Rote Waldameise

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Mehrere Rote Waldameisen mit rotbrauner Brust und schwarzgrauem Hinterleib laufen über Nadeln und Pflanzenreste ihres Nesthügels
Topi Pigula / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0

Kurz erklärt

Die Rote Waldameise baut die bekannten großen Ameisenhaufen aus Nadeln und Zweigen. In einem Haufen leben Zehntausende Ameisen, die viele Raupen und andere Insekten erbeuten und Honigtau von Blattläusen sammeln. Damit helfen sie dem Wald. In Deutschland ist die Rote Waldameise besonders geschützt: Ihre Nester dürfen nicht gestört oder zerstört werden.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameFormica rufa
Abstammung
  • Klasse: Insekten
  • Ordnung: Hautflügler (Hymenoptera)
  • Familie: Ameisen (Formicidae)
  • Unterfamilie: Schuppenameisen (Formicinae)
  • Gattung: Formica
  • Art: Rote Waldameise
KörpergrößeArbeiterinnen 4 bis 9 mm, Königinnen bis etwa 12 mm
ErnährungAllesfresser: etwa zwei Drittel Honigtau von Blattläusen, ein Drittel tierische Nahrung wie Insekten und Aas
LebenserwartungKöniginnen von Waldameisen bis zu 20 Jahre; Männchen sterben kurz nach der Paarung
SozialverhaltenStaatenbildend; die meisten Völker haben nur eine Königin und bis zu 120.000 Arbeiterinnen
HerkunftEuropa und Asien
Verbreitung Von der Iberischen Halbinsel bis zur Baikalregion; in Europa von Spanien bis Mittelschweden und Mittelfinnland; selten in Kleinasien und im Kaukasus AsienEuropa
Entdeckung1761 von Carl von Linné beschrieben
GefährdungNT Potenziell gefährdet (Rote Liste der IUCN, 1996)
SonstigesIn Deutschland nach der Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt. Die weltweite IUCN-Einstufung stammt von 1996 und gilt als veraltet.

Die Rote Waldameise im Überblick

Die Rote Waldameise (Formica rufa) ist eine der Ameisen, die im Wald die großen Haufen aus Nadeln und Zweigen bauen. Sie gehört zu einer Gruppe nah verwandter, sehr ähnlicher Arten, die Fachleute als Formica-rufa-Gruppe oder einfach als "Rote Waldameisen" bezeichnen. Aus Europa und Asien sind mindestens 13 Arten dieser Gruppe beschrieben.

Rote Waldameisen gelten als Schlüsselarten der Wälder in gemäßigten und kalten Breiten. Ihre großen, langlebigen Nester beeinflussen den Wald auf vielen Ebenen: Die Ameisen jagen Insekten, die Bäume schädigen können, verbessern den Boden und bieten vielen anderen Tieren einen Lebensraum.

Im Alltag nennt man oft jede rotbraune Ameise auf einem Nadelhaufen "Rote Waldameise". Genau genommen ist damit aber nur die Art Formica rufa gemeint. Ihr nächster Verwandter ist die Kahlrückige Waldameise (Formica polyctena), im Lexikon auch "Kleine Rote Waldameise" genannt. Die Rote Waldameise heißt dort entsprechend "Große Rote Waldameise".

Aussehen und Körperbau

Größe: Die Arbeiterinnen sind 4 bis 9 Millimeter lang. Die Königinnen sind größer und erreichen etwa 12 Millimeter. Die Arbeiterinnen sind Weibchen ohne Flügel. Nur die Geschlechtstiere, also junge Königinnen und Männchen, tragen Flügel.

Farbe: Die Arbeiterinnen sind überwiegend rötlich gefärbt. Die Wangen und die Unterseite des Kopfes sind hellrot, die Oberseite des Hinterkopfes ist schwarzbraun. Die Brust ist hellrot und hat oben oft einen dunkelbraunen Fleck. Der Hinterleib ist dunkel. Bei den Königinnen sind der Rücken der Brust schwarzbraun und der Hinterleib schwarz und glänzend.

Behaarung: Ein wichtiges Merkmal sind feine, abstehende Haare an der Unterseite des Kopfes und auf der Brust. Bei der Roten Waldameise sind sie immer vorhanden und recht lang. Am Hinterrand des Kopfes fehlen solche Haare dagegen meistens.

Waffen: Rote Waldameisen haben kräftige Kiefer. Werden sie bedroht, spritzen sie aus dem Hinterleib einen Strahl Ameisensäure nach oben. Wer sich über einen Ameisenhaufen beugt, riecht die Säure: Sie erinnert an Essig.

Verbreitung und Lebensraum

Die Rote Waldameise kommt von der Iberischen Halbinsel bis in die Gegend des Baikalsees in Sibirien vor. In Europa reicht ihr Gebiet von Spanien im Süden bis nach Mittelschweden und Mittelfinnland im Norden. Eine etwas abweichende Form lebt außerdem selten in Kleinasien und im Kaukasus. In den Südalpen steigt die Art bis auf etwa 1.500 Meter, in Kleinasien bis auf 1.900 Meter.

Wie hoch die Rote Waldameise in den europäischen Gebirgen vorkommt, ist kaum untersucht. In der Schweiz wurde sie bei einer landesweiten Erhebung nur vereinzelt gefunden. Viel häufiger waren dort zwei Gebirgswaldameisen.

Lebensraum: Die Art baut ihre Nester gern auf sonnigen Lichtungen in lichten Wäldern. Für Waldameisen allgemein gilt: Nadelbäume, Sonne am Morgen und eine offene Waldstruktur fördern Ameisenhaufen. Nadelbäume liefern Baumaterial wie Nadeln und Harz und beherbergen viele Blattläuse, die für die Ernährung wichtig sind. Wächst das Kronendach eines Waldes zu, wird es für die Ameisen zu schattig.

Der Ameisenhaufen

Der Ameisenhaufen ist das Markenzeichen der Roten Waldameisen. Er wird oft über einem alten Baumstumpf angelegt und kann bis zu 2 Meter hoch werden und einen Durchmesser von bis zu 5 Metern erreichen. Ebenso wichtig ist der unsichtbare Teil: Unter der Erde liegt ein mindestens ebenso großer Nestteil, der bis zu 2 Meter tief reichen kann.

Baumaterial: Die Kuppel besteht aus Nadeln, kleinen Zweigstücken, Knospen- und Zapfenschuppen und Harz. Die Ameisen schichten das Material ständig um.

Winter im Nest: Im Winter ziehen sich die Arbeiterinnen und Königinnen in Kammern unter der Erde zurück. Dort verharren sie in Kältestarre und leben von ihren Fettreserven.

Untermieter: Ameisenhaufen sind Lebensraum für viele andere kleine Tiere, etwa Käfer, Springschwänze, Fliegen, Silberfischchen und Milben. In einem einzigen Liter Nestmaterial leben rund 200 solcher Untermieter. Manche dieser Arten können nur in Nestern von Roten Waldameisen überleben. Eine davon ist die Ameisenart Formicoxenus nitidulus, die in Nestern verschiedener Roter Waldameisen lebt. Sie wird auf der Roten Liste der IUCN als gefährdet geführt.

Ernährung

Rote Waldameisen fressen pflanzliche und tierische Nahrung. Bei Waldameisen besteht die Nahrung etwa zu zwei Dritteln aus Honigtau und zu einem Drittel aus tierischer Kost wie Insekten und Aas.

Honigtau von Blattläusen: Honigtau ist eine zuckerhaltige Flüssigkeit, die Blattläuse in den Baumkronen ausscheiden. Die Ameisen klettern auf die Bäume und streicheln die Blattläuse mit ihren Fühlern. Dadurch geben die Läuse mehr Honigtau ab. Im Gegenzug halten die Ameisen Feinde von den Blattläusen fern. Ein einziges Waldameisenvolk kann im Jahr eine Viertel Tonne Honigtau verbrauchen.

Jagd auf Insekten: Die eiweißreiche Beute brauchen die Ameisen vor allem für die Larven und die Königin. Ein großes Waldameisennest mit einer Million Tieren benötigt im Jahr rund 30 Kilogramm Insekten. Die Ameisen suchen im Umkreis von etwa 100 Metern um ihr Nest nach Nahrung.

Warum Waldameisen für den Wald wichtig sind

Schädlingsbekämpfer: Die größte Bedeutung haben Waldameisen als Jäger von Raupen und anderen Insekten. Vermehren sich zum Beispiel Schmetterlingsraupen massenhaft, können große Völker täglich bis zu 100.000 Raupen in ihr Nest tragen. In einem Eichenwald schleppte ein mittelstarkes Volk während einer Massenvermehrung des Eichenwicklers schätzungsweise ein bis zwei Millionen Raupen ein. Rund um das Nest fraßen die Raupen deutlich weniger Blätter. Auch in Kiefernwäldern in Deutschland blieben um Ameisenhaufen grüne Inseln stehen, während der Wald ringsum kahl gefressen war.

Bodenverbesserer: Beim Nestbau lockern die Ameisen die Erde, mischen sie mit Pflanzenresten und reichern sie mit Nährstoffen an. In der Nähe von Ameisenhaufen wachsen Bäume, Sträucher und Pilze deshalb oft besser, und junge Bäume keimen erfolgreicher.

Samenverbreiter und Futter: Ameisen tragen Samen von Kräutern und Gehölzen weiter. Sie selbst sind Nahrung für Vögel, vor allem für Spechte, und für andere Wirbeltiere.

Indirekt für den Honig: Weil die Ameisen die Blattläuse zu mehr Honigtau anregen, finden auch Honigbienen mehr davon. In der Schweiz werden so jedes Jahr im Durchschnitt rund 2.200 Tonnen Waldhonig gewonnen.

Leben im Ameisenstaat

Ein Volk der Roten Waldameise besteht aus Königinnen, Arbeiterinnen und zeitweise Männchen. Bei der Roten Waldameise haben etwa drei Viertel aller Nester nur eine einzige Königin. Solche Völker zählen bis zu 120.000 Arbeiterinnen. Bei der Kahlrückigen Waldameise dagegen leben meist viele Königinnen in einem Nest. Solche Riesenstaaten können bis zu 5.000 Königinnen und mehrere Millionen Ameisen umfassen.

Die Königin: Bei Waldameisen legt eine Königin mehr als 30 Eier am Tag. Aus befruchteten Eiern schlüpfen Weibchen, aus unbefruchteten Männchen. Bei ihrer Paarung nimmt die Königin so viel Samen auf, dass er für ihr ganzes Leben reicht. Königinnen von Waldameisen können bis zu 20 Jahre alt werden. Für ein Insekt ist das sehr lang.

Die Arbeiterinnen: Junge Arbeiterinnen arbeiten zuerst im Nest. Sie pflegen Eier, Larven und Puppen, verarbeiten die Beute und halten das Nest in Ordnung. Ältere Arbeiterinnen wechseln in den Außendienst: Sie holen Nahrung und Baumaterial.

Hochzeitsflug: Im Sommer verlassen viele geflügelte Männchen und Jungköniginnen das Nest und paaren sich in der Luft. Die Männchen sterben kurz danach. Die Königinnen werfen ihre Flügel ab.

Ein neues Volk gründen: Junge Königinnen der Roten Waldameise gründen neue Völker oft mithilfe einer anderen Ameisenart. Eine Königin dringt dazu in das Nest zum Beispiel von Formica fusca ein, tötet deren Königin und lässt ihre eigene Brut von den fremden Arbeiterinnen versorgen. Völker mit mehreren Königinnen vermehren sich dagegen vor allem durch Ableger: Eine Königin zieht mit Arbeiterinnen aus und gründet in der Nähe ein neues Nest.

Verwechslungsgefahr: Rote Waldameise und ihre Verwandten

Die Arten der Formica-rufa-Gruppe sehen sich sehr ähnlich. Eine sichere Bestimmung gelingt oft nur mit genauen Messungen der Haare und Körperteile.

  • Kahlrückige Waldameise (Formica polyctena): Sie ist an Kopfunterseite und Brust fast kahl, die Rote Waldameise dort deutlich behaart. Beide Arten kreuzen sich häufig. In manchen Gegenden liegt der Anteil der Mischlinge bei bis zu 28 Prozent, über ganz Europa gerechnet bei etwa 6 bis 8 Prozent. Fachleute führen die beiden Arten trotzdem getrennt, weil sie sich in Reinform deutlich in Aussehen, Lebensweise und Fortpflanzung unterscheiden.
  • Gebirgs-Waldameise (Formica lugubris) und Alpenwaldameise (Formica aquilonia): Bei ihnen trägt der Hinterrand des Kopfes fast immer abstehende Haare, bei der Roten Waldameise fehlen sie dort meist.
  • Große Wiesenameise (Formica pratensis): Auch sie hat meist viele Haare am Hinterkopf. Sie lebt vor allem im offenen Gelände und weniger im Wald.

Feinde und Gefährdung

Zu den Feinden der Roten Waldameisen gehören viele Vögel, etwa Spechte und Stare, außerdem Wildschweine und Kröten.

Die Rote Liste der IUCN führt die Rote Waldameise als potenziell gefährdet (NT). Diese Einstufung stammt aber aus dem Jahr 1996. Wie bei allen Ameisen auf der Roten Liste fehlte im Jahr 2022 noch eine neuere Bewertung, Fachleute halten eine Aktualisierung für nötig. In älteren Einstufungen von 1983 bis 1994 galt die Art sogar als gefährdet.

Ursachen: In vielen Gegenden Europas sind Rote Waldameisen örtlich zurückgegangen oder ganz verschwunden. Als Gründe gelten eintönige Wirtschaftswälder, Schäden an Nestern und ihrer Umgebung bei der Holzernte und Wälder, die zu dicht und schattig werden. Im Süden Europas könnte der Klimawandel die Ameisen zusätzlich treffen, weil sie dort nur in höheren Lagen leben. Wenn Nester bei Bauarbeiten umgesiedelt werden, klappt das oft nicht.

Schutz in Deutschland

In Deutschland steht die Rote Waldameise in der Bundesartenschutzverordnung und ist damit besonders geschützt. Das gilt auch für die anderen heimischen hügelbauenden Waldameisen, darunter die Kahlrückige Waldameise, die Gebirgs-Waldameise und die Alpenwaldameise. Es ist verboten, ihre Nester zu stören oder zu zerstören oder Arbeiterinnen und Brut zu entnehmen. Auch Mischlinge aus Roter und Kahlrückiger Waldameise sind geschützt, weil beide Elternarten geschützt sind.

In der Schweiz stehen die Roten Waldameisen schon seit 1966 unter Schutz. Sie waren dort die ersten geschützten Insekten. Bereits 1965 war auf europäischer Ebene allen Mitgliedsstaaten empfohlen worden, Rote Waldameisen gesetzlich zu schützen, weil sie im Wald gegen Schadinsekten wichtig sind.

Häufige Fragen zur Roten Waldameise

Darf man einen Ameisenhaufen zerstören?

Nein. Die Rote Waldameise ist in Deutschland besonders geschützt. Es ist verboten, ihre Nester zu stören, zu beschädigen oder Ameisen und ihre Brut mitzunehmen. Am besten betrachtet man einen Ameisenhaufen aus etwas Abstand, ohne darin zu stochern.

Wie groß wird ein Ameisenhaufen?

Ein Nest der Roten Waldameisen kann bis zu 2 Meter hoch werden und einen Durchmesser von bis zu 5 Metern erreichen. Unter der Erde liegt ein mindestens ebenso großer Teil, der bis zu 2 Meter tief reicht.

Warum riecht ein Ameisenhaufen nach Essig?

Rote Waldameisen verteidigen sich mit Ameisensäure, die sie aus dem Hinterleib spritzen. Kommt man dem Nest zu nahe, riecht man die Säure. Ihr Geruch erinnert an Essig.

Wie viele Ameisen leben in einem Ameisenhaufen?

Das hängt vom Volk ab. Völker der Roten Waldameise mit nur einer Königin haben bis zu 120.000 Arbeiterinnen. Riesenstaaten mit vielen Königinnen, wie sie vor allem die Kahlrückige Waldameise bildet, können mehrere Millionen Ameisen umfassen.

Wie alt wird eine Ameisenkönigin?

Königinnen von Waldameisen können bis zu 20 Jahre alt werden. Die Männchen dagegen sterben schon kurz nach der Paarung.

Was ist der Unterschied zwischen der Roten Waldameise und der Kahlrückigen Waldameise?

Die Rote Waldameise ist an der Unterseite des Kopfes und auf der Brust deutlich behaart, die Kahlrückige Waldameise dort fast kahl. Nester der Roten Waldameise haben meist nur eine Königin, die der Kahlrückigen Waldameise meist viele.

Ähnliche Tiere

  • Ameise - Überblick über die Ameisen insgesamt
  • Honigbiene - ebenfalls ein staatenbildender Hautflügler
  • Hornisse - ein staatenbildender Hautflügler, der in Deutschland ebenfalls besonders geschützt ist
  • Wespe - gehört wie die Ameisen zu den Hautflüglern
  • Termiten - bauen ebenfalls große Nester und leben in Staaten

Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Rote Waldameise
4 mm bis 1,2 cm

Die Rote Waldameise ist mit 4 mm bis 1,2 cm ein echtes Leichtgewicht auf der Größenskala. Selbst eine Biene (1,5 cm) überragt sie. Dafür passt die Rote Waldameise bequem auf eine Handfläche - oder sogar auf einen Fingernagel!