Saatkrähe
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Kurz erklärt
Die Saatkrähe ist ein schwarzer Rabenvogel mit violettem Glanz. Erwachsene Saatkrähen erkennt man an der nackten, grauweißen Haut am Schnabelansatz. Sie leben sehr gesellig und brüten in Kolonien mit vielen Nestern dicht nebeneinander, oft mitten in Dörfern und Städten. Saatkrähen fressen Regenwürmer, Insekten und Samen und gelten als sehr klug.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Corvus frugilegus |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | Körperlänge etwa 41 bis 49 cm, Flügelspannweite etwa 81 bis 94 cm |
| Körpergewicht | 325 bis 560 g |
| Ernährung | Allesfresser: Regenwürmer, Insekten und ihre Larven, Schnecken, Mäuse, Samen und Getreide, Früchte, Walnüsse und Eicheln |
| Lebenserwartung | Vögel, die das Brutalter erreichen, leben im Schnitt etwa 6 Jahre; der älteste beringte Vogel in Großbritannien und Irland wurde 22 Jahre und 11 Monate alt (BTO) |
| Sozialverhalten | Sehr gesellig; brütet in Kolonien, übernachtet gemeinsam auf Schlafbäumen, Paare bleiben dauerhaft zusammen |
| Herkunft | Europa und Asien |
| Verbreitung | Von Irland, Großbritannien und Frankreich bis China und Ostrussland, im Süden bis zum Balkan und Westiran; in Neuseeland vom Menschen eingeführt. In Deutschland vor allem in Schleswig-Holstein, im Nordwesten Niedersachsens und in großen Flusstälern AsienEuropaAustralien |
| Entdeckung | Erstbeschreibung 1758 durch Carl von Linné |
| Gefährdung | LC Nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2025) |
Aussehen und Körperbau
Die Saatkrähe (Corvus frugilegus) gehört zur Familie der Rabenvögel. Obwohl Rabenvögel krächzen statt zu singen, zählen sie zu den Singvögeln.
Größe: Saatkrähen sind etwa 41 bis 49 cm lang. Mit ausgebreiteten Flügeln messen sie 81 bis 94 cm. Sie wiegen etwa 325 bis 560 g. Bei Messungen der britischen Vogelforschungsorganisation BTO wogen Männchen im Schnitt etwa 485 g, Weibchen etwa 425 g.
Gefieder: Das Gefieder ist ganz schwarz. Je nach Lichteinfall schimmert es violett bis purpurn. Die Augen sind dunkelbraun.
Nackte Schnabelbasis: Das wichtigste Kennzeichen ist die nackte, grauweiße Haut rund um den Schnabelansatz. Dort wachsen bei erwachsenen Saatkrähen keine Federn. Der Schnabel selbst ist schwarz, lang, schlank und spitz.
„Hosen“: Die Federn an den Oberschenkeln stehen locker ab. Dadurch sieht es so aus, als trüge die Saatkrähe weite, buschige Hosen.
Jungvögel: Junge Saatkrähen haben noch ein befiedertes Gesicht. Sie sind deshalb nur schwer von Rabenkrähen zu unterscheiden.
Stimme: Saatkrähen rufen tief, heiser und rau „kroah“. Das rollende „r“ der Rabenkrähe fehlt. In einer Kolonie rufen viele Vögel durcheinander, was sehr laut sein kann.
Saatkrähe oder Rabenkrähe?
Saatkrähe und Rabenkrähe sind beide schwarz und etwa gleich groß. Diese Merkmale helfen beim Unterscheiden:
- Schnabelbasis: Bei der erwachsenen Saatkrähe ist sie nackt und grauweiß, bei der Rabenkrähe dunkel und befiedert.
- Schnabel: Die Saatkrähe hat einen schlankeren, spitzen Schnabel mit fast gerader Oberkante. Der Schnabel der Rabenkrähe ist dicker, stumpfer und vorn nach unten gebogen.
- Kopf: Die Stirn der Saatkrähe steigt steiler an. Der Scheitel kann etwas spitz wirken.
- Beine: Nur die Saatkrähe trägt die lockeren „Hosen“ an den Oberschenkeln.
- Ruf: Die Saatkrähe ruft heiserer und ohne rollendes „r“.
Der Kolkrabe ist dagegen deutlich größer als beide Krähen und hat einen riesigen, klobigen Schnabel.
Verbreitung und Lebensraum
Weltweit: Saatkrähen brüten in einem riesigen Gebiet, das von der Atlantikküste Irlands über Großbritannien und Frankreich bis nach China und Ostrussland reicht. Skandinavien wird dabei weitgehend ausgespart. Im Süden reicht das Brutgebiet bis zum Balkan und in den Westen des Iran.
Neuseeland: Zwischen 1862 und 1874 wurden Saatkrähen nach Neuseeland gebracht und dort freigelassen. Vor allem in Hawke's Bay und Canterbury vermehrten sie sich stark.
In Deutschland: Zur Brutzeit kommt die Saatkrähe nur in einigen Regionen vor. Weit verbreitet ist sie vor allem in Schleswig-Holstein und im Nordwesten Niedersachsens. Größere Vorkommen gibt es außerdem in Flusstälern wie an Rhein, Elbe, Weser, Saale, Main und Neckar, im Alpenvorland und in der Leipziger Bucht. In Bayern liegen fast alle Kolonien in Ortschaften. Die Art breitet sich derzeit aus.
Im Winter: In vielen Regionen sieht man Saatkrähen vor allem im Winter. Dann kommen große Schwärme aus Ost- und Nordosteuropa zu uns. Diese Wintergäste lassen den Bestand in Deutschland größer erscheinen, als er tatsächlich ist.
Lebensraum: Saatkrähen lieben offene Landschaften mit Äckern und Wiesen, zwischen denen Wäldchen, Feldgehölze oder Baumreihen stehen. Besonders günstig sind Grünlandgebiete mit einigen Ackerflächen. Sie leben im Flachland und in hügeligen Gegenden, Gebirge meiden sie. Vor Menschen haben sie wenig Scheu. Viele Kolonien und Schlafplätze liegen in Dörfern, Städten und Parks.
Ernährung
Die Saatkrähe ist ein Allesfresser. Ihre Nahrung sucht sie meist am Boden, auf gepflügten Feldern und Weiden. Dabei ist sie oft in großen Schwärmen unterwegs, häufig zusammen mit Dohlen.
Tierische Nahrung: Saatkrähen fressen vor allem Regenwürmer und Insekten, zum Beispiel Käfer und deren Larven sowie Fliegenlarven. Auch Schnecken und Wühlmäuse stehen auf dem Speiseplan, gelegentlich auch Aas.
Pflanzliche Nahrung: Dazu kommen Samen, Getreide, Früchte sowie im Herbst und Winter Walnüsse und Eicheln. Nach Angaben des Kreises Düren fressen Saatkrähen etwa zu gleichen Teilen pflanzliche und tierische Nahrung.
Jungvögel: Die Küken bekommen ähnliches Futter wie die Eltern, in Neuseeland zum Beispiel besonders viele Fliegenlarven.
Kein Singvogelräuber: Oft wird behauptet, Saatkrähen würden Singvögel ausrotten. Das stimmt nicht. Eier oder junge Vögel fressen sie nur ausnahmsweise.
Verhalten und Lebensweise
Immer in Gesellschaft: Saatkrähen sind das ganze Jahr über gesellig. Sie brüten in Kolonien, suchen gemeinsam nach Futter und verbringen die Nacht zusammen auf Schlafbäumen. Vom Schlafplatz fliegen sie bis zu 10 km weit zu ihren Futterplätzen.
Spielen: Häufig kann man Saatkrähen beim Spielen beobachten. Sie lassen zum Beispiel Gegenstände fallen und fangen sie wieder auf oder schaukeln auf einem Ast.
Begrüßung und Balz: Partner begrüßen sich mit einer Art Paradegang, bei dem sie die Flügel leicht anheben. Während der Balz putzen sie sich gegenseitig das Gefieder, sie betteln einander um Futter an und singen lange Balzduette. Dabei sitzen sie mit breit gefächertem Schwanz nebeneinander.
Sehr klug: Rabenvögel gehören zu den intelligentesten Vögeln. Saatkrähen sind geschickt und lernfähig. Im Freiland benutzen sie offenbar keine Werkzeuge. In einer Studie lösten Saatkrähen in Gefangenschaft aber schwierige Aufgaben mit Werkzeugen: Sie bogen aus Draht einen Haken, veränderten verschiedene Gegenstände passend und setzten mehrere Werkzeuge nacheinander ein, um an Futter zu kommen.
Kolonien, Fortpflanzung und Nachwuchs
Partner fürs Leben: Saatkrähen werden am Ende ihres zweiten Lebensjahres geschlechtsreif. Die Partner bleiben meist dauerhaft zusammen, oft ein Leben lang.
Brutkolonien: Saatkrähen brüten in Kolonien, die oft viele Jahre am selben Ort bestehen. Manche Kolonien werden seit über 100 Jahren am selben Ort genutzt. Im Kreis Düren in Nordrhein-Westfalen umfassen die Kolonien weniger als 20 bis etwa 100 Nester. Die Nester stehen dicht beieinander, meist aber mindestens einen Meter voneinander entfernt.
Nestbau: Gegen Ende des Winters kehren die Saatkrähen in ihre Kolonie zurück. Ab Anfang März bauen sie in hohen Baumkronen ein Nest aus Zweigen oder reparieren ein altes. Innen polstern sie es mit Moos oder Gras. Solange die Bäume noch keine Blätter tragen, sehen die Nester aus wie große, dunkle Knäuel in den Ästen.
Eier: Bis Ende April legt das Weibchen meist 3 bis 4 Eier, es können aber auch zwei bis sieben sein. Die Eier sind etwa 4 cm lang und blass grünblau mit braunen Flecken. Es gibt nur eine Brut im Jahr.
Brüten: Nur das Weibchen brütet, etwa 15 bis 18 Tage lang. In dieser Zeit und in der ersten Zeit nach dem Schlüpfen bringt das Männchen Futter für das Weibchen und die Küken. Später füttern beide Eltern gemeinsam.
Flügge: Nach etwa 32 bis 35 Tagen können die jungen Saatkrähen fliegen. Danach verlassen die Krähen die Kolonie und ziehen in nahrungsreiche Gebiete, oft außerhalb der Ortschaften.
Alter: Nur etwa ein Viertel der Jungvögel überlebt das erste Jahr. Saatkrähen, die das Brutalter erreichen, leben im Durchschnitt etwa sechs Jahre. Die älteste beringte Saatkrähe in Großbritannien und Irland wurde 22 Jahre und 11 Monate alt.
Bestand, Gefährdung und Schutz
Weltweit: Die Rote Liste der IUCN stuft die Saatkrähe als nicht gefährdet (LC) ein (BirdLife International, 2025). Nach einem Faltblatt des Kreises Düren von 2021 brüten in Europa schätzungsweise 10 bis 18 Millionen Paare, etwa die Hälfte davon in Russland.
Früher fast ausgerottet: Weil man Saatkrähen für große Schäden in der Landwirtschaft verantwortlich machte, wurden sie lange verfolgt. Menschen schossen und vergifteten sie, zerstörten Nester und Gelege und fällten ganze Brutbäume. Dadurch ging der Bestand bei uns so stark zurück, dass die Art hier zeitweise kurz vor der Ausrottung stand.
Heutige Gefahren: Heute fehlen ihr vielerorts Auwälder, Feldgehölze und Dauergrünland. Pflanzenschutzmittel und gebeiztes Saatgut verringern außerdem das Nahrungsangebot.
Gesetzlicher Schutz: Saatkrähen sind durch die EU-Vogelschutzrichtlinie und das Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützt. Man darf sie nicht töten oder stören und ihre Nester nicht zerstören. Auch Vertreiben und Umsiedeln ist verboten. Ausnahmen kann nur die zuständige Naturschutzbehörde erlauben, zum Beispiel wenn die Gesundheit von Menschen gefährdet ist.
Neuseeland: Dort gilt die Saatkrähe dagegen als Schädling, weil sie keimende Saaten wie Mais und Getreide frisst. Regionale Behörden vergiften gezielt die Nester. In Hawke's Bay wurden zwischen 1971 und 1985 rund 50.000 Saatkrähen getötet, die großen Kolonien gibt es dort heute nicht mehr.
Saatkrähen in der Stadt
Viele Saatkrähen-Kolonien liegen heute mitten in Städten und Dörfern, zum Beispiel in Parks und Alleen. Das führt oft zu Streit mit Anwohnern.
Was stört: Während der Brutzeit von März bis Juni rufen die Vögel laut und viel. Unter den Nestbäumen landen Kot, Zweige und Futterreste auf Gehwegen und Autos. Deshalb beschweren sich Anwohner, und manche greifen sogar selbst zu Maßnahmen gegen die Vögel, was verboten ist.
Vertreiben hilft kaum: Die Erfahrung zeigt, dass man eine Kolonie nicht gezielt umsiedeln kann. Wird eine Kolonie vergrämt, also absichtlich verscheucht, teilt sie sich oft in mehrere kleinere Kolonien in der Umgebung auf. Oder die Vögel kehren in den folgenden Jahren an den alten Platz zurück. Das Problem wird so meist nur verlagert.
Was die Behörden raten: Die Untere Naturschutzbehörde des Kreises Düren bittet Anwohner um Verständnis, denn die laute Brutzeit dauert nur wenige Wochen im Jahr. Bei ernsten Problemen sollen sich Betroffene an die Naturschutzbehörde wenden, statt selbst etwas zu unternehmen.
Häufige Fragen zur Saatkrähe
Woran erkennt man eine Saatkrähe?
Erwachsene Saatkrähen haben eine nackte, grauweiße Haut am Schnabelansatz. Ihr Schnabel ist schlank und spitz, das schwarze Gefieder glänzt violett. An den Oberschenkeln tragen sie lockere Federn, die wie weite Hosen aussehen.
Was ist der Unterschied zwischen Saatkrähe und Rabenkrähe?
Die Rabenkrähe hat eine dunkle, befiederte Schnabelbasis und einen dickeren, vorn gebogenen Schnabel. Die Saatkrähe hat eine nackte, helle Schnabelbasis, eine steilere Stirn, lockere „Hosen“ an den Beinen und ruft heiserer. Bei Jungvögeln ist der Unterschied schwer zu sehen, weil ihre Schnabelbasis noch befiedert ist.
Was frisst eine Saatkrähe?
Saatkrähen fressen Regenwürmer, Insekten und ihre Larven, Schnecken und Mäuse, aber auch Samen, Getreide, Früchte, Walnüsse und Eicheln. Insgesamt nehmen sie etwa gleich viel pflanzliche und tierische Nahrung zu sich. Singvögel fressen sie nur ausnahmsweise.
Wie viele Eier legt eine Saatkrähe?
Meist legt das Weibchen 3 bis 4 Eier, manchmal zwei bis sieben. Es brütet etwa 15 bis 18 Tage. Nach rund einem Monat im Nest werden die Jungen flügge.
Warum sind Saatkrähen in der Stadt so laut?
Saatkrähen verständigen sich viel mit Rufen, besonders in der Brutkolonie. Wenn viele Paare dicht nebeneinander brüten, entsteht ein lautes Durcheinander. Diese laute Zeit dauert vor allem von März bis Juni.
Darf man Saatkrähen vertreiben?
Nein, nicht ohne Erlaubnis. Saatkrähen sind besonders geschützt. Nur die zuständige Naturschutzbehörde kann Ausnahmen erlauben, zum Beispiel wenn die Gesundheit von Menschen gefährdet ist. Vertreiben bringt außerdem meist wenig, weil sich die Kolonie dann nur aufteilt oder zurückkehrt.
Ähnliche Tiere
- Rabe - der Kolkrabe, deutlich größer als die Saatkrähe und mit riesigem Schnabel
- Dohle - ein kleinerer Rabenvogel, der oft mit Saatkrähen auf Feldern unterwegs ist
- Elster - ein schwarz-weißer Rabenvogel mit langem Schwanz
- Eichelhäher - ein bunter Rabenvogel aus dem Wald
- Amsel - ein schwarzer Singvogel, der viel kleiner ist als die Saatkrähe
Quellen
- BirdLife International (2025): Corvus frugilegus. The IUCN Red List of Threatened Species
- Saatkrähe - Artenporträt des Landesbunds für Vogel- und Naturschutz (LBV)
- Rook - BirdFacts, British Trust for Ornithology (BTO)
- Saatkrähen im Kreis Düren - Faltblatt der Unteren Naturschutzbehörde (Stand März 2021)
- Porter, R.E.R. (2013, aktualisiert 2017): Rook. New Zealand Birds Online
- Bird, C.D. & Emery, N.J. (2009): Insightful problem solving and creative tool modification by captive nontool-using rooks. PNAS 106(25), 10370-10375
Größenvergleich
Eine Saatkrähe erreicht eine Körpergröße von 41 bis 49 cm. Damit passt sie bequem zwischen einen Fußball (22 cm) und ein Kind (1,2 m) auf unserer Vergleichsskala. Ein Kind wäre dagegen noch rund 3-mal so groß.
Gewichtsvergleich
Mit 325 bis 560 g gehört die Saatkrähe zu den leichteren Tieren in unserem Lexikon. Zum Vergleich: Eine Tafel Schokolade wiegt nur 100 g, während eine Hauskatze mit 4 kg deutlich mehr auf die Waage bringt. Man bräuchte ungefähr 4 Tafeln Schokolade, um so viel zu wiegen wie eine Saatkrähe!