Riesenfaultier

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Zeichnung eines Riesenfaultiers Megatherium mit massigem Körper, langen Krallen und dichtem Fell
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Kurz erklärt

Das Riesenfaultier Megatherium war so schwer wie ein Elefant: rund 6 m lang und 3,7 bis 4 Tonnen schwer. Es lebte in Südamerika und fraß Blätter, Zweige und Früchte. Zum Fressen stellte es sich auf die Hinterbeine. Vor etwa 12.000 Jahren starb es zusammen mit vielen anderen Riesentieren aus.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameMegatherium americanum
Abstammung
  • Klasse: Säugetiere
  • Überordnung: Nebengelenktiere (Xenarthra)
  • Ordnung: Zahnarme
  • Unterordnung: Faultiere (Folivora)
  • Familie: Megatheriidae
  • Gattung: Megatherium
  • Art: Megatherium americanum
Körpergröße6 m
Körpergewicht3,7 bis 4 t
ErnährungPflanzenfresser: Blätter, Zweige und Früchte
LebenserwartungUnbekannt
SozialverhaltenUnbekannt, vermutlich Einzelgänger
HerkunftSüdamerika
Verbreitung Pampa und angrenzende Gebiete im heutigen Argentinien, Uruguay, Paraguay, Süd-Bolivien und Süd-Brasilien Südamerika
EntdeckungSkelettfund 1787 bei Luján in Argentinien, 1796 von Georges Cuvier beschrieben
SonstigesAusgestorben. Megatherium americanum ist seit etwa 400.000 Jahren nachgewiesen; der jüngste sichere Nachweis ist ein Jagdplatz von vor rund 12.600 Jahren.

Was ist ein Riesenfaultier?

"Riesenfaultier" ist kein einzelner Tiername, sondern eine Sammelbezeichnung für mehrere ausgestorbene Gruppen von Bodenfaultieren. Die bekannteste und größte Gattung heißt Megatherium, wörtlich "Riesentier". Ihre bekannteste Art ist Megatherium americanum.

Anders als die heutigen Faultiere hingen diese Tiere nicht in Bäumen. Dafür waren sie viel zu schwer. Sie liefen auf dem Boden und gehören deshalb zu den Bodenfaultieren. Verwandt sind sie mit den Ameisenbären und Gürteltieren; alle zusammen bilden die Nebengelenktiere, eine Säugetiergruppe, die sich in Südamerika entwickelt hat. Untersuchungen an Erbgut aus Knochen von Megatherium americanum zeigen, dass die nächsten heute lebenden Verwandten die Dreifinger-Faultiere sind.

Größe und Körperbau

Megatherium americanum gehört zu den größten Bodenfaultieren, die je gelebt haben. Ein ausgewachsenes Tier maß von der Schnauze bis zur Schwanzspitze etwa 6 Meter. Volumenberechnungen anhand von Skeletten ergeben ein Gewicht von 3.700 bis 4.000 kg. Damit war es ungefähr so schwer wie ein Asiatischer Elefant und steht bei uns in der Liste der schwersten Tiere, die jemals gelebt haben.

Nicht alle Megatherium-Arten waren so groß. Die andenbewohnende Art Megatherium sundti brachte nach Schätzungen nur rund 1.250 kg auf die Waage, die ältere Art Megatherium altiplanicum aus dem Pliozän etwa 980 bis 1.465 kg.

Der Kopf war im Verhältnis zum Körper klein und grob zylindrisch geformt. Der Unterkiefer war sehr tief, weil er Platz für außergewöhnlich lange Zähne bieten musste.

Die Zähne hatten keinen Zahnschmelz und wuchsen das ganze Leben lang nach. In jeder Kieferhälfte saßen oben fünf und unten vier Zähne. Sie waren im Querschnitt fast quadratisch und hatten zwei scharfe Querleisten. Beim Kauen griffen die Leisten des Ober- und Unterkiefers wie Scheren ineinander und schärften sich dabei selbst nach, ähnlich wie die Nagezähne eines Bibers. Im vorderen Teil des Mauls saßen gar keine Zähne.

Die Schnauze war schmal. Eine Rekonstruktion der Nasenknorpel und der Gesichtsmuskeln von 2006 ergab, dass Megatherium statt Schneidezähnen eine kegelförmige, bewegliche Greiflippe besaß. Damit konnte es gezielt einzelne Pflanzen oder Pflanzenteile fassen. Eine lange Greifzunge hatte es dagegen nicht: Der Bau der Zungenbeinknochen spricht nach einer Untersuchung von 2010 gegen die alte Vorstellung von einer weit vorstreckbaren Zunge.

Die Krallen an den Vorderbeinen waren lang und kräftig. Der Aufbau der Armknochen zeigt, dass das Tier die Arme schnell und mit großer Kraft strecken konnte. Die Krallen taugten damit als Stichwaffe zur Verteidigung.

Das Fell ist umstritten. Traditionell wird Megatherium mit dichtem Pelz dargestellt. Weil sehr große Körper Wärme schlecht abgeben, haben einige Forscher vermutet, es sei wie ein Elefant weitgehend nackt gewesen. Thermodynamische Modelle sprechen wiederum für ein Fell von etwa 3 cm Dicke, denn das Klima in seinem Lebensraum war kühl.

Verbreitung und Lebensraum

Megatherium americanum lebte ausschließlich in Südamerika, und zwar östlich der Anden in tiefer gelegenen Gebieten: im nördlichen Patagonien, in der Pampa und in angrenzenden Regionen des heutigen Nordargentiniens, Uruguays, Paraguays, Südboliviens und des südbrasilianischen Bundesstaats Rio Grande do Sul.

Der Lebensraum war offen, gemäßigt und trocken bis halbtrocken. Während der letzten Kaltzeit war die Pampa deutlich trockener als heute, weite Flächen glichen einer Steppe aus Gräsern mit einzelnen Gehölzinseln.

Weitere Megatherium-Arten lebten in den Anden, unter anderem in Peru, Bolivien und Chile.

Ernährung

Alle Untersuchungen sprechen für einen reinen Pflanzenfresser. Zwar wurde gelegentlich vermutet, Megatherium habe auch Fleisch gefressen, doch Isotopenanalysen an Knochen und Zähnen stützen das nicht.

Nach der Form des Kauapparats war das Tier auf kräftiges, senkrechtes Zubeißen ausgelegt. Die scharfkantigen Zähne schnitten die Nahrung eher, als dass sie sie zermahlten. Daraus folgerte die Paläontologin Susana Bargo 2001, dass harte, stark faserige Nahrung nicht den Hauptteil der Kost ausmachte. Wahrscheinlich war Megatherium ein wählerischer Laubfresser, der gezielt Blätter, junge Zweige und Früchte von Bäumen und Sträuchern abbiss. Isotopendaten zeigen, dass einzelne Tiere zu bestimmten Zeiten auch Gras fraßen.

Um an höher hängendes Laub zu kommen, richtete sich das Tier auf die Hinterbeine auf. Verletzungsspuren an Schlüsselbeinen von M. americanum deuten darauf hin, dass es sich dabei mit den Vorderbeinen an Baumstämmen abstützte und Äste zu sich herunterzog. Gelaufen ist es aber normalerweise auf allen vieren.

Verhalten und Lebensweise

Über das Verhalten weiß man deutlich weniger als über Bau und Ernährung, weil Verhalten keine Fossilien hinterlässt.

Sicher ist, dass Megatherium nicht so träge war wie ein heutiges Baumfaultier. Der Bau des Innenohrs ähnelt eher dem von Gürteltieren als dem von Faultieren, und auch die Nährkanäle im Oberschenkelknochen entsprechen denen großer heutiger Säugetiere wie Elefanten. Beides spricht für einen Kreislauf, der kräftige Bewegungen zuließ. Aus fossilen Fährten wurden Gehgeschwindigkeiten von 3 bis 8 km/h berechnet; solche Berechnungen sind allerdings mit Unsicherheiten behaftet. Zum Vergleich: Ein heutiges Faultier bewegt sich am Boden mit etwa 0,5 km/h.

Isotopenmessungen an Zähnen deuten auf eine Körpertemperatur von rund 30 bis 32 Grad hin, also niedriger als bei den meisten anderen Säugetieren. Der Stoffwechsel wäre damit langsamer gewesen als bei einem Elefanten. Diese Frage ist in der Forschung offen.

Fortpflanzung und Sozialverhalten sind kaum bekannt. Wie viele sehr große Säugetiere dürfte Megatherium sich langsam vermehrt haben; angenommen wird ein einzelnes, großes Jungtier pro Wurf. Gegen Raubtiere wie den Säbelzahnkatzen-Verwandten Smilodon oder den Kurzschnauzenbären Arctotherium half vor allem die schiere Körpergröße, im Notfall die Krallen.

Zeitgenossen

Megatherium lebte in einer Tierwelt voller Riesen. In der Pampa teilte es sich den Lebensraum mit den ebenfalls großen Bodenfaultieren Lestodon, Mylodon, Glossotherium und Scelidotherium, mit den panzertragenden Glyptodonten Glyptodon und Doedicurus, dem kamelartigen Macrauchenia, dem nashornähnlichen Toxodon, dem Elefantenverwandten Notiomastodon, Urpferden sowie dem Säbelzahnräuber Smilodon.

Entdeckung

Megatherium war das erste fossile Faultier, das die Wissenschaft überhaupt kennenlernte. 1787 kam bei Luján in Argentinien ein Skelett zum Vorschein. Kurz darauf gelangte es nach Madrid, wo es 1795 zusammengesetzt wurde. Der französische Naturforscher Georges Cuvier beschrieb das Tier 1796 und gab ihm seinen Namen.

Für die damalige Zeit war das eine kleine Sensation: Hier lag ein Tier, das es nirgendwo mehr gab. Megatherium wurde im 19. Jahrhundert in Europa außerordentlich bekannt, tauchte in Lexika und Romanen auf und wurde oft als Sinnbild für Trägheit benutzt, was dem Tier nicht gerecht wird.

Aussterben

Megatherium americanum ist seit etwa 400.000 Jahren in den Fossilien der Pampa nachweisbar. Es verschwand am Ende des Pleistozäns gemeinsam mit mehr als 80 Prozent der übrigen großen Säugetiere Südamerikas. Dieses weltweite Aussterben der Großtiere betraf alle Kontinente außer Afrika.

Über die Ursachen wird bis heute gestritten. Diskutiert werden die Jagd durch den Menschen, der Klimawandel am Ende der letzten Kaltzeit und eine Kombination aus beidem. Modellrechnungen zeigen, dass die für Megatherium geeigneten Lebensräume schon vor dem Aussterben kleiner und zersplitterter wurden.

Für die Jagd gibt es einen sehr konkreten Beleg. Am Fundplatz Campo Laborde in der argentinischen Pampa wurde ein einzelnes Tier am Rand eines Sumpfes getötet und zerlegt. Dabei lagen Steinwerkzeuge, darunter das Bruchstück einer Speerspitze. Eine Untersuchung von 2019 datierte den Fund auf rund 12.600 Jahre vor heute. Es ist bis heute der einzige gesicherte Jagdplatz für ein Riesenfaultier in ganz Amerika. An anderen Knochen wurden Schnittspuren gefunden, die auf das Zerlegen hindeuten.

Ältere Angaben, wonach Riesenfaultiere in der Pampa noch im Holozän, also vor weniger als 11.700 Jahren gelebt hätten, gelten inzwischen als widerlegt. Die damaligen Radiokohlenstoffdaten waren durch Huminsäuren im Boden verfälscht.

Häufige Fragen zum Riesenfaultier

Wie groß und wie schwer war ein Riesenfaultier?

Megatherium americanum war rund 6 m lang und wog 3.700 bis 4.000 kg, also fast vier Tonnen. Damit war es so schwer wie ein Asiatischer Elefant. Aufgerichtet auf den Hinterbeinen überragte es jeden Menschen deutlich.

Wann ist das Riesenfaultier ausgestorben?

Am Ende der letzten Eiszeit, vor etwas mehr als 12.000 Jahren. Der jüngste sichere Nachweis stammt vom Fundplatz Campo Laborde in Argentinien und ist rund 12.600 Jahre alt. Frühere Angaben von nur 8.000 bis 10.000 Jahren beruhten auf verfälschten Messwerten.

Haben Menschen Riesenfaultiere gejagt?

Ja, das ist belegt. In Campo Laborde wurde ein Megatherium mit Steinwerkzeugen zerlegt, darunter das Bruchstück einer Speerspitze. An weiteren Knochen finden sich Schnittspuren. Ob die Jagd die alleinige Ursache für das Aussterben war, ist damit aber nicht geklärt.

Was hat ein Riesenfaultier gefressen?

Blätter, junge Zweige und Früchte von Bäumen und Sträuchern, gelegentlich auch Gras. Es war ein reiner Pflanzenfresser. Die Zähne waren zum Schneiden gebaut, nicht zum Mahlen harter, faseriger Kost.

Konnte das Riesenfaultier auf zwei Beinen stehen?

Ja. Beim Fressen richtete es sich an Bäumen auf und stützte sich mit den Vorderbeinen am Stamm ab. Verletzungsspuren an den Schlüsselbeinen passen genau zu dieser Haltung. Fortbewegt hat es sich aber auf allen vieren.

Ist das Riesenfaultier mit den heutigen Faultieren verwandt?

Ja. Erbgut aus Knochen zeigt, dass die nächsten lebenden Verwandten von Megatherium die Dreifinger-Faultiere sind. Beide gehören zu den Nebengelenktieren, ebenso wie Ameisenbären und Gürteltiere.

Wo hat das Riesenfaultier gelebt?

Megatherium americanum lebte in Südamerika östlich der Anden, vor allem in der Pampa des heutigen Argentiniens sowie in Uruguay, Paraguay, Südbolivien und Südbrasilien. Andere Arten der Gattung kamen im Andenraum vor, etwa in Peru, Bolivien und Chile.

Ähnliche Tiere

  • Faultier - die heute lebenden Verwandten in den Bäumen Mittel- und Südamerikas
  • Großer Ameisenbär - ebenfalls ein Nebengelenktier mit kräftigen Krallen
  • Gürteltier - der gepanzerte Zweig derselben Verwandtschaft
  • Mammut - Riese der Eiszeit auf der Nordhalbkugel
  • Säbelzahntiger - Raubtier aus derselben Zeit
  • Riesenbiber - weiteres Riesentier, das am Ende der Eiszeit verschwand
  • Säugetiere - alle Säugetiere im Lexikon
  • Tiere mit R - weitere Tiere, die mit R beginnen

Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Riesenfaultier
6 m

Ein Riesenfaultier erreicht eine Körpergröße von 6 m. Damit passt es bequem zwischen eine Giraffe (5,5 m) und ein Haus (10 m) auf unserer Vergleichsskala.

Gewichtsvergleich

🪙1-Euro-Münze
7,5 g
🍫Tafel Schokolade
100 g
⚽Fußball
430 g
🧒Kind
25 kg
🧑Erwachsener
75 kg
🚗Auto
1,5 t
🚌Schulbus
12 t
▼Riesenfaultier
3,7 bis 4 t

Ein Riesenfaultier bringt 3,7 bis 4 t auf die Waage. Das ist schwerer als ein Auto (1,5 t), aber leichter als ein Elefant (5 t). Anders ausgedrückt: Das Riesenfaultier wiegt so viel wie etwa 3 Autos.