Querzahnmolche
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Kurz erklärt
Querzahnmolche sind eine Familie von Schwanzlurchen aus Nord- und Mittelamerika. Zu ihnen gehören 32 Arten, darunter der Axolotl und der Tigersalamander. Die meisten leben versteckt im Boden und kommen nur zur Paarung ins Wasser, wo ihre Larven mit Kiemen aufwachsen. Einige Arten bleiben aber ihr ganzes Leben lang im Wasser und behalten ihre Kiemen.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Ambystomatidae |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | Erwachsene je nach Art etwa 10 bis 30 cm lang, der Tigersalamander bis 34 cm |
| Körpergewicht | Je nach Art verschieden; ein Gefleckter Querzahnmolch wiegt etwa 13 g |
| Ernährung | Fleischfresser: Regenwürmer, Schnecken, Tausendfüßer, Spinnen, Insekten und andere wirbellose Tiere |
| Lebenserwartung | Je nach Art verschieden; der Gefleckte Querzahnmolch wird in freier Natur etwa 20, manchmal 30 Jahre alt |
| Sozialverhalten | Einzelgänger; zur Paarung wandern oft viele Tiere gleichzeitig zu den Laichgewässern |
| Herkunft | Nordamerika |
| Verbreitung | Vom Südosten Alaskas und Labrador (Kanada) über die USA bis zum Südrand des mexikanischen Hochlands Nordamerika |
| Sonstiges | Die Rote Liste bewertet einzelne Arten, nicht die ganze Familie. Der Axolotl gilt als vom Aussterben bedroht (IUCN, 2020). |
Was sind Querzahnmolche?
Querzahnmolche (Ambystomatidae) sind eine Familie der Schwanzlurche. Zu dieser Tiergruppe gehören auch die bei uns bekannten Molche und Salamander. Querzahnmolche leben aber nur in Nordamerika, einschließlich Mexiko.
Heute zählt man 32 Arten. Sie alle gehören zu einer einzigen Gattung mit dem wissenschaftlichen Namen Ambystoma, die Fachleute noch in vier Untergattungen aufteilen. Die bekanntesten sind der Axolotl aus Mexiko und der Tigersalamander. Früher wurden auch die Riesensalamander der Gattung Dicamptodon zu dieser Familie gezählt. Heute stehen sie meist in einer eigenen Familie.
Woher kommt der Name? Die kleinen Zähne am Gaumen, also am Dach der Mundhöhle, können bei diesen Tieren quer im Maul angeordnet sein. Darauf bezieht sich der deutsche Name Querzahnmolche. Im Englischen nennt man sie „mole salamanders“, also Maulwurfsalamander, weil die meisten Arten versteckt im Boden leben.
Aussehen und Körperbau
Querzahnmolche sind kräftig gebaute Schwanzlurche. Typisch sind:
- ein plumper, gedrungener Körper
- ein breiter Kopf
- kräftige Beine
- ein dicker Schwanz
- eine glatte, glänzende Haut
Größe: Erwachsene Querzahnmolche sind je nach Art etwa 10 bis 30 cm lang. Der Tigersalamander kann bis zu 34 cm erreichen. Der Schwanz ist dabei mitgemessen. Zu den kleineren Arten gehört der Marmor-Querzahnmolch mit etwa 9 bis 11 cm.
Farben: Viele Arten sind auffällig gefärbt, zum Beispiel mit gelben Flecken oder hellen Querbändern auf dunklem Grund.
Beispiel Gefleckter Querzahnmolch: Diese Art aus dem Osten Nordamerikas wird 15 bis 25 cm lang und wiegt etwa 13 g. Die Weibchen sind meist größer als die Männchen. Der Körper ist schwarz, dunkelbraun oder dunkelgrau. Auf dem Rücken sitzen 24 bis 45 große, runde gelbe oder orange Flecken in zwei Reihen. Der Bauch ist hell schiefergrau.
Verbreitung und Lebensraum
Querzahnmolche kommen vom Südosten Alaskas und von Labrador im Osten Kanadas über die USA bis zum Südrand des mexikanischen Hochlands vor.
Lebensraum: Die meisten Querzahnmolche leben an Land, aber gut versteckt. Sie halten sich unter Laub oder in unterirdischen Gängen im Boden auf.
Ins Wasser zur Paarung: Zu Teichen, Tümpeln und anderen Gewässern kommen die erwachsenen Tiere vor allem zur Fortpflanzung. Dort legen sie ihre Eier ab, und dort wachsen auch die Larven auf.
Ernährung
Querzahnmolche sind Fleischfresser. Erwachsene Tiere fressen fast alle wirbellosen Tiere, die sie überwältigen können.
Beispiel Gefleckter Querzahnmolch: Er jagt auf dem Waldboden nach Regenwürmern, Schnecken und Nacktschnecken, Tausendfüßern, Hundertfüßern, Spinnen und vielen verschiedenen Insekten.
Larven: Die Larven wachsen im Wasser auf und jagen dort kleine Tiere. Größere Larven sind echte Räuber.
Verhalten und Lebensweise
Versteckte Lebensweise: Die meiste Zeit des Jahres sieht man Querzahnmolche kaum, weil sie sich im Boden oder unter Laub verstecken.
Große Wanderungen: Im zeitigen Frühjahr wandern bei manchen Arten sehr viele Tiere gleichzeitig zu ihren Laichgewässern. Gefleckte Querzahnmolche machen sich zum Beispiel nachts auf den Weg, beim ersten Regen nach der Schneeschmelze. Die Männchen kommen zuerst am Gewässer an und bleiben länger als die Weibchen.
Zurück zum eigenen Teich: Gefleckte Querzahnmolche versuchen zum Laichen in den Teich zurückzukehren, in dem sie selbst geschlüpft sind, auch wenn ein anderer Teich näher liegt. Dabei hilft ihnen vermutlich vor allem ihr Geruchssinn. Die meisten leben das ganze Jahr über weniger als 100 m von ihrem Laichgewässer entfernt, einzelne Tiere bis 250 m. An Land verstecken sie sich in Gängen anderer Tiere, unter Baumstämmen und Steinen.
Verteidigung: Der Gefleckte Querzahnmolch kann aus Drüsen in seiner Haut ein milchiges Gift absondern. Seine auffälligen gelben Flecken warnen Fressfeinde. Trotzdem wird er von Waschbären, Schlangen und Schildkröten gefressen.
Fortpflanzung und Entwicklung
Paarung mit Samenpaket: Die Männchen setzen im Wasser viele kleine Samenpakete ab, sogenannte Spermatophoren. Das Weibchen nimmt ein Samenpaket mit seiner Kloake auf. Die Eier werden also im Körper des Weibchens befruchtet, obwohl sich die Tiere dabei nicht direkt paaren.
Eier: Die meisten Arten legen ihre Eier im Frühjahr in Teichen ab. Ein Weibchen des Gefleckten Querzahnmolchs legt pro Jahr etwa 100 bis 300 Eier oder mehr. Die Laichballen sind in eine dicke, schützende Gallerte gehüllt und hängen an Pflanzen oder anderen Gegenständen unter Wasser.
Algen im Ei: In der Gallerte der Eier des Gefleckten Querzahnmolchs wächst eine grüne Alge. Sie liefert den heranwachsenden Embryonen zusätzlichen Sauerstoff und tarnt die Laichballen möglicherweise.
Larven: Aus den Eiern schlüpfen Larven, die im Wasser leben. Sie atmen mit Kiemen, die als büschelige Anhänge seitlich am Kopf sitzen. Nach einigen Wochen oder Monaten verwandeln sich die Larven in Landtiere: Die Kiemen bilden sich zurück, und die jungen Querzahnmolche gehen an Land. Nur wenige Larven überleben: Beim Gefleckten Querzahnmolch sterben mehr als 90 Prozent, bevor sie sich verwandeln.
Eine Ausnahme: Der Marmor-Querzahnmolch aus dem Osten der USA pflanzt sich nicht im Frühjahr im Wasser fort, sondern im Herbst an Land. Das Weibchen legt 50 bis 100 Eier in eine Mulde, zum Beispiel in einen ausgetrockneten Tümpel oder Graben, und bleibt bei ihnen, damit sie feucht bleiben. Erst wenn Herbstregen die Mulde füllt, schlüpfen die Larven. Eine solche Brutpflege ist bei Querzahnmolchen sonst nicht üblich.
Larven, die nie erwachsen werden
Einige Querzahnmolche verwandeln sich nie in ein Landtier. Sie werden geschlechtsreif, während sie noch wie Larven aussehen: mit Kiemen und im Wasser lebend. Fachleute nennen das Neotenie.
Bei manchen Arten ist das immer so. Bei anderen hängt es von den Bedingungen ab: Einzelne Tiere oder ganze Bestände bleiben im Wasser, andere verwandeln sich wie üblich.
Das berühmteste Beispiel ist der Axolotl. Er bleibt fast immer sein Leben lang im Wasser und behält seine Kiemen. Weil er so besonders ist, wird er seit langer Zeit in der Forschung gehalten, etwa um die Entwicklung von Embryonen zu untersuchen.
Querzahnmolche, bei denen es nur Weibchen gibt
Rund um die Großen Seen in Nordamerika leben Querzahnmolche, bei denen es nur Weibchen gibt. Ihr Erbgut setzt sich aus dem Erbgut von zwei bis vier verschiedenen Querzahnmolch-Arten zusammen. Sie teilen Erbanlagen mit den Männchen und Weibchen der normalen Arten, die im selben Gebiet leben. Diese Weibchen nutzen also Erbgut von Männchen verwandter Arten.
Weil sich diese Art der Fortpflanzung von allen bekannten Formen unterscheidet, haben Forscher dafür einen eigenen Namen vorgeschlagen: Kleptogenese. Das bedeutet ungefähr „Fortpflanzung durch Stehlen“. Nach genetischen Untersuchungen ist ihre nächste Verwandte eine andere Art, Ambystoma barbouri. Von ihr haben sich die Weibchen-Linien vor etwa 2,4 bis 3,9 Millionen Jahren getrennt.
Feinde und Gefährdung
Feinde: Die Larven werden im Wasser von vielen Tieren gefressen. Erwachsene Querzahnmolche haben ebenfalls Feinde, beim Gefleckten Querzahnmolch zum Beispiel Waschbären, Schlangen und Schildkröten.
Gefährdung: Die Rote Liste der IUCN bewertet jede Art einzeln. Der Axolotl gilt als vom Aussterben bedroht (IUCN, 2020). Der Gefleckte Querzahnmolch ist dagegen noch häufig und gilt als nicht gefährdet. Weil er zum Laichen auf Tümpel ohne Fische angewiesen ist, schaden ihm aber saurer Regen und das Abholzen von Wäldern, denn dabei gehen solche Tümpel verloren.
Häufige Fragen zu Querzahnmolchen
Warum heißen Querzahnmolche so?
Ihre kleinen Gaumenzähne am Dach der Mundhöhle können quer im Maul angeordnet sein. Darauf bezieht sich der deutsche Name. Von außen sieht man dieses Merkmal also nicht.
Gehört der Axolotl zu den Querzahnmolchen?
Ja. Der Axolotl gehört zur Gattung Ambystoma und damit zu den Querzahnmolchen. Anders als die meisten Verwandten verwandelt er sich normalerweise nicht in ein Landtier, sondern bleibt mit Kiemen im Wasser.
Wie groß werden Querzahnmolche?
Erwachsene Tiere sind je nach Art etwa 10 bis 30 cm lang. Der Tigersalamander wird bis zu 34 cm lang.
Was fressen Querzahnmolche?
Sie sind Fleischfresser und fressen vor allem wirbellose Tiere wie Regenwürmer, Schnecken, Spinnen und Insekten. Die Larven jagen im Wasser kleine Tiere.
Wo leben Querzahnmolche?
In Nordamerika, vom Südosten Alaskas und Kanada bis nach Mexiko. Die meisten leben versteckt an Land unter Laub oder in Erdgängen und kommen nur zur Fortpflanzung ins Wasser.
Gibt es Querzahnmolche in Deutschland?
Nein, nicht in freier Natur. Querzahnmolche leben nur in Nordamerika. In Deutschland sieht man sie höchstens im Zoo oder als Haustier, vor allem den Axolotl.
Ähnliche Tiere
- Axolotl - der bekannteste Querzahnmolch, der sein Leben lang im Wasser bleibt
- Tigersalamander - ein großer, gelb gefleckter Querzahnmolch aus dem Osten Nordamerikas
- Salamander - die Echten Salamander, zu denen der Feuersalamander gehört
- Teichmolch - ein heimischer Schwanzlurch, der zum Laichen ins Wasser geht
- Grottenolm - ein Schwanzlurch aus europäischen Höhlen, der ebenfalls Kiemen behält
Quellen
- Ambystomatidae species list - AmphibiaWeb, University of California, Berkeley
- Ambystomatidae (mole salamanders) - Animal Diversity Web, University of Michigan
- Ambystoma maculatum (spotted salamander) - Animal Diversity Web, University of Michigan
- Bogart, J. P. et al. (2007): Unisexual salamanders (genus Ambystoma) present a new reproductive mode for eukaryotes. Genome 50(2), 119-136
- IUCN SSC Amphibian Specialist Group (2020): Ambystoma mexicanum. The IUCN Red List of Threatened Species
- Ambystoma opacum (marbled salamander) - Animal Diversity Web, University of Michigan
Größenvergleich
Ein Querzahnmolche erreicht eine Körpergröße von 10 bis 30 cm. Damit passt er bequem zwischen eine 1-Euro-Münze (2,3 cm) und ein Kind (1,2 m) auf unserer Vergleichsskala. Das bedeutet: Der Querzahnmolche ist etwa 9-mal so groß wie eine 1-Euro-Münze. Ein Kind wäre dagegen noch rund 6-mal so groß.