Seeleopard

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Seeleopard mit grau geflecktem Fell und flachem Kopf liegt auf einer Eisscholle in der Antarktis
Godot13 / Wikimedia Commons / CC BY-SA 4.0

Kurz erklärt

Der Seeleopard ist eine Robbe aus der Antarktis. Seinen Namen hat er von den dunklen Flecken auf dem Fell und von seiner Jagdweise: Er ist die einzige Robbe, die regelmäßig Pinguine und andere Robben erbeutet. Trotzdem besteht fast die Hälfte seiner Nahrung aus winzigem Krill, den er durch seine Backenzähne siebt.

Steckbrief

Wissenschaftl. NameHydrurga leptonyx
Abstammung
  • Klasse: Säugetiere
  • Ordnung: Raubtiere
  • Überfamilie: Hundeartige
  • Familie: Hundsrobben
  • Gattung: Hydrurga
  • Art: Seeleopard
Körpergröße2,8 bis 3,5 m
Körpergewicht320 bis 500 kg
ErnährungFleischfresser: Krill, junge Robben, Pinguine, Fische und Tintenfische
LebenserwartungEtwa 26 Jahre, einzelne Tiere bis 30 Jahre
SozialverhaltenEinzelgänger
HerkunftUnbekannt
Verbreitung Packeis rund um die Antarktis, im Winter auch subantarktische Inseln AntarktisMeer
EntdeckungErstbeschreibung 1820 durch Henri Marie Ducrotay de Blainville
GefährdungLC Nicht gefährdet (Rote Liste der IUCN, 2015)
SonstigesWeibchen sind größer als Männchen. Große Weibchen werden über 3,5 m lang und über 500 kg schwer.

Aussehen und Körperbau

Der Seeleopard gehört zu den Hundsrobben, den sogenannten echten Robben. Sein Körper ist besonders lang gestreckt und schlank, der Kopf auffallend flach und breit, fast wie bei einem Reptil. Die Vorderflossen sind deutlich länger als bei anderen Robben. Mit kräftigen, gleichzeitigen Schlägen dieser Flossen schwimmt er sehr schnell, Angaben reichen bis etwa 40 km/h.

Größe und Gewicht: Anders als bei den meisten Raubtieren sind die Weibchen größer als die Männchen. Männchen messen im Schnitt etwa 2,8 Meter und wiegen rund 320 kg, Weibchen etwa 3,0 Meter und 370 kg. Große Weibchen können über 3,5 Meter lang und mehr als 500 kg schwer werden.

Fell: Der Rücken ist dunkelgrau, die Unterseite silbrig weiß. An Kehle, Hals und Flanken sitzen dunkle Flecken, die an das Muster eines Leoparden erinnern. Daher der Name. Unter der Haut liegt eine dicke Speckschicht, der Blubber, der vor der Kälte schützt.

Sinne: Wie alle Hundsrobben hat der Seeleopard keine äußeren Ohrmuscheln, sondern nur eine kleine Öffnung. Unter Wasser spürt er Beute mit den Tasthaaren an der Schnauze und mit dem Gehör auf.

Der wissenschaftliche Name beschreibt das Tier gut: Hydrurga kommt von den griechischen Wörtern für „Wasser“ und „Arbeiter“, leptonyx bedeutet „schmalkrallig“.

Verbreitung und Lebensraum

Seeleoparden leben rund um die Antarktis, vor allem am Rand des Packeises zwischen etwa 50 und 80 Grad südlicher Breite. Am dichtesten sind sie in der Westantarktis. Die meisten Tiere bleiben das ganze Jahr im Eis.

Jungtiere wandern häufiger nach Norden und gehen an den Küsten subantarktischer Inseln wie Heard Island, Macquarie Island oder Südgeorgien an Land. Einzelne verirrte Tiere tauchen sogar in Australien, Neuseeland, Südafrika und Feuerland auf. In Chile gibt es Hinweise auf eine dauerhaft dort lebende Gruppe, in der auch Junge geboren werden.

Nach dem Krabbenfresser und der Weddellrobbe ist der Seeleopard die dritthäufigste Robbe der Antarktis. Schätzungen gehen von etwa 220.000 bis 440.000 Tieren aus. Genaue Zahlen sind schwierig, weil die Tiere weit verstreut im Eis leben und viel Zeit unter Wasser verbringen.

Ernährung: vom Krill bis zum Pinguin

Nach dem Schwertwal ist der Seeleopard das wichtigste Raubtier der Antarktis. Sein Speiseplan ist außergewöhnlich breit. Im Durchschnitt besteht seine Nahrung aus:

  • rund 45 Prozent Krill, also winzigen Krebstieren
  • rund 35 Prozent Robben, vor allem jungen Krabbenfressern, Weddellrobben und Antarktischen Seebären
  • rund 10 Prozent Pinguinen
  • rund 10 Prozent sonstiger Beute wie Fischen und Tintenfischen

Junge Seeleoparden fressen überwiegend Krill, Fisch und Tintenfisch. Erst ältere Tiere jagen regelmäßig warmblütige Beute. Dabei spezialisieren sich einzelne Tiere: Manche bleiben in der Nähe von Pinguinkolonien, andere jagen fast nur junge Robben. Rund um Südgeorgien sind Antarktische Seebären die Hauptbeute.

Das Gebiss: Reißzähne und Krillsieb

Das Gebiss des Seeleoparden kann beides. Die Eckzähne werden bis zu 2,5 cm lang und sind messerscharf. Die Backenzähne dagegen tragen drei Spitzen und greifen beim Zubeißen so ineinander, dass zwischen ihnen nur schmale Lücken bleiben. Nimmt der Seeleopard einen Schwall Wasser mit Krill ins Maul, presst er das Wasser durch diese Lücken heraus, während die Krebse hängen bleiben. Ein ähnliches Sieb hat der Krabbenfresser, bei ihm ist es sogar noch feiner gebaut.

Diese Kombination macht den Seeleoparden so erfolgreich: Er kann als Großräuber jagen und gleichzeitig wie ein Filtrierer den reichlich vorhandenen Krill nutzen.

Jagd auf Pinguine

Zur Jagd auf Pinguine patrouilliert der Seeleopard fast vollständig untergetaucht an der Eiskante und wartet, bis die Vögel ins Wasser springen. Er packt sie meist an den Füßen und schlägt sie dann immer wieder gegen die Wasseroberfläche, bis sie tot sind. Anschließend frisst er große Stücke, die Haut bleibt oft übrig. Frühere Berichte, der Seeleopard „häute“ seine Beute gezielt, gelten heute als überholt.

Flieht die Beute auf eine Eisscholle, folgt ihr der Seeleopard gelegentlich dorthin. Krabbenfresser tragen sehr häufig Narben von solchen Angriffen aus ihrer Jugend.

Die meiste Zeit taucht der Seeleopard eher flach, kann aber tiefer als 80 Meter tauchen. Junge Tiere halten im Schnitt nur rund 7 Minuten ohne Sauerstoffmangel durch. Deshalb kommen sie im Winter kaum an den Krill heran, der dann tiefer steht.

Verhalten: Gesang unter Wasser

Seeleoparden sind Einzelgänger. Nur Mütter mit ihrem Jungen und manchmal kleine Gruppen junger Tiere bleiben zusammen.

Im antarktischen Sommer sind die Männchen unter Wasser außerordentlich laut. Sie rufen stundenlang jeden Tag, gemessen wurden Pegel von 153 bis 177 Dezibel (bezogen auf 1 Mikropascal in 1 Meter Abstand). Beim Singen hängen sie kopfüber im Wasser und schaukeln von einer Seite zur anderen. Junge Männchen haben viele verschiedene Rufe, ältere nur wenige, dafür sehr gleichmäßige, die sie zu individuellen Abfolgen zusammensetzen, ähnlich einem Lied. Weil die Tiere so viel Zeit rufend unter Wasser verbringen, zählen Fachleute sie am besten über Unterwassermikrofone.

Fortpflanzung und Nachwuchs

Die Paarung findet im Südsommer zwischen November und Februar im Wasser statt. Danach trennen sich die Tiere wieder, das Männchen kümmert sich nicht um den Nachwuchs. Seeleoparden sind polygyn: Ein Männchen paart sich mit mehreren Weibchen.

Weibchen bekommen ab einem Alter von etwa sechs Jahren Nachwuchs. Nach rund neun Monaten Tragzeit bringen sie auf dem Packeis ein einzelnes Junges zur Welt, meist im November. Es wiegt schon bei der Geburt über 30 kg und ist rund 120 cm lang. Etwa vier Wochen lang säugt die Mutter es, danach ist es auf sich allein gestellt. Seeleoparden werden etwa 26 Jahre alt, einzelne Tiere bis 30 Jahre.

Feinde und Gefährdung

Der einzige natürliche Feind des ausgewachsenen Seeleoparden ist der Schwertwal. Beobachtungen deuten darauf hin, dass Schwertwale Seeleoparden vor allem dann angreifen, wenn andere Beute knapp ist.

Auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN gilt der Seeleopard als nicht gefährdet (Least Concern, Einstufung von 2015). Die Art ist weit verbreitet und häufig, ein Bestandsrückgang ist nicht bekannt. Langfristig können ihm aber der Rückgang des Meereises durch die Erderwärmung, die kommerzielle Krillfischerei, Plastikmüll im Meer und eingeschleppte Krankheiten gefährlich werden.

Wie gefährlich ist der Seeleopard für Menschen?

Angriffe auf Menschen sind selten, kommen aber vor. Dokumentiert sind Fälle, in denen Seeleoparden Boote attackierten oder aus dem Wasser sprangen und nach einem Bein schnappten. Fachleute vermuten, dass die Tiere dabei Beute an der Eiskante vermuten und Menschen verwechseln. Ein bekannter Fall ist der schottische Polarforscher Gareth Wood, den 1985 ein Seeleopard zweimal ins Bein biss und ins Wasser ziehen wollte.

Am 22. Juli 2003 kam die 28-jährige britische Wissenschaftlerin Kirsty Brown von der British Antarctic Survey bei einem Angriff ums Leben, als sie in der Nähe der Forschungsstation Rothera schnorchelte. Es ist bis heute der einzige dokumentierte Todesfall durch einen Seeleoparden. Seither gilt an den Stationen die Regel, das Wasser zu verlassen, sobald ein Seeleopard in der Nähe ist.

Umgekehrt berichten Taucherinnen und Taucher immer wieder von neugierigen, ruhigen Begegnungen. Der kanadische Naturfotograf Paul Nicklen wurde von einem Weibchen sogar wiederholt mit Pinguinen „gefüttert“, das Tier legte ihm die Beute vor die Kamera. Seine Aufnahmen wurden 2007 mehrfach ausgezeichnet.

Häufige Fragen zum Seeleoparden

Wie groß und wie schwer wird ein Seeleopard?

Männchen werden im Schnitt etwa 2,8 Meter lang und 320 kg schwer, Weibchen rund 3,0 Meter und 370 kg. Große Weibchen erreichen über 3,5 Meter und mehr als 500 kg. Damit gehört der Seeleopard zu den größten Raubtieren überhaupt, siehe unsere Liste der größten Raubtiere.

Was frisst ein Seeleopard?

Im Schnitt besteht seine Nahrung zu etwa 45 Prozent aus Krill, zu 35 Prozent aus jungen Robben, zu 10 Prozent aus Pinguinen und zu 10 Prozent aus Fischen und Tintenfischen. Junge Seeleoparden fressen vor allem Krill und Fisch.

Frisst der Seeleopard wirklich Pinguine?

Ja. Er ist die einzige Robbe, die regelmäßig warmblütige Beute jagt. Er wartet dabei knapp unter der Wasseroberfläche an der Eiskante, packt die Pinguine an den Füßen und schlägt sie gegen das Wasser. Pinguine machen aber nur etwa ein Zehntel seiner Nahrung aus.

Ist der Seeleopard für Menschen gefährlich?

Er kann gefährlich werden, greift aber selten an. Weltweit gibt es nur einen dokumentierten tödlichen Angriff, 2003 in der Antarktis. Meistens verhalten sich die Tiere gegenüber Menschen neugierig. In Forschungsstationen gilt trotzdem die Regel, bei einem Seeleoparden in der Nähe nicht ins Wasser zu gehen.

Wo lebt der Seeleopard?

Rund um die Antarktis am Rand des Packeises. Jungtiere wandern öfter zu subantarktischen Inseln, selten verirren sich einzelne Tiere bis nach Australien, Neuseeland oder Südafrika. Mehr Tiere der Region findest du auf unserer Seite Tiere in der Antarktis.

Ist der Seeleopard mit dem Leopard verwandt?

Nein. Der Name kommt nur von den dunklen Flecken auf seinem Fell und von seiner Jagdweise. Der Leopard ist eine Großkatze, der Seeleopard eine Robbe. Beide gehören allerdings zur Ordnung der Raubtiere.

Ähnliche Tiere

Quellen

Größenvergleich

🪙1-Euro-Münze
2,3 cm
⚽Fußball
22 cm
🧒Kind
1,2 m
🧑Erwachsener
1,8 m
🏠Haus
10 m
▼Seeleopard
2,8 bis 3,5 m

Ein Seeleopard erreicht eine Körpergröße von 2,8 bis 3,5 m. Damit passt er bequem zwischen einen Erwachsenen (1,8 m) und eine Giraffe (5,5 m) auf unserer Vergleichsskala.

Gewichtsvergleich

🪙1-Euro-Münze
7,5 g
🍫Tafel Schokolade
100 g
⚽Fußball
430 g
🧒Kind
25 kg
🧑Erwachsener
75 kg
🚗Auto
1,5 t
🚌Schulbus
12 t
▼Seeleopard
320 bis 500 kg

Ein Seeleopard bringt 320 bis 500 kg auf die Waage. Das ist schwerer als ein Erwachsener (75 kg), aber leichter als ein Auto (1,5 t). Anders ausgedrückt: Der Seeleopard wiegt so viel wie etwa 5 Erwachsene.