Possum
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Kurz erklärt
Possums sind Beuteltiere, die in Australien und Neuguinea auf Bäumen leben. Zu ihnen gehören der Fuchskusu, die Ringbeutler mit ihrem Greifschwanz und die Gleitbeutler, die mit einer Flughaut von Baum zu Baum segeln. Mit dem Opossum aus Amerika sind sie trotz des ähnlichen Namens nicht eng verwandt. In Neuseeland wurde der Fuchskusu eingeführt und richtet dort große Schäden an.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Phalangeriformes |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | Je nach Art sehr verschieden: Kopf-Rumpf-Länge beim Kurzkopfgleitbeutler 16 bis 21 cm, beim Fuchskusu 35 bis 55 cm, jeweils plus Schwanz |
| Körpergewicht | Vom Federschwanzgleitbeutler mit durchschnittlich 12 g bis zum Fuchskusu mit 1,2 bis 4,5 kg (in Neuseeland bis 6,4 kg) |
| Ernährung | Je nach Art Blätter, Blüten, Früchte, Nektar, Pollen, Baumsäfte und Insekten; der Fuchskusu frisst vor allem Blätter, in Städten fast alles |
| Lebenserwartung | Fuchskusu meist unter 11 Jahre, höchstens 13 Jahre nachgewiesen; Östlicher Ringbeutler 5 bis 8 Jahre |
| Sozialverhalten | Je nach Art Einzelgänger (Fuchskusu), Paare (Östlicher Ringbeutler) oder Gruppen mit bis zu sieben Erwachsenen (Kurzkopfgleitbeutler) |
| Herkunft | Australien und Neuguinea |
| Verbreitung | Australien mit Tasmanien, Neuguinea und benachbarte Inseln; der Fuchskusu wurde in Neuseeland eingeführt Australien |
| Entdeckung | Fuchskusu 1792 von Kerr als Didelphis vulpecula beschrieben, also zunächst in die Gattung der amerikanischen Opossums gestellt |
| Sonstiges | Gruppenseite: Possums sind eine Unterordnung der Beuteltiere mit sechs Familien. Eine Gesamteinstufung auf der Roten Liste gibt es nicht. Der Fuchskusu, der Östliche Ringbeutler und der Kurzkopfgleitbeutler gelten als nicht gefährdet (LC, 2016), der Leadbeater-Gleitbeutler (2016) und der Bergbilchbeutler (2008) als vom Aussterben bedroht (CR). |
Was sind Possums?
"Possum" ist der Sammelname für eine Gruppe von Beuteltieren aus Australien und Neuguinea, die meist auf Bäumen leben. Fachleute fassen sie in der Unterordnung Phalangeriformes zusammen. Sie gehört zur Ordnung Diprotodontia, in der auch Kängurus, Koalas und Wombats stehen.
Zu den Possums zählen sechs Familien:
- Kusus und Fuchskusus (Phalangeridae): mittelgroße, kräftige Kletterer, etwa 18 Arten in Australien, Neuguinea und auf kleineren Inseln. Bekanntester Vertreter ist der Fuchskusu.
- Ringbeutler (Pseudocheiridae): Blattfresser mit langem Greifschwanz, zum Beispiel der Östliche Ringbeutler (auch Östlicher Ringelschwanzbeutler).
- Gleitbeutler und Streifenbeutler (Petauridae): Dazu gehört der Kurzkopfgleitbeutler (auch Kurzkopf-Gleithörnchenbeutler), den man auch unter dem englischen Namen "Sugar Glider" kennt.
- Zwerggleitbeutler (Acrobatidae): winzige Gleiter wie der Federschwanzgleitbeutler.
- Bilchbeutler (Burramyidae): kleine Possums, darunter der Bergbilchbeutler.
- Honigbeutler (Tarsipedidae): mit nur einer Art.
Da diese Seite eine ganze Gruppe vorstellt, stehen im Steckbrief Spannweiten. Wo es um genaue Zahlen geht, nennt der Text die Art.
Possum oder Opossum? Der Unterschied
Die Namen klingen fast gleich, gemeint sind aber verschiedene Tiere:
- Possums leben in Australien und Neuguinea. Sie gehören zur Ordnung Diprotodontia.
- Opossums leben in Amerika. Sie gehören zur Gattung Didelphis und damit zu einer ganz anderen Gruppe der Beuteltiere, nicht zu den Diprotodontia. Mehr dazu steht auf der Seite Opossum.
Die Verwechslung ist alt: Als der Fuchskusu 1792 wissenschaftlich beschrieben wurde, bekam er den Namen Didelphis vulpecula. Didelphis ist die Gattung der amerikanischen Opossums. Auch der Östliche Ringbeutler wurde zunächst als Didelphis beschrieben. Heute stehen beide in eigenen Gattungen. Die neuseeländische Naturschutzbehörde weist ausdrücklich darauf hin, dass der Fuchskusu manchmal fälschlich Opossum genannt wird. Echte Opossums gibt es in Neuseeland nicht.
Aussehen und Körperbau
Possums sind sehr unterschiedlich groß. Gemeinsam ist ihnen der Körperbau eines Kletterers mit kräftigen Krallen und meist einem langen Schwanz. Drei Beispiele:
Fuchskusu (Trichosurus vulpecula): Kopf und Rumpf messen 35 bis 55 cm, der buschige Schwanz 25 bis 40 cm. Er wiegt 1,2 bis 4,5 kg. Das Fell ist meist silbergrau, der Schwanz ist zur Spitze hin schwarz. An der Unterseite des hinteren Schwanzdrittels ist die Haut nackt, damit kann er sich an Ästen festhalten. Fuchskusus haben große Ohren. In Tasmanien und Neuseeland werden die Tiere größer, haben ein dichteres Fell und sind dunkler, manche fast schwarz. In Neuseeland sind erwachsene Fuchskusus 65 bis 95 cm lang (mit Schwanz) und wiegen 1,4 bis 6,4 kg.
Östlicher Ringbeutler (Pseudocheirus peregrinus): Kopf und Rumpf messen 29 bis 35 cm, der Schwanz ist genauso lang. Er wiegt 0,8 bis 1,1 kg. Das Fell reicht von rötlich grau bis fast schwarz. Typisch sind die weiße Schwanzspitze und weiße Flecken hinter den Augen. Den Greifschwanz trägt er eingerollt und benutzt ihn beim Klettern wie eine fünfte Hand. Zwischen dem zweiten und dritten Finger hat er eine Lücke, mit der er Äste besonders fest greift.
Kurzkopfgleitbeutler (Petaurus breviceps): Er misst nur 16 bis 21 cm, der Schwanz ist ähnlich lang. Männchen wiegen 68 bis 160 g, Weibchen 60 bis 135 g. Zwischen dem fünften Finger und dem Fußgelenk spannt sich eine Flughaut. Mit ihr gleitet er bis zu 50 m weit von Baum zu Baum. Der buschige Schwanz dient dabei zum Steuern.
Federschwanzgleitbeutler (Acrobates pygmaeus): Mit durchschnittlich 12 g ist er das kleinste gleitende Säugetier der Welt. Sein Schwanz ist an beiden Seiten mit steifen Haaren besetzt und sieht aus wie eine Feder. Er gleitet mehr als 20 m weit und hält sich mit gezackten Zehenballen sogar an glatten Flächen fest.
Verbreitung und Lebensraum
Possums leben in Australien, Tasmanien und Neuguinea sowie auf einigen benachbarten Inseln. Der Fuchskusu kommt in fast ganz Australien vor. Die Menschen haben ihn außerdem nach Neuseeland gebracht.
Lebensraum: Die meisten Possums leben in Wäldern, vom Regenwald bis zum offenen Eukalyptuswald. Der Fuchskusu ist besonders anpassungsfähig: Er lebt auch in Heidelandschaften und mitten in Städten wie Sydney. Dort schläft er tagsüber gern auf Dachböden, in Schuppen oder Garagen. Auch der Östliche Ringbeutler ist in Gärten am Stadtrand häufig. Der Bergbilchbeutler ist das einzige australische Säugetier, das ausschließlich in der alpinen Zone des Hochgebirges lebt.
Ernährung
Was Possums fressen, hängt stark von der Art ab:
- Fuchskusu: Den größten Teil seiner Nahrung machen Blätter aus, vor allem von Eukalyptusbäumen. Dabei wählt er genau aus: Manche Eukalyptusarten frisst er gern, andere gar nicht. Blüten und Früchte können bis zur Hälfte der Nahrung ausmachen. In Städten frisst er fast alles.
- Östlicher Ringbeutler: Er frisst vor allem junge Eukalyptusblätter, dazu Blüten und Früchte, in Gärten auch Rosen und Orangen. Um möglichst viele Nährstoffe aus den Blättern zu holen, frisst er einen Teil seines eigenen Kots und verdaut ihn ein zweites Mal.
- Kurzkopfgleitbeutler: Er leckt Baumsäfte und das Gummiharz von Akazien, frisst Nektar und Pollen von Eukalyptus und Banksien und fängt Insekten und Spinnen. Manchmal frisst er sogar Vogeleier und Küken.
- Bergbilchbeutler: Er frisst Bogong-Falter, andere wirbellose Tiere, Samen und Früchte.
Verhalten und Lebensweise
Nachtaktiv: Fast alle Possums sind nachts unterwegs. Der Fuchskusu verlässt sein Versteck etwa eine halbe Stunde nach Sonnenuntergang. Am aktivsten ist er zwischen 23 und 2:30 Uhr. Den Tag verbringt er in Baumhöhlen, hohlen Stämmen, Felsspalten oder sogar in ausgehöhlten Termitenhügeln.
Nester: Der Östliche Ringbeutler baut kugelige Nester aus Gras und Rindenstreifen, sogenannte Kobel, in Baumgabeln oder dichtem Gebüsch. Ein Tier kann bis zu fünf solcher Nester in seinem Gebiet haben.
Allein, zu zweit oder in der Gruppe: Fuchskusus verteidigen ihr Revier und markieren es mit Duftdrüsen an Kinn, Brust und Hinterteil. Nachts hört man sie oft husten und fauchen. Östliche Ringbeutler leben vermutlich in festen Paaren. Kurzkopfgleitbeutler wohnen in Gruppen von bis zu sieben Erwachsenen mit ihren Jungen in einer gemeinsamen Baumhöhle.
Energie sparen: Kurzkopfgleitbeutler können in kalten Nächten in eine Starre fallen, bei der ihre Körpertemperatur auf etwa 10 Grad sinkt. Der Bergbilchbeutler ist nach Angaben des Australian Museum das einzige Beuteltier, von dem man weiß, dass es Futter speichert und lange Winterschlaf hält.
Fortpflanzung und Nachwuchs
Wie alle Beuteltiere bringen Possums winzige Junge zur Welt, die sich im Beutel der Mutter weiterentwickeln.
- Fuchskusu: Die Tragzeit dauert nur 16 bis 18 Tage. Fast immer kommt ein einziges Junges zur Welt. Es bleibt 4 bis 5 Monate im Beutel, danach reitet es noch 1 bis 2 Monate auf dem Rücken der Mutter. Weibchen können mit etwa einem Jahr selbst Junge bekommen.
- Östlicher Ringbeutler: Meist werden zwei Junge geboren. Nach etwa 120 Tagen verlassen sie den Beutel. Bei dieser Art hilft auch der Vater: Er trägt die Jungen auf dem Rücken, während die Mutter frisst.
- Kurzkopfgleitbeutler: Meist kommen Zwillinge zur Welt, die etwas mehr als zwei Monate im Beutel bleiben.
- Bergbilchbeutler: Die Weibchen bekommen nach der Schneeschmelze im Frühling meist vier Junge.
Lebenserwartung: Fuchskusus werden meist nicht älter als 11 Jahre, das höchste nachgewiesene Alter liegt bei 13 Jahren. Östliche Ringbeutler leben 5 bis 8 Jahre.
Fuchskusu in Neuseeland: ein eingeschleppter Schädling
In Australien ist der Fuchskusu geschützt. In Neuseeland dagegen gilt er nach Angaben der Naturschutzbehörde DOC als eine der größten Bedrohungen für die Natur des Landes.
Geschichte: Der Fuchskusu wurde 1837 aus Australien nach Neuseeland gebracht, um mit seinem Fell zu handeln. Diese erste Aussetzung scheiterte. Erst nach einer zweiten Aussetzung 1858 an derselben Stelle in der Region Southland konnten sich die Tiere ausbreiten. Heute leben sie in den meisten Teilen Neuseelands.
Schäden:
- Wald: Fuchskusus fressen Knospen, Blätter, Blüten und Früchte. Lieblingsbäume wie Rata und Kamahi leiden besonders.
- Tiere: Sie fressen Eier und Küken einheimischer Vögel, Landschnecken und Insekten wie die Weta. Kameras an Nestern haben gezeigt, dass Fuchskusus auch Nester des Kea plündern.
- Konkurrenz: Sie nehmen einheimischen Vögeln das Futter und die Baumhöhlen zum Brüten weg.
- Landwirtschaft: Fuchskusus übertragen Rindertuberkulose auf Rinder und Hirsche. Die Schäden und Bekämpfungskosten gehen in die zig Millionen.
In Neuseeland leben in manchen Wäldern bis zu 25 Fuchskusus pro Hektar, viel mehr als in Australien. Ihre Feinde, etwa verwilderte Katzen, können den Bestand dort kaum begrenzen.
Feinde und Gefährdung
Feinde: In Australien jagen Pythons, Warane, Eulen, Dingos und eingeschleppte Füchse und Katzen Possums.
Gefährdung: Die Rote Liste der IUCN bewertet jede Art einzeln. Viele Possums sind nicht gefährdet, zum Beispiel Fuchskusu, Östlicher Ringbeutler und Kurzkopfgleitbeutler (alle LC, 2016). Andere sind sehr selten geworden:
- Leadbeater-Gleitbeutler (Gymnobelideus leadbeateri): vom Aussterben bedroht (CR, 2016)
- Bergbilchbeutler (Burramys parvus): vom Aussterben bedroht (CR, 2008)
- Südlicher Riesengleitbeutler (Petauroides volans): stark gefährdet (EN, 2025)
Auch der häufige Fuchskusu ist in vielen Teilen Australiens stark zurückgegangen, besonders in trockenen und tropischen Gebieten.
Neue Arten: 2021 zeigte eine Studie, dass der Kurzkopfgleitbeutler eigentlich aus drei Arten besteht. Der eigentliche Kurzkopfgleitbeutler lebt demnach nur im Osten Australiens an der Küstenseite der Great Dividing Range.
Häufige Fragen zum Possum
Ist ein Possum das gleiche wie ein Opossum?
Nein. Possums leben in Australien und Neuguinea, Opossums in Amerika. Beide sind Beuteltiere, gehören aber zu verschiedenen Gruppen.
Wo leben Possums?
In Australien, Tasmanien und Neuguinea sowie auf einigen Inseln in der Nähe. Der Fuchskusu wurde zusätzlich nach Neuseeland gebracht. Die meisten Possums leben auf Bäumen, einige auch in Gärten und Städten.
Was fressen Possums?
Das hängt von der Art ab. Fuchskusu und Ringbeutler fressen vor allem Blätter, Gleitbeutler eher Baumsäfte, Nektar und Insekten. In Städten frisst der Fuchskusu fast alles, was er findet.
Wie groß wird ein Possum?
Possums sind sehr verschieden groß. Der Federschwanzgleitbeutler wiegt nur etwa 12 g. Der Fuchskusu misst ohne Schwanz 35 bis 55 cm und wiegt bis zu 4,5 kg, in Neuseeland sogar bis 6,4 kg.
Warum sind Possums in Neuseeland ein Problem?
Der Fuchskusu wurde dort im 19. Jahrhundert für den Pelzhandel ausgesetzt. Er frisst Bäume kahl, plündert Vogelnester und überträgt Rindertuberkulose. Die Naturschutzbehörde zählt ihn zu den größten Bedrohungen der neuseeländischen Natur.
Kann ein Possum fliegen?
Nein, aber manche Possums können gleiten. Der Kurzkopfgleitbeutler segelt mit einer Flughaut bis zu 50 m weit von Baum zu Baum, der winzige Federschwanzgleitbeutler mehr als 20 m.
Ähnliche Tiere
- Opossum - Beuteltier aus Amerika, das oft mit dem Possum verwechselt wird
- Kuskus - gehört wie der Fuchskusu zur Familie der Kusus
- Koala - ebenfalls ein Beuteltier, das Eukalyptusblätter frisst
- Wombat - Verwandter aus derselben Ordnung Diprotodontia
- Känguru - das bekannteste Beuteltier Australiens
- Gleithörnchen - ein Nagetier, das ähnlich wie Gleitbeutler durch die Luft segelt
Quellen
- Mittermeier, R.A. & Wilson, D.E. (Hrsg.) (2015): Handbook of the Mammals of the World, Band 5: Monotremes and Marsupials, Lynx Edicions (via Plazi): Trichosurus vulpecula, Pseudocheirus peregrinus, Petaurus breviceps
- Australian Museum, Artporträts: Common Brushtail Possum, Eastern Ringtail Possum, Sugar Glider, Feathertail Glider, Mountain Pygmy Possum
- Possums - Department of Conservation (DOC), Neuseeland
- Phalangeriformes (possums and cuscuses) und Phalangeridae - Animal Diversity Web, University of Michigan
- IUCN Red List Categories - Checkliste über GBIF (Einstufungen der Possum-Arten)
Größenvergleich
Wie groß ist das Possum wirklich? Mit 16 bis 55 cm überragt es eine 1-Euro-Münze (2,3 cm) deutlich, kommt aber noch nicht an ein Kind (1,2 m) heran. Anschaulich gesprochen: Man müsste etwa 15 1-Euro-Münzen übereinander stapeln, um so groß wie ein Possum zu werden. Selbst eine Biene (1,5 cm) wirkt daneben noch winzig.
Gewichtsvergleich
Was wiegt das Possum? Mit 12 g bis 4,5 kg ist es schwerer als eine 1-Euro-Münze (7,5 g), aber ein Kind (25 kg) toppt das noch locker. Ein Kind wiegt nämlich rund 11-mal so viel.