Schleie
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Kurz erklärt
Die Schleie ist ein olivgrüner Süßwasserfisch mit roten Augen und einer dicken, schleimigen Haut. Sie lebt am Grund von warmen, pflanzenreichen Seen, Teichen und ruhigen Flussarmen und wühlt dort nach Würmern, Schnecken und Insektenlarven. Meist wird sie 20 bis 30 cm lang, in seltenen Fällen bis 70 cm. Die Schleie ist sehr robust und übersteht sogar Sauerstoffmangel.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Tinca tinca |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | Meist 20 bis 30 cm; selten bis 70 cm (ohne Schwanzflosse), als Höchstlänge werden auch 84 cm Gesamtlänge genannt |
| Körpergewicht | Nach drei Jahren meist 200 bis 300 g; höchstes veröffentlichtes Gewicht 7,5 kg |
| Ernährung | Allesfresser: vor allem Bodentiere wie Insektenlarven, Schnecken, Muscheln und Würmer, dazu Detritus, Wasserpflanzen und Algen |
| Lebenserwartung | Bis etwa 20 Jahre (FishBase) |
| Sozialverhalten | Lebt am Grund, dämmerungs- und nachtaktiv; vor der Laichzeit in kleinen Schwärmen |
| Herkunft | Europa und Asien bis zum Jenissei in Sibirien |
| Verbreitung | Fast ganz Europa (ursprünglich nicht in Irland, im Norden Skandinaviens und in Teilen Griechenlands und des östlichen Adriaraums), in Asien bis zum Jenissei; durch Besatz eingeführt in Nord- und Südamerika, Südafrika, Australien und China AfrikaAsienEuropaNordamerikaSüdamerikaAustralien |
| Entdeckung | Erstbeschreibung 1758 durch Carl von Linné (als Cyprinus tinca) |
| Gefährdung | LC Nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2024) |
| Sonstiges | Rote Liste Deutschland (2023): ungefährdet. In Österreich steht sie seit 2007 als gefährdet auf der Roten Liste. Fisch des Jahres 2007 in Deutschland und Österreich, in Österreich erneut 2024. |
Was ist eine Schleie?
Die Schleie (Tinca tinca) ist ein heimischer Süßwasserfisch. Sie lebt am Grund von ruhigen, warmen Gewässern mit vielen Wasserpflanzen und schlammigem Boden. Tagsüber bleibt sie am Grund zwischen dichten Pflanzen, aktiv wird sie erst in der Dämmerung.
Die Schleie gehört zu den Karpfenartigen. Früher zählte man sie zur Familie der Karpfenfische. Carl von Linné beschrieb sie 1758 sogar als Cyprinus tinca, also in derselben Gattung wie den Karpfen. Der französische Zoologe François Alexandre Pierre de Garsault stellte sie 1764 in eine eigene Gattung, Tinca. Seit 2009 hat sie außerdem eine eigene Familie, die Tincidae. Sie wurde von den Ichthyologen Richard Mayden und Wei-Jen Chen eingeführt, um die Verwandtschaft besser abzubilden.
Aussehen und Körperbau
Körperform: Die Schleie hat einen kräftigen, langgestreckten Körper. Typisch ist der hohe, kurze Schwanzstiel vor der Schwanzflosse. Alle Flossen sind abgerundet, die Schwanzflosse ist nur leicht eingekerbt.
Farbe: Der Rücken ist olivgrün bis olivbraun, manchmal auch dunkelgrün bis fast schwarz. Die Flanken haben einen goldenen Schimmer, der Bauch glänzt heller und messingfarben. Auffällig sind die kleinen Augen mit roter bis orangefarbener Iris.
Haut und Schuppen: Die Haut ist dick und mit vielen Schleimzellen besetzt. Die Schuppen sind sehr klein und stecken tief in der Haut. Entlang der Seitenlinie zählt man 96 bis 115 Schuppen.
Maul und Barteln: Das Maul ist klein und hat dicke Lippen. Die Schleie kann es bei der Nahrungssuche rüsselartig nach vorn stülpen. In jedem Mundwinkel sitzt ein kurzer Bartfaden. Die beiden Barteln dienen als Tast- und Geschmacksorgane.
Männchen und Weibchen: Man kann die Geschlechter gut unterscheiden. Die Männchen haben deutlich größere Bauchflossen als die Weibchen.
Größe und Gewicht: Schleien wachsen langsam. Nach etwa drei Jahren sind sie meist 20 bis 30 cm lang und wiegen 200 bis 300 g. Bei gutem Nahrungsangebot können sie bis 70 cm lang und bis 7,5 kg schwer werden. FishBase nennt als Höchstlänge sogar 84 cm, gemessen mit Schwanzflosse.
Woher hat die Schleie ihren Namen?
Der Name geht auf das spätmittelhochdeutsche Wort slīhe zurück. Er spielt wahrscheinlich auf die schleimige, glitschige Haut an. Der wissenschaftliche Name Tinca ist das lateinische Wort für die Schleie.
Verbreitung und Lebensraum
Verbreitung: Die Schleie kommt in fast ganz Europa vor. Ursprünglich fehlte sie nur in Irland, im Norden Skandinaviens, im östlichen Adriaraum und im Westen und Süden Griechenlands. In Asien reicht ihr Gebiet nach Osten bis in das Einzugsgebiet des Jenissei in Sibirien.
Weil die Schleie als Speisefisch geschätzt war, wurde sie oft in Gewässer eingesetzt. Ihr ursprüngliches Verbreitungsgebiet lässt sich deshalb heute nur schwer abgrenzen. Durch Besatz kam sie auch nach Nord- und Südamerika, Südafrika, Australien und China.
Lebensraum: Die Schleie ist ein Grundfisch. Sie bevorzugt:
- flache, warme Seen und Teiche mit dichten Pflanzenbeständen
- Altarme, Tümpel und Weiher in Flussauen
- langsam fließende Gewässer
- krautige und schilfbewachsene Uferzonen
Wichtig ist ein schlammiger Untergrund. Im Norden schwimmt die Schleie auch in das Brackwasser der Ostsee. In den Alpen findet man sie bis in 1.600 Meter Höhe.
Ein Fisch, der viel aushält
Die Schleie ist außerordentlich anpassungsfähig und robust:
- Sie verträgt Wasser mit wenig Sauerstoff und auch saures Wasser.
- Sie kann monatelang hungern.
- Steigt die Wassertemperatur über 28 °C, hört sie auf zu fressen und fährt ihren Stoffwechsel stark herunter. Bei noch höheren Temperaturen gräbt sie sich in den Schlamm ein und fällt in eine Art Hitzestarre. So übersteht sie sogar, wenn ihr Gewässer kurzzeitig austrocknet.
- Im Winter frisst sie nicht mehr und zieht sich an tiefe, schlammige Stellen zurück. Oft überwintert sie im Schlamm eingegraben.
Ernährung
Die Schleie ist ein Allesfresser, frisst aber vor allem kleine Tiere vom Gewässergrund:
- Insektenlarven
- Schnecken und kleine Muscheln
- Würmer
- Detritus, also zerfallende Reste von Pflanzen und Tieren
Gelegentlich frisst sie auch Wasserpflanzen und Algen. Ausgewachsene Schleien fressen oft vor allem Weichtiere wie Schnecken und Muscheln.
Bei der Nahrungssuche legt die Schleie beachtliche Strecken zurück. Mit ihrem vorstülpbaren Maul durchwühlt sie den Gewässerboden. Damit ähnelt sie dem Karpfen. Wenn beide in einem Gewässer um dasselbe Futter konkurrieren, unterliegt die Schleie meistens dem viel aktiveren Karpfen.
Fortpflanzung und Nachwuchs
Laichzeit: Schleien laichen erst, wenn das Wasser warm ist, bei etwa 18 bis 20 °C. Je nach Gegend liegt die Laichzeit zwischen April und September: FishBase nennt je nach Breitengrad Mai bis September, der Österreichische Fischereiverband April bis Juli.
Laichplätze: Vor der Laichzeit schließen sich die Schleien zu kleinen Schwärmen zusammen. Sie suchen flache, sonnige Uferbereiche mit dichtem Pflanzenbewuchs auf.
Viele Eier: Ein Weibchen legt mehrere hunderttausend kleine, klebrige Eier. Der NABU nennt 300.000 bis 600.000 Eier, der Österreichische Fischereiverband bis zu 300.000. Die Eier sind grünlich und 0,8 bis 1,0 mm groß. Das Weibchen legt sie nicht auf einmal ab, sondern in Portionen im Abstand von einigen Tagen, über einen Zeitraum von bis zu zwei Monaten. Die Eier kleben an Wasserpflanzen oder am Boden.
Schlüpfen: Bei 20 °C schlüpfen die Larven schon nach etwa drei Tagen. Sie sind 4 bis 5 mm groß. Mit Klebedrüsen am Kopf heften sie sich an Wasserpflanzen und zehren zunächst von ihrem Dottervorrat. Sobald ihre Kiemen arbeiten, bilden sich die Haftorgane zurück. Die Jungfische jagen dann winzige Planktontiere und gehen bald zu Nahrung vom Gewässergrund über. Larven und Jungfische halten sich in dichten Pflanzenbeständen auf.
Geschlechtsreife: Männchen pflanzen sich mit zwei bis drei Jahren zum ersten Mal fort, Weibchen erst mit drei bis sieben Jahren.
Die Schleie in Teichwirtschaft und Angelei
Die Schleie war früher ein sehr geschätzter Speisefisch, ihr Fleisch gilt als besonders gut. Heute sieht man sie auf Fischmärkten nur noch selten.
In der Teichwirtschaft ist die Schleie ein typischer Nebenfisch. In Bayern zum Beispiel wird in Karpfenteichen der Karpfen als Hauptfisch gezogen. Daneben züchten die Teichwirte Nebenfische wie Schleie, Zander und Hecht. Sie werden als Speisefisch verkauft oder zum Besatz in andere Gewässer gesetzt. Weil die Schleie langsam wächst, wird sie meist nur in extensiv bewirtschafteten Teichen nebenbei gezogen.
Bei Anglern ist die Schleie beliebt. Sie gilt aber als vorsichtig, misstrauisch und schwer zu fangen.
Gefährdung
Weltweit: Auf der Roten Liste der IUCN ist die Schleie in der Einstufung von 2024 als nicht gefährdet (Least Concern) geführt.
Deutschland: In der Roten Liste der Süßwasserfische Deutschlands von 2023 gilt die Schleie als ungefährdet, wie schon in der Liste davor. Sie ist dort mäßig häufig. Langfristig sind die Bestände mäßig zurückgegangen, in den letzten Jahren haben sie aber deutlich zugenommen.
Österreich: In Österreich steht die Schleie seit 2007 als gefährdet auf der Roten Liste, weil ihre Bestände stark zurückgegangen sind. Ein Grund ist der Verlust von Auen. Österreichs Auen entlang der größeren Flüsse sind auf weniger als 15 Prozent ihrer früheren Fläche geschrumpft.
Gefahren: Der Schleie schaden vor allem der Ausbau von Flüssen und Bächen und der Verlust von Wasserpflanzen. Besonders schlecht ist es für sie, wenn flache, krautreiche Uferzonen verbaut werden. In stehenden Gewässern kommt die Überdüngung hinzu, zum Beispiel durch Nährstoffe aus der Landwirtschaft.
Fisch des Jahres: 2007 wählten der Verband Deutscher Sportfischer und das Österreichische Kuratorium für Fischerei und Gewässerschutz die Schleie gemeinsam zum Fisch des Jahres. In Österreich war sie 2024 erneut Fisch des Jahres.
Häufige Fragen zur Schleie
Wie groß wird eine Schleie?
Nach etwa drei Jahren ist eine Schleie meist 20 bis 30 cm lang und 200 bis 300 g schwer. Große Tiere erreichen bis 70 cm und 7,5 kg. Das schwerste veröffentlichte Gewicht von 7,5 kg stammt aus Großbritannien.
Was frisst eine Schleie?
Die Schleie frisst vor allem Insektenlarven, Schnecken, kleine Muscheln und Würmer vom Gewässergrund. Dazu kommen Detritus und gelegentlich Wasserpflanzen und Algen.
Warum ist die Schleie so schleimig?
Ihre dicke Haut ist voller Schleimzellen. Der Schleim macht sie glitschig und hat ihr wahrscheinlich auch ihren Namen gegeben.
Wo lebt die Schleie?
Sie lebt in flachen, warmen Seen, Teichen, Altarmen und langsam fließenden Gewässern mit vielen Wasserpflanzen und schlammigem Grund. In Europa ist sie weit verbreitet.
Wie alt wird eine Schleie?
FishBase nennt ein Höchstalter von 20 Jahren. Schleien wachsen langsam und werden erst nach zwei bis sieben Jahren geschlechtsreif.
Ist die Schleie gefährdet?
Weltweit und in Deutschland gilt sie als ungefährdet. In Österreich steht sie dagegen als gefährdet auf der Roten Liste.
Ähnliche Tiere
- Karpfen - naher Verwandter, frisst ähnlich und lebt oft im selben Teich
- Barbe - ebenfalls ein Karpfenartiger mit Barteln am Maul
- Hecht - Raubfisch aus pflanzenreichen Gewässern und Nebenfisch in Karpfenteichen
- Zander - wird wie die Schleie in Karpfenteichen nebenbei gezogen
- Europäischer Aal - ein weiterer heimischer Fisch, der versteckt am Gewässergrund lebt
Quellen
- Die Schleie - NABU
- Tinca tinca, Tench - FishBase
- Österreichischer Fischereiverband (2024): Die Schleie (Tinca tinca) - Fisch des Jahres 2024
- Tinca tinca - Artensteckbrief, Rote Liste der Süßwasserfische und Neunaugen Deutschlands (Freyhof et al. 2023), Rote-Liste-Zentrum
- Karpfenteichwirtschaft - Merkblatt der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft, Institut für Fischerei (2021)
- Ford, M. (2024): Tinca tinca. The IUCN Red List of Threatened Species 2024
Größenvergleich
Eine Schleie erreicht eine Körpergröße von 20 bis 70 cm. Damit passt sie bequem zwischen eine 1-Euro-Münze (2,3 cm) und ein Kind (1,2 m) auf unserer Vergleichsskala. Das bedeutet: Die Schleie ist etwa 20-mal so groß wie eine 1-Euro-Münze. Ein Kind wäre dagegen noch rund 3-mal so groß.
Gewichtsvergleich
Eine Schleie bringt 200 g bis 7,5 kg auf die Waage. Das ist schwerer als eine Tafel Schokolade (100 g), aber leichter als ein Kind (25 kg). Anders ausgedrückt: Die Schleie wiegt so viel wie etwa 39 Tafeln Schokolade.