Quastenflosser

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Präparierter Quastenflosser der Art Latimeria chalumnae in einem Glasbehälter, mit grauen Schuppen und fleischigen, stielartigen Flossen
sybarite48 / Wikimedia Commons / CC BY 2.0

Kurz erklärt

Quastenflosser sind große Fische mit fleischigen, beinartigen Flossen. Man kannte sie nur als Fossilien und hielt sie für seit vielen Millionen Jahren ausgestorben, bis 1938 vor Südafrika ein lebendes Tier gefangen wurde. Heute sind zwei Arten bekannt: eine im westlichen Indischen Ozean, eine in Indonesien. Sie leben tief im Meer in Höhlen und werden wahrscheinlich rund 100 Jahre alt.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameCoelacanthiformes
Abstammung
  • Klasse: Fleischflosser (Sarcopterygii)
  • Ordnung: Quastenflosser (Coelacanthiformes)
  • Familie: Latimeriidae
  • Gattung: Latimeria
KörpergrößeBis etwa 2 m; beim Afrikanischen Quastenflosser sind Weibchen im Schnitt etwa 170 cm, Männchen etwa 125 cm lang
KörpergewichtAfrikanischer Quastenflosser: Weibchen im Schnitt etwa 82 kg, Männchen etwa 37 kg
ErnährungFleischfresser: schnappt nachts vor allem Fische, die nahe vor seinem Maul vorbeischwimmen
LebenserwartungNach Schuppenanalysen von 2021 vermutlich rund 100 Jahre; frühere Schätzungen lagen bei 20 bis 48 Jahren
SozialverhaltenRuht tagsüber oft mit anderen Quastenflossern in Höhlen, jagt nachts allein
HerkunftWestlicher Indischer Ozean und Indonesien
Verbreitung Afrikanischer Quastenflosser vor allem bei den Komoren, außerdem an der Küste Ostafrikas von Kenia bis Südafrika und bei Madagaskar; Indonesischer Quastenflosser vor Nord-Sulawesi Meer
EntdeckungLebend entdeckt am 22. Dezember 1938 vor Südafrika; die zweite Art 1997/98 vor Sulawesi in Indonesien
SonstigesDie Rote Liste der IUCN bewertet beide Arten einzeln: Afrikanischer Quastenflosser (Latimeria chalumnae) vom Aussterben bedroht (CR, 2000), Indonesischer Quastenflosser (Latimeria menadoensis) gefährdet (VU, 2008).

Was sind Quastenflosser?

Quastenflosser sind eine sehr alte Gruppe von Fleischflossern. So nennt man Fische, deren Flossen an fleischigen, muskulösen Stielen sitzen. Wissenschaftlich heißen die Quastenflosser Coelacanthiformes, auf Englisch "coelacanths".

Bis 1938 kannte man Quastenflosser nur als Fossilien. Die ältesten sind fast 400 Millionen Jahre alt. Vor etwa 80 Millionen Jahren schienen die Tiere ausgestorben zu sein. Umso größer war die Überraschung, als ein lebender Quastenflosser gefangen wurde. Weil sich ihr Körperbau über Hunderte Millionen Jahre kaum verändert hat, nennt man Quastenflosser oft "lebende Fossilien".

Heute sind zwei lebende Arten bekannt, beide aus der Gattung Latimeria:

ArtLebensraumEntdeckungRote Liste der IUCN
Afrikanischer Quastenflosser (Latimeria chalumnae)Komoren, Ostafrika von Kenia bis Südafrika, Madagaskar1938vom Aussterben bedroht (CR, 2000)
Indonesischer Quastenflosser (Latimeria menadoensis)Nord-Sulawesi, Indonesien1997/98, beschrieben 1999gefährdet (VU, 2008)

Die meisten Angaben auf dieser Seite beziehen sich auf den besser erforschten Afrikanischen Quastenflosser.

Die Entdeckung von 1938

Am 22. Dezember 1938 zog ein Fischkutter einige Meilen westlich der südafrikanischen Hafenstadt East London einen seltsamen, großen Fisch aus etwa 70 Metern Tiefe. Er lebte noch, als er an Bord kam, starb aber kurz darauf. Der Fisch wurde Marjorie Courtenay-Latimer übergeben, der Leiterin des Museums von East London. Sie schickte eine Skizze und eine kurze Beschreibung an J. L. B. Smith in Knysna. Wegen der Weihnachtszeit erreichte ihn der Brief erst zehn Tage später. Smith erkannte sofort, dass es sich um einen Fisch handelte, der als längst ausgestorben galt.

1939 stellte Smith den Fund in der Fachzeitschrift Nature vor. Die Art trägt seitdem den wissenschaftlichen Namen Latimeria chalumnae.

Danach suchte man 14 Jahre lang nach einem zweiten Exemplar. Dabei fand man heraus, dass die eigentliche Heimat des Afrikanischen Quastenflossers die Komoren sind, eine Inselgruppe im westlichen Indischen Ozean. Seitdem wurden dort etwa 200 Quastenflosser gefangen, einige weitere vor Madagaskar und Mosambik.

Die zweite Art: Entdeckung in Indonesien

Fast 60 Jahre später folgte die nächste Überraschung. Im September 1997 besuchten der Biologe Mark Erdmann von der University of California, Berkeley, und seine Frau Arnaz während ihrer Hochzeitsreise einen Fischmarkt in Manado auf der indonesischen Insel Sulawesi. Arnaz fiel ein großer, seltsamer Fisch auf, der auf einem Karren vorbeigefahren wurde. Erdmann erkannte einen Quastenflosser und fotografierte ihn, kaufte ihn aber nicht.

Im November 1997 kehrte Erdmann zurück und befragte fünf Monate lang über 200 Fischer. Kaum einer kannte den Fisch. Schließlich fand er zwei Fischer, die ihn gelegentlich fingen. Sie nannten ihn "Raja laut", "König des Meeres". Am 30. Juli 1998 fing ein Fischer vor der Insel Manado Tua mit einem Hainetz in großer Tiefe einen weiteren Quastenflosser und brachte ihn zu Erdmann. Der Fund lag fast 10.000 Kilometer von den Komoren entfernt. Ein französisch-indonesisches Forschungsteam beschrieb das Tier 1999 als neue Art, Latimeria menadoensis.

Aussehen und Körperbau

Größe: Quastenflosser werden bis etwa 2 Meter lang. Die Weibchen sind größer und schwerer als die Männchen. Beim Afrikanischen Quastenflosser messen Weibchen im Durchschnitt etwa 170 Zentimeter und wiegen etwa 82 Kilogramm, Männchen etwa 125 Zentimeter und 37 Kilogramm.

Flossen: Quastenflosser haben sieben Flossen, die an fleischigen Stielen sitzen. Die paarigen Brust- und Bauchflossen bewegen sie über Kreuz, also vorne links zusammen mit hinten rechts, ähnlich wie ein vierbeiniges Landtier seine Beine. Dank dieser Flossen sind sie sehr wendig. Sie können in jede Richtung schwimmen, sogar auf dem Rücken oder senkrecht mit dem Kopf nach unten.

Schuppen und Farbe: Lebende Quastenflosser sind blau mit weißen Flecken. Das Fleckenmuster ist bei jedem Tier anders, so dass man einzelne Tiere daran unterscheiden kann. Nach dem Tod werden die Schuppen braun, deshalb sehen Museumsexemplare wie das auf dem Foto grau-braun aus. Das gefleckte Muster ähnelt den Höhlenwänden, in denen sich die Tiere tagsüber aufhalten, und dient vermutlich der Tarnung.

Besonderheiten im Körper: Statt einer Schwimmblase haben Quastenflosser ein mit Fett gefülltes Organ, das ihnen Auftrieb gibt. Darin steckt eine verkümmerte Lunge. Als einzige Wirbeltiere haben sie ein Gelenk mitten im Schädel. Wozu es dient, ist noch umstritten, vielleicht hilft es beim Fressen. In der Schnauze sitzt ein besonderes Organ, mit dem sie vermutlich schwache elektrische Felder wahrnehmen. Ihre Augen sind an das blaue Licht der Tiefe angepasst.

Verbreitung und Lebensraum

Die größte bekannte Gruppe des Afrikanischen Quastenflossers lebt vor den Küsten der Komoren. Kleinere Gruppen gibt es an der Ostküste Afrikas von Kenia bis Südafrika. Der Indonesische Quastenflosser lebt im Meer um Nord-Sulawesi, gefangen wurde er zum Beispiel vor der Insel Manado Tua.

Tagsüber halten sich Quastenflosser in Höhlen in 100 bis 200 Metern Tiefe auf, wo das Wasser 16 bis 22 Grad warm ist. Oft liegen mehrere Tiere in derselben Höhle, ohne sich umeinander zu kümmern. Nachts verlassen sie die Höhlen und jagen je nach Nahrungsangebot in 70 bis 700 Metern Tiefe. Mit Sendern markierte Tiere legten 2 bis 8 Kilometer am Tag zurück.

Ernährung

Quastenflosser sind Fleischfresser und fressen, was sie bekommen können, vor allem Fische. Sie jagen nachts allein. Dabei verfolgen sie ihre Beute nicht, sondern treiben langsam durch das Wasser und schnappen zu, wenn ein passendes Tier weniger als etwa 20 Zentimeter vor ihrem Maul vorbeischwimmt. So sparen sie Energie.

Fortpflanzung und Lebensdauer

Quastenflosser legen keine Eier ins Wasser, sondern sind lebendgebärend. Die Jungen entwickeln sich im Mutterleib aus großen, dotterreichen Eiern. Diese Eier haben bis zu 9 Zentimeter Durchmesser und wiegen 100 bis 350 Gramm. Bei trächtigen Weibchen fand man 5 bis 26 fast fertig entwickelte Junge. Kurz vor der Geburt können sie schon 35 Zentimeter lang und bis zu 500 Gramm schwer sein.

Lange glaubte man, Quastenflosser würden höchstens etwa 20 Jahre alt. Eine Studie aus dem Jahr 2021 hat jedoch die Schuppen von 27 Tieren unter dem Mikroskop untersucht und darin feine Jahresringe gezählt. Das Ergebnis:

  • Quastenflosser werden vermutlich rund 100 Jahre alt.
  • Geschlechtsreif werden sie erst mit 40 bis 69 Jahren.
  • Die Trächtigkeit dauert wahrscheinlich etwa fünf Jahre. Das ist möglicherweise die längste Tragzeit aller Meeresfische.

Damit gehören Quastenflosser zu den Fischen, die am langsamsten wachsen und sich am langsamsten vermehren.

Feinde und Gefährdung

Als einziger bekannter Feind des Quastenflossers gilt der Mensch. Zum Essen eignen sich die Fische nicht. Sie gehen aber als Beifang an den Haken, zum Beispiel wenn Fischer nach dem Ölfisch angeln, oder verfangen sich in Stellnetzen. Das ist die häufigste Todesursache.

Die Rote Liste der IUCN stuft den Afrikanischen Quastenflosser als vom Aussterben bedroht (CR, 2000) ein, den Indonesischen als gefährdet (VU, 2008). Vom Afrikanischen Quastenflosser leben vermutlich nur einige hundert Tiere, und der Bestand nimmt ab. Weil sie erst so spät erwachsen werden und nur selten Junge bekommen, könnten Quastenflosser noch stärker bedroht sein als bisher angenommen.

Häufige Fragen zum Quastenflosser

Warum heißt der Quastenflosser "lebendes Fossil"?

Weil man die Tiergruppe lange nur aus Fossilien kannte, die bis fast 400 Millionen Jahre alt sind. Man hielt sie für ausgestorben, bis 1938 ein lebendes Tier gefangen wurde. Ihr Körperbau hat sich in dieser langen Zeit kaum verändert.

Wie viele Quastenflosser gibt es noch?

Genaue Zahlen gibt es nicht. Vom Afrikanischen Quastenflosser leben vermutlich nur einige hundert Tiere. Wie viele Indonesische Quastenflosser es gibt, ist noch weniger bekannt.

Wie alt wird ein Quastenflosser?

Nach einer Studie von 2021 vermutlich rund 100 Jahre. Damit gehören Quastenflosser zu den langlebigsten Fischen. Erwachsen werden sie erst mit 40 bis 69 Jahren.

Wie groß wird ein Quastenflosser?

Bis etwa 2 Meter. Weibchen sind im Durchschnitt etwa 1,70 Meter lang und 82 Kilogramm schwer, Männchen etwa 1,25 Meter und 37 Kilogramm.

Wo kann man einen Quastenflosser sehen?

Lebend praktisch nicht: Quastenflosser leben tief im Meer bei den Komoren, vor Ostafrika und vor Sulawesi und verbringen den Tag in Höhlen in 100 bis 200 Metern Tiefe. Präparierte Tiere wie das auf dem Foto sind in Naturkundemuseen ausgestellt.

Ähnliche Tiere

  • Australischer Lungenfisch - ebenfalls ein Fleischflosser und ein lebendes Fossil
  • Stör - ein urtümlicher Fisch, dessen Verwandte es schon seit sehr langer Zeit gibt
  • Pfeilschwanzkrebse - noch ein "lebendes Fossil", aber aus der Gruppe der Gliederfüßer

Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Quastenflosser
1,25 bis 2 m

Mit 1,25 bis 2 m gehört der Quastenflosser zu den größeren Tieren in unserem Lexikon. Ein Kind (1,2 m) ist dagegen kleiner, während ein Elefant mit 3,5 m noch etwas an Größe drauflegt.

Gewichtsvergleich

🪙1-Euro-Münze
7,5 g
🍫Tafel Schokolade
100 g
⚽Fußball
430 g
🧒Kind
25 kg
🧑Erwachsener
75 kg
🚗Auto
1,5 t
🚌Schulbus
12 t
▼Quastenflosser
37 bis 82 kg

Ein Quastenflosser bringt 37 bis 82 kg auf die Waage. Das ist schwerer als ein Kind (25 kg), aber leichter als ein Auto (1,5 t).