Schleiereule

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Schleiereule mit weißem, herzförmigem Gesichtsschleier und goldbraunem Rücken sitzt auf einem bemoosten Holzpfahl vor einem Schilfgürtel
User:Alun Williams333 / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0

Kurz erklärt

Die Schleiereule ist eine helle, schlanke Eule mit einem weißen, herzförmigen Gesicht und dunklen Augen. Sie jagt nachts fast lautlos Mäuse über Feldern und Wiesen. In Deutschland brütet sie vor allem in Scheunen, Kirchtürmen und speziellen Nistkästen. Weil Menschen ihr seit Jahrzehnten Brutplätze anbieten, gilt sie bei uns heute als nicht gefährdet.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameTyto alba
Abstammung
  • Klasse: Vögel
  • Ordnung: Eulen (Strigiformes)
  • Familie: Schleiereulen (Tytonidae)
  • Gattung: Tyto
  • Art: Schleiereule
KörpergrößeEtwa 34 cm; Flügellänge 28 bis 30 cm
KörpergewichtIn Großbritannien meist 280 bis 420 g; Weibchen (etwa 295 bis 435 g) sind schwerer als Männchen (etwa 270 bis 360 g)
ErnährungFleischfresser: vor allem Feldmäuse und andere Wühlmäuse, Spitzmäuse und echte Mäuse, seltener Ratten, kleine Vögel, Amphibien, Reptilien und große Insekten
LebenserwartungErwachsene Vögel leben meist etwa 4 Jahre; der älteste beringte Vogel in Großbritannien wurde 15 Jahre und 3 Monate alt
SozialverhaltenPaare leben meist in Dauerehe in einem festen Revier, sonst Einzelgänger
HerkunftAlte Welt und Amerika; die Art im weiten Sinn lebt auf allen Kontinenten außer der Antarktis
Verbreitung Europa (Schwerpunkt Süden und Westen), Afrika und Vorderasien; im weiten Sinn auch Amerika, Süd- und Südostasien und Australien AfrikaAsienEuropaNordamerikaSüdamerikaAustralien
EntdeckungErstbeschreibung 1769 durch Giovanni Antonio Scopoli
GefährdungLC Nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2025)
SonstigesDie IUCN führt die Schleiereule als eine weltweit verbreitete Art. Die IOC World Bird List trennt dagegen die Amerikanische und die Östliche Schleiereule als eigene Arten ab. In Deutschland gilt die Schleiereule als nicht gefährdet. Vogel des Jahres 1977.

Was ist eine Schleiereule?

Die Schleiereule (Tyto alba) ist eine mittelgroße Eule und gehört zur Familie der Schleiereulen (Tytonidae). Unsere anderen heimischen Eulen wie Waldkauz, Waldohreule oder Uhu gehören dagegen zu einer anderen Familie, den Eigentlichen Eulen (Strigidae).

Ihren Namen hat sie von ihrem auffälligen Gesichtsschleier: Die hellen Federn um die Augen bilden eine Scheibe in Form eines Herzens. Die Schleiereule ist ein Kulturfolger. In Mitteleuropa brütet sie fast nur in Gebäuden und ist deshalb auf die Duldung durch den Menschen angewiesen.

Aussehen und Körperbau

Größe und Gewicht: Die Schleiereule ist etwa 34 cm groß. Ein Flügel misst 28 bis 30 cm. Erwachsene Vögel wiegen in Großbritannien meist 280 bis 420 g. Die Weibchen sind schwerer als die Männchen: Sie bringen etwa 295 bis 435 g auf die Waage, die Männchen etwa 270 bis 360 g.

Das Herzgesicht: Typisch ist der weiße, herzförmige Gesichtsschleier mit den relativ kleinen, schwarzen Augen. Federohren wie die Waldohreule hat die Schleiereule nicht. Der Schnabel ist hell, weißrosa bis gelblich.

Gefieder: Oberseite und Flügel sind gelblich bis beige gefärbt. Die Unterseite ist weiß bis gelbbraun und trägt oft kleine, tropfenförmige Flecken. Es gibt zwei Farbvarianten, eine hellere und eine dunklere. Sie treten scheinbar zufällig auf, und warum es sie gibt, ist noch nicht geklärt.

Körperbau: Die Schleiereule ist eine schlanke Eule mit langen Beinen. Im Gleitflug bewegt sie sich fast geräuschlos.

Eine Art oder mehrere? Die neue Einteilung

Lange galt die Schleiereule als eine einzige Art, die auf allen Kontinenten außer der Antarktis lebt. Weltweit wurden mehr als 30 Unterarten beschrieben. Genetische Untersuchungen zeigen aber, dass sich die Schleiereulen in drei große Gruppen aufteilen, die sich seit langer Zeit getrennt entwickeln (Uva und andere, 2018):

  • die Westliche Schleiereule in Europa, Afrika und Vorderasien,
  • die Amerikanische Schleiereule von Kanada bis Feuerland,
  • die Östliche Schleiereule von Süd- und Südostasien bis Australien.

Fachleute sind sich noch nicht einig, ob das drei Arten sind:

  • Die IOC World Bird List, eine wichtige Vogelliste der Wissenschaft, führt die drei Gruppen als eigene Arten: Tyto alba (Westliche Schleiereule), Tyto furcata (Amerikanische Schleiereule) und Tyto javanica (Östliche Schleiereule). Nach dieser Einteilung heißt nur noch die Schleiereule in Europa, Afrika und Vorderasien Tyto alba.
  • Die Rote Liste der IUCN, deren Vogel-Einstufungen von BirdLife International stammen, behandelt die Schleiereule dagegen weiterhin als eine weltweit verbreitete ArtTyto alba.

Für unsere Schleiereule in Deutschland ändert sich am Namen nichts: Sie heißt in beiden Einteilungen Tyto alba. In Mitteleuropa lebt die Unterart Tyto alba guttata, in West- und Südeuropa die Unterart Tyto alba alba.

Verbreitung und Lebensraum

Die Westliche Schleiereule lebt in Europa, Afrika und Vorderasien. In Europa brütet der größte Teil im Süden und Südwesten. Den europäischen Bestand gibt der LBV mit 110.000 bis 220.000 Brutpaaren an, mit Schwerpunkten in Spanien, Frankreich und Deutschland. Rechnet man die Amerikanische und die Östliche Schleiereule dazu, kommt die Schleiereule auf allen Kontinenten außer der Antarktis vor.

Lebensraum in Deutschland: Die Schleiereule ist in weiten Teilen Deutschlands verbreitet. Sie ist ein Vogel des Tieflands und mag offene, eher waldarme Kulturlandschaften mit extensiver Landwirtschaft. Zum Jagen braucht sie offenes Gelände, zum Beispiel am Rand von Dörfern oder entlang von Wegen und Straßen. Waldränder nutzt sie seltener.

Brutplätze: Die Schleiereule brütet in einer geräumigen, dunklen und ruhigen Nische mit freiem Anflug. Typische Brutplätze sind Kirchtürme, Scheunen, Dachböden, Taubenschläge und Ruinen. Bruten in Felsen oder Bäumen fernab von Siedlungen sind bei uns die Ausnahme. Gern nimmt sie auch spezielle Nistkästen an.

Standvogel: Schleiereulen ziehen im Winter nicht fort, sondern bleiben in der Nähe ihres Brutgebiets. Im Sommer ruhen sie tagsüber auch in dichten Baumgruppen, im Winter brauchen sie Schutz vor Kälte und Schnee in Scheunen, Speichern und Ställen.

Ernährung

Die Schleiereule ist ein Fleischfresser und jagt vor allem kleine Säugetiere. In Mitteleuropa ist die Feldmaus ihre wichtigste Beute. Daneben frisst sie andere Wühlmäuse, Spitzmäuse und echte Mäuse. Wenn diese knapp sind, weicht sie auf Ratten oder kleine Vögel aus. Selten erbeutet sie auch Amphibien, Reptilien und große Insekten.

So jagt die Schleiereule: Sie gleitet in der Nacht fast lautlos wenige Meter über dem Boden dahin. Im Winter jagt sie gern in Scheunen, weil das dort gelagerte Getreide Mäuse anlockt. Beute, die sie gerade nicht braucht, legt sie am Brutplatz als Vorrat ab.

Gewölle: Haare und Knochen kann die Schleiereule nicht verdauen. Sie würgt diese Reste als kleine, feste Ballen wieder aus, die man Gewölle nennt.

Verhalten und Lebensweise

Nachtaktiv und scheu: Die Schleiereule ist überwiegend streng nachtaktiv. Obwohl sie oft dicht beim Menschen lebt, ist sie scheu. Den Tag verschläft sie in ruhigen Ecken alter Gebäude.

Ungewöhnliche Stimme: Für eine Eule klingt die Schleiereule ungewöhnlich. Das Männchen stößt in der Balzzeit einen schrillen, langgezogenen Schrei aus, der wie „shriii“ klingt. Das Weibchen antwortet mit einem schnurrenden Ruf. Bei Gefahr warnt die Schleiereule mit einem hastigen „kraich-kraich“, bei Bedrohung faucht sie und klappert mit dem Schnabel. Weibchen und Junge betteln in der Brutzeit mit einem lauten „Schnarchen“, das man nachts weit hören kann.

Partnerschaft: Schleiereulen leben meist in Dauerehe. Gute Brutplätze bleiben oft über viele Jahre besetzt.

Fortpflanzung und Nachwuchs

Brutbeginn: Wann die Schleiereule brütet, hängt stark von den Mäusen ab. In Jahren mit vielen Feldmäusen beginnt die Brut schon Ende März, sonst Ende April. Ein eigenes Nest baut sie nicht. Als Unterlage dient eine 2 bis 15 cm dicke Schicht aus zerfallenen Gewöllen.

Eier: Das Weibchen legt meist 4 bis 7 weiße, längliche Eier, möglich sind bis zu 15. Es brütet ab dem ersten Ei 30 bis 34 Tage lang allein. In dieser Zeit versorgt das Männchen es mit Beute. Weil es schon ab dem ersten Ei brütet, sind die Jungen später unterschiedlich alt. Trotzdem verlassen sie das Nest fast gleichzeitig.

Die Jungen: Frisch geschlüpfte Schleiereulen sind blind. Ihre Augen öffnen sich nach 11 bis 14 Tagen. Mit 37 bis 44 Tagen beginnen sie herumzulaufen und zu flattern, nach etwa 60 Tagen fliegen sie aus. Mit fast drei Monaten verlassen sie das Revier der Eltern.

Mehrere Bruten: Meist zieht ein Paar eine Brut im Jahr groß. In Jahren mit vielen Mäusen kommen Zweitbruten und sogar Drittbruten vor.

Feinde, Gefährdung und Schutz

Weltweit: Auf der Roten Liste der IUCN gilt die Schleiereule als nicht gefährdet (Least Concern, BirdLife International 2025). Diese Einstufung bezieht sich auf die Art im weiten Sinn mit allen Schleiereulen weltweit.

In Deutschland: In den 1970er-Jahren galt die Schleiereule als stark gefährdet. 1977 wurde sie zum Vogel des Jahres gewählt. Danach haben viele Menschen Brutplätze geschaffen und über ihren Schutz informiert. Heute gilt sie in Deutschland als nicht gefährdet. Der NABU schätzt den Bestand auf 14.500 bis 26.000 Brutpaare und gibt den Trend mit plus 36 Prozent an.

Was der Schleiereule schadet:

  • Verlorene Brutplätze: Scheunen und alte Gebäude werden abgerissen oder saniert. Oft werden Kirchtürme und Dachböden vergittert, um Stadttauben fernzuhalten. Damit sperrt man auch die Schleiereule aus.
  • Weniger Mäuse: Die Schleiereule ist von der Landwirtschaft abhängig. Wo die Landschaft eintönig wird, gibt es weniger Mäuse.
  • Gift: Der zunehmende Einsatz von Rattengift und anderen Mitteln gegen Nagetiere lässt neue Gefahren befürchten.

So hilft man der Schleiereule: In Scheunen, Ställen und Kirchtürmen kann man spezielle Nistkästen für Schleiereulen anbringen. Sie müssen jedes Jahr gereinigt werden. Landwirte und Kirchengemeinden können ihre Gebäude für die Eulen zugänglich machen. Die Aktion „Lebensraum Kirchturm“ von NABU und LBV zeichnet Kirchtürme aus, die wichtige Brutplätze bieten. Am wichtigsten ist aber eine abwechslungsreiche Landschaft mit wenig Gift, in der genug Mäuse leben.

Häufige Fragen zur Schleiereule

Warum heißt die Schleiereule so?

Wegen ihres Gesichtsschleiers: Die hellen Federn rund um die Augen bilden eine herzförmige Scheibe. Sie sieht aus, als trüge die Eule einen weißen Schleier.

Was frisst eine Schleiereule?

Vor allem Mäuse, in Mitteleuropa am häufigsten Feldmäuse, dazu Spitzmäuse und andere Wühlmäuse. Seltener frisst sie Ratten, kleine Vögel, Frösche oder große Insekten. Unverdauliche Reste würgt sie als Gewölle aus.

Wie groß und wie schwer ist eine Schleiereule?

Sie ist etwa 34 cm groß. In Großbritannien wiegen erwachsene Vögel meist 280 bis 420 g, die Weibchen sind schwerer als die Männchen.

Wo brütet die Schleiereule?

In Deutschland fast immer in Gebäuden: in Kirchtürmen, Scheunen, Dachböden und Taubenschlägen. Sehr gern nimmt sie spezielle Nistkästen an, die Menschen für sie aufhängen.

Ist die Schleiereule gefährdet?

Weltweit gilt sie als nicht gefährdet. Auch in Deutschland steht sie heute nicht mehr auf der Roten Liste, nachdem sie in den 1970er-Jahren stark gefährdet war. Geholfen haben vor allem Nistkästen und offene Kirchtürme.

Wie alt wird eine Schleiereule?

Viele Schleiereulen sterben schon im ersten Jahr. Wer erwachsen wird, lebt meist etwa vier Jahre. Der älteste beringte Vogel in Großbritannien wurde 15 Jahre und 3 Monate alt.

Ähnliche Tiere

  • Waldkauz - eine heimische Eule aus der Familie der Eigentlichen Eulen
  • Waldohreule - eine schlanke Eule mit langen Federohren
  • Steinkauz - eine kleine Eule der offenen Kulturlandschaft
  • Uhu - eine große Eule mit Federohren
  • Schneeeule - eine weiße Eule aus der Arktis

Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Schleiereule
34 cm

Stell dir vor, du stellst einen Fußball (22 cm) neben eine Schleiereule: Die Schleiereule ist größer. Neben einem Kind (1,2 m) wirkt sie mit ihren 34 cm aber wiederum geradezu winzig.

Gewichtsvergleich

🪙1-Euro-Münze
7,5 g
🍫Tafel Schokolade
100 g
⚽Fußball
430 g
🧒Kind
25 kg
🧑Erwachsener
75 kg
🚗Auto
1,5 t
🚌Schulbus
12 t
▼Schleiereule
280 bis 420 g

Eine Schleiereule bringt 280 bis 420 g auf die Waage. Das ist schwerer als eine Tafel Schokolade (100 g), aber leichter als ein Fußball (430 g). Anders ausgedrückt: Die Schleiereule wiegt so viel wie etwa 4 Tafeln Schokolade.