Quappe
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Kurz erklärt
Die Quappe ist ein Raubfisch mit langem, marmoriertem Körper und einem einzelnen Bartfaden am Kinn. Sie ist der einzige Verwandte des Dorsches, der bei uns im Süßwasser lebt. Ungewöhnlich ist ihre Laichzeit: Quappen laichen mitten im Winter, wenn das Wasser kälter als 4 °C ist. In Deutschland ist die Quappe heute stark gefährdet.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Lota lota |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | Meist 30 bis 60 cm, im Rheingebiet meist bis 50 cm; Höchstlänge laut FishBase 152 cm |
| Körpergewicht | Höchstes veröffentlichtes Gewicht laut FishBase 34 kg |
| Ernährung | Jungfische fressen Zooplankton, Asseln, Flohkrebse, Würmer, Insektenlarven und Weichtiere; mit zunehmendem Alter vor allem Fische |
| Lebenserwartung | Höchstalter bis 20 Jahre (FishBase) |
| Sozialverhalten | Lebt versteckt am Gewässergrund und ist dämmerungs- und nachtaktiv; zum Laichen bilden mehrere Tiere ein Knäuel |
| Herkunft | Kühle Flüsse und Seen der Nordhalbkugel |
| Verbreitung | Rund um die Arktis im Süßwasser: in Europa von der Loire bis zum Weißen Meer, in Sibirien bis zur Lena, in Kanada, Alaska und im Norden der USA; in England ausgestorben AsienEuropaNordamerika |
| Entdeckung | Erstbeschreibung 1758 durch Carl von Linné |
| Gefährdung | LC Nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2024) |
| Sonstiges | Auch Aalrutte genannt. Rote Liste Deutschland (2023): stark gefährdet. Die Quappen Ostsibiriens und Nordamerikas werden von manchen Fachleuten als eigene Art (Lota maculosa) geführt. |
Was ist eine Quappe?
Die Quappe (Lota lota) ist ein Knochenfisch aus der Ordnung der Dorschartigen. Zu dieser Gruppe gehören vor allem Meeresfische wie der Dorsch. Die Quappe ist die einzige Art der Dorschartigen, die bei uns im Süßwasser lebt. Ein anderer Name für sie ist Aalrutte. Ihr wissenschaftlicher Name kommt vom französischen Wort „la lotte“, das einen dorschartigen Fisch bezeichnet.
Weil die Quappe nachts aktiv ist und sich tagsüber versteckt, nennt eine Broschüre der Stiftung Wasserlauf NRW sie einen „verborgenen Fisch“. Der Verband Deutscher Sportfischer wählte sie zum Fisch des Jahres 2002.
Aussehen und Körperbau
Körperform: Die Quappe hat einen lang gestreckten Körper, der im hinteren Teil seitlich zusammengedrückt ist.
Bartfaden: Am Unterkiefer trägt die Quappe einen einzelnen Bartfaden. Zusätzlich sitzt an jedem Nasenloch ein kleines, röhrenförmiges Anhängsel.
Flossen: Die Rückenflosse ist zweigeteilt. Der vordere Teil ist kurz, der hintere mindestens sechsmal so lang. Hintere Rückenflosse und Afterflosse gehen fast in die abgerundete Schwanzflosse über, sodass ein durchgehender Flossensaum entsteht. Besonders ist die Lage der Bauchflossen: Sie sitzen an der Kehle, noch vor den Brustflossen. An diesem Merkmal und dem einzelnen Bartfaden lässt sich die Quappe von allen anderen Süßwasserfischen Europas unterscheiden.
Farbe: Die Grundfarbe ist gelblich, hellbraun oder braun. Darüber liegt ein dunkelbraunes bis schwarzes Marmormuster, das sich über Körper, Kopf und Flossen zieht. Die Bauchflossen sind hell.
Größe: Die meisten Quappen werden 30 bis 60 cm lang. Im Rheingebiet erreichen sie meist bis 50 cm, in Ausnahmen über 70 cm. Die Fischdatenbank FishBase nennt als häufige Länge 40 cm und als Höchstlänge 152 cm.
Gewicht: Das höchste veröffentlichte Gewicht liegt laut FishBase bei 34 kg.
Alter: Quappen können bis zu 20 Jahre alt werden.
Verbreitung und Lebensraum
Weltweit: Die Quappe lebt rund um die Arktis im Süßwasser. In Europa reicht ihr Gebiet von der Loire in Frankreich nach Osten bis zu den Flüssen, die ins Weiße Meer und in die Barentssee fließen. Weiter südlich kommt sie unter anderem in der Rhône, im Einzugsgebiet des Schwarzen Meeres und in Italien im Po vor. In England ist sie ausgestorben. In Asien lebt sie in Sibirien bis zum Fluss Lena, in Nordamerika in Kanada, Alaska und im Norden der USA. Manche Fachleute sehen die Quappen aus Ostsibirien und Nordamerika als eigene Art an.
In Deutschland: Früher war die Quappe fast in ganz Deutschland verbreitet, sowohl in Flüssen als auch in Seen, die mit Flüssen verbunden sind. Heute liegen die wichtigsten Vorkommen entlang der großen Flüsse und in einigen Seen, zum Beispiel im Bodensee. In Nordrhein-Westfalen hat nur eine einzige Population in der Lippe überlebt.
Lebensraum: In Flüssen besiedelt die Quappe fast alle Abschnitte, vom Oberlauf mit Forellen bis zum Unterlauf nahe der Mündung. Sie kommt auch im Brackwasser von Nord- und Ostsee vor, wenn der Salzgehalt gering ist. Große Bestände gibt es in kühlen, durchflossenen Seen, im Tiefland ebenso wie im Hochgebirge. Laut FishBase lebt sie in Tiefen von 1 bis 700 m und bevorzugt Wasser zwischen 4 und 18 °C.
Was sie braucht: Die Quappe ist ein Bodenfisch. Tagsüber versteckt sie sich unter Steinen, zwischen Baumwurzeln, unter Totholz, in ausgespülten Uferhöhlen oder in dichten Pflanzen. Das Wasser muss genügend Sauerstoff enthalten, und saures Wasser verträgt sie schlecht. Für ihre Larven sind überschwemmte Flussauen besonders wichtig, die im Winter und Frühjahr lange unter Wasser stehen.
Ernährung
Die Quappe ist ein Raubfisch, ihre Nahrung ändert sich aber mit dem Alter:
- Jungfische fressen zunächst Zooplankton, also winzige Tiere im Wasser. Später kommen kleine Krebstiere wie Asseln und Flohkrebse dazu, außerdem Würmer, Insektenlarven und Weichtiere.
- Ältere Quappen fressen immer mehr Fische.
Fressen im Winter: Ungewöhnlich ist, wann die Quappe frisst. Im Sommer nimmt sie kaum Nahrung auf. Im Herbst und Winter frisst sie dagegen besonders viel. Am aktivsten ist sie bei Wassertemperaturen unter 4 °C.
Verhalten und Lebensweise
Nachtaktiv: Außerhalb der Laichzeit verlässt die Quappe ihr Versteck am Tag nur selten. Erst in der Dämmerung beginnt sie mit der Nahrungssuche.
Ein Fisch für die Kälte: Bei warmem Wasser im Sommer ist die Quappe kaum aktiv. Sobald das Wasser im Herbst abkühlt, wird sie munter. Deshalb gilt sie als kälteliebende Fischart.
Kein guter Schwimmer: Körperform und Flossen zeigen, dass die Quappe kein schneller Schwimmer ist. Fließt das Wasser schneller als 0,25 m pro Sekunde, kann sie ihre Position nur wenige Minuten halten.
Wanderungen: Viele Quappen wandern im Winter flussaufwärts zu ihren Laichplätzen. In der Elbe legten sie früher dabei mehr als 100 km zurück. Quappen, die den Sommer im schwach salzigen Wasser der Ostsee verbringen, ziehen im Spätherbst Flüsse wie die Oder hinauf, um dort zu laichen.
Fortpflanzung und Nachwuchs
Laichen im Winter: Die Quappe laicht mitten im Winter. Die Laichwanderung beginnt meist zwischen September und November, wenn das Wasser auf 10 bis 12 °C abkühlt. Gelaicht wird von Dezember bis Februar, wenn das Wasser meist kälter als 4 °C ist. In Seen und Zuflüssen Nordamerikas laichen Quappen auch unter einer Eisdecke.
Laichknäuel: Das Laichen findet in der Nacht statt. Dabei schließen sich mehrere Tiere zusammen und bilden ein Knäuel aus ineinander verschlungenen Fischen, das über den Gewässerboden rollt. FishBase beschreibt Gruppen von bis zu 20 Tieren, die eine Kugel von etwa 60 cm Durchmesser bilden. Dabei geben sie Eier und Spermien ins Wasser ab.
Rekord bei den Eiern: Ein Weibchen legt 350.000 bis 750.000 Eier pro Kilogramm Körpergewicht. Das ist die höchste Eizahl aller heimischen Süßwasserfische. Die hohe Zahl deutet darauf hin, dass in der Natur sehr viele Eier und Jungfische umkommen.
Eier und Larven: Die Eier sind etwa 1 mm groß und klebrig. Eine kleine Ölkugel im Inneren lässt sie über dem Boden schweben. Die Strömung trägt sie in ruhigere Bereiche, wo sie sich festheften. Je nach Wassertemperatur dauert es etwa 30 bis 75 Tage, bis die Larven schlüpfen. Sie sind dann nur 3 bis 4 mm lang und leben in den oberen Wasserschichten. Ab Ende März findet man sie auf flachen, überschwemmten Flächen am Fluss, wo sich das Wasser schnell erwärmt und viel Zooplankton wächst. Mit etwa 3 cm Länge wechseln die jungen Quappen an den Gewässerboden und meiden von da an das Licht.
Erwachsen werden: Im ersten Jahr wachsen junge Quappen auf etwa 8 cm heran. Geschlechtsreif werden sie meist im dritten oder vierten Lebensjahr bei einer Länge von 25 bis 40 cm.
Gefährdung und Schutz
Rote Liste Deutschland: In der Roten Liste der Süßwasserfische von 2023 gilt die Quappe als stark gefährdet. In der Liste davor stand sie nur auf der Vorwarnliste. Um 2009 nahmen die Bestände noch zu, weil sich die Wasserqualität verbessert hatte. Inzwischen hat sich der Trend in den meisten Bundesländern mit großen Vorkommen umgekehrt. Langfristig sind die Bestände stark zurückgegangen.
Weltweit: Die Rote Liste der IUCN stuft die Quappe als nicht gefährdet (Least Concern) ein (2024).
Die wichtigsten Gefahren:
- Warmes Wasser: Die Quappe braucht kaltes Wasser, besonders zur Laichzeit. Fachleute diskutieren Wärmeeinleitungen, zum Beispiel aus Kraftwerken, und fehlenden Schatten am Ufer als Ursachen für den Rückgang. Am Rhein ist das Winterwasser durch die Abschaltung einiger Kraftwerke wieder kühler geworden, sodass die nötigen Laichtemperaturen unter 5 °C wieder erreicht werden dürften.
- Klimawandel: In Süddeutschland fallen einzelne Flussabschnitte trocken.
- Verlust der Auen: Deiche, begradigte Flüsse und entwässerte Auen nehmen den Larven ihre Kinderstuben auf überfluteten Wiesen.
- Wehre und Staustufen: Unpassierbare Querbauwerke versperren den Weg zu den Laichplätzen. Nach dem Bau der Staustufe Geesthacht an der Elbe gingen die Fänge der wandernden Quappen stark zurück.
- Verschmutzung: In der Mitte des 20. Jahrhunderts verschwand die Quappe wegen schlechter Wasserqualität aus vielen Gewässern.
Hilfe für die Quappe: Im Rheingebiet läuft von 2021 bis 2027 ein Schutzprojekt. Dafür werden Quappen aus der Lippe in einer Fischzucht am Möhnesee vermehrt. Jedes Jahr kommen mehrere Millionen Larven und mehrere zehntausend Jungfische in den Rhein, in Baggerseen und in Talsperren. Untersucht wird dabei auch, ob die Quappe eingeschleppte Grundeln frisst und so ihre Ausbreitung bremsen kann.
Die Quappe als Speisefisch
Früher war die Quappe ein geschätzter Speisefisch. Um das Jahr 1900 fingen Fischer in der Unterelbe noch etwa 20.000 kg im Jahr. FishBase beschreibt ihr Fleisch als schmackhaft, aber etwas trocken. In Europa wird auch die Leber geräuchert oder als Konserve verkauft. Bei Anglern ist die Quappe weniger beliebt, weil sie nachts aktiv ist und sich langsam bewegt.
Häufige Fragen zur Quappe
Ist die Quappe mit dem Aal verwandt?
Nein. Trotz ihres zweiten Namens Aalrutte gehört die Quappe zu den Dorschartigen. Ihr naher Verwandter ist also der Dorsch. Sie ist die einzige Art dieser Gruppe, die bei uns im Süßwasser lebt.
Wann laicht die Quappe?
Mitten im Winter, meist von Dezember bis Februar. Das Wasser ist dann oft kälter als 4 °C. Die Fische laichen nachts in Knäueln aus mehreren Tieren und geben Eier und Spermien ins Wasser ab.
Wie groß wird eine Quappe?
Die meisten Quappen sind 30 bis 60 cm lang. Als Höchstlänge nennt FishBase 152 cm und als höchstes Gewicht 34 kg. Größere Tiere als 60 cm sind Ausnahmen.
Was frisst eine Quappe?
Junge Quappen fressen Zooplankton, kleine Krebstiere, Würmer und Insektenlarven. Ältere Quappen jagen vor allem Fische. Am meisten frisst die Quappe im Herbst und Winter, im Sommer fast gar nicht.
Woran erkennt man eine Quappe?
Typisch sind der einzelne Bartfaden am Kinn, der lange, gelbbraun marmorierte Körper und die lange hintere Rückenflosse. Die Bauchflossen sitzen an der Kehle vor den Brustflossen. Diese Kombination hat kein anderer Süßwasserfisch in Europa.
Ist die Quappe gefährdet?
In Deutschland ja: Die Rote Liste von 2023 stuft sie als stark gefährdet ein. Gründe sind vor allem zu warmes Wasser, der Verlust überschwemmter Flussauen und Wehre, die Laichwanderungen versperren. Weltweit gilt sie laut IUCN als nicht gefährdet.
Ähnliche Tiere
- Dorsch - der bekannteste Verwandte der Quappe, lebt aber im Meer
- Zander - ein weiterer Raubfisch in heimischen Flüssen und Seen
- Hecht - großer Raubfisch des Süßwassers
- Welsartige - zu ihnen gehört der Wels, ebenfalls ein nachtaktiver Bodenfisch mit Barteln
- Europäischer Aal - ebenfalls ein Fisch mit lang gestrecktem Körper, aber nicht näher verwandt
Quellen
- LAVES (2011): Vollzugshinweise zum Schutz von Fischarten in Niedersachsen - Quappe, Aalrutte (Lota lota). Niedersächsische Strategie zum Arten- und Biotopschutz (PDF)
- Quappe - Rote Liste der Süßwasserfische und Neunaugen Deutschlands (Freyhof et al. 2023), Rote-Liste-Zentrum
- Lota lota, Burbot - FishBase
- Wasserlauf - Stiftung für Gewässerschutz & Wanderfische NRW (2023): Die Quappe im Rheingebiet (PDF)
- Burbot (Lota lota) - Fact Sheet, Pennsylvania Natural Heritage Program (PDF)
- NatureServe & Freyhof, J. (2024): Lota lota. The IUCN Red List of Threatened Species
Größenvergleich
Eine Quappe erreicht eine Körpergröße von 30 bis 60 cm. Damit passt sie bequem zwischen einen Fußball (22 cm) und ein Kind (1,2 m) auf unserer Vergleichsskala. Ein Kind wäre dagegen noch rund 3-mal so groß.
Gewichtsvergleich
Eine Quappe bringt 34 kg auf die Waage. Das ist schwerer als ein Kind (25 kg), aber leichter als ein Erwachsener (75 kg).