Seeohren
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Kurz erklärt
Seeohren, auch Abalonen genannt, sind Meeresschnecken mit einer flachen, ohrförmigen Schale. Innen glänzt die Schale wie Perlmutt, außen trägt sie eine Reihe kleiner Löcher zum Atmen. Seeohren sitzen an Felsen und fressen Algen. Weil ihr Fleisch sehr teuer ist, wurden viele Arten überfischt und gewildert, laut IUCN sind heute mehr als zwei von fünf Arten vom Aussterben bedroht.
Steckbrief
| Wissenschaftl. Name | Haliotis |
|---|---|
| Abstammung |
|
| Körpergröße | Schalenlänge je nach Art verschieden; das australische Schwarzlippen-Seeohr wird etwa 20 cm lang, das Rote Seeohr aus Kalifornien bis 30 cm |
| Ernährung | Pflanzenfresser: Algen, die auf Felsen wachsen oder als Tangstücke am Meeresboden treiben |
| Lebenserwartung | Je nach Art verschieden; das Weiße Seeohr wird etwa 35 bis 40 Jahre alt |
| Sozialverhalten | Sitzen oft in Gruppen auf Felsen; zur Fortpflanzung geben Männchen und Weibchen Spermien und Eier ins Wasser ab |
| Herkunft | Felsküsten in vielen Meeren der Welt |
| Verbreitung | Felsküsten zum Beispiel im Nordostpazifik von Oregon bis Mexiko, im Nordostatlantik vom Ärmelkanal bis Nordwestafrika, im Mittelmeer, in Südafrika, auf der Arabischen Halbinsel, in Australien und Neuseeland Meer |
| Entdeckung | Gattung 1758 durch Carl von Linné beschrieben |
| Sonstiges | Die Rote Liste der IUCN bewertet die Arten einzeln. Beispiele: Rotes Seeohr (Haliotis rufescens), Schwarzes Seeohr (H. cracherodii) und Weißes Seeohr (H. sorenseni) vom Aussterben bedroht (CR, 2021); H. midae aus Südafrika stark gefährdet (EN, 2021); H. tuberculata aus Europa gefährdet (VU, 2021). |
Was sind Seeohren?
Seeohren sind Meeresschnecken aus der Gattung Haliotis. Bekannt sind sie auch unter ihrem englischen Namen Abalone. Den Namen Seeohr haben sie von ihrer Schale: Sie ist flach, oval und erinnert an eine Ohrmuschel. Auch im Englischen heißen sie manchmal „Sea Ear“.
Wie viele Arten es gibt, hängt von der Einteilung ab. Die IUCN ging bei ihrer ersten weltweiten Bewertung von 54 Arten aus. Im Weltregister der Meeresarten (WoRMS) sind derzeit 76 Arten als gültig verzeichnet.
Diese Seite stellt die Seeohren als Gruppe vor. Als Beispiele dienen vor allem gut untersuchte Arten aus Kalifornien, Australien, Südafrika und Europa.
Aussehen und Körperbau
Größe: Wie groß ein Seeohr wird, hängt von der Art ab. Das Schwarzlippen-Seeohr aus Australien erreicht etwa 20 cm Schalenlänge. Das Rote Seeohr von der Westküste Nordamerikas wird bis zu 30 cm lang und ist die größte Meeresschnecke Kaliforniens.
Schale: Die Schale ist flach und oval. Von außen sieht sie oft unscheinbar aus und ist bei vielen Tieren mit Algen und anderen Pflanzen bewachsen. Das macht die Seeohren auf dem Felsen schwer zu entdecken. Die Farbe der Schale hängt zum Teil von der Nahrung ab: Beim Weißen Seeohr zeigt eine rötlich-braune Schale, dass es Rotalgen frisst.
Perlmutt: Innen ist die Schale glatt und schimmert wie eine Perle. Diese glänzende Schicht nennt man Perlmutt. Deshalb sind Seeohr-Schalen beliebt, um daraus Schmuck herzustellen.
Die Löcher in der Schale: Am Rand der Schale verläuft eine Reihe kleiner Löcher. Sie sind für das Seeohr lebenswichtig: Die Schnecke saugt vorne Wasser unter die Schale, leitet es über die Kiemen und pumpt es durch die Löcher wieder hinaus. Durch die Löcher gibt sie auch Abfallstoffe ab, und zur Fortpflanzung gelangen Eier oder Spermien darüber ins Wasser. Wenn die Schale wächst, bildet das Seeohr neue Löcher und verschließt die alten.
Fuß und Fühler: Unter der Schale sitzt ein kräftiger, muskulöser Fuß. Mit ihm kriecht das Seeohr langsam über den Felsen und saugt sich so fest an, dass man es kaum noch lösen kann. Rund um den Fuß liegt ein gefranster Saum mit vielen Fühlern, das Epipodium. Damit tastet das Seeohr seine Umgebung ab.
Verbreitung und Lebensraum
Seeohren leben an Felsküsten in vielen Meeren der Welt. Einige Beispiele:
| Art | Lebensraum |
|---|---|
| Rotes Seeohr (Haliotis rufescens) | Pazifikküste von Oregon bis Mexiko |
| Weißes Seeohr (H. sorenseni) | Südkalifornien und Mexiko |
| Schwarzes Seeohr (H. cracherodii) | Kalifornien und Mexiko |
| Schwarzlippen-Seeohr (H. rubra) | Südküste Australiens und Tasmanien |
| H. midae | Südafrika |
| H. tuberculata | vom Ärmelkanal bis Nordwestafrika und im Mittelmeer |
Das Verbreitungsgebiet der europäischen Art H. tuberculata reicht laut IUCN im Norden bis zum Ärmelkanal, Nord- und Ostsee gehören also nicht dazu.
Lebensraum: Seeohren brauchen festen, felsigen Untergrund. Je nach Art leben sie im Gezeitenbereich oder im tieferen Wasser darunter. Das Schwarzlippen-Seeohr kommt von der Niedrigwasserlinie bis in etwa 25 m Tiefe vor. Das Weiße Seeohr lebt nach Angaben der US-Fischereibehörde NOAA tiefer als jede andere Seeohr-Art, in etwa 15 bis 55 m Tiefe. Dort sitzt es auf flachem Fels neben Sandrinnen, in denen sich Algen sammeln.
Ernährung
Seeohren sind Pflanzenfresser und ernähren sich von Algen. Sie fressen Algen, die auf den Felsen wachsen. Erwachsene Tiere halten außerdem treibende Stücke von Seetang fest, die am Meeresboden entlangdriften, und fressen sie.
Das Schwarzlippen-Seeohr frisst bevorzugt in der Nacht. Sterben die Algen ab, etwa bei Hitzewellen im Meer, fehlt den Seeohren die Nahrung.
Verhalten und Fortpflanzung
Langsame Felsbewohner: Seeohren kriechen langsam über den Meeresboden. Oft sitzen mehrere Tiere dicht beieinander, das Schwarzlippen-Seeohr zum Beispiel bildet regelrechte Ansammlungen.
Fortpflanzung im freien Wasser: Seeohren sind getrenntgeschlechtlich, es gibt also Männchen und Weibchen. Eine Paarung gibt es nicht. Stattdessen geben die Tiere ihre Eier und Spermien einfach ins Meer ab. Ein einziges Weibchen des Weißen Seeohrs kann auf einmal über 10 Millionen Eier freisetzen.
Warum Nähe wichtig ist: Damit ein Ei befruchtet wird, muss es im Wasser auf Spermien treffen. Das klappt nur, wenn Männchen und Weibchen nah beieinander sitzen und gleichzeitig ablaichen. Sind nur noch wenige Tiere übrig, die weit verstreut leben, entsteht kaum noch Nachwuchs. Das ist einer der Hauptgründe, warum sich überfischte Bestände so schlecht erholen.
Larven: Aus den befruchteten Eiern schlüpfen winzige, schwimmende Larven. Nach etwa einer Woche sinken sie auf den Meeresboden, setzen sich fest und wachsen zu kleinen Schnecken heran.
Langes Leben: Das Weiße Seeohr wird erst mit vier bis sechs Jahren geschlechtsreif und kann 35 bis 40 Jahre alt werden.
Seeohren und Menschen
Uralte Nahrung: Menschen essen Seeohren seit Jahrtausenden. An der Küste Kaliforniens fand man große Haufen von Seeohr-Schalen aus Siedlungen der Ureinwohner, die bis zu 7.400 Jahre alt sind. Die Schalen wurden über weite Handelswege bis östlich des Mississippi getauscht.
Teure Delikatesse: Heute gehören Seeohren zu den teuersten Meeresfrüchten der Welt. Genau das wird ihnen zum Verhängnis.
Vom Fang zur Zucht: In den 1970er-Jahren wurden weltweit fast 20.000 Tonnen Seeohren im Meer gefangen. 2020/21 waren es nur noch etwa 5.850 Tonnen. Gleichzeitig ist die Zucht stark gewachsen: Von fast nichts in den 1970er-Jahren stieg die Menge aus Aquakultur auf 243.506 Tonnen im Jahr 2020/21. Heute stammen also fast alle Seeohren aus Zuchtanlagen. Am meisten produzieren China und Südkorea.
Gefährdung und Schutz
Im Dezember 2022 veröffentlichte die IUCN die erste weltweite Bewertung aller Seeohren. Das Ergebnis ist alarmierend: 20 der 54 Arten sind vom Aussterben bedroht, das sind etwa 44 Prozent. Eine einzige Einstufung für die ganze Gattung gibt es nicht, die Rote Liste bewertet jede Art einzeln.
Die wichtigsten Gefahren:
- Überfischung und Wilderei: Wegen der hohen Preise werden Seeohren übermäßig gefangen und illegal gesammelt. In Südafrika haben kriminelle Banden, die oft mit dem Drogenhandel verbunden sind, die Bestände von Haliotis midae verwüstet. Auch in Australien und Neuseeland ist illegaler Fang ein großes Problem.
- Hitzewellen im Meer: 2011 tötete eine Hitzewelle im nördlichsten Teil des Verbreitungsgebiets von Haliotis roei in Westaustralien 99 Prozent der Tiere. Hitzewellen lassen außerdem die Algen absterben, von denen die Seeohren leben.
- Krankheiten: Hitzewellen im Meer verschlimmern Krankheiten bei Seeohren auf der ganzen Welt, zum Beispiel beim Schwarzen Seeohr in Kalifornien und Mexiko und bei H. tuberculata in Europa. In Kalifornien ist das Withering-Syndrom besonders gefährlich, eine tödliche Krankheit der Verdauungsorgane.
- Verschmutzung: Abwässer aus Landwirtschaft und Industrie führen zu schädlichen Algenblüten. Sie haben Haliotis mariae von der Arabischen Halbinsel in der Hälfte seines Verbreitungsgebiets ausgelöscht. Auch giftige Schiffsanstriche schaden den Schnecken.
Beispiel Weißes Seeohr: In Südkalifornien lebten früher Millionen Weiße Seeohren. Die Fischerei erreichte in den 1970er-Jahren ihren Höhepunkt. Seitdem ging die Zahl der Tiere um 99 Prozent zurück. Seit 1997 ist ihr Fang in Kalifornien verboten. 2001 wurde das Weiße Seeohr als erstes wirbelloses Meerestier in den USA nach dem Gesetz für gefährdete Arten unter Schutz gestellt. Heute züchten Forschende Weiße Seeohren und setzen die Jungtiere an der Küste aus, um die Art zu retten.
Was man tun kann: Der Leiter der IUCN-Bewertung, Howard Peters, rät, nur Seeohren aus Zucht oder aus nachhaltiger Fischerei zu essen. Außerdem müssen Fangquoten eingehalten und Wilderei bekämpft werden.
Häufige Fragen zu Seeohren
Warum heißen Seeohren so?
Weil ihre flache, ovale Schale an eine Ohrmuschel erinnert. Auch im Englischen nennt man sie manchmal „Sea Ear“, meist aber Abalone.
Wozu haben Seeohren Löcher in der Schale?
Die Löcher dienen zum Atmen. Das Seeohr pumpt Wasser über seine Kiemen und durch die Löcher wieder hinaus. Darüber gibt es auch Abfallstoffe sowie Eier oder Spermien ab.
Was fressen Seeohren?
Seeohren sind Pflanzenfresser. Sie fressen Algen auf den Felsen oder halten treibende Stücke von Seetang fest. Manche Arten fressen vor allem nachts.
Wie groß werden Seeohren?
Das hängt von der Art ab. Das Schwarzlippen-Seeohr aus Australien wird etwa 20 cm lang, das Rote Seeohr aus Kalifornien bis zu 30 cm.
Gibt es Seeohren in Deutschland?
In der freien Natur sind sie an den deutschen Küsten nicht zu erwarten. Die europäische Art Haliotis tuberculata lebt laut IUCN vom Ärmelkanal bis Nordwestafrika und im Mittelmeer, also weiter westlich und südlich. Sie gilt als gefährdet.
Sind Seeohren vom Aussterben bedroht?
Viele ja. 20 der 54 Arten, die die IUCN bewertet hat, sind vom Aussterben bedroht, darunter das Rote, das Schwarze und das Weiße Seeohr aus Kalifornien. Gründe sind Überfischung, Wilderei, Hitzewellen im Meer, Krankheiten und Verschmutzung.
Ähnliche Tiere
- Schnecke - Überblick über die Schnecken, zu denen die Seeohren gehören
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- Meeresnacktschnecke - Schnecken im Meer, die keine Schale haben
- Seeigel - ebenfalls Algenfresser auf felsigem Meeresgrund
- Austern - Muscheln, die wie Seeohren als Delikatesse gezüchtet werden
Quellen
- Human activity devastating marine species from mammals to corals - IUCN Red List (Pressemitteilung, 9. Dezember 2022)
- White Abalone - NOAA Fisheries
- Red Abalone - Cabrillo Marine Aquarium, Los Angeles
- Blacklip Abalone - Australian Museum
- Cook, P. A. (2023): Worldwide abalone production: an update. New Zealand Journal of Marine and Freshwater Research 59: 4-10
- Haliotis Linnaeus, 1758 - World Register of Marine Species (WoRMS)
Größenvergleich
Eine Seeohren erreicht eine Körpergröße von 20 bis 30 cm. Damit passt sie bequem zwischen eine 1-Euro-Münze (2,3 cm) und ein Kind (1,2 m) auf unserer Vergleichsskala. Das bedeutet: Die Seeohren ist etwa 11-mal so groß wie eine 1-Euro-Münze. Ein Kind wäre dagegen noch rund 5-mal so groß.