Quittenwaran
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Kurz erklärt
Der Quittenwaran ist eine leuchtend gelbe Echse aus der Familie der Warane. Er lebt nur auf zwei Inseln in Indonesien, Mangole und Taliabu. Mit Schwanz wird er etwa einen Meter lang, große Männchen knapp 1,3 Meter. Forscher haben ihn erst 1997 beschrieben, heute gilt er als stark gefährdet.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Varanus melinus |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | Gesamtlänge mit Schwanz etwa 95 bis 128 cm, Männchen größer als Weibchen |
| Körpergewicht | Für erwachsene Tiere keine veröffentlichten Werte, frisch geschlüpfte Jungtiere 21 bis 35 g |
| Ernährung | Fleischfresser: in der Natur vor allem Vogeleier, große Insekten und Baumfrösche |
| Lebenserwartung | Geschätzt etwa 15 Jahre |
| Sozialverhalten | Wenig erforscht, in Menschenobhut oft unverträglich mit Artgenossen |
| Herkunft | Sula-Inseln (Molukken, Indonesien) |
| Verbreitung | Nur auf den Inseln Mangole und Taliabu (Sula-Inseln, Indonesien) Asien |
| Entdeckung | Beschrieben 1997 von Wolfgang Böhme und Thomas Ziegler anhand von Tieren aus dem Tierhandel |
| Gefährdung | EN Stark gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2021) |
| Sonstiges | Im Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) in Anhang II gelistet |
Was ist ein Quittenwaran?
Der Quittenwaran (Varanus melinus) ist eine Echse aus der Familie der Warane. Zu dieser Familie gehören auch der Komodowaran und der Nilwaran. Der Quittenwaran ist deutlich kleiner als diese Verwandten und fällt vor allem durch seine quittengelbe Farbe auf. Daher hat er auch seinen Namen: Das lateinische Wort melinus bedeutet „quittengelb“.
Die Art ist für die Wissenschaft noch sehr jung. Die Zoologen Wolfgang Böhme vom Museum Koenig in Bonn und Thomas Ziegler, der die Art später im Kölner Zoo züchtete, beschrieben sie erst 1997. Als Grundlage dienten keine Tiere aus der Wildnis, sondern Warane aus dem Tierhandel. Innerhalb der Warane gehört der Quittenwaran zur Gruppe der Mangrovenwarane (Varanus-indicus-Gruppe) in der Untergattung Euprepiosaurus. Viele Arten dieser Gruppe leben auf Inseln in Indonesien und Neuguinea und wurden erst in den letzten Jahrzehnten entdeckt.
Aussehen und Körperbau
Der Quittenwaran ist ein mittelgroßer, schlanker Waran. Kopf, Hals, Rumpf und Beine sind kräftig gelb. Darüber liegt ein mehr oder weniger deutliches dunkles Netzmuster auf Körper, Hals, Beinen und Schwanzwurzel. Die Unterseite ist hell und ohne Zeichnung, die Zunge hell rosa. An diesen Merkmalen lässt er sich von seinen nahen Verwandten unterscheiden, die dunkler gefärbt sind oder einen türkis-bläulichen Schwanz haben.
Größe: Männchen werden größer als Weibchen. Im Kölner Zoo maß ein Zuchtmännchen 128 cm Gesamtlänge, sein Weibchen 94,5 cm. Diese beiden Männchen des Zoos gehörten 2010 zu den größten bekannten Quittenwaranen überhaupt. Der Schwanz macht deutlich mehr als die Hälfte der Gesamtlänge aus: Beim großen Männchen entfielen 50 cm auf Kopf und Rumpf und 78 cm auf den Schwanz. Verlässliche Angaben zum Gewicht erwachsener Tiere gibt es in der Fachliteratur nicht.
Schwanz und Krallen: Der Schwanz ist zur Spitze hin seitlich abgeflacht und hilft beim Schwimmen. Anders als manchmal zu lesen ist, kann der Quittenwaran mit seinem Schwanz nicht richtig greifen. Das fehlende Greifvermögen ist sogar eines der Merkmale, mit denen Fachleute die Art bestimmen. Die Füße tragen lange, scharfe Krallen, mit denen der Waran gut klettern kann.
Nase: Die Nasenlöcher sitzen weit vorne an der Schnauze. Beim Schwimmen muss der Waran deshalb nur die Schnauzenspitze aus dem Wasser strecken, um zu atmen.
Jungtiere sehen anders aus: Frisch geschlüpfte Quittenwarane sind fast schwarz und tragen Querreihen aus gelben Augenflecken auf dem Rücken. Erst nach und nach setzt sich die gelbe Farbe durch, zuerst an Kopf und Hals. Im Kölner Zoo begann dieser Farbwechsel bei etwa fünfeinhalb Monate alten Tieren. Wegen ihrer dunklen Färbung werden junge Quittenwarane leicht mit Jungtieren anderer Waranarten verwechselt.
Verbreitung und Lebensraum
Der Quittenwaran ist ein Endemit: Er kommt nur an einem einzigen Ort der Welt vor. Sicher nachgewiesen ist er auf den beiden Inseln Mangole und Taliabu. Sie gehören zu den Sula-Inseln im Westen der Molukken und damit zu Indonesien.
Lange war die Heimat des Warans unklar. In der Erstbeschreibung stand die Insel Obi als Fundort. Später stellte sich heraus, dass Obi nur eine Station im Tierhandel war. Auch Meldungen von der Insel Banggai ließen sich nicht bestätigen. Erst Feldforscher klärten das Verbreitungsgebiet auf.
Über den natürlichen Lebensraum ist wenig bekannt. Nach einem Bericht aus den 1990er-Jahren lebt der Quittenwaran in tropischen Tieflandwäldern im Inneren von Taliabu. Die Autoren dieses Berichts waren aber selbst nie vor Ort. Neuere Beobachtungen im Freiland deuten darauf hin, dass er eher offenere Lebensräume abseits der Mangroven an der Küste bevorzugt.
In Zoos und Terrarien zeigt der Quittenwaran eine klare Vorliebe für Wasser und hohe Luftfeuchtigkeit. Er schwimmt und taucht gern und klettert geschickt auf Äste. Fachleute schließen daraus, dass er in der Natur feuchte Lebensräume nutzt, in denen er sowohl Bäume als auch Gewässer findet.
Ernährung
Wie fast alle Warane ist der Quittenwaran ein Fleischfresser. Er frisst, was er überwältigen kann. In der Natur bilden nach bisherigem Wissen Vogeleier, große Insekten und Baumfrösche die Hauptnahrung. Seine Beute findet er meist in den Bäumen, seltener jagt er im Wasser.
Im Kölner Zoo bekommen erwachsene Quittenwarane einmal pro Woche Mäuse, Fisch oder Geflügel. Dazwischen gibt es Insekten, vor allem Heuschrecken. Jungtiere fressen anfangs Heimchen und Heuschrecken, später auch junge Mäuse. Die Pfleger beschreiben sie als ausgesprochen gierige Fresser, die man leicht überfüttern kann.
Verhalten und Lebensweise
Quittenwarane sind scheue Tiere. Sie verstecken sich gern unter umgestürzten Baumstämmen oder in den Bäumen.
Wann Quittenwarane in der Natur aktiv sind, ist kaum erforscht. Fast alles, was man über ihr Verhalten weiß, stammt aus Beobachtungen in Zoos und Terrarien.
Über das Zusammenleben in der Natur weiß man nichts Genaues. In Menschenobhut können Quittenwarane untereinander aggressiv sein. Im Kölner Zoo besetzte das größte Tier einer Gruppe den höchsten Ruheplatz. Zwei Tiere wurden in dieser Anlage tot mit Bisswunden gefunden. Die Pfleger raten deshalb, Quittenwarane nur nach sorgfältiger Beobachtung zusammenzusetzen.
Fortpflanzung und Nachwuchs
Der Quittenwaran legt Eier. Fast alles, was man über seine Fortpflanzung weiß, stammt aus Nachzuchten in Terrarien und Zoos.
- Paarung: Im Kölner Zoo paarten sich die Tiere das ganze Jahr über, ohne feste Jahreszeit. Nach einer Angabe des WWF legt das Weibchen etwa drei bis vier Wochen nach der Paarung seine Eier.
- Gelege: In Terrarien und Zoos wurden Gelege mit 2 bis 9 Eiern beobachtet. Die größten bekannten Gelege umfassen bis zu 12 Eier. Ein Weibchen kann mehrmals im Jahr legen, im Kölner Zoo lagen zwischen zwei Gelegen nur etwa drei Monate.
- Brutdauer: Bei 28,5 bis 29 °C schlüpften die Jungen nach 164 bis 171 Tagen, also nach gut fünfeinhalb Monaten.
- Jungtiere: Die Schlüpflinge sind 21 bis 28 cm lang und wiegen 21 bis 35 g. Nach fünfeinhalb Monaten waren die Kölner Jungtiere etwa ein Drittel länger und schwerer.
- Geschlechtsreife: Nach Angaben des WWF werden Quittenwarane mit etwa drei Jahren geschlechtsreif. Das Kölner Zuchtpaar legte sein erstes erfolgreiches Gelege allerdings erst mit gut sieben Jahren.
Die erste veröffentlichte Nachzucht gelang einem privaten Halter, der Bericht erschien im Jahr 2000. Aus seinen Nachkommen stammte das Kölner Zuchtpaar, das 2009 als erstes überhaupt Enkel der Wildtiere hervorbrachte, eine sogenannte F2-Nachzucht.
Gefährdung und Schutz
Die Weltnaturschutzunion IUCN stuft den Quittenwaran in ihrer Roten Liste als stark gefährdet (EN) ein (Einstufung veröffentlicht 2021). Als Hauptgefahren gelten der Tierhandel und die Zerstörung der Wälder.
Begehrt im Tierhandel: Wegen seiner auffälligen Farbe ist der Quittenwaran bei Terrarienhaltern sehr gefragt. Schon vor seiner wissenschaftlichen Beschreibung wurde er unter den Namen anderer Waranarten verkauft. Zwischen 2001 und 2010 meldete Indonesien die Ausfuhr von 2.527 angeblich auf Farmen gezüchteten und fünf wild gefangenen Tieren. Überprüfungen der Zuchtbetriebe konnten allerdings keine erfolgreiche Zucht bestätigen. Ein Reptilienhändler auf Mangole schätzte, dass seit 1997 mehr als 10.000 Quittenwarane aus der Natur entnommen wurden. Die Wildbestände sind nach seiner Beobachtung stark zurückgegangen.
Schutzstatus: Der Quittenwaran steht in Anhang II des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES). Der internationale Handel ist damit erlaubt, braucht aber Genehmigungen. Deutschland beantragte im Jahr 2000, die Art in Anhang I aufzunehmen, was den kommerziellen Handel mit Wildfängen verboten hätte. Der Antrag wurde zurückgezogen, weil Daten zu Bestand und Verbreitung fehlten. In Indonesien selbst war der Quittenwaran 2013 nicht gesetzlich geschützt, und seit dem Jahr 2000 hatte niemand mehr den Bestand im Freiland untersucht.
Lebensraumverlust: Zusätzlich setzt die Abholzung der Tieflandregenwälder durch Holz- und Landwirtschaft den Waranen zu. Weil die Art nur auf zwei Inseln lebt, kann sie solche Verluste kaum ausgleichen.
Zoos wie der Kölner Zoo bauen deshalb mit Nachzuchten eine Reservepopulation auf. Sie soll auch dazu beitragen, mehr über die kaum erforschte Art zu lernen.
Häufige Fragen zum Quittenwaran
Wie groß wird ein Quittenwaran?
Erwachsene Quittenwarane erreichen mit Schwanz etwa 95 bis 128 cm. Männchen werden größer als Weibchen. Der Schwanz ist deutlich länger als Kopf und Rumpf zusammen.
Wo lebt der Quittenwaran?
Nur auf zwei Inseln in Indonesien: Mangole und Taliabu. Sie gehören zu den Sula-Inseln in den Molukken. Frühere Angaben zu anderen Inseln wie Obi oder Banggai haben sich als falsch oder unbestätigt erwiesen.
Was frisst ein Quittenwaran?
Er ist ein Fleischfresser. In der Natur frisst er vor allem Vogeleier, große Insekten und Baumfrösche, die er meist auf Bäumen findet. Im Zoo bekommt er Mäuse, Fisch, Geflügel und Insekten.
Warum heißt er Quittenwaran?
Wegen seiner Farbe. Der wissenschaftliche Artname melinus kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „quittengelb“. Die gelbe Farbe wird mit dem Alter kräftiger, Jungtiere sind noch fast schwarz.
Ist der Quittenwaran vom Aussterben bedroht?
Die IUCN stuft ihn als stark gefährdet ein, eine Stufe unter „vom Aussterben bedroht“. Er lebt nur auf zwei Inseln, wird für den Tierhandel gefangen und verliert durch Abholzung seinen Lebensraum.
Kann man einen Quittenwaran als Haustier halten?
Quittenwarane werden in Terrarien gehalten und gezüchtet, der Handel ist aber genehmigungspflichtig. Die Tiere brauchen große, feuchte Anlagen mit Klettermöglichkeiten und einem Wasserbecken zum Schwimmen. Der Kölner Zoo hielt sein Zuchtpaar in einem 4 Meter langen Terrarium. Wegen der vielen Wildfänge im Handel sollte man nur Nachzuchten mit Herkunftsnachweis in Betracht ziehen.
Ähnliche Tiere
- Waran - Überblick über die Familie der Warane
- Komodowaran - der größte Waran der Welt, ebenfalls aus Indonesien
- Gila-Krustenechse - eine andere schleichenartige Echse
- Kragenechse - kletternde Echse aus Australien und Neuguinea
- Echse - Überblick über die Echsen
Quellen
- Ziegler, T., Rütz, N., Oberreuter, J. & Holst, S. (2010): First F2 Breeding of the Quince Monitor Lizard Varanus melinus Böhme & Ziegler, 1997 at the Cologne Zoo Aquarium. Biawak 4 (3), 82-92
- Koch, A., Ziegler, T., Böhme, W., Arida, E. & Auliya, M. (2013): Pressing Problems: Distribution, Threats, and Conservation Status of the Monitor Lizards of Southeast Asia and the Indo-Australian Archipelago. Herpetological Conservation and Biology 8 (Monograph 3), 1-62
- Shea, G., Stubbs, A. & Arida, E. (2021): Varanus melinus. The IUCN Red List of Threatened Species 2021
- Quittenwaran (Varanus melinus), Hintergrundinformation April 2010 - WWF Deutschland und TRAFFIC
- Varanus melinus - The Reptile Database