Qualle

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Historische Tafel zum Lebenszyklus einer Schirmqualle: von der Larve über festsitzende Polypen und abgeschnürte Scheiben bis zu frei schwimmenden Quallen
Matthias Jacob Schleiden (1804-1881) / Wikimedia Commons / Public domain

Kurz erklärt

Quallen sind Nesseltiere, die mit einem durchsichtigen, glockenförmigen Schirm durchs Meer treiben. Sie bestehen fast nur aus Wasser und haben weder Gehirn noch Herz. Mit Nesselzellen an ihren Fangfäden lähmen sie kleine Tiere, von denen sie sich ernähren. Eine Qualle ist nur ein Abschnitt im Leben dieser Tiere: Vorher wächst sie als winziger Polyp am Meeresboden heran.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameScyphozoa
Abstammung
  • Klasse: Schirmquallen (Scyphozoa)
KörpergrößeJe nach Art sehr verschieden: in der Nordsee knapp 1 bis 30 cm Schirmdurchmesser; die Gelbe Haarqualle wird in arktischen Gewässern über 2 m groß
KörpergewichtJe nach Art sehr verschieden; Quallen bestehen zu etwa 95 bis 99 Prozent aus Wasser
ErnährungFleischfresser: Plankton, Fischeier und Fischlarven, kleine Krebse, kleine Fische und andere Quallen
LebenserwartungQualle (Meduse) meist etwa 1 Jahr, Polyp oft mehrere Jahre
SozialverhaltenEinzeln, oft in großen Ansammlungen
HerkunftMeere weltweit
Verbreitung In Meeren auf der ganzen Welt, bis in Arktis und Antarktis; in Nord- und Ostsee mehrere Arten Meer
SonstigesDie Rote Liste der IUCN bewertet einzelne Arten, nicht die Quallen als ganze Gruppe.

Was ist eine Qualle?

„Qualle“ ist kein Name für eine einzelne Tierart. Das Wort bezeichnet einen Lebensabschnitt bestimmter Nesseltiere. Fachleute sagen statt Qualle lieber Meduse. Zu den Nesseltieren gehören auch Seeanemonen und Korallen. Allen gemeinsam sind die Nesselzellen, mit denen sie Beute fangen und sich verteidigen.

Die bekanntesten Quallen sind die Schirmquallen oder Scheibenquallen (Scyphozoa), die man auch „Echte Quallen“ nennt. Um sie geht es auf dieser Seite vor allem. Daneben gibt es die Würfelquallen und die kleinen Hydroquallen. Nach Angaben der Universität Hamburg sind Schirm- und Würfelquallen die beiden größten Gruppen. Der „World Atlas of Jellyfish“, an dem Hamburger Forscher mitgearbeitet haben, stellt rund 260 bekannte Arten vor.

Keine echte Qualle: Die kleine, durchsichtige Seestachelbeere, die man oft an Nord- und Ostsee sieht, gehört zu den Rippenquallen. Ihr fehlen die typischen Nesselzellen, deshalb zählt sie nicht zu den echten Quallen.

Aussehen und Körperbau

Schirm: Der Körper einer Qualle ist ein gallertiger Schirm in Form einer Glocke oder Scheibe. Am Rand oder an der Unterseite hängen Tentakel (Fangfäden). Viele Schirmquallen haben unter dem Schirm außerdem Mundarme. Die Ohrenqualle etwa besitzt vier kräftige Mundarme.

Fast nur Wasser: Eine Qualle besteht zu etwa 95 bis 99 Prozent aus Wasser. Die Angaben schwanken je nach Quelle. Nach der Universität Hamburg macht ein schwammartiges Fasermaterial aus Kollagen den größten Teil des Körpers aus. Es ist mit sehr viel Wasser vollgesogen und von zwei dünnen Zellschichten umgeben. Dieser einfache Bauplan gilt für alle Quallen, auch für die größten.

Ohne Gehirn und Herz: Quallen haben weder Gehirn noch Herz, nicht einmal Blut. Ein einfaches Nervennetz reicht ihnen, um zu riechen, Licht wahrzunehmen und auf Reize zu reagieren. Die Verdauungshöhle ist Magen und Darm zugleich und hat nur eine Öffnung, die als Mund und als After dient. Wie bei allen Nesseltieren sind die Körperteile strahlenförmig um eine Mitte angeordnet. So kann eine Qualle Futter oder Gefahr aus jeder Richtung bemerken.

Augen: Lange galten Quallen als sehr einfache Tiere. Heute weiß man, dass bei Quallen alle möglichen Bautypen von Augen vorkommen, einige haben sogar hoch entwickelte Linsenaugen. Besonders gut sehen viele Würfelquallen.

Größe: Die Unterschiede zwischen den Arten sind riesig. Die Quallen der Nordsee haben einen Schirmdurchmesser von knapp 1 bis 30 cm. Die größte Schirmqualle ist die Gelbe Haarqualle, bei uns als Feuerqualle bekannt. In sehr kalten Gewässern der Arktis und Antarktis wird ihr Schirm über 2 m groß, ihre Tentakel erreichen bis zu 30 m Länge.

Nesselzellen: die Waffe der Quallen

Auf den Tentakeln und Mundarmen sitzen Tausende Nesselzellen. In jeder steckt eine mikroskopisch kleine Nesselkapsel. Wird sie berührt, springt sie auf, ein Faden mit Stachel und Stilett schnellt heraus, und ein lähmendes Gift tritt aus. So betäubt die Qualle ihre Beute und schützt sich vor Feinden. Die Schutzstation Wattenmeer nennt die Nesselzellen die kompliziertesten Zellen im Tierreich.

Auch tot noch gefährlich: Abgerissene Tentakelstücke und tote, angespülte Quallen können noch nesseln. Die Oberseite des Schirms nesselt dagegen nicht.

Verbreitung und Lebensraum

Quallen leben in Meeren auf der ganzen Welt. Manche Arten sind sehr weit verbreitet. Die Gelbe Haarqualle zum Beispiel kommt fast weltweit vor, nur nicht in tropischen Gewässern. Sie lebt in kalten, gemäßigten und subtropischen Küstengewässern bis in Arktis und Antarktis, außerdem in der Ostsee.

Quallen an unseren Küsten: In der Nordsee gibt es fünf Schirmquallen, die größer als 10 cm werden: die Gelbe und die Blaue Haarqualle (Blaue Nesselqualle), die Kompassqualle, die Wurzelmundqualle und die Ohrenqualle. Die Ohrenqualle ist die häufigste Art in Nord- und Ostsee.

Treiben statt schwimmen: Quallen schwimmen, indem sie ihren Schirm rhythmisch zusammenziehen. Dabei kommen sie stoßweise voran. Weil diese Bewegungen schwach sind, treiben sie vor allem mit der Strömung. Starker Wind kann sie an den Küsten zu Massenansammlungen zusammenschieben. Oft sammeln sie sich auch in Bändern an der Wasseroberfläche, wo sie besonders viel Plankton finden.

Ernährung

Quallen sind Fleischfresser. Die meisten fangen kleine Planktontiere. Nach der Universität Hamburg jagen sie diese nicht aktiv, sondern sammeln sie mit ihren Fangarmen regelrecht ein.

Größere Beute: Die Gelbe Haarqualle frisst Fischeier und Fischlarven, kleine Krebse, Ruderfußkrebse, kleine Fische und andere Quallen, besonders gern Ohrenquallen. Ist ein Beutetier zu groß für den Magen, beginnt die Verdauung schon an den Mundarmen.

Würfelquallen als Jäger: Unter den Würfelquallen gibt es Arten, die sich mit ihren guten Augen orientieren und mit sehr wirksamem Gift sogar Fische erbeuten.

Fortpflanzung und Lebenszyklus

Das Leben einer Schirmqualle verläuft in drei Stadien: Larve, Polyp und Qualle. Fachleute nennen diesen Wechsel zwischen einer festsitzenden und einer frei schwimmenden Form Generationswechsel.

  1. Qualle: Es gibt männliche und weibliche Quallen. Sie bilden Spermien und Eizellen. Bei vielen Arten wird das Ei im Meer befruchtet. Bei anderen, etwa der Ohrenqualle und der Gelben Haarqualle, trägt das Weibchen die befruchteten Eier mit sich herum, bis Larven daraus werden.
  2. Larve: Aus dem Ei entsteht eine winzige, bewimperte Larve, die Planula. Sie schwimmt einige Stunden bis Tage frei im Wasser und setzt sich dann am Untergrund fest.
  3. Polyp: Aus der Larve wird ein kleiner Polyp mit Tentakeln. Er kann sich durch Knospung vermehren und so Klone von sich selbst bilden.
  4. Neue Quallen: Sind die Bedingungen günstig, schnürt sich der Polyp in viele Scheiben ein, die wie ein Stapel Teller übereinander liegen. Die Scheiben lösen sich nacheinander ab und schwimmen als junge Quallen davon. Sie heißen Ephyra und wachsen zur erwachsenen Qualle heran.

Bei Würfelquallen läuft es ähnlich ab, nur verwandelt sich der Polyp dort als Ganzes in eine einzige Qualle.

Lebensdauer: Die meisten erwachsenen Quallen leben vermutlich etwa ein Jahr. Das Polypenstadium kann dagegen viele Jahre überdauern.

Die „unsterbliche Qualle“

Eine kleine Qualle der Gattung Turritopsis ist als „unsterbliche Qualle“ berühmt geworden. Statt zu sterben, kann sie auf den Boden sinken, sich zusammenfalten und eine Hülle bilden, eine sogenannte Zyste. Wenn die Bedingungen wieder besser werden, wächst daraus ein neuer Polyp, der wieder neue Quallen hervorbringt. Das Institut océanographique in Monaco weist darauf hin, dass dieser Vorgang bisher nur im Labor beobachtet wurde und auch bei anderen Arten vorkommt, wenn sich die Lebensbedingungen verschlechtern.

Feinde und Gefährdung

Natürliche Feinde: Quallen haben wenig Nährwert, trotzdem werden sie gefressen. Die Lederschildkröte, eine Meeresschildkröte, frisst zum Beispiel Gelbe Haarquallen. Sie verträgt die Nesselzellen, nur ihre Augen schwellen oft an. Auch Quallen selbst sind Feinde anderer Quallen.

Quallenblüten: Manchmal treten Quallen plötzlich in riesiger Zahl auf. Nach der Universität Hamburg ist noch nicht vollständig verstanden, warum. Vieles deutet darauf hin, dass solche Massenvermehrungen ein Zeichen gestörter Meere sind. Wenn zum Beispiel Fische durch Überfischung verschwinden, fehlen den Quallen Nahrungskonkurrenten.

Gefährdung: Die Rote Liste der IUCN bewertet einzelne Arten und nicht die Quallen als Gruppe. Eine Einstufung für „die Qualle“ gibt es deshalb nicht.

Quallen und Menschen

Die meisten Quallenstiche verursachen beim Menschen nur leichte Beschwerden, und die meisten Quallen in Nord- und Ostsee sind für Menschen ungefährlich. Die Ohrenqualle und die Wurzelmundqualle sind harmlos. Stark nesseln dagegen die Gelbe Haarqualle, die Blaue Nesselqualle und die Kompassqualle. Ihr Gift kann auf der Haut starke Reizungen auslösen, die sich wie eine Verbrennung anfühlen und jucken.

Was tun nach einem Quallenkontakt? Das Landesportal Schleswig-Holstein empfiehlt:

  • Tentakelreste sofort mit Meerwasser abspülen
  • festklebende Fäden mit Sand oder Rasierschaum bedecken, kurz antrocknen lassen und mit einer Plastikkarte vorsichtig abschaben
  • kein Süßwasser und keinen Alkohol verwenden, weil sonst weitere Nesselkapseln platzen
  • danach hilft eine Brandsalbe, bei Juckreiz auch eine juckreizlindernde Salbe
  • bei starken Beschwerden die Wasserwacht oder einen Arzt aufsuchen

Mehr zur Ersten Hilfe steht auf der Seite zur Feuerqualle.

Häufige Fragen zur Qualle

Haben Quallen ein Gehirn?

Nein. Quallen haben weder Gehirn noch Herz. Trotzdem können sie ihre Umwelt wahrnehmen: Mit einem einfachen Nervennetz riechen sie, erkennen Licht und reagieren auf Berührungen. Manche Quallen haben sogar Augen.

Woraus besteht eine Qualle?

Zu etwa 95 bis 99 Prozent aus Wasser. Der Rest ist vor allem ein Fasermaterial aus Kollagen, das von zwei dünnen Zellschichten umhüllt ist. An Land fällt eine Qualle deshalb zu einem flachen Klumpen zusammen.

Wie vermehren sich Quallen?

Erwachsene Quallen bilden Eier und Spermien. Aus dem befruchteten Ei entsteht eine Larve, die sich am Boden festsetzt und zum Polypen wird. Der Polyp schnürt kleine Jungquallen ab, die zu neuen Quallen heranwachsen.

Wie alt werden Quallen?

Erwachsene Quallen leben meist nur etwa ein Jahr. Der Polyp, aus dem sie entstehen, kann dagegen viele Jahre alt werden und immer wieder neue Quallen hervorbringen.

Welche Quallen gibt es in Nord- und Ostsee?

Am häufigsten ist die harmlose Ohrenqualle. Dazu kommen die Wurzelmundqualle und die stark nesselnden Arten Gelbe Haarqualle, Blaue Nesselqualle und Kompassqualle. Die beiden zuletzt genannten findet man vor allem in der Nordsee.

Warum nesseln tote Quallen noch?

Die Nesselkapseln funktionieren auch dann noch, wenn die Qualle tot ist oder ein Tentakel abgerissen wurde. Bei Berührung springen sie auf. Deshalb sollte man angespülte Quallen am Strand nicht anfassen.

Ähnliche Tiere

  • Feuerqualle - die Gelbe Haarqualle, größte Schirmqualle und bekannteste nesselnde Qualle an Nord- und Ostsee
  • Leuchtqualle - eine nesselnde Schirmqualle, die im Mittelmeer vorkommt
  • Koralle - ebenfalls ein Nesseltier, lebt aber als festsitzender Polyp
  • Meeresschildkröte - die Lederschildkröte frisst Quallen
  • Seestern - ein anderes wirbelloses Meerestier

Quellen