Rauchschwalbe
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Kurz erklärt
Die Rauchschwalbe ist ein kleiner Singvogel mit glänzend blauschwarzem Rücken, rotbrauner Kehle und langen Schwanzspießen. Sie baut ihr offenes Nest aus Lehm in Ställen und Scheunen und fängt fliegende Insekten in der Luft. Im Herbst fliegt sie bis nach Afrika südlich der Sahara und kommt im Frühling zurück. In Deutschland ist sie seltener geworden und steht auf der Vorwarnliste.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Hirundo rustica |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | 17 bis 19 cm lang, davon ein großer Teil Schwanz mit langen Spießen; Flügelspannweite etwa 32 bis 34 cm |
| Körpergewicht | 17 bis 20 g |
| Ernährung | Insektenfresser: fliegende Insekten wie Mücken und Fliegen, auch Libellen, Schmetterlinge und Spinnen; Beute wird im Flug gefangen |
| Lebenserwartung | Im Durchschnitt etwa 4 Jahre; Vögel mit 8 Jahren sind nachgewiesen, aber eine Ausnahme |
| Sozialverhalten | Gesellig; Paare brüten einzeln oder zu mehreren nebeneinander, vor dem Zug sammeln sich große Schwärme |
| Herkunft | Nordhalbkugel: Europa, Asien, Nordafrika und Nordamerika |
| Verbreitung | Brütet in Europa, weiten Teilen Asiens, Nordafrika und Nordamerika; überwintert in Afrika südlich der Sahara, in Süd- und Südostasien und in Südamerika AfrikaAsienEuropaNordamerikaSüdamerika |
| Entdeckung | Erstbeschreibung 1758 durch Carl von Linné |
| Gefährdung | LC Nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2019) |
| Sonstiges | Vogel des Jahres 1979 in Deutschland. In der Roten Liste der Brutvögel Deutschlands steht die Rauchschwalbe auf der Vorwarnliste. |
Was ist eine Rauchschwalbe?
Die Rauchschwalbe (Hirundo rustica) ist ein Singvogel aus der Familie der Schwalben. In Deutschland ist sie die bekannteste Schwalbenart. Sie lebt eng mit dem Menschen zusammen, denn sie baut ihr Nest fast immer in Gebäuden, am liebsten in Kuhställen und Scheunen. Deshalb heißt sie im Volksmund auch Bauernschwalbe, Küchenschwalbe oder Schornsteinschwalbe. Den Namen Rauchschwalbe kennt man seit dem Jahr 1517.
Woher der Name kommt, erklärt der Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern (LBV) so: Früher hatten viele Häuser Löcher im Giebel, durch die der Rauch vom Herdfeuer abzog. Durch genau diese Öffnungen flogen die Schwalben ein und aus. Ursprünglich brütete die Rauchschwalbe an steilen Felswänden, bevor sie in die Gebäude des Menschen umzog.
Aussehen und Körperbau
Größe und Gewicht: Die Rauchschwalbe ist 17 bis 19 cm lang. Ein großer Teil davon entfällt auf den Schwanz. Die Flügelspannweite liegt bei etwa 32 bis 34 cm, das Gewicht bei nur 17 bis 20 Gramm.
Gefieder: Oberseite und Flügel sind blauschwarz und glänzen metallisch. Stirn und Kehle sind kräftig rotbraun, darunter liegt ein dunkles Brustband. Der Bauch ist weiß bis gelblich-beige. Junge Rauchschwalben haben noch ein blasseres, eher rötlich-beiges Gesicht.
Schwanz: Das wichtigste Erkennungsmerkmal ist der tief gegabelte Schwanz mit zwei langen, dünnen Spießen. Deshalb nennt man sie mancherorts auch Spießschwalbe. Jede Schwanzfeder trägt einen kleinen weißen Fleck, der bei der Partnerwahl eine Rolle spielt.
Männchen und Weibchen: Beide sehen sich sehr ähnlich. Die Weibchen sind meist etwas blasser gefärbt und haben kürzere Schwanzspieße. Für die Partnerwahl sind die Spieße wichtig: Weibchen bevorzugen Männchen mit langen und gleichmäßig geformten Schwanzfedern. Solche Männchen gelten in Studien als gesünder und widerstandsfähiger.
Rauchschwalbe oder Mehlschwalbe?
In Deutschland lebt noch eine zweite häufige Schwalbe an Gebäuden, die Mehlschwalbe. So unterscheidest du die beiden:
| Merkmal | Rauchschwalbe | Mehlschwalbe |
|---|---|---|
| Größe | 17 bis 19 cm | 13 bis 15 cm, kompakter |
| Schwanz | tief gegabelt, lange Spieße | kurz, breit gegabelt, keine Spieße |
| Kehle | rotbraun | weiß |
| Bürzel (Rücken über dem Schwanz) | blauschwarz wie der Rücken | leuchtend weiß |
| Nest | offene Schale, meist innen in Ställen und Scheunen | fast geschlossene Halbkugel mit kleinem Einflugloch, außen unter Dachvorsprüngen |
| Jagdhöhe | eher tief, unterhalb der Mehlschwalben | oft hoch in der Luft |
Die Rauchschwalbe kommt im Frühjahr vor der Mehlschwalbe aus Afrika zurück und zieht im Herbst erst nach ihr wieder ab. Mauersegler werden oft mit Schwalben verwechselt, sind aber keine Schwalben.
Verbreitung und Lebensraum
Die Rauchschwalbe kommt auf allen Kontinenten außer Australien und der Antarktis vor. Sie brütet in fast ganz Europa, in großen Teilen Asiens bis nach Japan und Südchina, in Nordafrika und im Nahen Osten sowie in Nordamerika.
Lebensraum: Die Rauchschwalbe ist ein Kulturfolger und lebt vor allem auf dem Land. Sie braucht drei Dinge:
- Gebäude mit Einflug, zum Beispiel offene Scheunen, Viehställe, Garagen oder Durchgänge. Oft reicht ein gekipptes Fenster.
- Offene Landschaft mit Wiesen, Weiden und Feldern, über denen sie Insekten jagt.
- Wasser und Lehm: Kleine Gewässer liefern Insekten, Pfützen den feuchten Lehm für das Nest.
In Innenstädten fehlt sie deshalb. In Mitteleuropa brütet sie meist nur bis 800 oder 1.000 Meter Höhe, in den Alpen ausnahmsweise bis etwa 1.700 Meter.
Ernährung
Die Rauchschwalbe frisst fast nur fliegende Insekten, vor allem Fliegen und Mücken. Dazu kommen Spinnen und größere Insekten wie Libellen und Schmetterlinge. Ihre Beute fängt sie fast immer im Flug.
Tiefflug vor Regen: Rauchschwalben jagen gern dicht über dem Boden oder über Teichen. Bei schlechtem Wetter fliegen die Insekten tiefer, und die Schwalben folgen ihnen. Deshalb gilt „Die Schwalben fliegen tief“ als Zeichen für baldigen Regen. Bei schlechtem Wetter fangen sie auch Stallfliegen im Inneren der Gebäude.
Ein großer Appetit: Für die Jungen sammeln die Eltern Insekten im Kehlsack und formen daraus einen kleinen Futterballen. Nach einer groben Schätzung des LBV verfüttert ein Rauchschwalbenpaar für eine Brut mit vier bis sechs Jungen rund 12.000 Insekten.
Verhalten und Lebensweise
Flugkünstler: Die Rauchschwalbe fliegt schnell und wendig. Nach Angaben des NABU erreicht sie bei der Jagd bis zu 80 km/h und kann blitzschnell die Richtung wechseln. Sie trinkt sogar im Flug, indem sie knapp über die Wasseroberfläche gleitet.
Gesang: Der Gesang ist ein lautes, schnelles Zwitschern, das oft mit einem Triller oder trockenen Schnurren endet. Im Flug hört man häufig ein munteres „witt witt“.
Treue zum Brutplatz: Rauchschwalben sind sehr ortstreu. Viele kehren jedes Jahr auf denselben Hof und meist an den Brutplatz des Vorjahres zurück.
Gesellig: Rauchschwalben brüten einzeln oder mit mehreren Paaren nebeneinander. Im Spätsommer sammeln sie sich zu großen Schwärmen, die oft aufgereiht auf Stromleitungen sitzen und in Schilfgebieten übernachten.
Zug nach Afrika
Die Rauchschwalbe ist ein Langstreckenzieher. Sie verbringt nur etwa die Hälfte des Jahres bei uns.
- Ankunft: Die Männchen kommen etwa Ende März zurück, die Weibchen einige Tage später. Zu sehen sind Rauchschwalben in Deutschland von April bis Oktober.
- Abflug: Im September sammeln sich die Schwärme. Dann fliegen die europäischen Rauchschwalben in ihr Winterquartier in Afrika südlich der Sahara.
- Strecke: Nach Angaben des LBV legen manche Vögel mehr als 12.000 km zurück und schaffen bis zu 300 km am Tag.
Rauchschwalben aus Asien überwintern in Süd- und Südostasien, die nordamerikanischen Vögel in Südamerika. Früher glaubten die Menschen übrigens, Schwalben würden im Winter am Grund von Seen schlafen. Der Grund: Vor dem Abflug übernachten die Schwärme gern im Schilf am Wasser und sind dann plötzlich verschwunden.
Fortpflanzung und Nachwuchs
Partnerschaft: Rauchschwalben leben in einer Saisonehe. Erfolgreiche Paare finden sich oft mehrere Jahre hintereinander wieder zusammen. Trotzdem kommt es häufig vor, dass sich Weibchen auch mit fremden Männchen paaren.
Nestbau: Beide Partner bauen gemeinsam. Sie sammeln feuchte Erde und Lehmklümpchen, vermischen sie mit Speichel und verstärken sie mit Halmen oder Haaren. Das Nest ist eine nach oben offene Schale und klebt meist dicht unter der Decke an einer Wand oder auf einem Balken. Innen ist es mit feinen Federn gepolstert. Ein neues Nest kann bis zu zwei Wochen Arbeit kosten.
Eier und Brut: Von Mitte April bis Juni legt das Weibchen meist 4 bis 5 Eier, insgesamt kommen 3 bis 6 Eier vor. Sie sind weiß mit rost- bis hellbraunen Flecken. Nach etwa zwei Wochen Brutzeit schlüpfen die Jungen.
Die Jungen: Die Küken sind beim Schlüpfen nackt und hilflos. Beide Eltern füttern sie. Nach etwa 20 bis 24 Tagen fliegen die Jungen aus. In den ersten Tagen kehren sie zum Schlafen noch ins Nest zurück und werden weiter gefüttert.
Zweite Brut: Ab Juli beginnen viele Paare mit einer zweiten Brut. In Mitteleuropa brüten nach Angaben des NABU 60 bis 90 Prozent der Rauchschwalben zweimal im Jahr. Junge Rauchschwalben können schon im nächsten Sommer selbst brüten.
Gefährdung und Schutz
Weltweit: Auf der Roten Liste der IUCN gilt die Rauchschwalbe als nicht gefährdet (Least Concern, BirdLife International 2019). Sie ist weit verbreitet und sehr häufig.
In Deutschland: Hierzulande gehen die Zahlen seit den 1970er-Jahren merklich zurück. Der NABU schätzt den Bestand heute auf 530.000 bis 1.000.000 Brutpaare. In der aktuellen Roten Liste der Brutvögel Deutschlands von 2021 wurde die Rauchschwalbe von „gefährdet“ auf die Vorwarnliste herabgestuft. Den jüngsten Bestandstrend gibt der NABU mit minus 7 Prozent an und wertet ihn als stabil. Der Mehlschwalbe geht es schlechter: Sie gilt als gefährdet, ihren Bestandstrend gibt der NABU mit minus 47 Prozent an.
Gründe für den Rückgang:
- Weniger Nistplätze: Kleine Bauernhöfe geben auf, und viele Ställe sind für Schwalben verschlossen. Moderne Offenställe sind zugig, und Zugluft mögen Rauchschwalben nicht.
- Weniger Insekten: Intensive Landwirtschaft mit Pestiziden und viel Dünger lässt die Zahl der Insekten schrumpfen.
- Kein Baumaterial: Asphaltierte Feldwege und versiegelte Flächen bedeuten weniger Lehmpfützen für den Nestbau.
- Zerstörte Nester: Immer wieder werden Nester illegal zerstört.
- Gefahren auf dem Zug: In manchen Winterquartieren in Afrika werden Schwalben gejagt.
So kannst du helfen: Wer einen Stall, eine Scheune oder Garage hat, kann ein Fenster offen lassen und Kunstnester anbringen. Rauchschwalben mögen es halbdunkel, windgeschützt und mindestens zwei Meter über dem Boden. Ein Kotbrett unter dem Nest fängt den Schmutz auf. Eine Lehmpfütze im Frühjahr hilft beim Nestbau. Der NABU zeichnet Häuser mit Schwalbennestern mit der Plakette „Schwalbenfreundliches Haus“ aus.
Häufige Fragen zur Rauchschwalbe
Wie erkennt man eine Rauchschwalbe?
Am tief gegabelten Schwanz mit den zwei langen Spießen, der rotbraunen Kehle und Stirn und dem glänzend blauschwarzen Rücken. Die Mehlschwalbe ist kleiner, hat einen kurzen Schwanz, eine weiße Kehle und einen leuchtend weißen Bürzel.
Wohin fliegt die Rauchschwalbe im Winter?
Die Rauchschwalben aus Europa überwintern in Afrika südlich der Sahara. Auf dem Weg dorthin legen manche Vögel über 12.000 km zurück. Ende März und im April kommen sie zurück.
Was frisst eine Rauchschwalbe?
Fast nur fliegende Insekten wie Mücken und Fliegen, dazu Spinnen, Libellen und Schmetterlinge. Sie fängt ihre Beute im Flug, oft dicht über Wiesen und Wasserflächen.
Wie viele Eier legt eine Rauchschwalbe?
Meist 4 bis 5, manchmal 3 bis 6 Eier pro Brut. Nach etwa zwei Wochen schlüpfen die Jungen, nach 20 bis 24 Tagen fliegen sie aus. Viele Paare brüten zweimal im Jahr.
Ist die Rauchschwalbe gefährdet?
Weltweit nicht, sie ist sehr häufig. In Deutschland steht sie aber auf der Vorwarnliste der Roten Liste, weil ihr Bestand seit den 1970er-Jahren abnimmt. Hauptgründe sind fehlende Nistplätze in Ställen und der Rückgang der Insekten.
Wie alt wird eine Rauchschwalbe?
Im Durchschnitt nur etwa vier Jahre. Einzelne Rauchschwalben erreichen ein Alter von acht Jahren, das ist aber eine Ausnahme.
Ähnliche Tiere
- Bienenfresser - ein bunter Zugvogel, der ebenfalls Insekten im Flug fängt
- Bachstelze - ein häufiger Singvogel auf Höfen und an Gewässern
- Lerche - ein Singvogel der offenen Feldlandschaft
- Spatz - der Haussperling lebt wie die Rauchschwalbe eng mit dem Menschen zusammen
- Storch - ein Langstreckenzieher, der ebenfalls in Afrika überwintert
Quellen
- Rauchschwalbe - NABU Vogelporträt
- Rauchschwalbe - Vogel des Jahres 1979, NABU
- Mehlschwalbe - NABU Vogelporträt
- Rauchschwalbe - LBV Artenporträt
- Hirundo rustica (Barn swallow) - Animal Diversity Web, University of Michigan
- BirdLife International (2019): Hirundo rustica. The IUCN Red List of Threatened Species
Größenvergleich
Mit 17 bis 19 cm gehört die Rauchschwalbe zu den kleineren Tieren in unserem Lexikon. Eine 1-Euro-Münze (2,3 cm) ist dagegen deutlich kleiner, während ein Fußball mit 22 cm noch etwas an Größe drauflegt. Stell dir vor: Die Rauchschwalbe ist ungefähr 8-mal so lang wie eine 1-Euro-Münze!
Gewichtsvergleich
Würde man die Rauchschwalbe auf eine Waage stellen, zeigte sie 17 bis 20 g an. Eine 1-Euro-Münze (7,5 g) wäre da deutlich leichter. Eine Tafel Schokolade hingegen bringt 100 g auf die Waage - um ein Vielfaches mehr als die Rauchschwalbe.