Reiher
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Kurz erklärt
Reiher sind Vögel mit langen Beinen, langem Hals und spitzem Schnabel, die am Wasser auf Fische und Frösche lauern. Weltweit gibt es 68 Arten. In Deutschland sieht man am häufigsten den grauen Graureiher, im Winter auch den schneeweißen Silberreiher. Gut versteckt im Schilf lebt die Rohrdommel. Im Flug ziehen Reiher den Hals ein, daran erkennt man sie gut.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Ardeidae |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | Je nach Art sehr verschieden: Rohrdommel 69 bis 81 cm, Graureiher 84 bis 102 cm, Silberreiher 85 bis 100 cm; der größte Reiher, der Goliathreiher, wird etwa 1,5 m lang |
| Körpergewicht | Graureiher etwa 1,5 kg, Goliathreiher etwa 4,5 kg |
| Ernährung | Fleischfresser: vor allem Fische und Amphibien, außerdem Wasserinsekten, Mäuse und andere Kleintiere |
| Lebenserwartung | Graureiher, die das Brutalter erreichen, leben im Durchschnitt etwa 5 Jahre; ein beringter Graureiher in Großbritannien wurde mindestens 23 Jahre und 9 Monate alt (BTO) |
| Sozialverhalten | Graureiher und Silberreiher brüten in Kolonien, die Rohrdommel lebt versteckt im Schilf |
| Herkunft | Europa, Asien, Afrika, Amerika und Australien |
| Verbreitung | Gewässer, Feuchtgebiete und Wiesen in Europa, Asien, Afrika, Amerika und Australien; in Deutschland vor allem Graureiher, Silberreiher und Rohrdommel AfrikaAsienEuropaNordamerikaSüdamerikaAustralien |
| Sonstiges | Die Rote Liste der IUCN bewertet jede Art einzeln: Graureiher (LC, 2019), Silberreiher (LC, 2025), Rohrdommel (LC, 2025) und Goliathreiher (LC, 2025) gelten weltweit als nicht gefährdet. In Deutschland ist die Rohrdommel gefährdet. |
Was sind Reiher?
Reiher sind mittelgroße bis große Vögel mit langen Beinen, einem langen, beweglichen Hals und einem spitzen, dolchartigen Schnabel. Sie bilden die Vogelfamilie Ardeidae. Dazu gehören die eigentlichen Reiher, die Silberreiher und andere weiße Reiher sowie die Dommeln, die im Schilf leben.
Die Weltvogelliste AviList von 2025 zählt 68 lebende Reiherarten in 18 Gattungen. Sechs weitere Arten sind ausgestorben, die meisten davon waren Nachtreiher auf Inseln wie Mauritius, Réunion und Bermuda.
Auf dieser Seite geht es vor allem um die drei Reiher, die man in Deutschland am ehesten zu sehen bekommt:
| Art | Größe | Aussehen | Häufigkeit in Deutschland |
|---|---|---|---|
| Graureiher (Ardea cinerea) | 84 bis 102 cm | grau, Unterseite weißlich, schwarze Federn am Kopf | häufig, 22.000 bis 24.000 Brutpaare |
| Silberreiher (Ardea alba) | 85 bis 100 cm | ganz weiß | Wintergast und Durchzügler, seltener Brutvogel (12 bis 34 Brutpaare) |
| Rohrdommel (Botaurus stellaris) | 69 bis 81 cm | gelbbraun mit dunklem Muster | selten, 800 bis 850 Brutpaare |
Aussehen und Körperbau
Größe: Reiher sind sehr unterschiedlich groß. Der Goliathreiher aus Afrika ist der größte lebende Reiher. Er wird etwa 1,5 Meter lang, wiegt rund 4,5 Kilogramm und hat eine Flügelspannweite von etwa 2 Metern. Die heimischen Arten sind kleiner: Der Graureiher misst 84 bis 102 Zentimeter und wiegt etwa 1,5 Kilogramm, die Rohrdommel 69 bis 81 Zentimeter.
Graureiher: Seine Oberseite ist überwiegend blaugrau, Unterseite und Kopfseiten sind weißlich. Die Schwungfedern sind schwarz. Am Kopf trägt er leicht verlängerte schwarze Scheitelfedern. Sein Hals ist teilweise rosa angehaucht und schwarz gestrichelt.
Silberreiher: Sein Gefieder ist ganz weiß. Er wirkt schlank und elegant und hat lange Beine. In der Paarungszeit trägt er lange, strahlige Schmuckfedern auf den Schultern, und sein Schnabel ist dann fast ganz schwarz. Den Rest des Jahres ist der Schnabel gelb. Verwechseln kann man ihn mit dem Seidenreiher. Der ist aber deutlich kleiner und hat lange Schmuckfedern im Nacken.
Rohrdommel: Sie ist gedrungen gebaut und hat ein gelbbraunes Gefieder mit schwarzbraunem Muster. Scheitel und Hinterkopf sind schwarz. Im Schilf ist sie damit fast unsichtbar.
Im Flug erkennt man Reiher an der typischen Haltung: Sie ziehen den Kopf ein und legen den Hals zurück, während die Beine nach hinten gestreckt sind. Kraniche und Störche fliegen dagegen mit lang ausgestrecktem Hals.
Verbreitung und Lebensraum
Reiher leben in Europa, Asien, Afrika, Amerika und Australien. Wie weit eine Art verbreitet ist, unterscheidet sich stark: Der Silberreiher kommt allein auf fünf Kontinenten vor, von Mitteleuropa bis Zentralasien, in Afrika südlich der Sahara, von Kanada bis Feuerland, in Süd- und Ostasien und in Australien. Der Graureiher lebt in Europa, Asien und Afrika. Der Goliathreiher kommt nur in Afrika sowie stellenweise im Irak und im Iran vor.
In Deutschland ist der Graureiher die häufigste Reiherart. Er lebt an Ufern von Flüssen, Seen und Teichen, an Küstenlagunen und auf Wiesen und Äckern. Mittlerweile brütet er sogar in Städten, zum Beispiel in Zoos.
Der Silberreiher ist vor allem im Norden Deutschlands ein regelmäßiger Wintergast und Durchzügler. Die Vögel, die durch Deutschland ziehen oder hier überwintern, stammen vor allem aus Ländern im Osten und Südosten. Seit einigen Jahren breitet sich die Art als Brutvogel aus.
Die Rohrdommel braucht große, ungestörte Schilf- und Röhrichtflächen am Wasser. In Westdeutschland ist sie weitgehend verschwunden. Die meisten Brutpaare leben im Nordosten Deutschlands.
Ernährung
Reiher sind Fleischfresser. Graureiher fressen vor allem Fische und Amphibien, außerdem Mäuse, Insekten und Regenwürmer. Auf dem Speiseplan des Silberreihers stehen Fische, Amphibien und Wasserinsekten, gelegentlich auch Wühlmäuse. Die Rohrdommel jagt vor allem Fische, Frösche und Wasserinsekten, seltener Reptilien und kleine Säugetiere.
Jagdtechnik: Reiher sind Lauerjäger. Der Graureiher wartet oft im flachen Wasser von Seen oder auf Wiesen geduldig auf Beute. Die Rohrdommel pirscht langsam durch das Schilf, lauert ihrer Beute auf und schlägt dann plötzlich und blitzschnell zu.
Verhalten und Lebensweise
Viele Reiher sind gesellig. Graureiher brüten in Kolonien in den Kronen alter Bäume. Solche Brutplätze nennt man Reiherkolonien. Silberreiher brüten in Kolonien in ausgedehnten Schilfflächen und gesellen sich außerhalb der Brutzeit oft zu Graureihern.
Die Rohrdommel lebt dagegen so versteckt, dass man sie selten zu Gesicht bekommt. Sie ist vor allem in der Dämmerung und nachts aktiv. Bei Gefahr nimmt sie die Pfahlstellung ein: Sie streckt Kopf und Hals kerzengerade nach oben und wiegt sich sogar mit dem Schilf im Wind. So verschmilzt sie mit ihrer Umgebung.
Rufe: Graureiher krächzen ein raues "kräch" oder "kaähk", in der Kolonie kreischen sie auch. Berühmt ist der Ruf der männlichen Rohrdommel in der Balzzeit: ein dumpfes "whuuump", das an ein Nebelhorn erinnert und bis zu fünf Kilometer weit zu hören ist. Man kann den Ruf nachmachen, indem man schräg über eine Flasche bläst.
Zugverhalten: Die meisten Graureiher bleiben das ganze Jahr in Deutschland, manche ziehen im Winter in wärmere Gegenden. Auch die Rohrdommel bleibt oft hier und weicht nur nach Süden aus, wenn die Gewässer zufrieren.
Fortpflanzung und Nachwuchs
Am besten erforscht ist die Brut des Graureihers. Das Nest liegt meist hoch oben in der Krone eines alten Baumes. In Großbritannien legt das Weibchen die ersten Eier im Durchschnitt um den 12. März, die frühesten schon im Februar. Ein Gelege enthält meist 3 bis 4 Eier, selten 2 oder bis zu 7. Männchen und Weibchen brüten abwechselnd, bis die Jungen nach 26 bis 27 Tagen schlüpfen. Die Jungen sind Nesthocker mit Daunenkleid. Nach 50 bis 55 Tagen sind sie flügge. Meist brüten Graureiher nur einmal im Jahr, sehr selten zweimal.
Junge Graureiher brüten meist erst mit zwei Jahren selbst. Nur etwa ein Viertel der Jungvögel wird überhaupt zwei Jahre alt. Ein Graureiher, der das Brutalter erreicht, lebt im Durchschnitt etwa fünf Jahre. Laut Beringungsdaten der britischen Vogelschutzorganisation BTO wurde ein Graureiher mindestens 23 Jahre und 9 Monate alt.
Die Rohrdommel baut ihr Nest aus Schilf über dem Wasserspiegel.
Feinde und Gefährdung
Weltweit gelten Graureiher, Silberreiher, Rohrdommel und Goliathreiher laut Roter Liste der IUCN als nicht gefährdet (Graureiher 2019, die anderen drei 2025).
Graureiher: Fischer verfolgten den Graureiher früher stark, weil er Fische fängt. Dadurch gingen seine Bestände deutlich zurück. Heute gilt er in Deutschland als nicht gefährdet, der Bestand hat nach Angaben des NABU um 39 Prozent zugenommen.
Silberreiher: Früher war er in Deutschland eine Ausnahmeerscheinung. Seit einigen Jahrzehnten wird er immer häufiger beobachtet und brütet inzwischen auch hier.
Rohrdommel: Sie ist in Deutschland gefährdet, und ihr Bestand nimmt ab, laut NABU um 14 Prozent. Hauptgrund ist der Verlust großer, ungestörter Röhrichte, zum Beispiel wenn Feuchtgebiete austrocknen.
Häufige Fragen zu Reihern
Wie groß wird ein Graureiher?
Ein Graureiher wird 84 bis 102 Zentimeter groß und wiegt etwa 1,5 Kilogramm. Der größte Reiher der Welt, der afrikanische Goliathreiher, wird sogar etwa 1,5 Meter lang.
Was frisst ein Reiher?
Vor allem Fische und Frösche. Graureiher fressen aber auch Mäuse, Insekten und Regenwürmer, die sie auf Wiesen und Äckern erbeuten. Rohrdommeln jagen im Schilf Fische, Frösche und Wasserinsekten.
Wie unterscheidet man einen Reiher von einem Storch oder Kranich?
Am besten im Flug: Reiher ziehen den Kopf ein und legen den Hals zurück. Störche und Kraniche fliegen mit lang ausgestrecktem Hals.
Ist ein Silberreiher dasselbe wie ein weißer Graureiher?
Nein, der Silberreiher ist eine eigene Art. Er ist etwa so groß wie ein Graureiher, aber ganz weiß. In der Brutzeit ist sein Schnabel fast schwarz, sonst gelb.
Warum sieht man die Rohrdommel so selten?
Die Rohrdommel lebt versteckt in dichtem Schilf, ist vor allem in der Dämmerung und nachts aktiv und durch ihr braunes Gefieder hervorragend getarnt. Außerdem ist sie in Deutschland selten geworden. Viel öfter hört man im Frühjahr ihren dumpfen Ruf.
Wie alt werden Reiher?
Ein Graureiher, der das Brutalter erreicht, lebt im Durchschnitt etwa fünf Jahre. Der älteste bekannte beringte Graureiher in Großbritannien wurde mindestens 23 Jahre und 9 Monate alt.
Ähnliche Tiere
- Storch - ebenfalls ein großer Schreitvogel, fliegt aber mit gestrecktem Hals
- Kranich - wird oft mit dem Graureiher verwechselt
- Ibis - ein Watvogel mit gebogenem Schnabel, gehört wie die Reiher zur Ordnung Pelecaniformes
- Pelikan - namensgebend für die Ordnung, zu der die Reiher gehören
- Flamingo - ein weiterer langbeiniger Vogel, der im flachen Wasser Nahrung sucht
- Eisvogel - fängt wie der Reiher Fische, aber im Sturzflug