Ringelnatter

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Graue Ringelnatter mit gelben Halbmondflecken am Hinterkopf liegt zusammengerollt auf einem bemoosten Ast
Andreas Eichler / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0

Kurz erklärt

Die Ringelnatter ist die häufigste Schlange in Deutschland und für Menschen völlig ungefährlich, denn sie hat keine Giftzähne. Man erkennt sie an den zwei hellgelben, halbmondförmigen Flecken am Hinterkopf. Sie lebt gern in der Nähe von Teichen und Bächen, schwimmt gut und frisst vor allem Frösche, Kröten und Molche. Bei Gefahr stellt sie sich manchmal tot.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameNatrix natrix
Abstammung
  • Klasse: Reptilien
  • Ordnung: Schuppenkriechtiere (Squamata)
  • Unterordnung: Schlangen (Serpentes)
  • Familie: Nattern (Colubridae)
  • Unterfamilie: Wassernattern (Natricinae)
  • Gattung: Europäische Wassernattern (Natrix)
  • Art: Ringelnatter
KörpergrößeMännchen im Durchschnitt etwa 70 cm (höchstens etwa 1 m), Weibchen im Durchschnitt etwa 85 cm; in Deutschland selten über 120 cm, Rekordtiere bis etwa 150 cm (nur Weibchen)
KörpergewichtMännchen etwa 140 g, große Weibchen bis etwa 500 g; frisch geschlüpfte Jungtiere etwa 3 g
ErnährungFleischfresser: vor allem Frösche, Kröten, Molche und Kaulquappen, außerdem Fische, Mäuse und Eidechsen
LebenserwartungIn freier Natur 15 bis 25 Jahre, im Terrarium auch über 30 Jahre
SozialverhaltenEinzelgänger; zur Paarung, an Eiablageplätzen und im Winterquartier oft zu mehreren
HerkunftEuropa und Westasien
Verbreitung Mittel-, Nord-, Ost- und Südosteuropa (im Westen ersetzt durch die Barrenringelnatter) bis Südsibirien, Zentralasien und Mittlerer Osten; in Deutschland vor allem östlich des Rheins AsienEuropa
EntdeckungErstbeschreibung 1758 durch Carl von Linné
GefährdungLC Nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2021)
SonstigesFür Menschen ungiftig und harmlos; in Deutschland besonders geschützt und auf der Roten Liste als gefährdet eingestuft (2020)

Eine harmlose Schlange

Die Ringelnatter ist eine Natter und für Menschen ungiftig. Sie hat keine Giftzähne. In Drüsen im Maul bildet sie zwar ein schwaches Sekret, das kleine Beutetiere lähmen kann, für Menschen ist es aber unbedenklich. Für Menschen, Hunde und Katzen ist die Ringelnatter völlig ungefährlich. In Deutschland ist sie die häufigste Schlangenart und kommt fast im ganzen Land vor. Trotzdem bekommt man sie selten zu sehen, weil sie scheu ist und bei Störungen schnell verschwindet.

Aussehen und Körperbau

Das wichtigste Erkennungszeichen: Am Hinterkopf trägt die Ringelnatter auf jeder Seite einen hellgelben bis weißlichen, halbmondförmigen Fleck. Nach hinten wird jeder Fleck von einem schwarzen Fleck begrenzt. Fachleute nennen diese hellen Flecken Mond- oder Lunarflecken.

Farbe: Die Oberseite ist meist grau in verschiedenen Tönen, von bräunlich grau bis fast schwarz. Darauf verlaufen oft vier bis sechs Längsreihen kleiner schwarzer Flecken. Die Unterseite ist weißlich bis gelblich und mit dunklen, fast rechteckigen Flecken gemustert, ähnlich wie ein Schachbrett. Dieses Bauchmuster ändert sich im Leben nicht. Forscher können einzelne Tiere daran wiedererkennen. Es gibt auch ganz schwarze Ringelnattern.

Kopf und Schuppen: Der Kopf ist deutlich vom Hals abgesetzt. Die Augen sind groß und haben runde Pupillen. Die Schuppen auf dem Rücken sind gekielt, das heißt, jede Schuppe hat in der Mitte eine kleine Längsleiste.

Größe: Weibchen werden viel größer und dicker als Männchen. Männchen sind im Durchschnitt etwa 70 cm lang und werden höchstens etwa 1 m lang. Weibchen erreichen im Durchschnitt etwa 85 cm. In Deutschland werden Ringelnattern selten länger als 120 cm, Rekordtiere messen bis etwa 150 cm. Tiere über einem Meter sind fast immer Weibchen.

Gewicht: Ein Männchen wiegt ungefähr 140 g, ein großes Weibchen bis zu 500 g.

Ringelnatter oder Kreuzotter?

Viele Menschen haben Angst, eine Ringelnatter mit der giftigen Kreuzotter zu verwechseln. Diese Merkmale helfen beim Unterscheiden:

MerkmalRingelnatterKreuzotter
Pupillerundsenkrecht geschlitzt
Kopfgelbe Halbmondflecken am Hinterkopfkeine gelben Halbmondflecken
RückenReihen kleiner dunkler Fleckendunkles Zickzackband
Längeoft über 1 mbis etwa 70 cm
Giftfür Menschen ungiftiggiftig

Wichtig: Beobachte jede Schlange nur aus der Entfernung und fasse sie nicht an. Mehr über die Kreuzotter erfährst du auf unserer Seite über Vipern.

Ringelnatter und Barrenringelnatter

Lange galten alle Ringelnattern Europas als eine einzige Art. Genetische Untersuchungen zeigten jedoch, dass die Tiere im Westen eine eigene Art bilden. Seit 2017 wird die Barrenringelnatter (Natrix helvetica) deshalb als eigene Art anerkannt.

Die Barrenringelnatter lebt in Westeuropa, zum Beispiel in Frankreich, England, den Beneluxstaaten, der Schweiz und Italien. In Deutschland kommt sie vor allem links des Rheins vor, also im Westen Deutschlands. Außerdem gibt es weit davon getrennte Vorkommen in Bayern. Die Ringelnatter im engeren Sinn (Natrix natrix) besiedelt den größten Teil Deutschlands. Wo beide Arten aufeinandertreffen, paaren sie sich teilweise miteinander. Diese Übergangszone mit Mischformen ist in Westdeutschland mehr als 150 km breit.

Die Barrenringelnatter hat an den Flanken eine Reihe schmaler oder breiter dunkler Querbalken („Barren“). Ihre Mondflecken fehlen oft oder sind nur schwach zu sehen.

Verbreitung und Lebensraum

Weltweit: Die Ringelnatter lebt in großen Teilen Mittel-, Nord- und Osteuropas. Im Norden reicht ihr Gebiet bis nach Skandinavien und Finnland. In Asien kommt sie bis ins südliche Sibirien, in den Nordwesten der Mongolei, nach Kasachstan, Turkmenistan und in den Norden des Iran vor. In den deutschen Alpen fehlt sie oberhalb von etwa 1.300 m.

In Deutschland: Hier ist die Ringelnatter fast überall zu Hause. Sie fehlt nur in den Hochlagen der Gebirge, in ausgeräumten Agrarlandschaften ohne Hecken und Gewässer, in den Marschen an der Nordsee und auf den Nord- und Ostfriesischen Inseln.

Lebensraum: Ringelnattern brauchen Wasser in der Nähe. Sie leben an Bächen, Flüssen, Gräben, Teichen und Seen, in Feuchtwiesen, Mooren und Sümpfen. Man trifft sie aber auch in lichten Wäldern, an Bahndämmen, in Steinbrüchen, Parks und naturnahen Gärten. Wichtig sind sonnige Plätze zum Aufwärmen, Verstecke, Gewässer mit vielen Amphibien und frostfreie Plätze zum Überwintern.

Ernährung

Ringelnattern sind Fleischfresser und haben sich auf Amphibien spezialisiert. Wo es viele Frösche und Kröten gibt, gibt es meist auch viele Ringelnattern.

  • Hauptnahrung: Frösche, vor allem Braunfrösche, und Kröten wie die Erdkröte
  • Außerdem: Molche und ihre Larven, Kaulquappen, Fische, Mäuse und Spitzmäuse sowie Eidechsen

So jagt die Ringelnatter: Wie alle Schlangen züngelt sie. Mit der gespaltenen Zunge nimmt sie Duftstoffe auf und spürt so ihre Beute auf. Sie tötet ihre Beute nicht mit einem Giftbiss, sondern packt sie mit dem Maul und schlingt sie im Ganzen hinunter.

Als Schwimmnatter jagt die Ringelnatter an Land und im Wasser. Sie schwimmt gut.

Verhalten und Lebensweise

Tagaktiv: Ringelnattern sind am Tag unterwegs. Wie alle Reptilien können sie ihre Körpertemperatur nicht selbst erzeugen. Sie legen sich deshalb in die Sonne, suchen Schatten oder gehen ins Wasser, je nachdem, ob ihnen zu kalt oder zu warm ist. Beim Sonnenbad machen sie ihren Körper flach, um mehr Wärme aufzunehmen.

Häutung: Beim Wachsen streifen Ringelnattern regelmäßig ihre alte Haut ab, ähnlich wie man einen Strumpf vom Bein zieht.

Wie wehrt sich eine Ringelnatter?

Die Ringelnatter hat eine ganze Reihe von Tricks, um Feinde abzuschrecken:

  1. Flucht: Meist versucht sie zuerst, schnell zu verschwinden.
  2. Drohen: Sie macht den Kopf flach, spreizt den Hals, zischt laut und stößt mit dem Kopf in Richtung des Angreifers. Diese Stöße sind Scheinbisse, sie beißt dabei nicht zu.
  3. Stinken: Wird sie gepackt, gibt sie aus Drüsen am Hinterleib eine stark riechende Flüssigkeit ab.
  4. Totstellen: Hilft das alles nicht, drehen sich manche Ringelnattern auf den Rücken, liegen schlaff da und öffnen das Maul, die Zunge hängt heraus. Ist die Gefahr vorbei, werden sie erstaunlich schnell wieder munter.

Echte Bisse kommen nur sehr selten vor und sind für Menschen harmlos.

Winterruhe

Im Herbst, meist im September oder Oktober, ziehen sich Ringelnattern in ihre Winterquartiere zurück. Das können Baue von Mäusen, Hohlräume im Boden, Verstecke unter großen Baumwurzeln oder Komposthaufen sein. Oft überwintern viele Tiere am gleichen Ort. Im März oder April kommen sie wieder hervor.

Fortpflanzung und Nachwuchs

Paarung: Die meisten Paarungen finden zwischen Ende April und Ende Mai statt. Manchmal werben viele Männchen gleichzeitig um ein Weibchen und bilden ein richtiges Schlangenknäuel. Kämpfe zwischen den Männchen gibt es dabei nicht.

Eiablage: Die Ringelnatter legt Eier. Zwischen Ende Juni und Anfang August legt ein Weibchen meist 10 bis 30 schneeweiße Eier, die zu einem Klumpen verkleben. Seltener sind es weniger oder deutlich mehr. Die Eier sind 24 bis 30 mm lang und haben eine pergamentartige Schale.

Natürliche Brutkästen: Am liebsten legen die Weibchen ihre Eier in Material, das verrottet und dabei Wärme abgibt, zum Beispiel in Komposthaufen, Misthaufen, Sägemehl, morsche Baumstümpfe oder Haufen aus Schilf. An besonders guten Stellen legen viele Weibchen ihre Eier nebeneinander ab. An solchen Plätzen wurden schon tausende Eier gefunden.

Schlupf: Ist es warm, schlüpfen die Jungen oft schon nach 30 bis 33 Tagen. Ist es kühler, kann es bis zu zehn Wochen dauern. Die jungen Ringelnattern kommen deshalb meist zwischen Mitte Juli und Mitte September aus dem Ei. Die Angaben zu ihrer Länge schwanken je nach Quelle zwischen etwa 12 und 23 cm. Sie wiegen nur etwa 3 g.

Erwachsen werden: Männchen sind nach drei Wintern geschlechtsreif, Weibchen nach vier oder mehr Wintern.

Lebenserwartung: Wie alt Ringelnattern in freier Natur werden, ist schwer zu messen. Fachleute nennen ein Höchstalter von 15 bis 25 Jahren, im Terrarium auch über 30 Jahre.

Feinde und Gefährdung

Natürliche Feinde: Zu den Feinden der Ringelnatter gehören Graureiher, Weißstörche und Greifvögel wie Rotmilan und Mäusebussard, außerdem Wildschweine, Iltisse, Igel, Wiesel und Hauskatzen. Besonders gefährdet sind Jungtiere.

Gefährdung weltweit: Auf der Roten Liste der IUCN gilt die Ringelnatter als nicht gefährdet (IUCN, 2021), weil sie ein riesiges Verbreitungsgebiet hat.

Gefährdung in Deutschland: Hier sieht es anders aus. In der Roten Liste Deutschlands von 2020 wird die Ringelnatter als gefährdet eingestuft. Ringel- und Barrenringelnatter wurden dabei gemeinsam bewertet, weil es für eine getrennte Bewertung noch zu wenige Daten gibt. 2009 stand die Ringelnatter noch auf der Vorwarnliste. Über die letzten hundert Jahre ist ihr Bestand stark zurückgegangen.

Die wichtigsten Gründe:

  • Feuchtgebiete wurden trockengelegt, Bäche und Flüsse begradigt, Kleingewässer zugeschüttet
  • Straßen zerschneiden die Lebensräume, viele Ringelnattern werden überfahren
  • In Teichen mit vielen Fischen gibt es weniger Amphibien und damit weniger Nahrung
  • Eiablageplätze und Säume mit Hecken und Hochstauden verschwinden
  • Manche Menschen erschlagen Schlangen aus Angst

Schutz: In Deutschland ist die Ringelnatter besonders geschützt. Man darf sie nicht fangen, verletzen oder töten.

Was du tun kannst: Ein naturnaher Garten mit Teich, Komposthaufen und Steinhaufen bietet Ringelnattern Nahrung, Eiablageplätze und Winterquartiere.

Häufige Fragen zur Ringelnatter

Ist die Ringelnatter giftig?

Nein. Die Ringelnatter hat keine Giftzähne und ist für Menschen und Haustiere harmlos. Wenn sie sich bedroht fühlt, zischt sie und macht Scheinbisse, beißt aber nur sehr selten wirklich zu.

Woran erkennt man eine Ringelnatter?

Am besten an den zwei hellgelben bis weißen, halbmondförmigen Flecken am Hinterkopf, die hinten schwarz eingefasst sind. Dazu kommen runde Pupillen und ein grauer Körper mit kleinen dunklen Flecken. Die Barrenringelnatter im Westen Deutschlands hat oft schwächere Mondflecken und dunkle Querbalken an den Seiten.

Was frisst eine Ringelnatter?

Vor allem Amphibien: Frösche, Kröten, Molche und Kaulquappen. Daneben fängt sie auch Fische, Mäuse und Eidechsen. Sie verschlingt ihre Beute ganz.

Wie groß wird eine Ringelnatter?

Männchen sind im Schnitt etwa 70 cm lang, Weibchen etwa 85 cm. In Deutschland werden Ringelnattern selten länger als 120 cm, einzelne Weibchen erreichen bis etwa 150 cm.

Warum stellt sich die Ringelnatter tot?

Das Totstellen ist ein Schutz vor Feinden. Die Schlange liegt schlaff auf dem Rücken, das Maul ist offen und die Zunge hängt heraus. Zusammen mit Zischen, Scheinbissen und dem stinkenden Sekret gehört es zu ihren wichtigsten Abwehrtricks.

Wo legt die Ringelnatter ihre Eier ab?

In warmes, verrottendes Material wie Komposthaufen, Misthaufen, Schilfhaufen, Sägemehl oder morsches Holz. Die Wärme aus dem Verrotten hilft den Eiern, sich zu entwickeln. Wer im Sommer einen Komposthaufen umsetzt, sollte deshalb vorsichtig sein.

Ähnliche Tiere

  • Viper - zu den Vipern gehört die giftige Kreuzotter, mit der die Ringelnatter oft verwechselt wird
  • Blindschleiche - sieht aus wie eine kleine Schlange, ist aber eine Echse ohne Beine
  • Kornnatter - eine ebenfalls für Menschen harmlose Natter aus Nordamerika
  • Zauneidechse - ein weiteres heimisches Reptil, das gern in der Sonne liegt
  • Erdkröte - Kröten gehören zu den wichtigen Beutetieren der Ringelnatter

Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Ringelnatter
70 cm bis 1,5 m

Eine Ringelnatter erreicht eine Körpergröße von 70 cm bis 1,5 m. Damit passt sie bequem zwischen einen Fußball (22 cm) und einen Erwachsenen (1,8 m) auf unserer Vergleichsskala. Das bedeutet: Die Ringelnatter ist etwa 5-mal so groß wie ein Fußball.

Gewichtsvergleich

🪙1-Euro-Münze
7,5 g
🍫Tafel Schokolade
100 g
⚽Fußball
430 g
🧒Kind
25 kg
🧑Erwachsener
75 kg
🚗Auto
1,5 t
🚌Schulbus
12 t
▼Ringelnatter
140 bis 500 g

Eine Ringelnatter bringt 140 bis 500 g auf die Waage. Das ist schwerer als eine Tafel Schokolade (100 g), aber leichter als eine Hauskatze (4 kg). Anders ausgedrückt: Die Ringelnatter wiegt so viel wie etwa 3 Tafeln Schokolade.