Rotmilan
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Kurz erklärt
Der Rotmilan ist ein großer Greifvogel mit rostrotem Gefieder und einem tief gegabelten Schwanz, an dem man ihn sofort erkennt. Er lebt fast nur in Europa, und rund die Hälfte aller Rotmilane der Welt brütet in Deutschland. Im Suchflug gleitet er über Wiesen und Felder und frisst Mäuse, andere Kleintiere und Aas.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Milvus milvus |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | Körperlänge 60 bis 73 cm; Flügelspannweite etwa 155 bis 170 cm |
| Körpergewicht | Männchen 870 bis 1.090 g, Weibchen 960 bis 1.390 g |
| Ernährung | Fleischfresser: Mäuse, Maulwürfe, Hamster, Vögel, Regenwürmer, Käfer, Fische und viel Aas |
| Lebenserwartung | Viele Rotmilane sterben jung; einzelne werden bis zu 25 Jahre alt, selten älter |
| Sozialverhalten | Brutpaare oft über viele Jahre zusammen; außerhalb der Brutzeit gemeinsame Schlafplätze und Wintergruppen |
| Herkunft | Europa |
| Verbreitung | Fast nur Europa, Schwerpunkte Deutschland, Frankreich und Spanien; Winter vor allem in Spanien, Portugal und Südfrankreich, zunehmend auch in Mitteleuropa Europa |
| Entdeckung | Erstbeschreibung 1758 durch Carl von Linné |
| Gefährdung | LC Nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2020) |
| Sonstiges | Auch Gabelweihe genannt; Vogel des Jahres 2000 in Deutschland |
Deutschlands Greifvogel mit dem Gabelschwanz
Der Rotmilan ist ein Greifvogel aus der Familie der Habichtartigen. Ein alter Name für ihn lautet Gabelweihe, nach seinem gegabelten Schwanz. Für Deutschland ist er etwas Besonderes: Keine andere Vogelart brütet zu einem so großen Teil in Deutschland. Rund die Hälfte aller Rotmilane der Welt zieht hier ihre Jungen groß. Deutschland trägt deshalb eine besondere Verantwortung für diesen Vogel. Im Jahr 2000 war der Rotmilan in Deutschland „Vogel des Jahres“.
Aussehen und Körperbau
Schwanz: Das beste Erkennungszeichen ist der lange, rostrote und tief gegabelte Schwanz. Im Flug sieht man die Gabel schon aus großer Entfernung.
Gefieder: Körper und Rücken sind rostrot bis rotbraun, daher der Name. Der Kopf ist hellgrau bis weißlich. Brust und Bauch haben schwarze Längsstriche. Die Flügelspitzen sind schwarz. Auf der Unterseite der Flügel leuchtet innen an den langen Handschwingen je ein großes weißes Feld.
Größe: Rotmilane werden 60 bis 73 cm lang. Die langen, schmalen Flügel spannen etwa 155 bis 170 cm. Damit ist der Rotmilan größer als ein Mäusebussard. Der Landesbund für Vogelschutz zählt ihn nach See- und Steinadler zu den größten heimischen Greifvögeln.
Gewicht: Trotz seiner Größe ist der Rotmilan leicht gebaut. Männchen wiegen 870 bis 1.090 g, Weibchen 960 bis 1.390 g.
Jungvögel: Junge Rotmilane sehen den Eltern ähnlich. Ihr Kopf ist aber etwas dunkler, ihre Augen sind noch braun statt gelb, und die Gabel ihres Schwanzes ist noch nicht so tief.
Rotmilan oder Schwarzmilan?
In Deutschland lebt noch ein zweiter Milan, der Schwarzmilan. Er ist etwas kleiner, viel dunkler und sein Schwanz ist deutlich weniger tief gegabelt. Der Rotmilan wirkt dagegen heller und bunter, mit hellem Kopf, rostrotem Schwanz mit tiefer Gabel und den weißen Flügelfeldern.
Verbreitung und Lebensraum
Verbreitung: Der Rotmilan lebt fast nur in Europa. Die meisten brüten in Deutschland, Frankreich und Spanien. Weitere Vorkommen gibt es unter anderem in der Schweiz, in Italien, Großbritannien, Schweden, Polen und Tschechien. In Großbritannien ist er dank Wiederansiedlungen wieder häufiger geworden. Außerhalb Europas gibt es nur winzige Vorkommen, etwa in Marokko.
Bestand: Europaweit gibt es nach Angaben des LBV etwa 32.200 bis 37.700 Brutpaare. In Deutschland brüten laut der Roten Liste von 2020 etwa 14.000 bis 16.000 Paare.
Lebensraum: Rotmilane lieben abwechslungsreiche, offene Landschaften: Wiesen, Weiden und Äcker, durchsetzt mit Hecken, Baumgruppen und kleinen Wäldern. Ihr Nest bauen sie am Waldrand oder in Feldgehölzen, zur Jagd fliegen sie über das offene Land. Brutplatz und Jagdgebiet können bis zu 10 km auseinanderliegen. Große geschlossene Wälder meidet er.
Ernährung
Rotmilane sind Fleischfresser, aber keine wählerischen. Sie fressen, was sie leicht bekommen können:
- Kleinsäuger: vor allem Feldmäuse und andere Wühlmäuse, außerdem Maulwürfe und Hamster
- Vögel: zum Beispiel Stare, Tauben, Drosseln oder Rabenvögel, oft kranke oder junge Tiere, außerdem Nestlinge von Singvögeln
- Wirbellose: Regenwürmer und Käfer, besonders im Frühjahr und Herbst
- Weitere Tiere: junge Hasen und in wasserreichen Gegenden auch Fische
- Aas: überfahrene oder tote Tiere, Schlachtabfälle und Reste auf Mülldeponien
So jagt der Rotmilan: Er ist ein Suchflugjäger. Langsam und oft recht niedrig gleitet er über Wiesen und Felder und hält nach Beute Ausschau. Entdeckt er etwas, stößt er herab und greift die Beute meist aus dem Flug, ohne zu landen. Regenwürmer und Käfer sammelt er dagegen zu Fuß auf Wiesen und Äckern.
Mähen lockt Milane an: Wenn Bauern Wiesen mähen, werden Mäuse und andere Kleintiere sichtbar. Dann kann man oft viele Rotmilane gleichzeitig beobachten, die über der frisch gemähten Fläche jagen. Rotmilane jagen außerdem gern anderen Vögeln wie Krähen oder anderen Greifvögeln ihre Beute ab.
Verhalten und Lebensweise
Zug: Der Rotmilan ist ein Kurzstreckenzieher. Die meisten Rotmilane aus Mitteleuropa fliegen im Herbst nach Südwesten, vor allem nach Spanien, Portugal und Südfrankreich. Der Wegzug beginnt ab Mitte August, die meisten ziehen im September und Oktober. Nach Angaben der Deutschen Wildtier Stiftung legen die Vögel dabei 50 bis 200 km am Tag zurück. Im Februar und März kehren sie in ihre Brutgebiete zurück.
Überwintern in Deutschland: Immer mehr Rotmilane bleiben im Winter in Mitteleuropa. Sie bilden dann Gruppen und übernachten gemeinsam an Schlafplätzen, zum Beispiel im nördlichen Harzvorland oder in der Schweiz.
Fortpflanzung und Nachwuchs
Paare: Rotmilane bleiben oft über viele Jahre mit demselben Partner zusammen. Auch wenn die Partner den Winter getrennt verbringen, treffen sie sich im Frühjahr im alten Revier wieder. Die meisten Rotmilane brüten zum ersten Mal im dritten Lebensjahr.
Balz: Im Frühjahr zeigen die Paare gemeinsame Flüge über dem Revier. Das Männchen bringt dem Weibchen dabei Futter.
Der Horst: Das Nest heißt bei Greifvögeln Horst. Rotmilane bauen es hoch oben in großen Bäumen, oft in Eichen, Buchen oder Kiefern. Manchmal übernehmen sie ein altes Krähen- oder Bussardnest. Oft wird ein Horst über mehrere Jahre genutzt. Rotmilane haben eine seltsame Angewohnheit: Sie schmücken ihr Nest mit Stoffresten, Papier und Plastik.
Brut in Zahlen:
- Eiablage: frühestens Ende März, meist Anfang bis Mitte April
- Gelege: 2 bis 3, selten 4 Eier, weiß mit rötlichbraunen Flecken
- Brutdauer: etwa 30 bis 33 Tage, fast nur das Weibchen brütet
- Nestlingszeit: etwa 45 bis 54 Tage, dann werden die Jungen flügge
- Bruten: eine pro Jahr
Während das Weibchen brütet und die kleinen Küken wärmt, schafft das Männchen den größten Teil der Nahrung herbei. Ob viele Junge groß werden, hängt stark davon ab, wie viel Futter es in dieser Zeit gibt. Nach dem Ausfliegen werden die Jungen noch bis zu drei Wochen von den Eltern versorgt.
Lebenserwartung: Viele Rotmilane sterben im ersten Lebensjahr. Wer die ersten Jahre übersteht, kann alt werden: Einzelne Rotmilane erreichen ein Alter von 25 Jahren, in seltenen Fällen auch mehr.
Feinde und Gefährdung
Natürliche Feinde: Ein erwachsener Rotmilan hat kaum Feinde. Seine Küken werden aber vom Habicht erbeutet, und auch Waschbären plündern Nester.
Gefährdung weltweit: Auf der Roten Liste der IUCN gilt der Rotmilan als nicht gefährdet (IUCN, 2020). In den Jahren davor war er als potenziell gefährdet eingestuft. Weil die Bestände in wichtigen Ländern wieder gewachsen sind, wurde er herabgestuft.
In Deutschland: Ab Anfang der 1990er Jahre gingen die Bestände in Deutschland zurück, vor allem im Norddeutschen Tiefland. In Südwestdeutschland und in den Mittelgebirgen nahmen sie dagegen zu. In der Roten Liste der Brutvögel von 2020 gilt der Rotmilan als ungefährdet, weil der Bestand über die letzten gut zwei Jahrzehnte insgesamt stabil war. In der Roten Liste von 2015 stand er noch auf der Vorwarnliste, damals galt der kurzfristige Trend als stark abnehmend.
Was dem Rotmilan zu schaffen macht:
- Gift: Rotmilane fressen Mäuse und Ratten, die mit Rattengift getötet wurden, und vergiften sich dabei selbst. Manche Vögel werden auch absichtlich vergiftet oder illegal geschossen.
- Stromleitungen: An ungesicherten Masten sterben Rotmilane durch Stromschlag.
- Windräder: Keine Vogelart wird häufiger an Windenergieanlagen getötet als der Rotmilan. Eine Auswertung zeigte einen Zusammenhang zwischen vielen Windrädern in einer Region und einer schlechteren Bestandsentwicklung.
- Landwirtschaft: Große, dichte Felder mit Raps oder Wintergetreide verstecken die Mäuse. Der Rotmilan findet dann zu wenig Futter für seine Jungen.
Schutz: Hilfreich sind abwechslungsreiche Felder, Wiesen, die nicht alle gleichzeitig gemäht werden, Hecken, Blühstreifen und Brachen. Das Projekt „Rotmilan - Land zum Leben“ hat solche Maßnahmen gemeinsam mit Landwirten erprobt.
Häufige Fragen zum Rotmilan
Woran erkennt man einen Rotmilan?
Am tief gegabelten, rostroten Schwanz. Dazu kommen der rostbraune Körper, ein fast weißer Kopf und im Flug die großen weißen Felder unter den Flügeln. Der ähnliche Schwarzmilan ist dunkler und hat einen kaum gegabelten Schwanz.
Wie groß ist ein Rotmilan?
Ein Rotmilan wird 60 bis 73 cm lang und hat eine Flügelspannweite von etwa 155 bis 170 cm. Er wiegt meist um 1 kg, die Weibchen sind etwas schwerer als die Männchen.
Was frisst ein Rotmilan?
Vor allem Mäuse und andere kleine Säugetiere, außerdem Vögel, Regenwürmer, Käfer und Fische. Einen großen Teil seiner Nahrung macht Aas aus, zum Beispiel überfahrene Tiere und Schlachtabfälle.
Ist der Rotmilan ein Zugvogel?
Ja, die meisten Rotmilane aus Deutschland ziehen im Herbst nach Spanien, Portugal oder Südfrankreich und kommen im Februar oder März zurück. Immer mehr Rotmilane bleiben aber den ganzen Winter in Deutschland.
Warum ist Deutschland für den Rotmilan so wichtig?
Rund die Hälfte aller Rotmilane der Welt brütet in Deutschland. Wie es dem Rotmilan hier geht, entscheidet deshalb mit über die Zukunft der ganzen Art.
Ist der Rotmilan gefährdet?
Weltweit gilt er laut IUCN als nicht gefährdet (2020), und auch auf der deutschen Roten Liste von 2020 steht er als ungefährdet. Trotzdem sterben viele Rotmilane durch Gift, Stromleitungen und Windräder.
Ähnliche Tiere
- Mäusebussard - der häufigste Greifvogel Deutschlands, etwas kleiner und ohne Gabelschwanz
- Falke - kleinere Greifvögel mit spitzen Flügeln
- Adler - die großen Verwandten aus der Familie der Habichtartigen
- Weißkopfseeadler - ein Seeadler aus Nordamerika, der wie der Rotmilan auch Aas und Fische frisst
- Uhu - die größte Eule Europas, ebenfalls ein Jäger von Mäusen und anderen Kleintieren
Quellen
- BirdLife International (2020): Milvus milvus. The IUCN Red List of Threatened Species
- Rotmilan: Verantwortung für den heimlichen Wappenvogel - Rote-Liste-Zentrum
- Gefährdungssituation Rotmilan - Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende (KNE)
- Rotmilan - Artenporträt des Landesbunds für Vogel- und Naturschutz (LBV)
- Rotmilan - Deutsche Wildtier Stiftung
- Rotmilan - Wildtierportal Bayern (Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus)
Größenvergleich
Der Rotmilan wird 60 bis 73 cm groß - eher kompakt. Auf unserer Größenskala liegt er zwischen einem Fußball (22 cm) und einem Kind (1,2 m). Im direkten Vergleich ist der Rotmilan rund 3-mal so groß wie ein Fußball.
Gewichtsvergleich
Ein Rotmilan bringt 870 g bis 1,39 kg auf die Waage. Das ist schwerer als ein Fußball (430 g), aber leichter als eine Hauskatze (4 kg). Anders ausgedrückt: Der Rotmilan wiegt so viel wie etwa 3 Fußbälle.