Rabe
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Kurz erklärt
Wenn von „dem Raben“ die Rede ist, ist meist der Kolkrabe gemeint. Er ist ganz schwarz, bis zu 67 cm groß und der größte Singvogel der Welt. Kolkraben sind sehr klug, leben als Paar ein Leben lang zusammen und fressen fast alles, besonders gern Aas. Sie gehören zur Gattung der Raben und Krähen und sind in Europa, Asien, Nordafrika und Nordamerika zu Hause.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Corvus corax (Kolkrabe) |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | Körperlänge 54 bis 67 cm, Flügelspannweite 115 bis 130 cm |
| Körpergewicht | Etwa 0,7 bis 1,6 kg, meist um 1,2 bis 1,3 kg |
| Ernährung | Allesfresser: vor allem Aas, außerdem kleine Säugetiere, Vögel, Eier, Insekten, Würmer, Schnecken, Getreide, Früchte und Beeren |
| Lebenserwartung | In freier Natur bis etwa 20 Jahre; die meisten sterben in den ersten Lebensjahren |
| Sozialverhalten | Brutpaare bleiben ein Leben lang zusammen und verteidigen ein Revier; junge Nichtbrüter leben in Schwärmen |
| Herkunft | Nordhalbkugel |
| Verbreitung | Europa, Nordafrika und Kanarische Inseln, Asien bis zum Pazifik und zum Himalaya, Grönland und Island, Nord- und Mittelamerika bis Nicaragua AfrikaAsienEuropaNordamerika |
| Entdeckung | Erstbeschreibung 1758 durch Carl von Linné |
| Gefährdung | LC Nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2025) |
| Sonstiges | Alle Werte gelten für den Kolkraben. Die Gattung Corvus umfasst mehr als 40 Arten von Raben und Krähen; die Rote Liste bewertet jede Art einzeln. |
Rabe oder Krähe? Was ist ein Rabe?
„Rabe“ ist im Deutschen kein ganz eindeutiger Name. Man kann damit zwei Dinge meinen:
- Die Gattung Corvus: Fachleute nennen sie „Raben und Krähen“. Dazu gehören mehr als 40 Arten, die auf allen Kontinenten außer Südamerika und der Antarktis vorkommen. Die großen Arten heißen meist Raben, die kleineren Krähen. Das ist aber nur eine Gewohnheit der Sprache und keine wissenschaftliche Einteilung.
- Den Kolkraben (Corvus corax): Wer in Mitteleuropa von „dem Raben“ spricht, meint fast immer ihn. Er ist der einzige Rabe, der bei uns lebt.
Diese Seite stellt vor allem den Kolkraben vor. Er ist auch auf dem Foto oben zu sehen. Alle Werte im Steckbrief gelten für ihn. Im Abschnitt über die Verwandten geht es um die anderen Raben und Krähen.
Rabenvögel sind mehr als Raben: Die Gattung der Raben und Krähen gehört zur Familie der Rabenvögel. Zu dieser Familie zählen auch bunte Vögel wie die Elster und der Eichelhäher. Rabenvögel sind Singvögel, auch wenn ihr Krächzen nicht nach Gesang klingt.
Aussehen und Körperbau
Der Kolkrabe ist der größte Singvogel der Welt und auch der größte Rabenvogel.
Größe: Ein Kolkrabe ist 54 bis 67 cm lang und damit fast so groß wie ein Mäusebussard. Mit ausgebreiteten Flügeln misst er 115 bis 130 cm. Er wiegt etwa 0,7 bis 1,6 kg, im Mittel um 1,2 bis 1,3 kg.
Gefieder: Das Gefieder ist vollständig schwarz. Im Licht schimmert es metallisch grün, blau und violett. Auch Schnabel und Beine sind schwarz. Männchen und Weibchen sehen gleich aus, die Weibchen sind höchstens etwas kleiner. Erwachsene haben schwarzbraune Augen, junge Kolkraben blaugraue.
Typische Merkmale: An drei Dingen erkennt man einen Kolkraben:
- Der Schnabel ist sehr groß und klobig.
- An der Kehle stehen zottige Federn ab, besonders wenn er ruft.
- Im Flug ist der Schwanz keilförmig zugespitzt.
Stimme: Kolkraben rufen tief und weit hörbar, zum Beispiel „krroap“ oder „korrp“. Zur Warnung rufen sie schnell und hart „krack-krack-krack“, bei der Balz klingt es manchmal hohl wie „klong“.
Verbreitung und Lebensraum
Der Kolkrabe ist einer der am weitesten verbreiteten Vögel der Welt. Er lebt in ganz Europa von Island und Nordskandinavien bis zum Mittelmeer, in Nordwestafrika und auf den Kanarischen Inseln, im Nahen Osten und in Asien bis zum Himalaya und zum Pazifik. Auch in Grönland, in Nordamerika und in Mittelamerika bis Nicaragua kommt er vor.
Lebensraum: Kolkraben mögen offene und halboffene Landschaften. Man findet sie in Tundren, an Steilküsten, im Gebirge, in Wüsten, Steppen und lichten Wäldern. In Mitteleuropa leben sie am liebsten dort, wo Wald an offenes Land grenzt. Im Wald bauen sie ihr Nest, auf den Wiesen und Feldern suchen sie Futter. Nur Regenwälder meiden sie. In letzter Zeit trifft man sie auch immer öfter in der Nähe von Städten an.
Standvogel: Kolkraben ziehen im Winter nicht weg. Ein Paar bleibt das ganze Jahr in seinem Revier. Das Gebiet, das ein Paar zum Brüten und zur Futtersuche nutzt, kann sehr groß sein: bis zu 5.000 Hektar, also 50 Quadratkilometer.
In Deutschland: Durch Verfolgung war der Kolkrabe in weiten Teilen Mitteleuropas im 19. Jahrhundert ausgerottet. In Deutschland überlebten nur Reste in den Alpen und in Schleswig-Holstein. Seit er geschützt ist, erholt er sich. Heute brüten nach Angaben des NABU wieder 21.000 bis 30.000 Paare in Deutschland.
Ernährung
Kolkraben sind Allesfresser, fressen aber besonders gern Fleisch. In unberührten Landschaften leben sie vor allem von Aas, also toten Tieren. Deshalb nennt man sie auch „Geier des Nordens“. Sie fressen dabei auch die Fliegenmaden und Käfer, die im Aas leben.
Lebende Beute: Kolkraben fangen Mäuse und andere Kleinsäuger bis zur Größe eines jungen Hasen, außerdem Jungvögel, Eier, Frösche, Eidechsen, Insekten, Regenwürmer und Schnecken.
Pflanzliche Kost: Dazu kommen Getreide, Mais, Eicheln, Früchte, Beeren und Knospen.
Vorräte anlegen: Kolkraben verstecken Futter, um es später zu fressen. Sie horten Nüsse, Knochen, Eier und Fleisch. Schon junge Kolkraben üben das, kurz nachdem sie das Nest verlassen haben. Dabei verstecken sie anfangs auch Dinge, die man gar nicht essen kann.
Verhalten und Intelligenz
Kolkraben gelten als besonders intelligente Vögel. Sie lernen, indem sie andere beobachten, und finden oft neue Lösungen für Probleme, die ihnen zum ersten Mal begegnen. Um an Futter zu kommen, setzen sie manchmal sogar Werkzeuge ein.
Eine eigene Sprache: Kolkraben verständigen sich mit sehr vielen verschiedenen Lauten. Je nach Untersuchung wurden 15 bis 33 Arten von Rufen beschrieben, der NABU nennt bis zu 79 verschiedene Rufe. Junge Kolkraben „spielen“ manchmal minutenlang mit ihrer Stimme und probieren alle möglichen Töne aus. Außerdem gibt es Hinweise, dass sie sich mit Gesten verständigen, bei denen sie ihren Schnabel einsetzen.
Stimmen nachmachen: Zahme Kolkraben können Stimmen und Geräusche nachahmen.
Flugkünstler: Kolkraben segeln oft und zeigen erstaunliche Flugspiele. Während der Balz im Januar und Februar sieht man Paare, die sich gemeinsam in der Luft überschlagen und durch die Luft purzeln.
Paare und Schwärme: Erwachsene Kolkraben leben als Paar in ihrem Revier und vertreiben fremde Artgenossen. Junge Kolkraben, die noch nicht brüten, ziehen dagegen in lockeren Schwärmen von bis zu mehreren hundert Tieren umher, zum Beispiel zu Mülldeponien. In diesen Schwärmen bleiben sie oft einige Jahre. Wird irgendwo ein Revier frei, rückt ein neues Paar aus dem Schwarm nach.
Fortpflanzung und Nachwuchs
Kolkraben bleiben ihrem Partner ein Leben lang treu. Sie brüten sehr früh im Jahr.
- Nest: Das große Nest aus Zweigen steht auf Felsvorsprüngen oder hoch oben in Bäumen wie Buchen. Oft nutzt ein Paar sein Nest mehrere Jahre lang und bessert es jedes Jahr aus.
- Eier: Die Eiablage beginnt schon im späten Winter, in Großbritannien im Mittel Anfang März. Ein Gelege hat meist 4 bis 6 Eier, manchmal nur 2 oder bis zu 7.
- Brüten: Vor allem das Weibchen brütet die Eier etwa 3 Wochen lang aus, meist 20 bis 22 Tage.
- Nestlinge: Beide Eltern füttern die Jungen. Diese bleiben etwa 40 Tage im Nest, also fast sechs Wochen.
- Selbstständig: Nach dem Ausfliegen bleiben manche Jungvögel noch eine Weile bei den Eltern. Geschlechtsreif werden Kolkraben erst mit etwa drei Jahren.
Ein Paar zieht nur eine Brut im Jahr groß.
Lebenserwartung: In freier Natur können Kolkraben bis zu 20 Jahre alt werden. Der älteste beringte Kolkrabe in Großbritannien wurde fast 18 Jahre alt. Die meisten Kolkraben sterben aber schon in den ersten Lebensjahren.
Feinde und Gefährdung
Natürliche Feinde: Erwachsene Kolkraben haben kaum Feinde. Nester und Jungvögel werden manchmal von Adlern und anderen Greifvögeln, Eulen, Mardern oder anderen Kolkraben geplündert. Die Eltern verteidigen ihre Jungen aber meist erfolgreich.
Verfolgung durch Menschen: Früher wurde der Kolkrabe stark gejagt. Man stellte ihm mit Fallen und Gift nach, weil man glaubte, er töte Lämmer und schade der Ernte. So verschwand er aus großen Teilen Mitteleuropas. Heute ist er in Deutschland streng geschützt und darf das ganze Jahr nicht gejagt werden. Gefährlich sind ihm aber weiterhin illegale Vergiftungen.
Gefährdung: Auf der Roten Liste der IUCN gilt der Kolkrabe als nicht gefährdet (IUCN, 2025). Auch in Deutschland ist er nicht gefährdet, sein Bestand hat deutlich zugenommen.
Die Verwandten: Raben und Krähen in Europa
In Europa leben neben dem Kolkraben noch diese Arten der Raben und Krähen:
- Rabenkrähe: ganz schwarz wie der Kolkrabe, aber deutlich kleiner. Sie wird oft mit ihm verwechselt.
- Nebelkrähe: so groß wie die Rabenkrähe, aber mit grauem Hinterhals, Rücken, Brust und Bauch. Kopf, Flügel und Schwanz sind schwarz.
- Saatkrähe: eine weitere schwarze Krähe, mehr dazu auf ihrer eigenen Seite.
- Dohle: deutlich kleiner als Raben- und Nebelkrähe, mit grauem Hinterkopf und hellen Augen.
Häufige Fragen zum Raben
Was ist der Unterschied zwischen Rabe und Krähe?
Beide gehören zur selben Gattung. Im Deutschen heißen die großen Arten Raben und die kleineren Krähen. Der Kolkrabe ist viel größer als die Rabenkrähe, hat einen klobigeren Schnabel, zottige Kehlfedern und einen keilförmigen Schwanz. Außerdem ruft er tiefer.
Wie groß wird ein Rabe?
Ein Kolkrabe wird 54 bis 67 cm lang und hat eine Flügelspannweite von 115 bis 130 cm. Er wiegt meist um 1,2 bis 1,3 kg. Damit ist er der größte Singvogel der Welt.
Was fressen Raben?
Kolkraben sind Allesfresser. Am liebsten fressen sie Aas, außerdem Mäuse, Jungvögel, Eier, Insekten, Würmer und Schnecken. Dazu kommen Getreide, Früchte und Beeren. Überschüssiges Futter verstecken sie als Vorrat.
Wie alt wird ein Rabe?
In freier Natur können Kolkraben bis zu 20 Jahre alt werden. Viele sterben aber schon in den ersten Lebensjahren. In Menschenobhut werden sie deutlich älter, Raben im Londoner Tower erreichen 44 Jahre oder mehr.
Sind Raben wirklich so schlau?
Ja. Kolkraben lernen durch Beobachten, finden Lösungen für neue Aufgaben, setzen Werkzeuge ein und verständigen sich mit vielen verschiedenen Rufen und sogar mit Gesten. Sie gelten als besonders intelligente Vögel.
Können Raben sprechen?
Zahme Kolkraben können Stimmen und Geräusche nachahmen. Ob wilde Kolkraben die Laute anderer Tiere nachmachen, ist dagegen nicht eindeutig belegt. Untereinander verständigen sie sich mit einer großen Zahl eigener Rufe.
Ähnliche Tiere
- Saatkrähe - kleinere Verwandte, die in Kolonien brütet
- Dohle - ein kleiner Rabenvogel mit grauem Hinterkopf und hellen Augen
- Elster - ein schwarz-weißer Rabenvogel
- Eichelhäher - ein bunter Rabenvogel, der ebenfalls Vorräte anlegt
- Jagdelster - ein Rabenvogel aus Asien
Quellen
- Vogelporträt: Kolkrabe - NABU
- Kolkrabe (Corvus corax) - Deutscher Jagdverband
- Raven - BirdFacts, British Trust for Ornithology
- Corvus corax (common raven) - Animal Diversity Web, University of Michigan
- BirdLife International (2025): Corvus corax. The IUCN Red List of Threatened Species
- 10 Fun Facts About the American Crow - National Audubon Society
Größenvergleich
Wie groß ist der Rabe wirklich? Mit 54 bis 67 cm überragt er einen Fußball (22 cm) deutlich, kommt aber noch nicht an ein Kind (1,2 m) heran. Anschaulich gesprochen: Man müsste etwa 3 Fußbälle übereinander stapeln, um so groß wie ein Rabe zu werden. Selbst eine 1-Euro-Münze (2,3 cm) wirkt daneben noch winzig.
Gewichtsvergleich
Ein Rabe bringt 690 g bis 1,63 kg auf die Waage. Das ist schwerer als ein Fußball (430 g), aber leichter als eine Hauskatze (4 kg). Anders ausgedrückt: Der Rabe wiegt so viel wie etwa 3 Fußbälle.