nach heutigem Wissen kaum. Forschende vermuten vor allem drei Aufgaben:

  • Schutz vor Parasiten: Plumploris haben auffallend wenige Hautparasiten. Mütter lecken ihre Jungen ab und verteilen das Sekret auf deren Fell.
  • Kämpfe mit Artgenossen: Bei Streit beißen sich Plumploris auch gegenseitig, die Wunden heilen schlecht.
  • Abwehr von Feinden: Das Gift schreckt vermutlich Raubtiere ab, die sich am Geruch orientieren.

Eine weitere Vermutung: Mit ihrem dunklen Rückenstreifen, den schlangenartigen Bewegungen, schlangenähnlichen Drohlauten und dem Gift könnten Plumploris Kobras nachahmen.

Fortpflanzung und Nachwuchs

Am besten untersucht ist der Sunda-Plumplori. Die Weibchen können mehrmals im Jahr paarungsbereit sein. Bei der Werbung hängt sich das Weibchen an einen Ast und pfeift, um ein Männchen anzulocken.

  • Tragzeit: etwa 184 bis 197 Tage, beim Sunda-Plumplori im Mittel 188 Tage
  • Wurfgröße: meist ein Junges, Zwillinge sind sehr selten
  • Neugeborene: mit Fell und offenen Augen
  • Entwöhnung: mit 3 bis 6 Monaten
  • Geschlechtsreife: Weibchen mit 18 bis 24 Monaten, Männchen frühestens mit etwa 17 Monaten

Nur die Mutter kümmert sich um das Junge. Sie trägt es mit sich herum. Spätestens wenn das Junge etwa sechs Wochen alt ist, „parkt“ sie es zum Fressen an einem Ast und holt es später wieder ab. Als Schutz hat sie es vorher mit dem Sekret ihrer Armdrüsen eingerieben. In menschlicher Obhut wurde ein Sunda-Plumplori 25,8 Jahre alt.

Gefährdung: Heimtierhandel und „Kitzel-Videos“

Alle Plumplori-Arten sind bedroht. Die wichtigsten Gefahren sind:

  • Verlust des Lebensraums: Wälder werden abgeholzt und zerstückelt.
  • Traditionelle Medizin: Teile von Plumploris werden als angebliche Heilmittel verkauft.
  • Fotomotive: An Touristenorten werden Plumploris als Fotomodelle angeboten.
  • Heimtierhandel: Plumploris gehören zu den am häufigsten gehandelten geschützten Primaten Südostasiens.

Seit 2007 stehen alle Plumploris in Anhang I des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES). Der internationale Handel mit ihnen ist damit verboten. In vielen Heimatländern sind sie zusätzlich gesetzlich geschützt. Trotzdem werden weiterhin viele Tiere illegal gefangen.

Gezogene Zähne

Damit die Tiere Käufer nicht beißen, schneiden Händler ihnen die Vorderzähne heraus. Das ist grausam und führt oft zum Tod. Ohne Zähne kann ein Plumplori außerdem nie mehr in die Wildnis zurück. Bei der Organisation International Animal Rescue in Indonesien kamen von 2008 bis 2011 insgesamt 180 beschlagnahmte Plumploris an. 64 Prozent von ihnen fehlten die Zähne, und 34 Prozent starben trotz tierärztlicher Behandlung.

Warum Kitzel-Videos schaden

2009 verbreitete sich im Internet ein Video, in dem ein Zwergplumplori in einer Wohnung in Russland „gekitzelt“ wird. Bis es 2012 gelöscht wurde, war allein diese eine Fassung über neun Millionen Mal angesehen worden. Forschende der Oxford Brookes University in England werteten 12.411 Kommentare dazu aus. In den ersten Monaten schrieb ein Viertel der Kommentierenden, sie wollten selbst einen Plumplori als Haustier. Erst als mehr Informationen über Gefährdung und Lebensweise verbreitet wurden, ging dieser Anteil deutlich zurück. Prominente, die das Video teilten, brachten viele Zuschauer, aber kaum Wissen über den Artenschutz.

Was in solchen Videos niedlich aussieht, hat nichts mit dem natürlichen Leben dieser Tiere zu tun. Plumploris sind nachtaktiv, reagieren sehr empfindlich auf Stress und sterben in Menschenhand häufig. Hebt ein Plumplori die Arme über den Kopf, ist das seine Abwehrhaltung. Weil solche Videos bei vielen Menschen den Wunsch nach einem Plumplori als Haustier wecken, sollte man sie nicht teilen.

Häufige Fragen zu Plumploris

Sind Plumploris giftig?

Ja. Plumploris sind die einzigen giftigen Primaten. Sie haben an den Ellenbogen eine Drüse, deren Sekret sie mit Speichel mischen. Ihr Biss ist sehr schmerzhaft und kann bei Menschen in seltenen Fällen einen lebensgefährlichen allergischen Schock auslösen.

Kann man einen Plumplori als Haustier halten?

Nein. Alle Plumploris sind streng geschützt, der internationale Handel ist seit 2007 verboten. Viele Tiere im Handel wurden illegal in der Wildnis gefangen. Ihnen werden oft die Zähne gezogen, und viele sterben an den Folgen von Stress.

Was fressen Plumploris?

Plumploris fressen vor allem Baumsäfte und Gummi, Nektar und Früchte. Dazu kommen Insekten und andere Wirbellose, Schnecken und Vogeleier.

Wie viele Plumplori-Arten gibt es?

Die Rote Liste der IUCN führt acht Arten. Der Zwergplumplori wird seit 2022 in eine eigene Gattung gestellt, deshalb nennen ältere Quellen neun Arten.

Warum sind Plumploris so langsam?

Plumploris haben einen sehr langsamen Stoffwechsel und sparen so Energie. Sie verlassen sich nicht auf Flucht, sondern auf Tarnung, ihr Gift und ihre kräftigen Greifhände. In mageren Zeiten können sie sogar in eine Starre fallen.

Ähnliche Tiere

  • Koboldmaki - ebenfalls ein kleiner, nachtaktiver Primat mit riesigen Augen aus Südostasien
  • Grauer Mausmaki - ein kleiner, nachtaktiver Primat aus Madagaskar
  • Fingertier - ein nachtaktiver Primat aus Madagaskar mit ungewöhnlichen Händen
  • Lemur - Primaten aus Madagaskar
  • Schnabeltier - eines der wenigen anderen giftigen Säugetiere

Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Plumploris
26 bis 38 cm

Die Plumploris wird 26 bis 38 cm groß - eher kompakt. Auf unserer Größenskala liegt sie zwischen einem Fußball (22 cm) und einem Kind (1,2 m). Ein Kind übertrifft die Plumploris aber noch um das 4-Fache.

Gewichtsvergleich

🪙1-Euro-Münze
7,5 g
🍫Tafel Schokolade
100 g
⚽Fußball
430 g
🧒Kind
25 kg
🧑Erwachsener
75 kg
🚗Auto
1,5 t
🚌Schulbus
12 t
▼Plumploris
265 g bis 2,2 kg

Mit 265 g bis 2,2 kg gehört die Plumploris zu den leichteren Tieren in unserem Lexikon. Zum Vergleich: Eine Tafel Schokolade wiegt nur 100 g, während eine Hauskatze mit 4 kg mehr auf die Waage bringt. Man bräuchte ungefähr 12 Tafeln Schokolade, um so viel zu wiegen wie eine Plumploris!