Rotluchs

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Rotluchs mit geflecktem braunem Fell, Ohrpinseln und kurzem Stummelschwanz steht auf Gras
Becker1999 (Paul and Cathy) / Wikimedia Commons / CC BY 2.0

Kurz erklärt

Der Rotluchs ist die häufigste Wildkatze Nordamerikas. In den USA heißt er Bobcat, weil sein Schwanz nur wie ein Stummel wirkt. Er jagt vor allem Kaninchen und Hasen und ist so scheu, dass ihn viele Menschen nie zu Gesicht bekommen, obwohl er manchmal bis in Vororte kommt.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameLynx rufus
Abstammung
  • Klasse: Säugetiere
  • Ordnung: Raubtiere
  • Familie: Katzen (Felidae)
  • Unterfamilie: Kleinkatzen (Felinae)
  • Gattung: Luchse (Lynx)
  • Art: Rotluchs
Körpergröße65 cm bis 1,05 m
Körpergewicht4 bis 15 kg
ErnährungFleischfresser: vor allem Kaninchen und Hasen, dazu Nagetiere und Vögel
LebenserwartungIn freier Natur meist 5 bis 15 Jahre, in Menschenobhut im Mittel etwa 18 Jahre
SozialverhaltenEinzelgänger
HerkunftNordamerika
Verbreitung Vom Süden Kanadas über die USA bis in den Süden Mexikos Nordamerika
EntdeckungErstbeschreibung 1777 durch Johann Christian Daniel von Schreber
GefährdungLC Nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2016)
SonstigesDie Körpergröße ist die Kopf-Rumpf-Länge, der Stummelschwanz misst zusätzlich 11 bis 19 cm. Schulterhöhe 45 bis 58 cm.

Aussehen und Körperbau

Der Rotluchs ist eine mittelgroße Wildkatze mit langen Beinen, großen Pfoten und einem auffällig kurzen Schwanz. Die Kopf-Rumpf-Länge beträgt 65 bis 105 Zentimeter, dazu kommen 11 bis 19 Zentimeter Schwanz. An der Schulter misst ein Rotluchs 45 bis 58 Zentimeter, er wiegt 4 bis 15 Kilogramm. Kater sind deutlich schwerer als Katzen: In Washington bringen erwachsene Männchen nach Angaben der dortigen Wildtierbehörde 9 bis 13,6 Kilogramm auf die Waage, während manche Weibchen kaum schwerer sind als eine große Hauskatze.

Das Fell ist gelbbraun bis graubraun, oft mit einem rötlichen Schimmer, und mit dunkelbraunen bis schwarzen Flecken und Streifen gezeichnet. Die Unterseite ist heller. Schwarz gefärbt sind die Schwanzspitze und die Rückseiten der Ohren, auf denen zusätzlich zwei weiße Flecken sitzen. An den Ohrspitzen stehen kurze Haarpinsel, an den Wangen bilden längere Haare einen Backenbart, der wie ein Kranz um das Gesicht wirkt.

Die Färbung hängt vom Wohngebiet ab. Im trockenen Osten des US-Bundesstaats Washington sind die Tiere deutlich heller als im feuchten Westen. Auch die Größe schwankt: Im Norden des Verbreitungsgebiets werden Rotluchse größer als im Süden.

Warum heißt er Bobcat?

Der englische Name Bobcat kommt vom "bobbed tail", dem gestutzt wirkenden Schwanz. Er ist nur etwa halb so lang wie eine Handspanne und trägt an der Unterseite einen weißen Fleck. Dieser Fleck hat eine Aufgabe: Bleiben die Jungen bei der Wanderung zurück, hält die Mutter an, ruft leise und hebt den Schwanz, sodass das helle Feld sichtbar wird.

Der deutsche Name Rotluchs spielt auf den rötlichen Farbton vieler Tiere an, den man auch im wissenschaftlichen Artnamen rufus wiederfindet. Das lateinische Wort bedeutet rot.

Rotluchs und Kanadaluchs unterscheiden

Weltweit gibt es vier Luchsarten. Der Rotluchs wird häufig mit dem Kanadaluchs verwechselt, dessen Verbreitungsgebiet sich mit seinem überschneidet. Das Smithsonian's National Zoo nennt mehrere Unterschiede: Der Rotluchs ist etwas kleiner, seine Ohrpinsel sind kürzer und sein Fell ist deutlich kräftiger gefleckt, während Kanadaluchs, Luchs und Pardelluchs meist schlichter graubraun wirken.

Entscheidend sind aber die Pfoten. Die anderen Luchsarten leben im kalten Norden und haben dicht behaarte Sohlen sowie längere Beine, mit denen sie durch Tiefschnee laufen. Beim Rotluchs sind die Ballen nackt, und die Beine sind kürzer. In Gebieten mit hohem Winterschnee kommt er deshalb kaum zurecht und ist dort selten.

Verbreitung und Lebensraum

Rotluchse leben in ganz Nordamerika, vom Süden Kanadas über die gesamten USA bis in den Süden Mexikos. Der größte Teil des Bestands lebt in den Vereinigten Staaten, im Südosten sind die Bestände dichter als im Westen.

Die Art ist außerordentlich anpassungsfähig. Sie bewohnt boreale Nadel- und Mischwälder im Norden, Laubwälder und Küstensümpfe im Südosten sowie Wüsten und Buschland im Südwesten. Auch Gebirge, Grasland und Chaparral gehören zu ihren Lebensräumen. Wichtig sind nur genügend Deckung und Verstecke. Als Ruheplätze und Wurfhöhlen dienen Felsspalten, Felsvorsprünge, Geröllhalden, dichtes Gestrüpp sowie hohle Bäume und Baumstämme.

Offene Felder, Wiesen und landwirtschaftliche Flächen meidet der Rotluchs nicht, solange in der Nähe Gebüsch oder Wald als Fluchtdeckung liegt. In den letzten Jahrzehnten nutzt er zunehmend auch Vororte. Weil er sehr zurückgezogen lebt, bekommen ihn die Bewohner dort trotzdem selten zu sehen.

Ernährung und Jagd

Rotluchse sind reine Fleischfresser. Den größten Teil ihrer Nahrung machen Kaninchen und Hasen aus, dazu kommen Nagetiere wie Buschratten, Ziesel, Erdhörnchen und Mäuse. Sie erbeuten außerdem Vögel, Reptilien und gelegentlich kleine Hirsche. Ein großer Teil des Hirschfleischs in Mägen texanischer Rotluchse stammt allerdings von Aas und nicht von selbst erlegten Tieren. In der Nähe von Höfen holen sich Rotluchse auch Geflügel, Lämmer, junge Ziegen und Hauskatzen, größere Schäden richten sie aber selten an.

Gejagt wird auf Sicht und Gehör. Der Rotluchs pirscht sich geduckt an, springt im letzten Moment und tötet die Beute mit einem Biss in den Nacken. Beim Anschleichen setzt er die Hinterpfoten genau in die Abdrücke der Vorderpfoten, das macht seinen Gang leiser. Auf kurzer Strecke erreicht er nach Angaben des Smithsonian's National Zoo bis zu 48 Kilometer pro Stunde, und er springt hoch genug, um niedrig fliegende Vögel aus der Luft zu holen. Zäune von 1,80 Metern Höhe sind für ihn kein Hindernis.

Große Beute frisst ein Rotluchs nicht auf einmal. Wie der Puma deckt er den Rest mit Laub, Erde oder Schnee ab und kommt später zurück. Weil er kleiner ist, reicht er dabei nur etwa 40 Zentimeter weit, sein Vorratshaufen fällt entsprechend kleiner aus.

Verhalten und Revier

Rotluchse leben allein. Männchen und Weibchen treffen sich fast nur zur Paarungszeit. Wie groß ihr Streifgebiet ist, hängt stark von der Gegend ab: Das Animal Diversity Web nennt ein bis sieben Quadratkilometer, im Westen Washingtons messen die Reviere erwachsener Kater nach Angaben der dortigen Wildtierbehörde 6,5 bis 15,5 Quadratkilometer, im Osten des Bundesstaats werden sie noch größer. Weibchen nutzen jeweils etwa halb so große Gebiete. Das Revier eines Katers überlappt die Gebiete mehrerer Weibchen, die Reviere benachbarter Weibchen überschneiden sich dagegen kaum.

Markiert wird mit Urin, Kot und dem Sekret der Analdrüsen. Dazu kommen Kratzspuren an Bäumen, Stümpfen und Zaunpfählen, die zwei bis drei Fuß, also etwa 60 bis 90 Zentimeter, über dem Boden liegen. Auch kleine Kratzhaufen aus Laub und Zweigen an Wildwechseln gehören dazu. Wer den Kot findet, erkennt ihn daran, dass er oft mit Erde, Schnee oder Laub abgedeckt wird.

Laut geben Rotluchse selten. In der Paarungszeit heulen und fauchen sie, die Rufe wurden schon mit einem schreienden Kind verglichen. Im Alltag verständigen sie sich vor allem über Duftmarken, Körperhaltung und Mimik.

Aktiv sind Rotluchse vor allem in der Dämmerung, also früh am Morgen und am Abend. In Gegenden mit vielen Menschen verlegen sie ihre Streifzüge stärker in die Nacht. Pro Nacht legen sie auf der Jagd und beim Kontrollieren des Reviers 3 bis 11 Kilometer zurück, meist auf denselben Wegen entlang von Forststraßen, Pfaden und Wildwechseln. Nach Angaben der Wildtierbehörde von Washington sehen sie bei schwachem Licht bis zu sechsmal besser als Menschen. Klettern können sie ausgezeichnet und flüchten bei Gefahr auf Bäume.

Fortpflanzung und Nachwuchs

Die Paarungszeit liegt vor allem im Winter, Paarungen kommen aber von November bis August vor. In Texas beginnt sie meist im Februar. Weibchen und Männchen haben mehrere Partner, um die Aufzucht kümmert sich allein die Mutter.

Nach 60 bis 70 Tagen Tragzeit, im Mittel 62 Tagen, kommen meist zwei bis vier Junge zur Welt, in Einzelfällen bis zu sechs. Die Wurfhöhle liegt geschützt in einem hohlen Baum, einer Felsspalte, zwischen Felsblöcken oder unter dichtem Gebüsch; das Weibchen polstert sie mit Moos und Laub aus. Neugeborene sind bereits gut behaart und gefleckt, ihre Augen öffnen sich nach etwa neun bis zehn Tagen.

Gesäugt werden die Jungen rund zwei Monate. Danach bringt die Mutter ihnen Fleisch und zeigt ihnen das Jagen. Drei bis fünf Monate ziehen die Jungtiere mit ihr umher, im Winter trennen sie sich von ihr, meist im Alter von etwa acht Monaten. Weibchen können schon mit einem Jahr Junge bekommen, Männchen paaren sich erst mit zwei Jahren.

In freier Natur werden Rotluchse meist fünf bis fünfzehn Jahre alt. In menschlicher Obhut liegt die mittlere Lebenserwartung bei etwa 18 Jahren, einzelne Tiere wurden über 30 Jahre alt.

Feinde und Gefährdung

Ausgewachsene Rotluchse haben kaum natürliche Feinde. Junge Tiere werden von Rotfüchsen, Kojoten und großen Eulen erbeutet. Die größte Gefahr geht vom Menschen aus: Rotluchse wurden und werden wegen ihres Fells gejagt und gefangen, hinzu kommen Straßenverkehr und der Verlust von Lebensraum.

Die IUCN führt den Rotluchs als nicht gefährdet (LC), die Einstufung stammt aus der Roten Liste von 2016. Der Bestand gilt als groß und stabil. Das Animal Diversity Web schätzt, dass allein in den USA nahezu eine Million Rotluchse leben. In einigen Bundesstaaten ist die Jagd mit festen Quoten erlaubt, in anderen sind die Tiere geschützt. Der internationale Handel ist über Anhang II des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES) geregelt. Eine Ausnahme bildet die mexikanische Unterart Lynx rufus escuinapae in Zentralmexiko, die die US-Naturschutzbehörde als gefährdet führt.

In Washington müssen Jäger seit dem 1. September 2024 den Unterkiefer jedes erlegten Rotluchses abgeben. Aus den Zähnen lässt sich das Alter bestimmen, und die Behörde erfährt so, wie es dem Bestand geht.

Besonderheiten

Leiser Gang: Beim Anschleichen setzt der Rotluchs die Hinterpfoten in die Spuren der Vorderpfoten. So knackt weniger Laub unter ihm.

Spuren erkennen: Der Abdruck ist rund, zeigt vier Zehen und keine Krallen, weil Katzen ihre Krallen einziehen. Er ist etwa doppelt so groß wie der einer Hauskatze.

Weiße Ohrflecken: Die beiden weißen Punkte auf den dunklen Ohrrückseiten helfen den Jungen vermutlich, der Mutter im Dämmerlicht zu folgen.

Springer: Zäune von 1,80 Metern Höhe überwindet ein Rotluchs, deshalb schützen offene Hühnergehege nicht vor ihm.

Häufige Fragen zum Rotluchs

Wie groß und wie schwer wird ein Rotluchs?

Die Kopf-Rumpf-Länge beträgt 65 bis 105 Zentimeter, dazu kommen 11 bis 19 Zentimeter Schwanz. An der Schulter ist ein Rotluchs 45 bis 58 Zentimeter hoch. Das Gewicht liegt zwischen 4 und 15 Kilogramm, Kater sind schwerer als Katzen.

Was frisst ein Rotluchs?

Vor allem Kaninchen und Hasen. Dazu kommen Buschratten, Ziesel, Mäuse und andere Nagetiere, Vögel, Reptilien, gelegentlich kleine Hirsche und Aas. In Siedlungsnähe erbeutet er manchmal Geflügel oder Hauskatzen.

Warum wird der Rotluchs Bobcat genannt?

Der Name stammt von seinem kurzen, gestutzt wirkenden Schwanz, auf Englisch "bobbed tail". Er misst nur 11 bis 19 Zentimeter und trägt unten einen weißen Fleck.

Was ist der Unterschied zwischen Rotluchs und Kanadaluchs?

Der Rotluchs ist etwas kleiner, kräftiger gefleckt und hat kürzere Ohrpinsel. Seine Fußsohlen sind nackt und seine Beine kürzer, deshalb meidet er tiefen Schnee. Der Kanadaluchs hat dicht behaarte Sohlen und lange Beine für den Winter im Norden.

Ist der Rotluchs gefährlich für Menschen?

Angriffe auf Menschen sind sehr selten. Rotluchse gehen Menschen aus dem Weg und flüchten, wenn sie entdeckt werden. Kleine Haustiere, die nachts draußen bleiben, können dagegen zur Beute werden.

Ist der Rotluchs vom Aussterben bedroht?

Nein. Die IUCN stuft ihn seit 2016 als nicht gefährdet (LC) ein, der Bestand gilt als stabil. Nur die mexikanische Unterart Lynx rufus escuinapae gilt in den USA als gefährdet.

Ähnliche Tiere

  • Luchs - der größere Eurasische Luchs, der einzige Luchs Europas
  • Puma - die große Kleinkatze Amerikas, die dieselben Gebiete bewohnt
  • Ozelot - gefleckte Kleinkatze Mittel- und Südamerikas
  • Karakal - Wüstenluchs Afrikas und Asiens mit langen Ohrpinseln
  • Kojote - jagt dieselbe Beute und ist ein Nahrungskonkurrent
  • Hauskatze - der zahme Verwandte, halb so schwer wie ein Rotluchs
  • Tiere mit R - weitere Tiere, die mit R beginnen

Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Rotluchs
65 cm bis 1,05 m

Ein Rotluchs erreicht eine Körpergröße von 65 cm bis 1,05 m. Damit passt er bequem zwischen einen Fußball (22 cm) und ein Kind (1,2 m) auf unserer Vergleichsskala. Das bedeutet: Der Rotluchs ist etwa 4-mal so groß wie ein Fußball.

Gewichtsvergleich

🪙1-Euro-Münze
7,5 g
🍫Tafel Schokolade
100 g
⚽Fußball
430 g
🧒Kind
25 kg
🧑Erwachsener
75 kg
🚗Auto
1,5 t
🚌Schulbus
12 t
▼Rotluchs
4 bis 15 kg

Ein Rotluchs bringt 4 bis 15 kg auf die Waage. Das ist schwerer als ein Fußball (430 g), aber leichter als ein Kind (25 kg). Anders ausgedrückt: Der Rotluchs wiegt so viel wie etwa 22 Fußbälle.