Polarhase
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Kurz erklärt
Der Polarhase lebt in der Tundra Grönlands und Nordkanadas, in den nördlichsten Regionen Grönlands und Kanadas. Sein dichtes weißes Winterfell und die stark behaarten Pfoten schützen ihn vor Kälte und lassen ihn im Schnee fast verschwinden. Er wird rund 3 bis 5 Kilogramm schwer, rennt bis zu 64 Kilometer pro Stunde schnell und hüpft manchmal wie ein Känguru auf den Hinterbeinen. Meist lebt er allein, im Winter schließen sich aber auch Gruppen von hundert und mehr Tieren zusammen.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Lepus arcticus |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | 48 bis 60 cm |
| Körpergewicht | 3 bis 5 kg |
| Ernährung | Pflanzenfresser, vor allem Zwergweiden; selten auch Fleisch |
| Lebenserwartung | In freier Natur 3 bis 5 Jahre |
| Sozialverhalten | Meist Einzelgänger, bildet zeitweise Gruppen von 100 und mehr Tieren |
| Herkunft | Arktis |
| Verbreitung | Tundra Grönlands und Nordkanadas, vom Meeresspiegel bis 900 m Höhe Nordamerika |
| Entdeckung | Erstbeschreibung 1819 durch den britischen Polarfahrer John Ross |
| Gefährdung | LC Nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2019) |
| Sonstiges | Die Angaben zur Größe schwanken je nach Quelle: Canadian Geographic nennt 43 bis 70 cm Länge und 3 bis 7 kg Gewicht. Tiere im hohen Norden werden im Schnitt größer und schwerer als weiter südlich lebende. |
Ein Hase für den ewigen Winter
Der Polarhase (Lepus arcticus) ist ein großer Hase, der in der Tundra Grönlands und Nordkanadas lebt. Er lebt damit in einem der lebensfeindlichsten Gebiete der Erde. Beschrieben wurde er 1819 von dem britischen Polarfahrer John Ross.
In der Sprache der Inuit heißt er Ukaliq. Alles an ihm ist auf Kälte ausgelegt: kurze Ohren, kurze Beine, eine kleine Nase, ein sehr dichtes Fell und dicke Fettreserven. Nach Angaben von Canadian Geographic besteht fast ein Viertel seines Körpers aus Fett.
Aussehen und Körperbau
Ausgewachsene Polarhasen werden nach Angaben des Animal Diversity Web 48 bis 60 Zentimeter lang, im Schnitt 56 Zentimeter, und wiegen 3 bis 5 Kilogramm. Canadian Geographic gibt eine etwas weitere Spanne an, nämlich 43 bis 70 Zentimeter und 3 bis 7 Kilogramm. Männchen und Weibchen sehen gleich aus und sind ähnlich groß. Tiere im hohen Norden werden durchschnittlich schwerer als ihre Artgenossen weiter südlich, weil sie größere Fettreserven für Zeiten mit wenig Futter anlegen.
Die Ohren sind für einen Hasen auffallend kurz, ebenso die Beine und die Nase. Canadian Geographic zählt das zu den Anpassungen an die extreme Kälte. Die Pfoten sind groß und stark behaart. Sie wirken wie Schneeschuhe und verhindern, dass der Hase einsinkt. Die Vorderpfoten sind verhältnismäßig lang und leicht gebogen und dienen als Grabwerkzeug im harten Schnee. Auch die Schneidezähne sind kräftig und werden zum Graben benutzt. Wie lang sie sind, hängt vom Boden ab, auf dem ein Hase lebt, denn harter Untergrund nutzt die Zähne stärker ab.
Die Augen sitzen seitlich am Kopf. Deshalb kann ein sitzender Polarhase fast rundum sehen, ohne den Kopf zu bewegen. Gegen das grelle Licht auf Schnee und Eis helfen ihm schwarze Wimpern.
Das Fell: weiß im Winter, manchmal das ganze Jahr
Im Winter trägt der Polarhase ein langes, dichtes, schneeweißes Fell. Nur die Ohrspitzen bleiben schwarz. An Brust und Bauch ist das Fell das ganze Jahr über dicht und grau.
Im Sommer hängt die Farbe davon ab, wo ein Tier lebt. Polarhasen in der Hocharktis, etwa auf der Ellesmere-Insel und in Grönland, bleiben das ganze Jahr weiß. Weiter südlich wechseln sie zu einem grau-braunen oder blaugrauen Sommerfell, nur der Schwanz bleibt weiß. In den Gebieten dazwischen gibt es alle Übergänge. Der Fellwechsel beginnt im Gesicht und an den Füßen und setzt sich über Ohren, Schultern, Beine und Rücken fort. Weibchen wechseln früher als Männchen.
Beide Farben dienen der Tarnung: im Schnee das Weiß, auf der sommerlichen Tundra aus Gras und Steinen das Graubraun. Jungtiere sind bei der Geburt grau und wiegen im Schnitt 105 Gramm. Im ersten Winter wird ihr Fell weiß.
Verbreitung und Lebensraum
Polarhasen leben in den nördlichsten Regionen Grönlands, auf den arktischen Inseln Kanadas einschließlich der Ellesmere-Insel sowie weiter südlich in Neufundland und Labrador. In Kanada findet man sie vor allem oberhalb der Baumgrenze.
Ihr Lebensraum sind gebirgige Tundra, felsige Hochflächen und baumlose Küsten. Sie kommen vom Meeresspiegel bis in 900 Meter Höhe vor. In diesen Gebieten liegt die durchschnittliche Tagestemperatur von März bis November bei rund minus 27 Grad Celsius, und es fallen im Mittel 37,5 Zentimeter Schnee. Wichtig ist für die Tiere vor allem, dass genug Pflanzen wachsen und dass der Schnee im Winter nicht zu tief ist, damit sie noch an Futter kommen.
Ernährung
Der Polarhase ist Pflanzenfresser. Seine wichtigste Nahrung sind verholzte Pflanzen, allen voran Zwergweiden: Sie machen zu jeder Jahreszeit rund 95 Prozent der Nahrung aus. Dazu kommen Silberwurz, Gräser, Steinbrech, Krähenbeere, Moose, Flechten, Knospen, Blüten, Blätter, Zweige und Wurzeln. Selbst Makroalgen, also Seetang, werden gefressen. Im kurzen arktischen Sommer ist der Speiseplan am vielfältigsten.
Gelegentlich fressen Polarhasen auch Fleisch, etwa Fisch oder den Mageninhalt erlegter Karibus. Auch aus den Fallen von Jägern stibitzen sie schon einmal Fleisch. Wasser nehmen sie auf, indem sie Schnee fressen.
Um an Futter unter dem Schnee zu kommen, hilft ihnen der ausgezeichnete Geruchssinn. Sie spüren Pflanzen auf, bevor sie zu graben beginnen, und legen sie dann mit den Krallen und den Schneidezähnen frei.
Verhalten und Lebensweise
Polarhasen sind vor allem in der Dämmerung und nachts aktiv. Während der Zeit der Mitternachtssonne sind sie auch tagsüber unterwegs. Im Winter ruhen sie über den Tag verteilt in mehreren kurzen Phasen.
Die meiste Zeit leben sie allein. Trotzdem sind sie berühmt für etwas anderes: Manchmal versammeln sich hundert Tiere und mehr. Während der größte Teil der Gruppe ruht, bleibt immer ein Tier wach und warnt bei Gefahr. Bei besonders starker Kälte drängen sich die Hasen eng zusammen und wärmen sich gegenseitig. In der Paarungszeit lösen sich diese Gruppen auf.
Untereinander verständigen sich Polarhasen mit Schnappen, Boxen, Kratzen und angelegten Ohren. Männchen und Weibchen zeigen Zuneigung, indem sie sich lecken oder kratzen. Bei Rangeleien boxen und kratzen sie, gebissen wird dabei nicht.
Wird ein Polarhase bedroht, stellt er sich auf die Hinterbeine und hält eine Vorderpfote dicht am Körper. In dieser Haltung kann er sogar davonhüpfen. Im Schnee hinterlässt er dann eine Spur, die aussieht, als sei dort ein dreibeiniges Tier gelaufen. Canadian Geographic vergleicht diesen aufrechten Gang mit dem eines Kängurus. Tiere aus der Hocharktis flüchten zunächst zweibeinig und gehen erst dann in den vierbeinigen Galopp über, südlicher lebende Hasen laufen sofort auf allen vieren.
Schnell sind sie in jedem Fall: Das Animal Diversity Web nennt Geschwindigkeiten bis 64 Kilometer pro Stunde, Canadian Geographic bis 60. Ein Mensch joggt zum Vergleich mit etwa 9 Kilometern pro Stunde. Auch schwimmen können Polarhasen und durchqueren so schmale Flüsse. Ihr Streifgebiet ist bei Männchen mit 116 bis 155 Hektar deutlich größer als bei Weibchen mit 52 bis 69 Hektar.
Fortpflanzung und Nachwuchs
Gepaart wird meist im April und Mai. Vor der Paarung folgt das Männchen dem Weibchen, bis dieses bereit ist. Dabei kann es grob zugehen, das Männchen beißt dem Weibchen in Nacken und Schultern. Bis zur Geburt bleibt ein Paar zusammen, danach sucht sich das Männchen oft eine neue Partnerin.
Nach rund 50 Tagen Tragzeit kommen im Mai oder Juni zwischen 2 und 8 Junge zur Welt, im Durchschnitt knapp 6. Das ist ungewöhnlich viel: Die meisten anderen Arten der Gattung bekommen nur 1 bis 4 Junge. Das Nest liegt gut getarnt in einer Felsvertiefung oder im Gestrüpp und ist mit gepresstem Gras, Moos und Fell der Mutter ausgepolstert. Meist gibt es einen Wurf pro Jahr, manchmal zwei.
In den ersten zwei bis drei Tagen weicht die Mutter nicht von der Seite ihrer Jungen. Danach können sich diese selbst schützen, indem sie sich verstecken und regungslos wie ein Stein sitzen bleiben. Gesäugt wird alle 18 bis 20 Stunden. Nach zwei bis drei Wochen sind die Jungen weitgehend selbstständig, nach acht bis neun Wochen werden sie entwöhnt. Mit etwa 315 Tagen sind sie geschlechtsreif und können sich im Frühjahr nach ihrer Geburt bereits selbst fortpflanzen.
Feinde und Gefährdung
Zu den Fressfeinden gehören Polarfuchs, Rotfuchs, Polarwolf und andere Wölfe, Kanadischer Luchs, Hermelin, Schneeeule, Gerfalke und Raufußbussard. Junge Hasen werden deutlich häufiger erbeutet als erwachsene, denn die sind schnell und wendig genug, um den meisten Verfolgern zu entkommen. Auch Menschen jagen Polarhasen: Ihr Fleisch dient als Nahrung, das saugfähige Fell wird zu Kleidung verarbeitet.
Die IUCN stuft den Polarhasen seit der Einschätzung von 2019 als nicht gefährdet (LC) ein. In seinem Lebensraum ist der Polarhase ein wichtiger Pflanzenfresser, der Samen verbreitet und sich das Futter mit Rentieren und Moschusochsen teilt.
Häufige Fragen zum Polarhasen
Wie groß und wie schwer wird ein Polarhase?
Das Animal Diversity Web nennt 48 bis 60 Zentimeter Körperlänge und 3 bis 5 Kilogramm Gewicht, Canadian Geographic eine weitere Spanne von 43 bis 70 Zentimetern und 3 bis 7 Kilogramm. Tiere im hohen Norden werden im Schnitt größer und schwerer.
Warum ist der Polarhase weiß?
Das weiße Winterfell tarnt ihn im Schnee und hält ihn warm. Im Sommer wechseln viele Polarhasen zu einem grau-braunen Fell, das zur Tundra passt. Nur in der Hocharktis, etwa in Grönland und auf der Ellesmere-Insel, bleiben die Tiere das ganze Jahr weiß.
Wie schnell ist ein Polarhase?
Bis zu 64 Kilometer pro Stunde. Damit entkommt er den meisten Fressfeinden. Bei der Flucht laufen Tiere aus der Hocharktis zuerst nur auf den Hinterbeinen und wechseln dann in den vierbeinigen Galopp.
Was frisst ein Polarhase?
Vor allem Zwergweiden, die rund 95 Prozent seiner Nahrung ausmachen. Dazu Moose, Flechten, Gräser, Knospen, Blüten, Beeren und Wurzeln. Selten frisst er auch Fleisch, etwa Fisch oder Aas. Wasser bekommt er, indem er Schnee frisst.
Leben Polarhasen in Gruppen?
Meistens sind sie Einzelgänger. Zeitweise bilden sie aber große Gruppen von hundert und mehr Tieren, in denen immer ein Tier Wache hält. Bei großer Kälte drängen sie sich zusammen und wärmen sich gegenseitig.
Wo lebt der Polarhase?
In der Tundra Grönlands und Nordkanadas, unter anderem auf der Ellesmere-Insel sowie in Neufundland und Labrador. Er kommt vom Meeresspiegel bis in 900 Meter Höhe vor.
Ist der Polarhase bedroht?
Nein. Die IUCN führt ihn seit 2019 als nicht gefährdet (LC).
Ähnliche Tiere
- Hase - der Feldhase, sein bei uns heimischer Verwandter
- Kaninchen - kleiner, kurzohriger und mit nackten Jungen im Bau
- Polarfuchs - Fressfeind aus derselben Region, wechselt ebenfalls die Fellfarbe
- Schneeeule - weißer Greifvogel der Tundra, der Jungtiere erbeutet
- Hermelin - kleiner Räuber mit weißem Winterfell
- Rentier - teilt sich mit dem Polarhasen die Pflanzen der Tundra
- Säugetiere - alle Säugetiere im Lexikon
- Tiere mit P - weitere Tiere, die mit P beginnen
Quellen
- Lepus arcticus - Animal Diversity Web, University of Michigan
- Animal Facts: Arctic hare - Canadian Geographic
- Smith, A.T., Johnston, C.H. (2019): Lepus arcticus. The IUCN Red List of Threatened Species 2019
- Lepus arcticus Ross, 1819 - GBIF, IUCN Red List Category Checklist
- Polarhase - Wikipedia (ergänzend zu Fellwechsel, Gruppengröße und Fortpflanzung)
Größenvergleich
Stell dir vor, du stellst einen Fußball (22 cm) neben einen Polarhase: Der Polarhase ist um einiges größer. Neben einem Kind (1,2 m) wirkt er mit seinen 48 bis 60 cm aber wiederum deutlich kleiner.
Gewichtsvergleich
Ein Polarhase bringt 3 bis 5 kg auf die Waage. Das ist schwerer als ein Fußball (430 g), aber leichter als ein Kind (25 kg). Anders ausgedrückt: Der Polarhase wiegt so viel wie etwa 9 Fußbälle.