Rotbarsch

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Rotbarsch mit leuchtend rotem Körper, großen Augen und stacheliger Rückenflosse liegt auf der Seite
Havforskningsinstituttet / Wikimedia Commons / CC BY 4.0

Kurz erklärt

Der Rotbarsch ist ein leuchtend roter Meeresfisch aus dem kalten Nordatlantik. Er lebt in 100 bis 1.000 Metern Tiefe, wird meist 35 bis 45 cm lang und kann 60 Jahre alt werden. Anders als die meisten Fische legt er keine Eier, sondern bringt lebende Larven zur Welt. Im Supermarkt ist er als Rotbarschfilet bekannt.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameSebastes norvegicus (früher Sebastes marinus)
Abstammung
  • Klasse: Strahlenflosser (Actinopterygii)
  • Ordnung: Barschartige (Perciformes)
  • Unterordnung: Drachenkopfverwandte (Scorpaenoidei)
  • Familie: Stachelköpfe (Sebastidae)
  • Gattung: Sebastes
  • Art: Rotbarsch oder Goldbarsch
KörpergrößeMeist 35 bis 45 cm lang, höchstens etwa 100 cm
KörpergewichtBis 15 kg
ErnährungFleischfresser: Krill und andere Krebstiere, Rippenquallen und kleine Fische wie Hering und Lodde
LebenserwartungBis 60 Jahre
SozialverhaltenGesellig, lebt in Schwärmen
HerkunftNordatlantik
Verbreitung Nordatlantik: im Osten vom Kattegat und der Nordsee bis Spitzbergen und in die Barentssee, um Island und Ostgrönland; im Westen von Grönland und Labrador bis New Jersey EuropaNordamerikaMeer
EntdeckungErstbeschreibung 1772 durch Peder Ascanius
GefährdungLC Nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2024)
SonstigesIm Handel heißen alle Sebastes-Arten „Rotbarsch“. Die Werte im Steckbrief gelten für Sebastes norvegicus, der auch als Goldbarsch verkauft wird.

Welcher Fisch ist der Rotbarsch?

Beim Namen „Rotbarsch“ muss man genau hinschauen, denn er wird für mehrere Fische verwendet. Im Fischhandel ist „Rotbarsch“ eine Sammelbezeichnung für alle Arten der Gattung Sebastes. Im Nordostatlantik werden drei davon gefangen:

  • der Rotbarsch oder Goldbarsch (Sebastes norvegicus, früher Sebastes marinus)
  • der Tiefenrotbarsch oder Schnabelbarsch (Sebastes mentella)
  • der Kleine Rotbarsch (Sebastes viviparus), der nur bei Island gefischt wird

Diese Seite beschreibt vor allem Sebastes norvegicus. Er ist auf dem Foto oben zu sehen. Im deutschen Fischhandel lautet seine offizielle Bezeichnung „Goldbarsch“. Wo es um den Tiefenrotbarsch geht, steht das ausdrücklich dabei.

Die beiden großen Arten sehen sich so ähnlich, dass man für eine sichere Bestimmung oft viele Körpermerkmale vergleichen oder das Erbgut untersuchen muss.

Kein echter Barsch: Trotz seines Namens ist der Rotbarsch nicht eng mit dem Flussbarsch oder dem Zander verwandt. Er gehört zu den Drachenkopfverwandten, also in die Verwandtschaft der Skorpionfische. Viele Fachleute stellen die Rotbarsche in eine eigene Familie, die Stachelköpfe (Sebastidae). Andere führen sie als Unterfamilie der Skorpionfische.

Aussehen und Körperbau

Der Rotbarsch hat einen hohen, seitlich abgeflachten Körper mit einem großen Kopf und großen Augen.

Farbe: Erwachsene Tiere sind kräftig goldrot bis rot gefärbt, der Bauch ist rosa. In der Tiefe, in die kaum noch rotes Licht dringt, wirkt diese Farbe dunkelgrau. So ist der auffällig rote Fisch in seinem Lebensraum gut getarnt.

Stacheln: Auf den Kiemendeckeln sitzen kräftige Dornen. Die vordere Rückenflosse wird von sehr harten, spitzen Stachelstrahlen gestützt, der hintere Teil der Rückenflosse ist weicher. Wer einen Rotbarsch anfasst, sollte also vorsichtig sein.

Schuppen: Die Schuppen sind hart, sitzen fest und haben am hinteren Rand kleine, zugespitzte Dornen.

Größe und Gewicht: Die meisten gefangenen Rotbarsche sind 35 bis 45 cm lang. Sehr alte Tiere können bis zu einem Meter lang und 15 kg schwer werden. Der Tiefenrotbarsch bleibt mit höchstens 77,5 cm etwas kleiner.

Verbreitung und Lebensraum

Der Rotbarsch lebt im kalten Nordatlantik. Im Osten reicht sein Verbreitungsgebiet vom Kattegat und der Nordsee nach Norden bis Spitzbergen und in den Süden der Barentssee. Er kommt um Island, bei den Färöern und vor Ostgrönland vor. Auf der amerikanischen Seite lebt er von Grönland und Labrador bis hinunter nach New Jersey in den USA.

Tiefe und Temperatur: Erwachsene Rotbarsche halten sich meist in 100 bis 500 Metern Tiefe auf, manche auch bis 1.000 Meter tief. Sie mögen kaltes Wasser mit Temperaturen von etwa 3 bis 8 Grad Celsius. Vor Island leben die Goldbarsche vor allem in Bodennähe zwischen 100 und 400 Metern Tiefe an der Kante des Festlandsockels.

Kinderstube: Junge Rotbarsche wachsen in flacherem Wasser auf, in Fjorden, Buchten und küstennahen Gewässern. Vor Ostgrönland und Island leben die Jungfische zunächst im freien Wasser und gehen später in Bodennähe.

Der Tiefenrotbarsch lebt noch tiefer. Man findet ihn meist in 350 bis 500 Metern Tiefe, er wurde aber schon aus über 1.400 Metern Tiefe gemeldet. Einige seiner Bestände leben frei schwimmend in der Irmingersee zwischen Island und Grönland.

Ernährung

Rotbarsche sind Raubfische. Was sie fressen, hängt von der Jahreszeit ab:

  • Im Sommer fressen sie vor allem Krill, also kleine Leuchtgarnelen.
  • Im Herbst und Winter jagen sie vor allem Heringe.
  • Im Frühjahr stehen Lodden (kleine Schwarmfische des Nordmeers), Heringe, Krill und Rippenquallen auf dem Speiseplan.

Außerdem fressen Rotbarsche Flohkrebse, Pfeilwürmer und kleine Tintenfische. Der Tiefenrotbarsch ernährt sich ähnlich.

Verhalten und Lebensweise

Rotbarsche sind gesellige Fische, die ihr ganzes Leben in Schwärmen verbringen. Sie bewegen sich eher langsam und wachsen sehr langsam. Diese Lebensweise ist typisch für viele Fische aus der kalten Tiefe.

Sehr alt: Rotbarsche werden für Fische ungewöhnlich alt. Sebastes norvegicus kann 60 Jahre alt werden. Beim Tiefenrotbarsch haben Forscher mit Hilfe von Isotopenmessungen ein Alter von mindestens 65 Jahren ermittelt, vor Nova Scotia sogar von mindestens 75 Jahren.

Späte Reife: Weil sie so langsam wachsen, werden Rotbarsche erst spät erwachsen. Geschlechtsreif sind sie mit etwa 10 bis 15 Jahren, wenn sie ungefähr 35 bis 40 cm lang sind.

Fortpflanzung und Nachwuchs

Die Fortpflanzung des Rotbarsches ist etwas Besonderes: Er ist lebendgebärend. Die meisten Meeresfische geben dagegen Eier ins Wasser ab.

  1. Paarung: Männchen und Weibchen paaren sich im Spätsommer oder Frühherbst. Das Männchen gibt seine Spermien in den Körper des Weibchens ab.
  2. Aufbewahrte Spermien: Die Eier des Weibchens sind zu diesem Zeitpunkt noch nicht reif. Das Weibchen bewahrt die Spermien deshalb im Eierstock auf, bis die Eier so weit sind. Erst dann werden sie befruchtet.
  3. Entwicklung im Mutterleib: Die Eier entwickeln sich im Bauch der Mutter. Die Larven schlüpfen dort.
  4. Geburt: Das Weibchen bringt 50.000 bis 350.000 Larven zur Welt, die nur wenige Millimeter lang sind. Die Larven werden erst entlassen, wenn sie sofort selbst fressen können.
  5. Im Plankton: Die winzigen Larven treiben zunächst im freien Wasser.

Hunderttausend Junge klingen nach sehr viel. Fachleute bewerten die Zahl für einen Meeresfisch aber als vergleichsweise gering, denn viele andere Meeresfische geben weit mehr Eier ab. Bis die jungen Rotbarsche selbst Nachwuchs bekommen, vergehen außerdem viele Jahre.

Feinde, Fischerei und Gefährdung

Fischerei: Der größte Einfluss auf den Rotbarsch geht vom Menschen aus. Rotbarsche sind wichtige Speisefische. Goldbarsche aus dem Bestand um Island werden überwiegend mit Grundschleppnetzen gefangen. Im Jahr 2024 wurden aus diesem Bestand etwa 42.300 Tonnen angelandet, rund 38.400 Tonnen davon aus isländischen Gewässern. In Deutschland wurden 2022 knapp 8.300 Tonnen Rotbarsch verzehrt, das waren 0,7 Prozent des gesamten Fischverbrauchs. Rotbarsch wird frisch, tiefgefroren oder heiß geräuchert angeboten, meist als Filet.

Warum Überfischung so schnell geht: Weil Rotbarsche langsam wachsen, spät geschlechtsreif werden und vergleichsweise wenige Junge bekommen, erholen sich ihre Bestände nur langsam. FishBase schätzt, dass sich ein Bestand frühestens in 4,5 bis 14 Jahren verdoppeln kann. Die Anfälligkeit für Fischerei stuft FishBase als hoch bis sehr hoch ein.

Zustand der Bestände: Die Lage ist je nach Bestand sehr verschieden:

  • Der Goldbarsch-Bestand um Island liegt nach Angaben des Thünen-Instituts noch deutlich über dem Grenzwert für eine nachhaltige Nutzung. Seit 2017 hat die Menge laichreifer Fische aber abgenommen, und seit 2009 gibt es schwache Jahrgänge.
  • Der frei schwimmende Tiefenrotbarsch in großer Tiefe der Irmingersee ist dagegen in einem sehr schlechten Zustand. Der Internationale Rat für Meeresforschung (ICES) empfahl für 2022 bis 2024, dort gar keinen Rotbarsch mehr zu fangen.

Schäden am Meeresboden: Grundschleppnetze können Lebensgemeinschaften am Meeresboden schädigen. Besonders empfindlich sind Kaltwasserkorallen und Schwämme.

Rote Liste: Weltweit gilt Sebastes norvegicus auf der Roten Liste der IUCN als nicht gefährdet (IUCN, 2024). Der Tiefenrotbarsch ist weltweit ebenfalls als nicht gefährdet eingestuft, in der europäischen Roten Liste von 2015 aber als stark gefährdet.

Häufige Fragen zum Rotbarsch

Ist Rotbarsch dasselbe wie Goldbarsch?

Ja, weitgehend. Goldbarsch ist die offizielle Handelsbezeichnung für Sebastes norvegicus, den Fisch, um den es auf dieser Seite vor allem geht. Im Handel darf aber jede Art der Gattung Sebastes als „Rotbarsch“ verkauft werden, also auch der Tiefenrotbarsch.

Wie groß wird ein Rotbarsch?

Die meisten Rotbarsche sind 35 bis 45 cm lang. Sehr alte Tiere erreichen bis zu einem Meter Länge und 15 kg Gewicht. Der Tiefenrotbarsch wird höchstens 77,5 cm lang.

Wie alt wird ein Rotbarsch?

Rotbarsche werden sehr alt. Für Sebastes norvegicus sind 60 Jahre belegt, beim Tiefenrotbarsch mindestens 75 Jahre. Geschlechtsreif werden sie erst mit etwa 10 bis 15 Jahren.

Was frisst ein Rotbarsch?

Er frisst Krill und andere kleine Krebstiere, Rippenquallen, Pfeilwürmer, kleine Tintenfische und kleine Fische wie Heringe und Lodden. Im Sommer überwiegt Krill, im Herbst und Winter Hering.

Legt der Rotbarsch Eier?

Nein. Der Rotbarsch ist lebendgebärend. Die Befruchtung findet im Körper des Weibchens statt, und die Larven schlüpfen im Mutterleib. Das Weibchen bringt dann Zehntausende bis Hunderttausende winzige Larven zur Welt.

Warum ist der Rotbarsch rot?

In der Tiefe, in der er lebt, kommt fast kein rotes Licht mehr an. Die rote Farbe wirkt dort dunkelgrau, so dass der Fisch kaum auffällt. Erst an der Oberfläche leuchtet er rot.

Ähnliche Tiere

  • Skorpionfisch - naher Verwandter mit giftigen Flossenstacheln
  • Seeskorpion - stacheliger Bodenfisch aus der Nordsee
  • Dorsch - ebenfalls ein wichtiger Speisefisch aus dem Nordatlantik
  • Zander - ein echter Barsch aus dem Süßwasser, mit dem Rotbarsch nicht eng verwandt
  • Steinbutt - Speisefisch, der am Meeresboden lebt

Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Rotbarsch
35 cm bis 1 m

Mit 35 cm bis 1 m gehört der Rotbarsch zu den mittelgroßen Tieren in unserem Lexikon. Ein Fußball (22 cm) ist dagegen kleiner, während ein Kind mit 1,2 m noch etwas an Größe drauflegt.