Polarwolf

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Polarwolf mit weißem Fell und kleinen, runden Ohren steht auf steinigem Boden
Quartl / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0

Kurz erklärt

Der Polarwolf ist eine Unterart des Grauwolfs und lebt auf den Inseln der kanadischen Arktis und in Nord- und Ostgrönland. Sein Fell ist das ganze Jahr über weiß, Ohren und Schnauze sind kurz, damit er wenig Wärme verliert. Rüden wiegen 34 bis 46 Kilogramm. Ein besendertes Rudel legte in neun Monaten fast 6.000 Kilometer zurück.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameCanis lupus arctos
Abstammung
  • Klasse: Säugetiere
  • Ordnung: Raubtiere
  • Familie: Hunde (Canidae)
  • Gattung: Canis
  • Art: Wolf (Canis lupus)
Körpergröße87 cm bis 1,3 m
Körpergewicht34 bis 46 kg
ErnährungFleischfresser: Moschusochsen, Polarhasen, Peary-Karibus, Vögel, Lemminge
LebenserwartungMeist 5 bis 6 Jahre, im Ausnahmefall bis 13 Jahre
SozialverhaltenRudel, meist 3 bis 13 Tiere
HerkunftHocharktis Nordamerikas
Verbreitung Kanadische Arktisinseln, Nord- und Ostküste Grönlands Nordamerika
GefährdungLC Nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN)
SonstigesDer Polarwolf ist eine Unterart des Grauwolfs und wird von der IUCN nicht getrennt bewertet. Der Gefährdungsstatus gilt für die Art Canis lupus. Das Gewicht gilt für den Polarwolf, die Längenangabe (Schnauze bis Schwanzspitze) für den Grauwolf allgemein.

Aussehen und Körperbau

Der Polarwolf ist eine Unterart des Grauwolfs, wissenschaftlich Canis lupus arctos.

Sein auffälligstes Merkmal ist das Fell: Es bleibt ganzjährig weiß. Im Winter ist es lang, seidig und von einer dichten, weichen Unterwolle unterlegt, im Frühjahr wird es abgeworfen und das Sommerfell fällt kürzer und dünner aus. Manche Tiere wirken auf dem Rücken leicht angegraut.

Der ganze Körperbau ist darauf ausgelegt, Wärme zu halten. Die Ohren sind klein und abgerundet, die Schnauze ist kürzer und das Gesicht weniger spitz als bei anderen Wölfen. Die Pfoten sind groß. Insgesamt ist der Polarwolf etwas kleiner gebaut als andere Unterarten des Grauwolfs.

Gewicht und Größe: Rüden wiegen nach Angaben des Toronto Zoo 34 bis 46 Kilogramm, Fähen 36 bis 38 Kilogramm. Ein Rüde, den Forschende 2009 auf Ellesmere Island betäubten und mit einem Sender versahen, brachte 41 Kilogramm auf die Waage; sein Alter wurde anhand der Zahnabnutzung auf neun Jahre geschätzt. Für den Grauwolf insgesamt gibt das Animal Diversity Web eine Gesamtlänge von der Schnauze bis zur Schwanzspitze von 100 bis 130 Zentimetern bei Rüden und 87 bis 117 Zentimetern bei Fähen an, dazu eine Schulterhöhe von 60 bis 90 Zentimetern.

In unserer Rangliste der größten Raubtiere wird der Wolf durch die Art Canis lupus mit 30 bis 60 Kilogramm vertreten, nicht durch die Unterart Polarwolf. Gemessen an See-Elefant, Walross oder Eisbär ist der Polarwolf ein Leichtgewicht, unter den Hunden gehört er aber zu den größeren Tieren.

Verbreitung und Lebensraum

Polarwölfe leben in der Hocharktis: auf den Inseln der kanadischen Arktis sowie an der Nord- und Ostküste Grönlands. Der Toronto Zoo gibt als Verbreitungsgebiet die Region nördlich des 67. Breitengrads an, also den Nordrand Nordamerikas bis zum Pol.

Wie extrem dieser Lebensraum ist, zeigen Messwerte aus dem Untersuchungsgebiet auf der Fosheim-Halbinsel von Ellesmere Island (80 Grad Nord). Dort geht die Sonne vom 18. Oktober bis zum 23. Februar nicht auf, vier Monate lang herrscht also durchgehend Dunkelheit. Die mittlere Tagestemperatur reicht von 5,7 Grad im Juli bis minus 38,4 Grad im Februar, Tiefstwerte von minus 53 Grad sind belegt. Vom 16. April bis zum 26. August wird es umgekehrt 24 Stunden am Tag nicht dunkel.

Weil Pflanzen und damit Beutetiere hier dünn gesät sind, durchstreifen Polarwölfe riesige Gebiete. Für das Rudel auf der Fosheim-Halbinsel wurde in den Jahren 1986 bis 1997 ein Streifgebiet von mindestens 2.600 Quadratkilometern ermittelt. Ein besenderter Rüde und sein Rudel nutzten zwischen Juli 2009 und April 2010 sogar 6.640 Quadratkilometer. Das ist das größte Wolfsgebiet, über das bisher berichtet wurde.

Ernährung

Polarwölfe sind Fleischfresser und jagen fast alles, was in der Arktis erreichbar ist. Die wichtigste große Beute ist der Moschusochse, dazu kommen Polarhasen und die wenigen Peary-Karibus des Gebiets. Auch Schneehühner, Lemminge und brütende Vögel gehören zur Nahrung.

Wie stark die Wölfe von kleiner Beute abhängen, zeigte eine Zählung über sieben Sommer von 2000 bis 2006 bei Eureka auf Ellesmere Island. Die Zahl der erwachsenen Wölfe hing nicht mit der Zahl der Moschusochsen zusammen, wohl aber sehr deutlich mit der Zahl der Polarhasen. Das war der erste Nachweis, dass sich Wolfsbestände nach einer Beute richten, die kein Huftier ist.

Wie eng Wohl und Wehe zusammenhängen, zeigte sich 1997 und 2000: Nachdem Mitte August ungewöhnlich früh Schnee gefallen war und bis ins nächste Jahr liegen blieb, brachen die Bestände von Moschusochsen und Polarhasen ein, und die Wölfe verschwanden aus dem Gebiet. Erst nach einigen normalen Jahren kehrten sie 2003 zurück und zogen ab 2004 wieder Welpen groß.

Gejagt wird im Rudel. Ein einzelner Wolf hätte in diesem Klima kaum eine Chance, einen Moschusochsen zu erlegen.

Verhalten und Lebensweise

Polarwölfe leben wie alle Wölfe in Rudeln, meist einer Familie aus einem Elternpaar und dessen Nachkommen. Auf Ellesmere Island zählten Fachleute zwischen 1986 und 1997 Rudel von 3 bis 13 Tieren, im Sommer waren bis zu sieben erwachsene Tiere dabei. 2009 wurde ein ungewöhnlich großes Rudel von mindestens 20 Wölfen beobachtet. Der Toronto Zoo gibt als typische Rudelgröße sieben bis zehn Tiere an.

Die Bewegungsdaten des besenderten Rüden zeigen, wie viel diese Tiere unterwegs sind. Zwischen zwei Standortmeldungen im Abstand von zwölf Stunden lagen im Mittel 11 Kilometer Luftlinie, im Höchstfall 76 Kilometer. In neun Monaten kam er auf mindestens 5.979 Kilometer. Im Januar 2010 unternahm er mit seinem Rudel einen Ausflug von 263 Kilometern Luftlinie nach Südosten und legte auf dem Rückweg im Schnitt 41 Kilometer am Tag zurück.

Besonders bemerkenswert: Die vier Monate Dunkelheit änderten an diesen Bewegungen praktisch nichts. Die Wölfe waren in der Polarnacht genauso weit unterwegs wie im Sommer und wie Wölfe in südlicheren Gebieten.

Zur Verständigung nutzen Wölfe Körpersprache, Duftmarken und Laute. Ein Heulen ist bis zu fünf Kilometer weit zu hören. Der Geruchssinn ist hervorragend: Beute wird auf bis zu 1,6 Kilometer wahrgenommen.

Fortpflanzung und Nachwuchs

In jedem Rudel pflanzt sich in der Regel nur das Elternpaar fort. Die Paarung fällt in die Monate Januar bis März, nach einer Tragzeit von rund zwei Monaten kommen die Welpen Ende Mai oder Anfang Juni zur Welt.

Eine Besonderheit der Hocharktis ist die Wahl des Wurfplatzes. Der Dauerfrostboden lässt sich kaum graben, deshalb nutzen Polarwölfe Felsspalten, Höhlen oder flache Mulden im Tundraboden statt selbst gegrabener Erdbaue. Auf Ellesmere Island werden dieselben überlieferten Wurfplätze seit Jahrzehnten benutzt.

Die Würfe sind klein. Der Toronto Zoo nennt zwei bis drei Welpen. Eine Auswertung von 21 Jahren Beobachtung im Nordosten Grönlands ergab eine mittlere Wurfgröße von 2,0 Welpen. Das ist der niedrigste Wert, der für Wölfe in Nordamerika ermittelt wurde, und hängt vermutlich damit zusammen, dass große Huftiere dort selten und schwer zu erbeuten sind. Große Rudel mit vier bis sieben erwachsenen Tieren zogen deutlich mehr Welpen groß als kleine.

Die Welpen kommen blind und taub zur Welt. Nach etwa zehn Tagen öffnen sich die Augen, nach drei Wochen hören sie, nach einem Monat fressen sie Fleisch, das ihnen alle Rudelmitglieder hochgewürgt bringen. Mit acht bis zehn Wochen verlassen sie den Wurfplatz, mit einem halben Jahr laufen sie mit dem Rudel mit. Geschlechtsreif werden sie mit zwei bis drei Jahren.

Feinde und Gefährdung

Erwachsene Polarwölfe haben kaum natürliche Feinde. Gelegentlich erbeuten Eisbären einen Wolf. Die größten Gefahren gehen vom Menschen und vom Klima aus.

Die Rote Liste der IUCN bewertet Unterarten nicht einzeln. Für die Art Grauwolf (Canis lupus) gilt die Einstufung nicht gefährdet (LC). Weltweit gilt der Bestand des Grauwolfs als groß genug, um die Art nicht als gefährdet einzustufen. Wie viele Polarwölfe darunter sind, ist nicht bekannt.

Regional sieht es anders aus. In Ostgrönland rotteten kommerzielle Jäger die Polarwölfe in den 1930er-Jahren aus, 40 Jahre lang galten sie dort als verschwunden. Ab 1979 wanderten Tiere aus Nordgrönland wieder ein und bauten dort eine neue Population auf. Zunächst kam ein Wolfspaar an, in den vier Jahren darauf folgten ein bis zwei weitere Tiere. In einer Untersuchung im Nordosten Grönlands wurden außerdem acht Todesfälle aufgeklärt, die überwiegend auf den Menschen zurückgingen, obwohl das Gebiet in einem ganzjährig geschützten Nationalpark liegt.

Dazu kommt der Klimawandel. Er verändert Schneelage und Witterung in der Arktis schneller als anderswo, und wie empfindlich dieses System reagiert, haben die Einbrüche nach den frühen Schneefällen von 1997 und 2000 gezeigt.

Häufige Fragen zum Polarwolf

Wie groß und wie schwer wird ein Polarwolf?

Rüden wiegen 34 bis 46 Kilogramm, Fähen 36 bis 38 Kilogramm. Für den Grauwolf insgesamt werden 87 bis 130 Zentimeter Gesamtlänge von der Schnauze bis zur Schwanzspitze und 60 bis 90 Zentimeter Schulterhöhe angegeben. Polarwölfe sind etwas kleiner gebaut als andere Unterarten.

Warum ist der Polarwolf weiß?

Sein Fell ist das ganze Jahr über weiß und hebt sich damit kaum von Schnee und Eis ab. Andere Unterarten des Grauwolfs wechseln zwischen grau, braun und schwarz; reines Weiß kommt nur in arktischen Beständen vor.

Was frisst ein Polarwolf?

Vor allem Moschusochsen und Polarhasen, dazu Peary-Karibus, Schneehühner, Lemminge und brütende Vögel. Untersuchungen auf Ellesmere Island zeigen, dass die Zahl der Wölfe eng mit der Zahl der Polarhasen zusammenhängt, nicht mit der der Moschusochsen.

Wie groß ist das Revier eines Polarwolfs?

Riesig. Für ein Rudel auf Ellesmere Island wurden mindestens 2.600 Quadratkilometer ermittelt, ein besendertes Rudel nutzte in neun Monaten 6.640 Quadratkilometer. Das ist das größte Wolfsgebiet, über das bisher berichtet wurde.

Wie überstehen Polarwölfe die Polarnacht?

Erstaunlich unbeeindruckt. Auf Ellesmere Island ist es vom 18. Oktober bis zum 23. Februar durchgehend dunkel. Die Bewegungsdaten eines besenderten Wolfs zeigten, dass er in dieser Zeit genauso weite Strecken zurücklegte wie im Sommer.

Ist der Polarwolf gefährdet?

Die IUCN bewertet Unterarten nicht getrennt. Der Grauwolf als Art gilt nach der aktuellen Einstufung der IUCN als nicht gefährdet (LC). Für den Polarwolf selbst gibt es keine belastbare Bestandszahl. Regional wurde er bereits einmal ausgerottet: in Ostgrönland in den 1930er-Jahren.

Ist der Polarwolf dasselbe wie ein Weißer Schäferhund?

Nein. Polarwölfe sind Wildtiere und eine Unterart des Grauwolfs. Weiße Hunderassen wie der Alaskan Malamute oder der Siberian Husky stammen zwar vom Wolf ab, sind aber Haushunde.

Ähnliche Tiere

  • Wolf - die Art, zu der der Polarwolf als Unterart gehört
  • Polarfuchs - kleiner Jäger derselben Tundra
  • Polarhase - wichtigste kleine Beute des Polarwolfs
  • Eisbär - größtes Landraubtier der Arktis
  • Rentier - naher Verwandter des Peary-Karibus
  • Kojote - kleinerer nordamerikanischer Verwandter
  • Säugetiere - alle Säugetiere im Lexikon
  • Tiere mit P - weitere Tiere, die mit P beginnen

Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Polarwolf
87 cm bis 1,3 m

Stell dir vor, du stellst einen Fußball (22 cm) neben einen Polarwolf: Der Polarwolf ist um einiges größer. Neben einem Erwachsenen (1,8 m) wirkt er mit seinen 87 cm bis 1,3 m aber wiederum etwas kleiner. Genauer gesagt ist der Polarwolf etwa 5-mal so groß wie ein Fußball.

Gewichtsvergleich

🪙1-Euro-Münze
7,5 g
🍫Tafel Schokolade
100 g
⚽Fußball
430 g
🧒Kind
25 kg
🧑Erwachsener
75 kg
🚗Auto
1,5 t
🚌Schulbus
12 t
▼Polarwolf
34 bis 46 kg

Ein Polarwolf bringt 34 bis 46 kg auf die Waage. Das ist schwerer als ein Kind (25 kg), aber leichter als ein Erwachsener (75 kg).