Rotkehlchen

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Rotkehlchen mit orangeroter Brust sitzt auf einem Zweig
Jacob Spinks from Northamptonshire, England / Wikimedia Commons / CC BY 2.0

Kurz erklärt

Das Rotkehlchen ist an seiner orangeroten Brust leicht zu erkennen. Es wird 12,5 bis 14 cm groß, wiegt etwa 19 Gramm und hüpft auf der Suche nach Würmern und Insekten über den Boden. In Deutschland brüten 4 bis 5 Millionen Paare, damit gehört es zu den häufigsten Singvögeln. 2021 wurde es zum Vogel des Jahres gewählt.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameErithacus rubecula
Abstammung
  • Klasse: Vögel
  • Ordnung: Sperlingsvögel
  • Unterordnung: Singvögel
  • Familie: Fliegenschnäpper (Muscicapidae)
  • Gattung: Erithacus
  • Art: Rotkehlchen
Körpergröße12,5 bis 14 cm
Körpergewicht15,5 bis 22,8 g
ErnährungVor allem Insekten, Spinnen, Würmer und Schnecken, im Herbst auch Beeren
LebenserwartungMeist etwa 2 Jahre, Altersrekord 8 Jahre und 4 Monate
SozialverhaltenAußerhalb der Brutzeit einzeln in eigenen Revieren
HerkunftEuropa
Verbreitung Europa bis Westsibirien, Nordafrika und Kleinasien AfrikaAsienEuropa
EntdeckungErstbeschreibung 1758 durch Carl von Linné
GefährdungLC Nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2018)
SonstigesVogel des Jahres 1992 und 2021. In Deutschland brüten 4,1 bis 5,25 Millionen Paare.

Aussehen und Körperbau

Das Rotkehlchen ist ein kleiner, rundlicher Singvogel mit dünnen, langen Beinen und großen dunklen Augen. Es misst 12,5 bis 14 cm von der Schnabelspitze bis zum Schwanzende. Erwachsene Vögel wiegen im Schnitt 19 Gramm, die meisten liegen zwischen 15,5 und 22,8 Gramm.

Sein Erkennungszeichen ist die orangerote Färbung. Sie beginnt an Stirn, Zügel und Augengegend und reicht über Kehle und Vorderbrust bis zur unteren Brust. Der Bauch ist weiß, die Flanken sind grau-beige. Oberseite und Schwanz sind dunkel olivbraun. Schnabel, Füße und Augen sind dunkel.

Männchen und Weibchen sehen gleich aus, man kann sie im Feld nicht unterscheiden. Das Alter dagegen schon: Jungvögel haben noch kein Rot, ihre Brust ist bräunlich geschuppt und wird erst nach der ersten Mauser orange.

Die Flügellänge liegt bei erwachsenen Vögeln im Mittel bei rund 74 Millimetern. Männchen haben mit etwa 75 Millimetern minimal längere Flügel als Weibchen mit knapp 73 Millimetern.

Verbreitung und Lebensraum

Das Brutgebiet reicht von Westeuropa bis nach Sibirien. Im Winter ziehen viele Vögel bis nach Nordafrika und Kleinasien. In den Bergen brüten sie bis in die Nähe der Baumgrenze.

Rotkehlchen brüten in Wäldern, Gebüschen, Hecken, Parks, Gärten und auf Friedhöfen. Am liebsten mögen sie Wälder mit viel Unterholz, besonders in der Nähe von Wasser oder an feuchten Stellen. Auch offene Feldlandschaften besiedeln sie, solange es dort Sträucher zum Brüten gibt.

In Deutschland gehört das Rotkehlchen zu den häufigsten Brutvögeln. Der NABU schätzt den Bestand auf 4,1 bis 5,25 Millionen Brutpaare, der Trend ist stabil.

Ernährung

Rotkehlchen fressen fast alles, was klein genug ist und sich bewegt. Sie hüpfen über den Boden, halten inne, schauen sich um und picken dann zu. Auf dem Speiseplan stehen Käfer, Zweiflügler, Netzflügler, Ohrwürmer, Schmetterlingsraupen, Ameisen und Blattläuse, dazu Spinnen, Regenwürmer und Schnecken. Ab Spätsommer und Herbst kommen weiche Früchte dazu, etwa Beeren von Schneeball, Pfaffenhütchen, Hartriegel, Faulbaum und Efeu.

Besonders gerne suchen Rotkehlchen dort, wo jemand die Erde aufwühlt. Wer im Garten ein Beet umgräbt, hat oft schon nach wenigen Minuten ein Rotkehlchen neben sich. In der Natur folgen die Vögel aus demselben Grund größeren Säugetieren wie Wildschweinen, die beim Wühlen Insekten freilegen. Genau darauf beruht auch die berühmte Zutraulichkeit der Art: Das Rotkehlchen hält Ausschau nach großen Tieren, weil die ihm die Arbeit abnehmen. Deshalb kommt es Menschen bis auf einen Meter nahe.

Gesang und Revierverhalten

Für seine Größe ist das Rotkehlchen erstaunlich laut. Sein Reviergesang besteht aus langen, immer wieder anders zusammengesetzten Strophen. Er beginnt mit hohen, feinen Tönen und endet in einer Folge „perlender“ oder „tröpfelnder“ Elemente. Viele Menschen empfinden ihn als wehmütig. Zu hören ist er nicht nur im Frühling, sondern auch im Herbst, im Winter und sogar nachts.

Anders als bei den meisten Singvögeln singen auch die Weibchen. Ihr Gesang klingt ähnlich wie der der Männchen, ist aber leiser und kürzer. Der Grund: Rotkehlchen verteidigen auch im Winter ein eigenes Revier, und zwar jedes Tier für sich.

Als Warnruf dient ein kurzes, hartes „tick“, das schnell wiederholt wird. Nähert sich ein Greifvogel aus der Luft, geben die Vögel stattdessen ein gedehntes, hohes „siiip“ von sich.

Fortpflanzung und Nachwuchs

Balz und Paarbildung beginnen bei Standvögeln schon im Dezember. Vögel, die weiter südlich überwintert haben, fangen erst nach ihrer Rückkehr damit an. Die Brutzeit läuft von Anfang April bis Juli, in Großbritannien liegt das durchschnittliche Datum für das erste Gelege um den 18. April.

Der Nistplatz ist sehr unterschiedlich. Am liebsten baut das Rotkehlchen direkt am Boden: zwischen Wurzeln, unter Baumstämmen, in Erdlöchern oder im dichten Gras. Auch Hecken und efeubewachsene Mauern werden genutzt, ebenso tief hängende Halbhöhlen-Nistkästen. Das napfförmige Nest besteht aus Blättern, Moos und Halmen.

Ein Gelege umfasst drei bis sieben gelbliche Eier mit rotbraunen Punkten und Linien, meist sind es vier oder fünf. Ein Ei ist etwa 20 mal 15 Millimeter groß und wiegt rund 2,4 Gramm. Das Weibchen brütet allein, nach 12 bis 15 Tagen schlüpfen die Jungen. Sie kommen nackt und blind zur Welt und verlassen das Nest nach 13 bis 16 Tagen. Zwei Bruten pro Jahr sind normal, in guten Jahren kommt eine dritte dazu.

Die meisten Rotkehlchen überleben ihr erstes Jahr nicht. Wer die Brutreife erreicht, lebt danach im Schnitt noch etwa zwei Jahre. Der älteste beringte Vogel Großbritanniens war 8 Jahre, 4 Monate und 30 Tage alt, dieser Rekord stammt aus dem Jahr 1977.

Zugverhalten und der Magnetsinn

Rotkehlchen aus dem Norden Europas sind Zugvögel, Rotkehlchen aus dem Süden bleiben das ganze Jahr an Ort und Stelle. In Deutschland ist die Art ein Teilzieher: Ein Teil der Vögel bleibt im Winter da, der andere zieht kurze Strecken nach Süden oder Westen. Viele Rotkehlchen, die man hier im Winter am Futterhaus sieht, sind gar nicht die Sommergäste, sondern Besucher aus Nord- und Osteuropa.

Gezogen wird nachts. Wie die Vögel dabei die Richtung finden, beschäftigt die Forschung seit Jahrzehnten, und das Rotkehlchen ist dabei die wichtigste Versuchsart. Es besitzt einen lichtabhängigen Magnetkompass: Es nimmt das Erdmagnetfeld nur wahr, wenn Licht auf seine Augen fällt.

2021 veröffentlichte ein Team aus Oldenburg und Oxford in der Fachzeitschrift Nature einen wichtigen Baustein dazu. Die Forschenden untersuchten das Eiweiß Kryptochrom 4 aus der Netzhaut des Rotkehlchens. Im Reagenzglas reagierte es messbar auf Magnetfelder, und zwar stärker als das gleiche Eiweiß von Huhn und Taube, also von zwei Arten, die nicht auf Zug angewiesen sind. Das spricht dafür, dass der Magnetsinn der Zugvögel tatsächlich im Auge beginnt.

Feinde und Gefährdung

Auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN gilt das Rotkehlchen als nicht gefährdet (LC, Einstufung von BirdLife International aus dem Jahr 2018). Der Bestand ist weitgehend stabil.

Probleme gibt es trotzdem. In Mitteleuropa verschwinden Hecken, Feldgehölze und strukturreiche Landschaften durch die intensive Landwirtschaft und durch Bebauung. In Wirtschaftswäldern fehlt vielerorts das Unterholz, in dem die Vögel ihre Bodennester anlegen.

Rotkehlchen im Garten

Weil Rotkehlchen am Boden und in Bodennähe brüten und dort auch ihr Futter suchen, mögen sie Gärten, die nicht zu ordentlich sind. Diese Punkte helfen:

  • Dichte Hecken pflanzen und Efeu an der Hauswand wachsen lassen. Beides bietet Nistplätze.
  • Falllaub und Totholz liegen lassen, darin leben die Insekten und Würmer, von denen die Vögel leben.
  • Auf Steingärten und durchgehend versiegelte Wege verzichten.
  • Wo natürliche Nischen fehlen, hilft ein halb offener Nistkasten, eine sogenannte Halbhöhle. Ein Kasten mit kleinem Einflugloch wird dagegen kaum angenommen.
  • Eine flache Vogeltränke, die regelmäßig gereinigt wird, nutzen Rotkehlchen gerne.

Häufige Fragen zum Rotkehlchen

Wie groß und wie schwer wird ein Rotkehlchen?

Es wird 12,5 bis 14 cm lang. Erwachsene Vögel wiegen im Durchschnitt 19 Gramm, die allermeisten zwischen 15,5 und 22,8 Gramm. Damit ist das Rotkehlchen etwas größer als eine Blaumeise, aber deutlich kleiner als eine Amsel.

Was frisst ein Rotkehlchen?

Vor allem Kleintiere, die es hüpfend am Boden sucht: Käfer, Fliegen, Raupen, Ameisen, Blattläuse, Spinnen, Regenwürmer und Schnecken. Im Spätsommer und Herbst frisst es zusätzlich weiche Beeren, etwa von Efeu, Hartriegel oder Pfaffenhütchen. An Futterstellen nimmt es gerne Fettfutter und feine Sämereien.

Ist das Rotkehlchen ein Zugvogel?

In Deutschland ist es ein Teilzieher. Manche Rotkehlchen bleiben den ganzen Winter hier, andere ziehen kurze Strecken nach Süden. Vögel aus Nord- und Osteuropa sind dagegen echte Zugvögel und überwintern teilweise bei uns. Gezogen wird nachts.

Warum ist das Rotkehlchen so zutraulich?

Weil es gelernt hat, dass große Tiere beim Wühlen Nahrung freilegen. In der Natur folgt es Wildschweinen, im Garten folgt es dem Menschen mit dem Spaten. Es kommt dabei bis auf einen Meter heran. Gezähmt ist es deshalb nicht, es wartet einfach auf Würmer.

Wie sieht ein junges Rotkehlchen aus?

Ganz anders als die Eltern: Jungvögeln fehlt das Orangerot völlig. Ihre Brust ist braun geschuppt, der ganze Vogel wirkt gesprenkelt. Erst nach der ersten Mauser bekommen sie die typische Färbung. Männchen und Weibchen sind dagegen in keinem Alter zu unterscheiden.

Singen auch weibliche Rotkehlchen?

Ja, und das ist bei Singvögeln ungewöhnlich. Der Gesang der Weibchen klingt ähnlich wie der der Männchen, ist aber leiser und kürzer. Der Grund ist, dass auch die Weibchen im Winter ein eigenes Revier verteidigen.

Wie alt wird ein Rotkehlchen?

Die meisten Jungvögel sterben im ersten Jahr. Wer die Brutreife erreicht, lebt danach im Mittel noch etwa zwei Jahre. Der Altersrekord aus der britischen Vogelberingung liegt bei 8 Jahren, 4 Monaten und 30 Tagen.

Ähnliche Tiere

  • Amsel - häufiger Gartenvogel, der ebenfalls am Boden nach Würmern sucht
  • Zaunkönig - noch kleiner, mit lautem, schmetterndem Gesang
  • Nachtigall - naher Verwandter aus derselben Familie
  • Blaumeise - häufiger Besucher am Futterhaus
  • Buchfink - weiterer sehr häufiger Brutvogel in Deutschland
  • Singdrossel - Bodenjägerin mit auffälligem Gesang

Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Rotkehlchen
12,5 bis 14 cm

Mit 12,5 bis 14 cm gehört das Rotkehlchen zu den kleineren Tieren in unserem Lexikon. Eine 1-Euro-Münze (2,3 cm) ist dagegen deutlich kleiner, während ein Fußball mit 22 cm noch etwas an Größe drauflegt. Stell dir vor: Das Rotkehlchen ist ungefähr 6-mal so lang wie eine 1-Euro-Münze!

Gewichtsvergleich

🪙1-Euro-Münze
7,5 g
🍫Tafel Schokolade
100 g
⚽Fußball
430 g
🧒Kind
25 kg
🧑Erwachsener
75 kg
🚗Auto
1,5 t
🚌Schulbus
12 t
▼Rotkehlchen
15,5 bis 22,8 g

Würde man das Rotkehlchen auf eine Waage stellen, zeigte sie 15,5 bis 22,8 g an. Eine 1-Euro-Münze (7,5 g) wäre da deutlich leichter. Eine Tafel Schokolade hingegen bringt 100 g auf die Waage - um ein Vielfaches mehr als das Rotkehlchen. Genau genommen wiegt das Rotkehlchen etwa so viel wie 3 1-Euro-Münzen.