Rochen

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Blaupunktrochen mit gelbgrüner, blau gepunkteter Körperscheibe und langem Schwanz liegt auf sandigem Meeresboden
Jens Petersen / Wikimedia Commons / CC BY 2.5

Kurz erklärt

Rochen sind flache Knorpelfische und nahe Verwandte der Haie. Ihre großen Brustflossen sind mit dem Kopf zu einer Scheibe verwachsen, die Kiemenspalten liegen auf der Unterseite. Die meisten Rochen leben am Meeresboden und fressen Würmer, Krebse, Muscheln und kleine Fische. Zu den Rochen gehören Echte Rochen, Stechrochen, Zitterrochen und die riesigen Mantas.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameBatoidea
Abstammung
  • Klasse: Knorpelfische (Chondrichthyes)
  • Unterklasse: Plattenkiemer (Elasmobranchii)
  • Überordnung: Rochen (Batoidea)
KörpergrößeJe nach Art sehr verschieden: die kleinsten Arten sind 13 bis 20 cm lang, Sägerochen über 7 m; der Riesenmanta erreicht laut FishBase bis 9,1 m Spannweite
KörpergewichtJe nach Art von 10 bis 20 g bis zu 1 bis 3 t
ErnährungMeist Bodentiere wie Würmer, Krebse, Muscheln und kleine Fische; Mantas filtern Plankton
LebenserwartungJe nach Art verschieden; laut FishBase zum Beispiel Nagelrochen bis 15 Jahre, Sternrochen bis 28 Jahre, Gewöhnlicher Glattrochen bis 51 Jahre
SozialverhaltenJe nach Art verschieden; Nagelrochen bilden zur Paarungszeit Gruppen, Mantas treffen sich an Futterplätzen
HerkunftWeltmeere
Verbreitung In allen Ozeanen von der Arktis bis zur Antarktis, von flachen Küsten bis in etwa 2.000 m Tiefe; manche Arten auch in Flussmündungen und Flüssen, eine Familie nur im Süßwasser Südamerikas Meer
SonstigesGruppenseite ohne eigene Gefährdungseinstufung. Die Rote Liste der IUCN bewertet jede Art einzeln. In den deutschen Meeresgebieten gilt der Stechrochen seit der Roten Liste von 2025 als ausgestorben oder verschollen.

Was sind Rochen?

Rochen sind Knorpelfische und damit nahe Verwandte der Haie. Fachleute fassen sie unter dem Namen Batoidea zusammen. Schon 2002 zählten Fachleute 513 beschriebene Arten in 20 Familien. Fast die Hälfte davon gehört zu den Echten Rochen.

Zu den Rochen gehören sehr unterschiedliche Tiere:

  • Echte Rochen (Rajidae) wie der Nagelrochen leben am Meeresboden und legen Eier.
  • Stechrochen, umgangssprachlich Stachelrochen, tragen einen Giftstachel am Schwanz.
  • Zitterrochen können mit besonderen Organen elektrische Schläge austeilen.
  • Adlerrochen und Teufelsrochen schwimmen mit flügelartigen Flossen durchs Wasser. Zu den Teufelsrochen gehören auch die riesigen Mantarochen.
  • Geigenrochen und Sägerochen sehen eher haiähnlich aus und sind nur wenig abgeflacht. Sägerochen tragen an der Schnauze eine lange, flache Säge, deren Ränder mit großen zahnähnlichen Fortsätzen besetzt sind.

Aussehen und Körperbau

Platt wie ein Pfannkuchen: Die meisten Rochen sind stark abgeflacht. Ihre großen Brustflossen sind seitlich mit Kopf und Rumpf verwachsen. Zusammen bilden sie eine runde, ovale oder rautenförmige Körperscheibe. Dahinter folgt ein meist dünner Schwanz.

Was Rochen von Haien unterscheidet: Bei Rochen liegen die Kiemenspalten auf der Bauchseite, bei Haien an den Seiten des Kopfes. Außerdem fehlt Rochen die Afterflosse, und die Brustflossen sind mit dem Kopf verbunden.

Oben Augen, unten Maul: Augen und Spritzlöcher sitzen meist oben auf dem Kopf. Maul und Nasenöffnungen liegen dagegen auf der Unterseite. Eine Ausnahme sind die Mantas, deren Maul vorn am Kopf sitzt. Bei einigen Zitterrochen sind die Augen verkümmert.

Schwimmen: Geigen- und Sägerochen schwimmen wie Haie mit seitlichen Bewegungen des Körpers. Echte Rochen, Zitterrochen und Stechrochen bewegen dagegen ihre Körperscheibe wellenförmig auf und ab oder schlagen damit wie mit Flügeln.

Zähne und Haut: Wie bei Haien werden die Zähne ständig von innen nachgebildet. Manche Rochen haben zu breiten Platten verwachsene Zähne. Die Haut kann mit kleinen Hautzähnchen bedeckt sein, die manchmal zu Dornen und Stacheln vergrößert sind. Andere Arten haben ganz glatte Haut. Der Nagelrochen trägt zum Beispiel eine Reihe von 30 bis 50 Dornen vom Nacken bis zur Rückenflosse.

Farbe: Die Oberseite ist oft braun oder grau und gefleckt, die Unterseite meist hell. Beim Nagelrochen ist die Färbung der Oberseite sehr unterschiedlich, die Unterseite ist weiß.

Größe: Die meisten Rochen sind kleiner als 1 m und weniger als 60 cm breit. Die kleinsten Zitterrochen und Echten Rochen messen nur 13 bis 20 cm. Sägerochen werden über 7 m lang. Der größte Rochen ist der Riesenmanta mit mehreren Metern Spannweite. Die Gewichte reichen von 10 bis 20 g bis zu 1 bis 3 Tonnen.

Verbreitung und Lebensraum

Rochen leben in allen Ozeanen, von der Arktis bis zur Antarktis und vom flachen Küstenwasser bis in große Tiefen.

Kalte und warme Meere: Die Echten Rochen sind am weitesten verbreitet. Sie leben in fast allen Breiten und bis in etwa 2.000 m Tiefe. In flachen tropischen Gewässern und an Korallenriffen sind sie dagegen selten. Auch manche Zitterrochen sind in gemäßigten Meeren häufig. Die übrigen Rochenfamilien leben überwiegend in tropischen und warmen Meeren und bevorzugen eher flaches Wasser.

Süßwasser: Rochen sind vor allem Meeresfische. Einige Arten schwimmen aber auch in Lagunen, Flussmündungen und Flüsse hinein. Nur eine einzige Familie lebt ausschließlich im Süßwasser: die Süßwasserstechrochen in Flüssen Südamerikas.

Am Boden: Die meisten Rochen leben am Meeresboden. Der Marmor-Zitterrochen versteckt sich tagsüber im Sand, sodass nur Augen und Spritzlöcher herausschauen.

Ernährung

Die meisten Rochen sind Bodenjäger. Sie fressen eine große Vielfalt an Tieren, die im oder auf dem Meeresboden leben, von Borstenwürmern und anderen Wirbellosen bis zu kleinen Fischen. Der Nagelrochen bevorzugt Krebse und Fische und jagt vor allem nachts.

Spezialisten: Einige Rochen haben besondere Jagdmethoden:

  • Zitterrochen betäuben Fische mit Stromstößen und verschlucken sie im Ganzen.
  • Sägerochen schlagen mit ihrer Säge in Fischschwärme und verletzen oder töten so ihre Beute.
  • Adlerrochen und Kuhnasenrochen knacken mit plattenförmigen Zähnen Austern und Muscheln.
  • Mantas filtern mit Filterplatten an den Kiemen Plankton aus dem Wasser.

Elektrischer Sinn: Echte Rochen wie Nagelrochen und Sternrochen können schwache elektrische Felder wahrnehmen, die andere Tiere erzeugen. Das hilft ihnen, Beute zu finden und Feinden auszuweichen. Vermutlich können sie auch selbst schwache elektrische Felder erzeugen.

Fortpflanzung und Nachwuchs

Bei allen Rochen werden die Eier im Körper des Weibchens befruchtet. Die Männchen haben dafür Begattungsorgane, die sogenannten Klasper, die aus Knorpeln des Beckens entstehen. Danach gibt es zwei Wege:

Eier legen: Die Echten Rochen legen Eier. Jedes Ei steckt in einer rechteckigen, hornartigen Kapsel mit spitzen „Hörnern“ an den Ecken. Beim Nagelrochen ist die Kapsel ohne Hörner 5 bis 9 cm lang. Ein Weibchen legt pro Jahr im Durchschnitt etwa 48 bis 74 Eikapseln, höchstens bis zu 170. Nach etwa 4 bis 5 Monaten schlüpfen die Jungen mit 11 bis 13 cm Länge. Die Eikapseln des Gewöhnlichen Glattrochens sind sogar 10,6 bis 24,5 cm lang.

Lebend gebären: Alle anderen Rochen bekommen lebende Junge, ohne dass sich eine Plazenta bildet. Die Jungen ernähren sich im Mutterleib zuerst vom Dotter. Bei Stechrochen und Zitterrochen bekommen sie später zusätzlich eine nährstoffreiche Flüssigkeit aus der Gebärmutter, eine Art „Gebärmuttermilch“.

Beispiele: Der Gewöhnliche Stechrochen bekommt nach etwa 4 Monaten Tragzeit 4 bis 7 Junge. Der Marmor-Zitterrochen bringt nach etwa 10 Monaten 2 bis 32 Junge zur Welt, die schon bei der Geburt 10 bis 14 cm lang sind. Mantas bekommen meist nur ein einziges Junges.

Spät erwachsen: Manche Rochen brauchen viele Jahre, bis sie sich fortpflanzen können. Der Nagelrochen wird erst mit 7 bis 8 Jahren geschlechtsreif. Laut FishBase kann der Nagelrochen 15 Jahre alt werden, der Sternrochen 28 Jahre und der Gewöhnliche Glattrochen 51 Jahre.

Giftstachel und Stromstöße

Giftstachel: Stechrochen tragen auf dem Schwanz einen giftigen Stachel mit Widerhaken. Er ist eine stark umgebildete Hautschuppe. Beim Gewöhnlichen Stechrochen kann er bis zu 35 cm lang werden. Der Stachel wird gelegentlich abgeworfen und durch einen neuen ersetzt. Für Badende und Fischer kann er gefährlich sein.

Stromstöße: Zitterrochen besitzen große elektrische Organe in der Körperscheibe neben dem Kopf. Der Marmor-Zitterrochen erzeugt Stromstöße von bis zu 200 Volt. Er springt auf schnell schwimmende Beute und lähmt sie mit einem Stromschlag. Seine elektrischen Organe funktionieren schon vor der Geburt, und neugeborene Zitterrochen fangen damit bereits Beute.

Rochen in Nord- und Ostsee

In den deutschen Meeresgebieten kommen mehrere Rochenarten vor. Die Rote Liste der Meeresfische Deutschlands von 2025 bewertet sie so:

  • Nagelrochen (Raja clavata): Vorwarnliste. Früher galt er als häufigster Rochen der deutschen Nordsee und schwamm bis ins Wattenmeer und in Flussmündungen. Langfristig ging der Bestand stark zurück, in der vorherigen Roten Liste war er noch vom Aussterben bedroht. Seit 2012 nimmt er in der deutschen Nordsee wieder deutlich zu. Weltweit gilt er als potenziell gefährdet (IUCN). In der Ostsee lebt er nur im Skagerrak und Kattegat, in der deutschen Ostsee taucht er nur vereinzelt auf.
  • Sternrochen (Amblyraja radiata): Vorwarnliste. Er kommt eher selten in der südlichen Nordsee vor. Vor allem der Beifang in Grundschleppnetzen gefährdet ihn. Weltweit stuft die IUCN ihn als gefährdet ein.
  • Fleckrochen (Raja montagui): ungefährdet. Auch er nimmt in der deutschen Nordsee seit 2011 deutlich zu.
  • Kuckucksrochen (Leucoraja naevus): Daten unzureichend. Er lebt vor allem in tieferen Teilen der Nordsee und erreicht in der deutschen Nordsee den Rand seines Verbreitungsgebiets.
  • Gewöhnlicher Glattrochen und Großer Glattrochen (Dipturus batis und D. intermedius): Daten unzureichend. Beide wurden früher nicht als getrennte Arten erkannt. Möglicherweise sind sie in Deutschland bereits ausgestorben. Weltweit gelten beide als vom Aussterben bedroht (IUCN). In EU-Gewässern ist es seit 2009 verboten, Glattrochen zu fischen und anzulanden. Sie geraten aber weiter als Beifang in Netze.
  • Stechrochen (Dasyatis pastinaca): ausgestorben oder verschollen. Seit 1980 gibt es keinen Nachweis mehr aus deutschen Gewässern. Weltweit gilt er als gefährdet (IUCN).
  • Marmor-Zitterrochen und Blondrochen werden nur als unbeständige Gäste geführt, nicht als heimische Arten.

Hauptgefahr Fischerei: Für Nagelrochen nennen die Fachleute vor allem Stellnetze, Langleinen und Beifang in Schleppnetzen als Gefahren, außerdem Überdüngung des Meeres, Unterwasserlärm und den Verlust von Lebensräumen.

Gefährdung weltweit

Eine weltweite Neubewertung von 1.199 Arten der Knorpelfische, also Haien, Rochen und Seekatzen, ergab 2021, dass 391 Arten, also 32,6 Prozent, in eine der Gefährdungskategorien der Roten Liste fallen. Die wichtigste Ursache ist die Überfischung. Sie betrifft alle bedrohten Arten. Dazu kommen der Verlust von Lebensräumen, der Klimawandel und Verschmutzung. Besonders viele bedrohte Arten leben in tropischen und subtropischen Küstengewässern.

Im westlichen Atlantik werden viele Rochen nicht gezielt gefangen, landen aber regelmäßig als Beifang in den Netzen. Ihr Fleisch wird dort meist gesalzen, andere Teile werden zu Gelatine und Öl verarbeitet.

Häufige Fragen zu Rochen

Wie viele Rochenarten gibt es?

Schon 2002 waren 513 Rochenarten in 20 Familien und 72 Gattungen beschrieben. Fast die Hälfte davon gehört zu den Echten Rochen, die Eier legen.

Sind Rochen gefährlich?

Vorsicht ist bei Stechrochen geboten: Ihr Giftstachel kann für Badende und Fischer gefährlich sein. Zitterrochen erzeugen Stromstöße, beim Marmor-Zitterrochen bis zu 200 Volt. Die riesigen Mantas sind dagegen harmlos.

Was fressen Rochen?

Die meisten Rochen fressen Tiere vom Meeresboden, zum Beispiel Würmer, Krebse, Muscheln und kleine Fische. Zitterrochen betäuben Fische mit Strom, Adlerrochen knacken Muscheln, und Mantas filtern Plankton aus dem Wasser.

Wie bekommen Rochen ihre Jungen?

Echte Rochen wie der Nagelrochen legen Eier in hornartigen Kapseln am Meeresboden ab. Alle anderen Rochen bringen lebende Junge zur Welt, die sich im Mutterleib entwickelt haben.

Welche Rochen gibt es in der Nordsee?

In der deutschen Nordsee leben unter anderem Nagelrochen, Fleckrochen, Sternrochen und Kuckucksrochen. Vom Stechrochen gibt es hier seit 1980 keinen Nachweis mehr. Nagelrochen und Fleckrochen sind in den letzten Jahren wieder häufiger geworden.

Was ist der größte Rochen der Welt?

Der größte Rochen ist der Riesenmanta. Er erreicht laut NOAA bis 7,9 m Spannweite und kann über 2 Tonnen wiegen. Mehr dazu steht auf der Seite über Mantarochen.

Ähnliche Tiere

  • Mantarochen - die größten Rochen der Welt
  • Stachelrochen - Rochen mit Giftstachel am Schwanz
  • Dornhai - ein kleiner Hai, der wie viele Rochen in der Nordsee lebt
  • Riesenhai - ein riesiger Hai und wie die Rochen ein Knorpelfisch
  • Scholle - ein ebenfalls flacher Fisch vom Meeresboden der Nordsee

Quellen