Riesenhai

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Riesenhai schwimmt mit weit geöffnetem Maul auf die Kamera zu, im Hintergrund zwei Taucher im blauen Wasser
Chris Gotschalk / Wikimedia Commons / Public domain

Kurz erklärt

Der Riesenhai ist nach dem Walhai der zweitgrößte Fisch der Welt. Er wird meist 7 bis 9 Meter lang und schwimmt langsam mit weit aufgerissenem Maul durchs Meer. Dabei filtert er winziges Plankton aus dem Wasser. Für Menschen ist er harmlos. Riesenhaie leben in kühlen und gemäßigten Meeren und sind stark gefährdet.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameCetorhinus maximus
Abstammung
  • Klasse: Knorpelfische (Chondrichthyes)
  • Unterklasse: Plattenkiemer (Elasmobranchii)
  • Ordnung: Makrelenhaiartige (Lamniformes)
  • Familie: Riesenhaie (Cetorhinidae)
  • Gattung: Cetorhinus
  • Art: Riesenhai
KörpergrößeErwachsene meist 6,7 bis 8,8 m, sehr große Tiere bis etwa 12 m; einzelne Berichte nennen bis 15,2 m
KörpergewichtHöchstes veröffentlichtes Gewicht laut FishBase 4 t; das Florida Museum nennt über 5 US-Tonnen (über 4,5 t)
ErnährungFiltrierer: Zooplankton wie kleine Krebstiere, Larven wirbelloser Tiere sowie Fischeier und Fischlarven
LebenserwartungVermutlich bis etwa 50 Jahre (FishBase); genaue Angaben fehlen
SozialverhaltenAllein, paarweise oder in Gruppen; es wurden Ansammlungen von etwa 100 Tieren beobachtet
HerkunftKühle und gemäßigte Meere
Verbreitung Weltweit in kalten bis warm-gemäßigten Meeren beider Erdhalbkugeln, auch im Mittelmeer; in tropischen Gewässern selten und dort meist in der Tiefe Meer
EntdeckungErstbeschreibung 1765 durch Gunnerus nach einem Tier aus Norwegen
GefährdungEN Stark gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2021)
SonstigesZweitgrößter lebender Fisch nach dem Walhai und einziger Vertreter seiner Familie. Der internationale Handel ist durch CITES Anhang II geregelt.

Der zweitgrößte Fisch der Welt

Der Riesenhai (Cetorhinus maximus) ist nach dem Walhai der zweitgrößte Fisch der Erde. Wie alle Haie gehört er zu den Knorpelfischen. Er ist der einzige Vertreter der Familie der Riesenhaie und zählt zur Ordnung der Makrelenhaiartigen.

Trotz seiner gewaltigen Größe frisst der Riesenhai nur winzige Tiere. Er ist einer von nur drei großen Haien, die Plankton aus dem Wasser filtern. Die anderen beiden sind der Walhai und der Riesenmaulhai.

Name: Beschrieben hat ihn der Naturforscher Gunnerus im Jahr 1765 nach einem Tier aus Norwegen. Der Gattungsname Cetorhinus stammt aus dem Griechischen: „ketos“ bedeutet Meeresungeheuer oder Wal, „rhinos“ Nase. Der Artname maximus ist Latein und heißt „der Größte“. Im Englischen heißt er „basking shark“, also etwa „Sonnenbad-Hai“, weil er oft so dicht unter der Wasseroberfläche schwimmt, dass seine Rückenflosse herausragt.

Aussehen und Körperbau

Größe: Erwachsene Riesenhaie sind meist 6,7 bis 8,8 m lang. Sehr große Tiere erreichen etwa 12 m. Einzelne Berichte nennen sogar 12,2 bis 15,2 m. Neugeborene sind bereits 1,5 bis 2 m lang.

Gewicht: Als höchstes veröffentlichtes Gewicht nennt die Fischdatenbank FishBase 4 Tonnen. Das Florida Museum of Natural History gibt „über 5 Tonnen“ an, gemeint sind amerikanische Tonnen, also mehr als 4,5 t.

Kiemenspalten: Das auffälligste Merkmal sind die riesigen Kiemenspalten. Sie reichen auf beiden Seiten fast einmal um den ganzen Kopf herum. An ihnen erkennt man den Riesenhai sofort.

Kopf und Maul: Die Schnauze ist kegelförmig und spitz. Das Maul ist enorm groß und reicht bis hinter die kleinen Augen. Im Kiefer sitzen Hunderte winziger, hakenförmiger Zähne. Junge Riesenhaie haben eine lange, hakenartige Schnauze. Form und Länge ihres Mauls verändern sich im ersten Lebensjahr stark.

Kiemenreusen: In den Kiemenspalten sitzen zahlreiche große Kiemenreusen. Sie wirken wie ein feines Sieb und halten das Plankton zurück.

Farbe: Der Rücken ist meist graubraun, manchmal dunkelgrau bis fast schwarz. Der Bauch ist gleich gefärbt, etwas heller oder fast weiß. Unter Kopf und Bauch haben manche Tiere unregelmäßige weiße Flecken.

Schwanz und Haut: Die Schwanzflosse ist sichelförmig. Die Haut ist mit großen Hautzähnchen besetzt und dadurch extrem rau. Taucher und Forschende haben sich daran schon verletzt.

Riesige Leber: Die Leber des Riesenhais macht bis zu 25 % seines Körpergewichts aus. Sie enthält viel Squalen, ein leichtes Öl. Dadurch schwebt der Hai im Wasser, ohne viel Kraft zu brauchen.

Verbreitung und Lebensraum

Riesenhaie leben weltweit in kalten bis warm-gemäßigten Meeren, auf der Nord- und auf der Südhalbkugel. In tropischen Gewässern am Äquator sind sie selten. Am wohlsten fühlen sie sich in Wasser von 8 bis 16 °C.

Wo man sie findet: Im Atlantik kommen sie von Neufundland bis Florida und von Südbrasilien bis Argentinien vor, im Osten von Island und Norwegen bis Senegal, auch im Mittelmeer. Im Pazifik leben sie vor Japan, China und Korea, vor Australien und Neuseeland sowie von Alaska bis zum Golf von Kalifornien und von Ecuador bis Chile.

Küste und offenes Meer: Riesenhaie halten sich oft in Küstennähe auf, schwimmen manchmal bis in Buchten und Flussmündungen und ziehen auch weit ins offene Meer hinaus. Im Sommer sieht man sie an der Oberfläche, im Winter halten sie sich in tieferem Wasser auf.

Ernährung

Der Riesenhai ist ein Filtrierer. Er frisst Zooplankton, also winzige Tiere, die im Wasser treiben. Dazu gehören kleine Krebstiere, Larven wirbelloser Tiere sowie Fischeier und Fischlarven. Riesenhaie suchen gezielt Stellen, an denen besonders viel großes Zooplankton vorkommt.

Fressen im Vorbeischwimmen: Der Riesenhai schwimmt langsam mit weit aufgerissenem Maul durchs Wasser. Das Wasser strömt hinein und durch die Kiemenspalten wieder hinaus, die Kiemenreusen halten das Plankton zurück. So filtert er bis zu 2.000 Tonnen Wasser pro Stunde.

Anders als der Walhai: Der Riesenhai ist der einzige Filterhai, der das Wasser nur durch sein Schwimmen durchs Maul strömen lässt. Walhai und Riesenmaulhai saugen oder pumpen das Wasser zusätzlich aktiv ein.

Was passiert im Winter? Früher glaubten Forschende, Riesenhaie würden im Winter ihre Kiemenreusen verlieren und in der Tiefe eine Art Winterruhe halten. Eine andere Vermutung war, dass sie dann am Meeresboden fressen. Wie oft die Kiemenreusen erneuert werden, ist bis heute nicht geklärt. Sendermarkierte Tiere zeigen aber, dass Riesenhaie weite Strecken durch das offene Meer zurücklegen und dabei sehr tief tauchen können.

Verhalten und Lebensweise

Gesellig oder allein: Riesenhaie schwimmen allein, zu zweit oder in Gruppen. Es wurden Schwärme von etwa 100 Tieren beobachtet. Manchmal sind Gruppen nach Größe oder Geschlecht getrennt.

Lange Wanderungen: Riesenhaie wandern weit. Ein vor den Britischen Inseln mit einem Sender markiertes Weibchen legte 9.589 km bis vor Neufundland in Kanada zurück und tauchte dabei bis in 1.264 m Tiefe. Das war der erste Nachweis, dass Riesenhaie aus Europa und Amerika miteinander in Verbindung stehen. Andere Tiere wechselten sogar zwischen Nord- und Südhalbkugel, wobei sie in den Tropen in tiefem Wasser schwammen.

Sprünge: Manchmal springen Riesenhaie aus dem Wasser. Warum, ist nicht sicher bekannt. Eine Vermutung ist, dass sie so lästige Mitfahrer loswerden wollen, etwa Schiffshalter oder Neunaugen, die sich an ihrer Haut festsaugen.

Fortpflanzung und Nachwuchs

Über die Fortpflanzung des Riesenhais ist wenig bekannt, weil die Paarung wohl in tieferem Wasser stattfindet.

Balz: Bei einer Beobachtung aus der Luft sahen Forschende Riesenhaie, die paarweise nebeneinander oder hintereinander schwammen, sich anstupsten und in die Brustflossen bissen. Vor Südwestengland wurde solches Balzverhalten zwischen Mai und Juli an der Wasseroberfläche beobachtet, die eigentliche Paarung aber nie.

Lebend geboren: Riesenhaie sind lebendgebärend. Die Jungen entwickeln sich in Eiern im Mutterleib und schlüpfen dort. Wenn ihr Dottervorrat aufgebraucht ist, fressen sie vermutlich weitere unbefruchtete Eier, die die Mutter produziert.

Tragzeit: Wie lange ein Weibchen trächtig ist, weiß niemand genau. Schätzungen reichen von 12 bis 36 Monaten, das Florida Museum nennt drei Jahre oder mehr. Zwischen zwei Würfen liegen vermutlich 2 bis 4 Jahre.

Nachwuchs: Bisher wurde erst ein einziges trächtiges Weibchen beobachtet, das Junge zur Welt brachte. Es waren sechs Jungtiere, davon fünf lebend, mit einer Länge von 1,5 bis 2 m.

Langsames Wachstum: Riesenhaie wachsen sehr langsam. Weibchen werden vermutlich erst mit 12 bis 16 Jahren geschlechtsreif und sind dann schon 5 bis 6 m lang. Wie alt Riesenhaie werden, ist nicht genau bekannt, vermutet werden etwa 50 Jahre.

Feinde und Gefährdung

Natürliche Feinde: Ausgewachsene Riesenhaie haben kaum Feinde. Weiße Haie fressen an toten Riesenhaien. Der kleine Zigarrenhai beißt manchmal Fleischstücke aus ihrer Haut. Auch Meerneunaugen saugen sich an Riesenhaien fest. Ob sie dabei durch die raue Haut dringen, ist unklar: Das Florida Museum hält das für unmöglich, FishBase berichtet dagegen von Neunaugen, die in der kanadischen Bay of Fundy Blut von Riesenhaien saugten.

Gefährdung: Die Rote Liste der IUCN stuft den Riesenhai weltweit als stark gefährdet (EN) ein (IUCN, 2021). Riesenhaie wachsen langsam, werden spät geschlechtsreif, sind lange trächtig und bekommen nur wenige Junge. Deshalb erholen sich ihre Bestände nur sehr langsam, wenn viele Tiere getötet werden.

Jagd und Beifang: Früher wurden Riesenhaie weltweit gejagt, vor allem wegen des Öls aus ihrer großen Leber, aber auch wegen Fleisch, Flossen und Haut. Aus einem 8,2 m langen Tier gewann man etwa eine Tonne Fleisch und 380 Liter Öl. Nach Angaben des Florida Museums ist die gezielte Jagd heute weitgehend eingestellt, außer in China und Japan. Eine Gefahr bleibt der Beifang in der Fischerei. Die Flossen sind für Haifischflossensuppe begehrt und werden teuer gehandelt.

Schutz: Der internationale Handel mit Riesenhaien ist durch das Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES, Anhang II) geregelt. Außerdem steht der Riesenhai in den Anhängen I und II des Übereinkommens zum Schutz wandernder Tierarten (CMS). Viele Länder haben ihn zusätzlich durch eigene Gesetze geschützt.

Besonderheiten

Seeungeheuer: Viele Geschichten über Seeschlangen und Meeresungeheuer gehen vermutlich auf Riesenhaie zurück, die hintereinander an der Oberfläche schwimmen. Auch verwesende Riesenhaie wurden oft für unbekannte Tiere gehalten, weil ihr Schädel im Vergleich zum Körper klein ist. 1977 zogen japanische Fischer einen verwesten Kadaver an Bord, den viele zunächst für einen Plesiosaurier hielten. Es war ein Riesenhai.

Harmlos für Menschen: Riesenhaie gelten als harmlos und dulden Taucher und Boote meist in ihrer Nähe. Wegen ihrer Größe und der rauen Haut sollte man trotzdem Abstand halten. Es gibt Berichte, dass harpunierte Riesenhaie Boote angegriffen haben.

Häufige Fragen zum Riesenhai

Wie groß wird ein Riesenhai?

Erwachsene Riesenhaie sind meist 6,7 bis 8,8 m lang, sehr große Tiere erreichen etwa 12 m. Damit ist der Riesenhai nach dem Walhai der zweitgrößte Fisch der Welt. Als höchstes Gewicht sind etwa 4 Tonnen veröffentlicht.

Was frisst ein Riesenhai?

Der Riesenhai frisst nur Zooplankton: kleine Krebstiere, Larven und Fischeier. Er schwimmt mit offenem Maul und siebt die Nahrung mit seinen Kiemenreusen aus dem Wasser. Pro Stunde strömen bis zu 2.000 Tonnen Wasser durch sein Maul.

Ist der Riesenhai gefährlich für Menschen?

Nein, im Normalfall nicht. Der Riesenhai frisst nur Plankton und gilt als harmlos. Er duldet Taucher und Boote meist in seiner Nähe. Wegen seiner Größe und seiner sehr rauen Haut sollte man aber Abstand halten.

Wo lebt der Riesenhai?

Riesenhaie leben weltweit in kühlen und gemäßigten Meeren, zum Beispiel im Nordatlantik vor den Britischen Inseln und Norwegen und im Mittelmeer. In den Tropen sind sie selten. Im Sommer schwimmen sie oft an der Oberfläche, im Winter in größerer Tiefe.

Was ist der Unterschied zwischen Riesenhai und Walhai?

Beide sind riesige Haie, die Plankton filtern. Der Walhai ist größer und saugt das Wasser beim Fressen aktiv ein, der Riesenhai lässt es nur durch sein Schwimmen durchs Maul strömen. Der Riesenhai lebt vor allem in kühleren Meeren und ist in den Tropen selten. Erkennen kann man ihn an den riesigen Kiemenspalten, die fast den ganzen Kopf umschließen.

Warum ist der Riesenhai gefährdet?

Riesenhaie wurden lange wegen ihrer ölreichen Leber, ihres Fleisches und ihrer Flossen gejagt und geraten heute als Beifang in Fischernetze. Weil sie sehr langsam wachsen und nur selten Junge bekommen, erholen sich die Bestände kaum. Die IUCN stuft den Riesenhai als stark gefährdet ein.

Ähnliche Tiere

  • Walhai - der größte Fisch der Welt, ebenfalls ein Planktonfresser
  • Weißer Hai - ein großer Raubhai, der an toten Riesenhaien frisst
  • Mantarochen - ein großer Knorpelfisch, der ebenfalls Plankton frisst
  • Neunaugen - Meerneunaugen saugen sich manchmal an Riesenhaien fest
  • Finnwal - ein riesiger Bartenwal, der ebenfalls kleine Tiere aus dem Wasser siebt
  • Blauwal - das größte Tier der Erde, ein Säugetier, das Krill filtert

Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Riesenhai
6,7 bis 12 m

Ein Riesenhai erreicht eine Körpergröße von 6,7 bis 12 m. Damit passt er bequem zwischen eine Giraffe (5,5 m) und einen Blauwal (25 m) auf unserer Vergleichsskala. Ein Blauwal wäre dagegen noch rund 3-mal so groß.

Gewichtsvergleich

🪙1-Euro-Münze
7,5 g
🍫Tafel Schokolade
100 g
⚽Fußball
430 g
🧒Kind
25 kg
🧑Erwachsener
75 kg
🚗Auto
1,5 t
🚌Schulbus
12 t
▼Riesenhai
4 t

Ein Riesenhai bringt 4 t auf die Waage. Das ist schwerer als ein Auto (1,5 t), aber leichter als ein Elefant (5 t). Anders ausgedrückt: Der Riesenhai wiegt so viel wie etwa 3 Autos.