Polarfuchs
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Kurz erklärt
Der Polarfuchs lebt rund um den Nordpol in der kalten Tundra. Er wechselt zweimal im Jahr sein Fell: Die weiße Form ist im Winter schneeweiß und im Sommer braun, die blaue Form bleibt das ganze Jahr dunkel. Seine wichtigste Beute sind Lemminge. Ein Weibchen bekommt viele Junge, in Alaska im Schnitt sieben, doch bei Nahrungsmangel überleben deutlich weniger.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Vulpes lagopus |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | Gesamtlänge im Schnitt etwa 109 cm, davon etwa 38 cm Schwanz (Angabe für Alaska) |
| Körpergewicht | Erwachsene 2,7 bis 4,5 kg (Angabe für Alaska) |
| Ernährung | Allesfresser: vor allem Lemminge und andere Kleinnager, außerdem Vögel und Eier, Aas, Fische und Beeren |
| Lebenserwartung | Viele sterben im ersten Lebensjahr; in Menschenobhut über 16 Jahre |
| Sozialverhalten | Paare leben monogam und ziehen die Jungen gemeinsam auf; im Winter meist Einzelgänger |
| Herkunft | Arktis |
| Verbreitung | Rund um den Nordpol in der Tundra Nordamerikas, Grönlands und Eurasiens, in Skandinavien im Hochgebirge; auch auf Island und Spitzbergen AsienEuropaNordamerika |
| Entdeckung | Erstbeschreibung 1758 durch Carl von Linné |
| Gefährdung | LC Nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2014) |
| Sonstiges | Zwei Farbformen (weiß und blau); weltweit nicht gefährdet, in Norwegen und Schweden aber stark gefährdet |
Ein Fuchs für Eis und Schnee
Der Polarfuchs (Vulpes lagopus) lebt rund um den Nordpol in der baumlosen Tundra. Sein Körper ist gedrungen, Beine und Ohren sind kurz, und im Winter trägt er ein besonders dichtes Fell. Sein wissenschaftlicher Artname lagopus bedeutet „Hasenfuß“. Er bezieht sich auf die dicht behaarten Fußsohlen, die im Winter ganz von Fell umhüllt sind.
Früher stellten Zoologen den Polarfuchs in eine eigene Gattung, Alopex. Erbgut-Untersuchungen zeigen aber eindeutig, dass er zu den Echten Füchsen der Gattung Vulpes gehört, wie der Rotfuchs und der Fennek.
Aussehen und Körperbau
Größe und Gewicht: Für Polarfüchse in Alaska nennt die dortige Wildtierbehörde ein Gewicht von 2,7 bis 4,5 kg (6 bis 10 Pfund). Die Gesamtlänge liegt im Schnitt bei etwa 109 cm, davon entfallen rund 38 cm auf den buschigen Schwanz. Im dichten Winterfell wirkt der Polarfuchs rundlich und stämmig, verglichen mit seinem etwas größeren Verwandten, dem Rotfuchs.
Weiße und blaue Füchse: Es gibt zwei Farbformen:
- Die weiße Form ist im Winter schneeweiß. Im Sommer trägt sie ein kurzes braunes Fell auf Gesicht, Beinen und Rücken, die unteren Flanken und der Bauch sind gelblich-weiß. Diese Form ist in den nördlichen Bestandsgebieten häufiger.
- Die blaue Form bleibt das ganze Jahr dunkel bis anthrazitfarben und ist im Winter nur etwas heller. Sie ist zum Beispiel auf den Aleuten und den Pribilof-Inseln in Alaska häufiger.
Junge beider Farbformen können im selben Wurf vorkommen. Neugeborene sind zunächst alle dunkelbraun. Blaue Jungtiere haben nach etwa zwei Monaten ihre typische dunkle Farbe.
Der Fellwechsel
Polarfüchse wechseln ihr Fell zweimal im Jahr. Bei der weißen Form beginnt der Wechsel zum Sommerfell Anfang April. Ende Juni sind Gesicht, Beine und Oberseite mit kurzem braunem Sommerfell bedeckt. Im September und Oktober wächst das Winterfell, und im November ist das dichte weiße Winterkleid fertig. In Gegenden mit milderem Klima behalten manche Polarfüchse ihr dunkleres Fell das ganze Jahr.
Verbreitung und Lebensraum
Der Polarfuchs lebt zirkumpolar, also rund um den Nordpol. Er kommt in Kanada, Alaska, Grönland, Island, Norwegen mit Spitzbergen, Schweden, Finnland und Russland vor. Sein Gebiet reicht vom Norden Grönlands auf 88 Grad nördlicher Breite bis an die Südspitze der Hudson Bay in Kanada auf 53 Grad. Er lebt auf den meisten arktischen Inseln und wurde sogar auf dem Meereis bis zum Nordpol beobachtet.
Seine Jungen zieht er nördlich der Baumgrenze in der arktischen Tundra auf. In Skandinavien lebt er in der Tundra der Hochgebirge, oberhalb der Baumgrenze. Er kommt bis in Höhen von 3.000 Metern vor. Auf einigen Inseln der Aleuten haben Pelzhändler Ende des 19. Jahrhunderts Polarfüchse ausgesetzt. Weil sie dort Seevögel bedrohen, werden sie heute vielerorts wieder entfernt.
Während der letzten Eiszeit lebte der Polarfuchs entlang des Eisrandes. Seine Knochen wurden in vielen Teilen Europas und Sibiriens gefunden.
Ernährung: Alles hängt an den Lemmingen
Der Polarfuchs ist Jäger und Aasfresser zugleich. Im Landesinneren ist er stark von Lemmingen abhängig. In Skandinavien fanden Forscher im Sommer in 85 Prozent der untersuchten Kotproben Reste von Berglemmingen (Lemmus lemmus), in 34 Prozent Reste von Vögeln und in 21 Prozent Reste von Rentieren. Im Winter frisst er neben Nagetieren und Rentieraas auch Schneehühner.
Lemmingjahre: Die Zahl der Lemminge schwankt stark und erreicht etwa alle drei bis fünf Jahre einen Höhepunkt. Die Polarfüchse folgen diesem Rhythmus. In guten Lemmingjahren ziehen sie viele Junge groß, in schlechten nur wenige.
Polarfüchse an eisfreien Küsten haben es leichter: Sie finden Seevögel, Robbenkadaver, Fische und kleine Meerestiere und sind nicht so stark auf Lemminge angewiesen. Auf Island fressen sie an der Küste zum Beispiel Lummen und Robbenkadaver, im Landesinneren eher Schneehühner und im Sommer Zugvögel wie Gänse und Watvögel. Außerdem fressen Polarfüchse Beeren und Eier.
Im Winter wandern manche Polarfüchse weit auf das Meereis hinaus und folgen Eisbären. Sie fressen die Reste der Robben, die die Bären erbeutet haben. Auch Kadaver, die Wölfe oder Vielfraße übrig lassen, nutzen sie. Wenn es im Sommer reichlich Nahrung gibt, legen Polarfüchse Vorräte an und verstecken sie zwischen Steinen und in ihren Bauen.
Verhalten und Lebensweise
Im Sommer leben Polarfüchse als Familie. Im September und Oktober löst sich die Familie auf. Im Winter sind die meisten Einzelgänger und treffen nur an großen Kadavern, etwa von Robben oder Rentieren, auf Artgenossen.
Polarfüchse sind große Wanderer. Ein Fuchs, der an der Küste Russlands markiert worden war, wurde ein Jahr später bei Wainwright in Alaska gefangen. Auf dem Meereis können sie mehrere tausend Kilometer zurücklegen.
Ihre Baue graben Polarfüchse in sandigen, trockenen Boden, etwa in kleine Hügel oder Flussufer, oft mit Ausrichtung nach Süden. Ein Bau hat vier bis acht Eingänge und ein Tunnelsystem auf rund 30 Quadratmetern. Manche Baue werden seit Jahrhunderten von Generation zu Generation genutzt.
Polarfüchse sind Menschen gegenüber weniger scheu als Rotfüchse. Werden sie gefüttert, können sie in Siedlungen lästig werden.
Fortpflanzung und Nachwuchs
Polarfüchse leben monogam, Männchen und Weibchen ziehen die Jungen gemeinsam groß. Die Paarung findet im März und Anfang April statt. Nach einer Tragzeit von etwa 52 Tagen kommen die Welpen in einem Erdbau zur Welt.
Polarfüchse haben große Würfe. In Alaska sind es im Schnitt sieben Welpen, bis zu 15 kommen vor. Aus guten Lemmingjahren sind sogar Würfe mit bis zu 20 Jungen bekannt, einzelne Quellen nennen bis zu 25. Wie viele Welpen geboren werden und überleben, hängt stark davon ab, wie viel Nahrung es gibt, vor allem Lemminge.
Mit etwa drei Wochen verlassen die Welpen zum ersten Mal den Bau. Mit einem Monat fressen sie Fleisch, mit etwa sechs Wochen sind sie entwöhnt. Mit drei Monaten beginnen sie, selbst zu jagen und sich vom Bau zu entfernen. Mit neun bis zehn Monaten sind sie geschlechtsreif. Viele junge Polarfüchse sterben aber schon im ersten Lebensjahr, auch weil sich die Geschwister um das Futter streiten. In Menschenobhut wurden Polarfüchse über 16 Jahre alt.
Feinde und Gefährdung
Zu den Feinden des Polarfuchses gehören vor allem Rotfuchs, Vielfraß, Steinadler und der Mensch. Polarfüchse können außerdem an Tollwut und Staupe erkranken.
Weltweit nicht gefährdet: Die Weltnaturschutzunion IUCN stuft den Polarfuchs als nicht gefährdet (LC) ein (2014). Weltweit gibt es mehrere hunderttausend Tiere. In Russland, Kanada, an den Küsten Alaskas, in Grönland und auf Island ist er häufig. Die Bestände schwanken von Jahr zu Jahr stark, gelten in den meisten Gebieten aber als gesund.
In Skandinavien stark bedroht: Ganz anders sieht es in Norwegen, Schweden und Finnland aus. Die Pelzjagd, auch in Jahren mit wenigen Füchsen, hat den Beständen dort schwer geschadet. Obwohl die Art in Schweden seit 1928, auf dem norwegischen Festland seit 1930 und in Finnland seit 1940 streng geschützt ist, erholte sie sich lange nicht. Um das Jahr 2000 lebten in ganz Skandinavien nur noch 40 bis 60 erwachsene Polarfüchse. In Norwegen und in Schweden gilt der Polarfuchs als stark gefährdet.
Seitdem helfen Naturschützer mit Zufütterung, mit der Bejagung von Rotfüchsen, die mit dem Polarfuchs konkurrieren, und mit einem Zuchtprogramm. Seit 2005 gibt es bei Oppdal in Norwegen eine Zuchtstation, seit 2006 wurden 519 dort geborene Polarfüchse ausgewildert. 2022 zählten Forscher in Schweden, Norwegen und Finnland einen Rekord von 164 Würfen und schätzten den Bestand auf über 550 erwachsene Tiere. In Finnland gab es damals zum ersten Mal seit 1996 wieder Nachwuchs. 2023 wurde der gemeinsame Bestand Norwegens und Schwedens auf 564 erwachsene Tiere geschätzt, davon etwa 302 in Norwegen.
Weitere Gefahren in Skandinavien sind die Räude, eine Hautkrankheit, und entlaufene Blaufüchse aus Pelzfarmen. Sie paaren sich mit wilden Polarfüchsen und verändern so deren Erbgut. Auf den Pribilof-Inseln in Alaska und auf der russischen Insel Mednyi sind die Bestände ebenfalls sehr klein. Wo sich der Rotfuchs weiter nach Norden ausbreitet, muss der Polarfuchs mit ihm konkurrieren.
Häufige Fragen zum Polarfuchs
Warum ist der Polarfuchs im Winter weiß?
Der Polarfuchs wechselt sein Fell zweimal im Jahr. Bei der weißen Form wächst im September und Oktober ein dichtes, weißes Winterfell. Im Frühjahr wird es durch ein kurzes braunes Sommerfell ersetzt. Die blaue Form bleibt dagegen das ganze Jahr dunkel.
Wie groß und schwer wird ein Polarfuchs?
In Alaska wiegen erwachsene Polarfüchse 2,7 bis 4,5 kg. Sie sind im Schnitt etwa 109 cm lang, wovon rund 38 cm auf den Schwanz entfallen. Er ist damit etwas kleiner als der Rotfuchs.
Was frisst ein Polarfuchs?
Im Landesinneren frisst er vor allem Lemminge und andere kleine Nagetiere. Dazu kommen Vögel und ihre Eier, Beeren und Aas. An der Küste frisst er Seevögel, Fische und Robbenkadaver, im Winter oft die Reste von Eisbären-Mahlzeiten.
Wie viele Junge bekommt ein Polarfuchs?
Im Schnitt bringt ein Weibchen in Alaska sieben Welpen zur Welt, bis zu 15 sind möglich. Es wurden auch schon noch größere Würfe beschrieben. Wenn es wenig Nahrung gibt, überleben deutlich weniger Junge.
Ist der Polarfuchs vom Aussterben bedroht?
Weltweit nicht: Die IUCN stuft ihn als nicht gefährdet ein, es gibt mehrere hunderttausend Tiere. In Skandinavien ist er aber stark bedroht. Dort lebten um das Jahr 2000 nur noch 40 bis 60 erwachsene Tiere, inzwischen sind es dank Schutzmaßnahmen wieder über 500.
Wo lebt der Polarfuchs?
Er lebt in der Arktis rund um den Nordpol: in Kanada, Alaska, Grönland, Island, Skandinavien und Russland. Er bewohnt die baumlose Tundra und wandert im Winter oft weit auf das Meereis hinaus.
Ähnliche Tiere
- Fuchs - der Rotfuchs ist sein etwas größerer Verwandter und Konkurrent
- Fennek - ein Fuchs derselben Gattung, der in der Wüste lebt
- Eisbär - Polarfüchse fressen die Reste seiner Beute
- Lemming - seine wichtigste Beute im Landesinneren
- Vielfraß - Fressfeind und Kadaver-Lieferant zugleich
- Polarwolf - Wölfe hinterlassen Kadaver, von denen Polarfüchse fressen
Quellen
- Angerbjörn, A. & Tannerfeldt, M. (2014): Vulpes lagopus. The IUCN Red List of Threatened Species 2014
- Arctic Fox Species Profile - Alaska Department of Fish and Game
- Arctic Fox Captive Breeding Programme - Norwegian Institute for Nature Research (NINA)
- A record number of arctic foxes were born in 2022 - Stockholm University
- Vulpes lagopus (arctic fox) - Animal Diversity Web, University of Michigan
Gewichtsvergleich
Ein Polarfuchs bringt 2,7 bis 4,5 kg auf die Waage. Das ist schwerer als ein Fußball (430 g), aber leichter als ein Kind (25 kg). Anders ausgedrückt: Der Polarfuchs wiegt so viel wie etwa 8 Fußbälle.